Arthrodese des Großzehengrundgelenks
Dauerhafte, schmerzfreie Versteifung des verschlissenen Gelenks bei fortgeschrittener Hallux-rigidus-Arthrose
Ziel der Arthrodese ist es, das durch Knorpelverschleiß schmerzhaft veränderte Großzehengrundgelenk dauerhaft und schmerzfrei in einer für das Abrollen des Fußes günstigen Stellung knöchern zu versteifen. Dadurch wird das Gelenk als Schmerzquelle vollständig ausgeschaltet. Diese Seite erklärt Ihnen, wie der Eingriff konkret abläuft und was in den Wochen danach auf Sie zukommt. Die Erkrankung selbst, die Diagnostik und die konservativen sowie gelenkerhaltenden Behandlungsmöglichkeiten finden Sie auf unserer Hallux-rigidus-Seite.
Termin vereinbarenDie Operation auf einen Blick
Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf kann abweichen.
Operationsdauer
Meist etwa 45–75 Minuten.
Narkose
Häufig eine periphere Nervenblockade des Fußes/Beins (Regionalanästhesie), oft mit leichter Sedierung; alternativ Vollnarkose.
Krankenhausaufenthalt
Meist kurzstationär, häufig mit ein bis wenigen Übernachtungen.
Mobilisation
In der Regel ab dem ersten Tag nach der Operation im Vorfußentlastungsschuh.
Belastung
Anfangs meist reduziert bzw. schrittweise im Vorfußentlastungsschuh, um die knöcherne Fusion nicht zu gefährden.
Vorfußentlastungsschuh
In der Regel für mehrere Wochen, bis die knöcherne Durchbauung ausreichend fortgeschritten ist.
Knöcherne Durchbauung
Die vollständige knöcherne Fusion des Gelenks ist üblicherweise nach mehreren Wochen erreicht und wird röntgenologisch kontrolliert.
Arbeitsunfähigkeit
Je nach Tätigkeit mehrere Wochen (überwiegend sitzend) bis mehrere Monate (stehende/gehende Tätigkeit).
Autofahren
Häufig erst nach mehreren Wochen möglich, abhängig vom operierten Fuß, Ihrem Auto und dem Heilungsverlauf.
Wie läuft die Operation ab?
Vorbereitung und Narkose
Sie werden in Rückenlage gelagert. Der Eingriff erfolgt häufig in einer peripheren Nervenblockade des Fußes oder Beins, oft kombiniert mit einer leichten Sedierung; alternativ ist auch eine Vollnarkose möglich. Während der Operation kommt meist eine Blutsperre am Bein zum Einsatz, um übersichtliche Sichtverhältnisse zu schaffen.
Zugang
Über einen Hautschnitt am Fußrücken über dem Großzehengrundgelenk wird das Gelenk freigelegt und dargestellt.
Der eigentliche Eingriff
Zunächst entfernt der Operateur den noch vorhandenen Restknorpel von beiden Gelenkflächen, dem Kopf des ersten Mittelfußknochens und der Grundphalanx der Großzehe –, bis tragfähiger, gut durchbluteter Knochen freiliegt. Anschließend werden die beiden Gelenkflächen in einer sorgfältig gewählten, funktionell günstigen Stellung zusammengeführt: in leichter Dorsalextension (leichtes Anheben der Zehe nach oben), damit das Abrollen des Fußes beim Gehen möglich bleibt. In dieser Position werden die Knochenflächen komprimiert und mit einer Platte und/oder Schrauben stabil fixiert, damit sie knöchern zusammenwachsen können.
Abschluss
Nach Kontrolle der Stellung und Fixierung, häufig mittels Röntgenbildwandler während der Operation, wird die Wunde schichtweise verschlossen. Es wird ein Verband angelegt und ein Vorfußentlastungsschuh angepasst, in dem Sie den Fuß in den ersten Wochen führen.
Womit wird das Gelenk fixiert?
Schraubenosteosynthese
Fixierung ausschließlich mit ein bis zwei Kompressionsschrauben. Kleinerer Zugang, bei guter Knochenqualität und stabilen Verhältnissen häufig ausreichend.
Plattenosteosynthese
Zusätzliche oder alleinige Fixierung mit einer dem Knochen angepassten Platte. Bietet meist eine höhere primäre Stabilität, etwa bei geringerer Knochenqualität oder größerem Korrekturbedarf.
Kombination aus Platte und Schrauben
Kombinierte Fixierung aus Kompressionsschraube und zusätzlicher Platte. In der Fußchirurgie ein häufig gewähltes, stabiles Vorgehen.
Gewählte Gelenkstellung
Unabhängig von der Fixierungsmethode wird das Gelenk stets in einer individuell festgelegten, leicht dorsalextendierten und meist leicht valgischen Stellung versteift, damit Abrollen und Schuhwerk gut möglich bleiben.
Welche Fixierungsmethode für Sie geeignet ist, legen wir anhand Ihres Röntgenbefunds, Ihrer Knochenqualität und der intraoperativen Situation gemeinsam fest. Das grundsätzliche Prinzip, Entfernung des Restknorpels, Einstellung der Position und stabile Fixierung bis zur knöchernen Fusion, ist bei allen Varianten gleich.
Was passiert unmittelbar nach der Operation?
Meist können Sie bereits am Operationstag oder am ersten Tag danach mit dem Vorfußentlastungsschuh aufstehen und erste Schritte gehen.
Ein Wundschmerz ist normal und wird gut mit Schmerzmitteln kontrolliert; konsequentes Hochlagern und Kühlen des Fußes in den ersten Tagen hilft, die Schwellung gering zu halten. Anders als bei rein umstellenden Eingriffen wird die Belastung im Vorfußentlastungsschuh in den ersten Wochen häufig bewusst reduziert bzw. nur schrittweise gesteigert, damit die knöcherne Fusion nicht gefährdet wird. Der stationäre Aufenthalt ist meist kurz und beschränkt sich häufig auf wenige Tage.
Physiotherapie ist in den ersten Wochen meist nicht erforderlich und wird bei Bedarf später zur Nachbehandlung ergänzt. Duschen ist je nach Verbandsart oft nach wenigen Tagen möglich. Eine Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung erfolgt üblicherweise nach etwa 12–14 Tagen. Regelmäßige Röntgenkontrollen begleiten den weiteren Heilungsverlauf und geben vor, wann die Belastung gesteigert werden kann.
Wie geht es zu Hause weiter?
- Erste Tage
Hochlagern, Kühlen, Vorfußentlastungsschuh
Der Fuß sollte möglichst oft hochgelagert und gekühlt werden, um die Schwellung zu begrenzen. Kurze Gehstrecken im Spezialschuh mit angepasster Belastung sind erwünscht, längeres Stehen sollte vermieden werden.
- Nach etwa 2 Wochen
Wundkontrolle und erste Belastungssteigerung
Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung. Je nach Röntgenbefund kann die Belastung im Vorfußentlastungsschuh schrittweise vorsichtig gesteigert werden.
- Nach mehreren Wochen
Fortschreitende knöcherne Durchbauung
Regelmäßige Röntgenkontrollen zeigen den Fortschritt der knöchernen Fusion und bestimmen das Tempo des weiteren Belastungsaufbaus im Vorfußentlastungsschuh.
- Nach abgeschlossener Durchbauung
Wechsel zu normalem Schuhwerk und weiterer Belastungsaufbau
Ist die knöcherne Fusion röntgenologisch ausreichend fortgeschritten, kann schrittweise auf normales, breites Schuhwerk umgestiegen und die Vollbelastung weiter aufgebaut werden.
- Langfristig
Anpassung an die versteifte Gelenkstellung
Restschwellung und Umstellung des Gangbilds können sich über mehrere Monate weiterentwickeln. Die Nachbargelenke von Fuß und Großzehe übernehmen zunehmend einen Teil der fehlenden Beweglichkeit beim Abrollen.
Wann kann ich wieder …?
Alle Angaben sind Orientierungswerte und hängen vom individuellen Heilungsverlauf ab.
Auto fahren
Abhängig davon, welcher Fuß operiert wurde, Ihrem Getriebe und dem Fortschritt der knöchernen Fusion.
Büroarbeit
Mit der Möglichkeit, den Fuß regelmäßig hochzulegen.
Stehende/gehende Tätigkeit
Abhängig vom Ausmaß der Steh- und Gehbelastung im Beruf und dem Fusionsfortschritt.
Normale Schuhe tragen
Zunächst breites, flaches Schuhwerk; der genaue Zeitpunkt wird anhand der Röntgenkontrollen festgelegt.
Absätze tragen
Durch die versteifte Gelenkstellung ist das Abrollen in hohen Absätzen auch langfristig meist nur eingeschränkt möglich.
Fahrrad fahren
Zunächst kurze Strecken auf ebenem Untergrund, nach Rücksprache anhand des Heilungsverlaufs.
Schwimmen
Nach Abschluss der Wundheilung, in Abstimmung mit dem Heilungsfortschritt.
Joggen
Nach abgeschlossener knöcherner Fusion und guter Belastbarkeit des Vorfußes, sofern individuell möglich.
Wandern / längere Spaziergänge
Gehstrecke und Tempo werden entsprechend dem Fusionsfortschritt schrittweise gesteigert.
Welche Ergebnisse kann ich erwarten?
Die Arthrodese gilt bei fortgeschrittener Hallux-rigidus-Arthrose als die zuverlässigste Methode, um den Schmerz dauerhaft zu lindern, da das erkrankte Gelenk als Schmerzquelle vollständig ausgeschaltet wird.
Da beide Gelenkflächen knöchern miteinander verbunden werden, ist die Beweglichkeit des Großzehengrundgelenks selbst danach dauerhaft aufgehoben. Dies ist der bewusst in Kauf genommene Kompromiss für die zuverlässige Schmerzfreiheit. Das Abrollen des Fußes beim Gehen bleibt bei den meisten Patienten dennoch gut möglich, da die Nachbargelenke, insbesondere das Endgelenk der Großzehe und die Gelenke der Fußwurzel, einen Teil der fehlenden Bewegung ausgleichen.
Wie gut Sie sich im Alltag an die versteifte Gelenkstellung gewöhnen, hängt unter anderem von der gewählten Fixierungsstellung, Ihrem Aktivitätsniveau und Ihrem Schuhwerk ab. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, die individuelle Prognose besprechen wir mit Ihnen anhand Ihres Befunds.
Welche Risiken bestehen?
Allgemeine Operationsrisiken
Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion und Narkoserisiken. Das Thromboserisiko ist bei diesem Eingriff insgesamt gering, kann aber je nach individuellem Risikoprofil eine vorübergehende medikamentöse Prophylaxe erforderlich machen.
Spezifische Risiken dieser Operation
Die wichtigste spezifische Komplikation ist eine verzögerte oder ausbleibende knöcherne Durchbauung (Pseudarthrose): Die beiden Gelenkflächen wachsen dann nicht oder nur unvollständig zusammen, was gegebenenfalls eine erneute Operation erforderlich machen kann. Die eingebrachten Schrauben oder die Platte können in Einzelfällen zu einer Reizung des umgebenden Gewebes führen und bei Druckempfindlichkeit später in einem kleinen Zweiteingriff entfernt werden. Eine vorübergehende Schwellung und ein verändertes Gangbild in der Anfangsphase sind normal.
Langfristige Risiken
Da die Bewegung im Großzehengrundgelenk dauerhaft aufgehoben ist, übernehmen die Nachbargelenke, etwa das Endgelenk der Großzehe oder Gelenke der Fußwurzel, im Alltag einen Teil der fehlenden Beweglichkeit. Im Langzeitverlauf kann dies zu einer vermehrten Belastung dieser Nachbargelenke und in der Folge zu einer dort auftretenden Arthroseentwicklung führen.
Worauf sollten Sie nach der Operation achten?
Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden
- Fieber
- Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
- Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
- Neu auftretende oder zunehmende Taubheit oder Kribbeln am Zeh
- Verrutschen des Verbands mit sichtbar veränderter Zehenstellung
- Schwellung, Schmerz oder Überwärmung der Wade (mögliches Zeichen einer Thrombose)
- Atemnot
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.
Arthrodese des Großzehengrundgelenks bei MedArtes
Ob bei Ihrem Hallux rigidus eine gelenkerhaltende Cheilektomie noch infrage kommt oder bereits eine Versteifung des Gelenks sinnvoll ist, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, der klinischen Untersuchung und Ihres Röntgenbefunds. Als Fußzentrum Ostbayern der Deutschen Assoziation für Fuß und Sprunggelenk e.V. (D.A.F.) besprechen wir mit Ihnen gemeinsam, welches Vorgehen für Ihren individuellen Befund geeignet ist, und begleiten Sie durch Operation und Nachbehandlung.
Ihre Spezialisten für Fuß & Sprunggelenk
Häufig gestellte Fragen zur Arthrodese des Großzehengrundgelenks
Kann ich nach der Versteifung noch normal gehen?
Ja. Auch wenn die Beweglichkeit im Großzehengrundgelenk selbst aufgehoben ist, gleichen die Nachbargelenke einen Teil des fehlenden Abrollens aus, sodass die meisten Patienten im Alltag gut zurechtkommen.
Bleibt die Großzehe komplett steif?
Das Großzehengrundgelenk selbst wird bewusst versteift und bleibt dauerhaft unbeweglich. Das Endgelenk der Großzehe, das die Zehenspitze bewegt, ist von der Versteifung nicht betroffen und bleibt beweglich.
Was passiert, wenn der Knochen nicht zusammenwächst (Pseudarthrose)?
Wächst das Gelenk trotz Fixierung nicht oder nur unvollständig knöchern durch, spricht man von einer Pseudarthrose. Je nach Beschwerden und Befund kann dann eine erneute Operation mit erneuter Fixierung sinnvoll sein.
Muss das eingesetzte Material später entfernt werden?
In der Regel nicht. Platten und Schrauben verbleiben dauerhaft im Knochen und verursachen üblicherweise keine Beschwerden. Nur bei störender Druckempfindlichkeit im Einzelfall kann eine spätere Entfernung sinnvoll sein.
Wie lange bin ich krankgeschrieben?
Das hängt stark von Ihrer beruflichen Tätigkeit und dem Fortschritt der knöchernen Fusion ab: Bei überwiegend sitzender Tätigkeit sind oft nach wenigen Wochen wieder Arbeitstage möglich, bei stehender oder gehender Tätigkeit kann es mehrere Monate dauern.
Kann ich nach der Operation noch hohe Schuhe oder Absätze tragen?
Durch die versteifte Gelenkstellung ist das Abrollen in höheren Absätzen dauerhaft eingeschränkt. Flaches bis moderat hohes, bequemes Schuhwerk ist in der Regel gut möglich.
Was ist der Unterschied zur Cheilektomie?
Bei der Cheilektomie werden lediglich störende Knochenanbauten entfernt, das Gelenk selbst bleibt beweglich, geeignet bei noch vorhandenem Restknorpel in früheren Stadien. Die Arthrodese versteift das Gelenk vollständig und kommt bei fortgeschrittenem, weitgehend aufgebrauchtem Gelenkknorpel zum Einsatz, wenn eine gelenkerhaltende Behandlung keine ausreichende Schmerzlinderung mehr erwarten lässt.
Kann ich nach der Versteifung noch Sport treiben?
Gelenkschonende Aktivitäten wie Schwimmen, Radfahren oder Wandern sind für viele Patienten nach abgeschlossener Heilung wieder möglich. Sportarten mit starker, wiederholter Abstoßbewegung über die Großzehe können durch die versteifte Gelenkstellung eingeschränkt sein.
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