Hüfte, Beschwerden verstehen und gezielt behandeln
Leistenschmerzen, ein Ziehen beim Gehen oder eine zunehmende Bewegungseinschränkung, Beschwerden an der Hüfte äußern sich sehr unterschiedlich und betreffen Menschen jeden Alters, vom Säugling bis zum älteren Erwachsenen. Auf dieser Seite erfahren Sie, welche Beschwerden häufig sind, was dahinterstecken kann und welche Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
Termin vereinbarenStrukturen des Hüftgelenks
Das Hüftgelenk besteht aus mehreren Strukturen, die jeweils unterschiedliche Beschwerden verursachen können.

Erster SchrittWelche Beschwerden haben Sie?
Leistenschmerzen
Schmerzen in der Leiste sind das typischste Zeichen einer Erkrankung des Hüftgelenks selbst, oft verstärkt bei Belastung oder bestimmten Bewegungen.
Mögliche Ursachen: Hüftarthrose, Hüftimpingement, Labrumriss, Hüftdysplasie.
Anlaufschmerz beim Gehen
Schmerzen zu Beginn einer Bewegung nach längerem Sitzen oder morgens, die sich nach kurzer Bewegung häufig bessern.
Mögliche Ursachen: Hüftarthrose, beginnender Gelenkverschleiß.
Schmerzen in Ruhe oder nachts
Schmerzen, die auch ohne Belastung auftreten oder den Schlaf stören, deuten häufig auf ein fortgeschritteneres Beschwerdebild hin.
Mögliche Ursachen: fortgeschrittene Hüftarthrose, Bursitis trochanterica.
Ausstrahlender Schmerz ins Bein oder Knie
Hüftbeschwerden strahlen häufig entlang der Oberschenkelvorderseite bis ins Knie aus, was leicht mit einem Knieproblem verwechselt werden kann.
Mögliche Ursachen: Hüftarthrose, Hüftimpingement.
Bewegungseinschränkung
Schwierigkeiten beim Schuhe binden, Socken anziehen oder Bein übereinanderschlagen deuten auf eine eingeschränkte Beweglichkeit des Hüftgelenks hin.
Mögliche Ursachen: Hüftarthrose, Hüftimpingement.
Schmerzen beim Aufstehen aus dem Sitzen
Ein stechender oder ziehender Schmerz beim Übergang vom Sitzen zum Stehen, der sich nach wenigen Schritten oft bessert.
Mögliche Ursachen: Hüftarthrose, Bursitis trochanterica.
Schnappen oder Knacken im Hüftgelenk
Ein spürbares oder hörbares Schnappen, meist an der Außenseite der Hüfte, häufig bei bestimmten Bewegungen wie Treppensteigen.
Mögliche Ursachen: schnappende Hüfte (Coxa saltans), Labrumriss.
Hüftreifungsstörung beim Baby
Eine beim Neugeborenen-Screening festgestellte Reifungsverzögerung der Hüftpfanne betrifft Säuglinge und erfordert eine frühzeitige, meist konservative Behandlung.
Mögliche Ursachen: Hüftdysplasie.
OrientierungWann sollten Sie zum Spezialisten?
Eine fachärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn:
- Beschwerden länger als einige Wochen anhalten,
- Schmerzen wiederholt auftreten,
- die Beweglichkeit zunehmend eingeschränkt ist,
- die Gehstrecke oder Belastbarkeit abnimmt,
- Schmerzen auch nachts auftreten,
- beim Neugeborenen-Screening eine Auffälligkeit der Hüfte festgestellt wurde,
- ein wiederholtes Schnappen oder Blockadegefühl in der Hüfte besteht.
Diagnosen im ÜberblickHäufige Krankheitsbilder
- Hüftarthrose (Coxarthrose)
- Trochanterschmerzsyndrom
- Hüftimpingement (FAI)
- Labrumläsion
- Hüftdysplasie
- Glutealsehnen-Tendinopathie
- Hüftkopfnekrose
- Iliopsoas-Syndrom
- Schnappende Hüfte (Coxa saltans)
- Adduktorentendinopathie
- Bursitis trochanterica
- Osteochondrosis dissecans / Knorpelschaden
- Hüftgelenksentzündung (Coxitis)
- Epiphysiolysis capitis femoris
- Morbus Perthes
Wie finden wir die Ursache Ihrer Beschwerden?
Am Anfang steht immer ein ausführliches ärztliches Gespräch und eine klinische Untersuchung mit Prüfung von Beweglichkeit und gezielten Impingement-Tests, oft lässt sich hierdurch bereits eine gute Einschätzung treffen.
Seit wann bestehen die Beschwerden, wo genau tut es weh, wodurch werden sie besser oder schlechter? Je nach Fragestellung kommen bildgebende Verfahren hinzu:
- Röntgen zeigt Gelenkspalt, Form von Hüftkopf und Hüftpfanne sowie Verschleißzeichen.
- Ultraschall wird insbesondere beim Neugeborenen-Hüftscreening sowie zur Beurteilung von Weichteilen und Schleimbeuteln eingesetzt.
- MRT stellt Knorpel, Labrum und Weichteile besonders detailliert dar.
- CT wird in Einzelfällen gezielt zur genauen Beurteilung der knöchernen Form eingesetzt, etwa zur OP-Planung.
Nicht jede Untersuchung ist bei jedem Patienten notwendig. Welche diagnostischen Schritte sinnvoll sind, richtet sich nach Ihren Beschwerden, dem Untersuchungsbefund, dem Alter und der konkreten Fragestellung, nicht danach, möglichst viel Diagnostik durchzuführen.
Ohne OperationKonservative Behandlungsmöglichkeiten
Konservative Verfahren
Physiotherapie & medizinische Trainingstherapie
Gezielter Aufbau der hüftumgebenden Muskulatur zur Entlastung, Stabilisierung und Verbesserung der Beweglichkeit.
Spreizhosenbehandlung beim Säugling
Bei Hüftdysplasie im Säuglingsalter die zentrale, meist sehr erfolgreiche konservative Behandlung zur Nachreifung der Hüftpfanne.
Manuelle Therapie
Gezielte, durch geschulte Hände ausgeführte Techniken zur Verbesserung von Beweglichkeit und Schmerzlinderung.
Gewichtsmanagement
Eine Reduktion der Gelenkbelastung kann Beschwerden bei Arthrose spürbar lindern.
Medikamentöse Schmerztherapie
Kurzfristig eingesetzt, um akute Beschwerden zu lindern und Bewegung wieder zu ermöglichen.
Stoßwellentherapie
Kann ergänzend bei Sehnenreizungen rund um die Hüfte, etwa bei Bursitis trochanterica, eingesetzt werden.
Mehr über die Stoßwellentherapie erfahren →Interventionelle Schmerztherapie
Hüftgelenksinfiltration
Gezielte, bildgesteuerte Injektion in das Hüftgelenk, etwa mit Kortison oder Hyaluronsäure, bei Arthrose oder Impingement.
Mehr über die interventionelle Schmerztherapie erfahren →Sinnvolle BehandlungsoptionInfiltration am Trochanter (Bursa)
Injektion an den gereizten Schleimbeutel an der Außenseite der Hüfte.
Mehr über die interventionelle Schmerztherapie erfahren →Ergänzende TherapiePRP-Therapie (Eigenbluttherapie)
Injektion körpereigener, thrombozytenreicher Plasmabestandteile zur Unterstützung der Heilungsprozesse.
Mehr über die PRP-Therapie erfahren →Wenn nötigOperative Behandlungsmöglichkeiten
Operationsverfahren
Hüft-TEP minimalinvasiv über MicroHip-Zugang
Muskelschonender Zugang für den vollständigen Hüftgelenkersatz bei fortgeschrittener Arthrose.
Mehr über die Hüft-TEP über den MicroHip-Zugang erfahren →Wechseloperation der Hüfte
Austausch einer bestehenden Hüftprothese bei aseptischer Lockerung oder Verschleiß des Implantats.
Mehr über die Wechseloperation der Hüfte erfahren →Septischer Hüft-TEP-Wechsel (Protheseninfekt-OP)
Operative Sanierung einer periprothetischen Infektion, meist in einem zweizeitigen Vorgehen mit antibiotikahaltigem Platzhalter und gezielter Antibiotikatherapie.
Mehr über den septischen Hüft-TEP-Wechsel erfahren →Umstellungsosteotomie am proximalen Femur
Gelenkerhaltende Korrektur einer Fehlstellung von Hüftkopf oder Schenkelhals zur Verbesserung der Gelenkmechanik.
Mehr über die Umstellungsosteotomie am Femur erfahren →Gelenkserhaltende Hüftumformung (offene Arthroplastie)
Offene, sichere chirurgische Hüftluxation zur Korrektur komplexer Formstörungen unter direkter Sicht.
Mehr über die gelenkserhaltende Hüftumformung erfahren →Offene Labrumrefixation
Operative Wiederanheftung eines gerissenen Labrums, wenn eine arthroskopische Versorgung nicht ausreicht.
Mehr über die offene Labrumrefixation erfahren →Periazetabuläre Osteotomie (PAO) nach Ganz
Gelenkerhaltende Umstellung der Hüftpfanne bei Dysplasie im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter.
Mehr über die periazetabuläre Osteotomie erfahren →Hüftkopfanbohrung (Core Dekompression) mit Ilomedintherapie
Druckentlastung des Hüftkopfes bei früher Hüftkopfnekrose, kombiniert mit durchblutungsfördernder Infusionstherapie.
Mehr über die Hüftkopfanbohrung erfahren →Bursektomie / Traktusverlängerung
Entfernung des chronisch entzündeten Schleimbeutels und/oder Verlängerung des Tractus iliotibialis bei therapieresistentem Trochanterschmerzsyndrom.
Mehr über die Bursektomie und Traktusverlängerung erfahren →Radiofrequenzdenervation der Bursa trochanterica
Minimalinvasive, gezielte Ausschaltung schmerzleitender Nervenäste bei chronischem, therapieresistentem Trochanterschmerzsyndrom.
Mehr über die Radiofrequenzdenervation erfahren →Offene Hüfteinstellung
Operative Wiedereinstellung des Hüftkopfes über einen offenen Zugang, insbesondere bei Osteochondrosis dissecans der Hüfte.
Mehr über die offene Hüfteinstellung erfahren →Verschraubung bei Epiphysiolyse
Operative Stabilisierung der Wachstumsfuge mit einer Schraube bei Epiphysiolysis capitis femoris, um ein weiteres Abrutschen des Hüftkopfes zu verhindern.
Mehr über die Verschraubung bei Epiphysiolyse erfahren →Warum Ihr Gelenk bei MedArtes
Wann ist rasche medizinische Abklärung notwendig?
Bei diesen Anzeichen sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen
Die meisten Hüftschmerzen sind nicht gefährlich. In seltenen Fällen deuten bestimmte Begleitsymptome jedoch auf eine ernsthafte Ursache hin, die zeitnah abgeklärt werden sollte:
- Plötzliche, starke Hüftschmerzen nach einem Sturz mit Unfähigkeit, das Bein zu belasten (Verdacht auf einen Bruch, besonders bei älteren Patienten)
- Fieber zusammen mit Hüftschmerzen und Bewegungseinschränkung (möglicher Hinweis auf eine Gelenkinfektion)
- Akute Schonhaltung mit Fieber bei einem Kleinkind (bei Kindern ist eine Gelenkinfektion der Hüfte ein Notfall)
- Unerklärlicher Gewichtsverlust in Verbindung mit anhaltenden Hüftschmerzen
Treten eines oder mehrere dieser Anzeichen auf, sollte umgehend, bei Verdacht auf eine Gelenkinfektion, besonders bei Kindern, notfallmäßig, eine ärztliche Untersuchung erfolgen.
Ihre Spezialisten für die Hüfte
Dr. med. Sven Hartmann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
PD Dr. med. Dipl.-Ing. Florian Völlner
Prof. Dr. med. Dr. med. univ. Günther Maderbacher, MHBA
Prof. Dr. med. Franz Xaver Köck
Häufig gestellte Fragen zur Hüfte
Wann sollte ich mit Hüftschmerzen zum Orthopäden?
Halten Leisten- oder Hüftschmerzen länger als einige Wochen an, kehren sie immer wieder oder schränken sie die Beweglichkeit zunehmend ein, ist eine fachärztliche Abklärung sinnvoll. Auch bei Schmerzen nach einem Sturz oder bei Fieber mit Hüftschmerzen sollte zeitnah untersucht werden.
Was ist ein Hüftimpingement?
Beim Hüftimpingement schlägt der Hüftkopf bei bestimmten Bewegungen knöchern an der Hüftpfanne an. Das kann zu Leistenschmerzen und im Verlauf zu einer Schädigung des Labrums oder des Knorpels führen. Behandelt wird zunächst meist konservativ, bei anhaltenden Beschwerden auch gelenkerhaltend operativ.
Ist Hüftarthrose immer eine Operation?
Nein. Am Anfang stehen meist Physiotherapie, Trainingstherapie und Gewichtsmanagement. Erst wenn diese Maßnahmen nicht mehr ausreichend helfen und die Lebensqualität deutlich eingeschränkt ist, kommt eine Operation, etwa eine Hüft-TEP, infrage.
Was bedeutet Hüftdysplasie beim Baby?
Bei einer Hüftdysplasie ist die Hüftpfanne noch nicht vollständig ausgereift. Sie wird beim Neugeborenen-Screening per Ultraschall erkannt und meist erfolgreich mit einer Spreizhose behandelt. Unbehandelt kann sie im späteren Leben zu einer frühzeitigen Hüftarthrose führen.
Wie erkenne ich einen Labrumriss?
Typisch sind Leistenschmerzen, teils mit einem Schnapp- oder Blockadegefühl, verstärkt bei Drehbewegungen oder tiefer Hüftbeugung. Eine sichere Diagnose ist aber nur durch eine klinische Untersuchung und in der Regel eine MRT möglich.
Was hilft bei schnappender Hüfte?
Meist reichen Physiotherapie und ein gezieltes Dehn- und Kräftigungsprogramm aus. Nur bei anhaltenden, störenden Beschwerden wird in seltenen Fällen eine operative Behandlung erwogen.
Wann ist eine Hüft-TEP sinnvoll?
Eine Hüft-Totalendoprothese wird erwogen, wenn eine fortgeschrittene Arthrose trotz konservativer und interventioneller Behandlung zu erheblichen Schmerzen und einer spürbaren Einschränkung der Lebensqualität führt.
Welche Warnzeichen bei Hüftschmerzen sollte ich ernst nehmen?
Starke Schmerzen mit Belastungsunfähigkeit nach einem Sturz, Fieber mit Hüftschmerzen sowie eine akute Schonhaltung mit Fieber bei einem Kleinkind sind Anzeichen, die zeitnah bzw. notfallmäßig ärztlich abgeklärt werden sollten.
Beschwerden abklären lassen
Wenn Ihre Beschwerden anhalten oder Sie eine spezialisierte Einschätzung wünschen, vereinbaren Sie gerne einen Termin in unserer Sprechstunde.
