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Krankheitsbild · Fuß & Sprunggelenk

Sprunggelenksdistorsion

Bei einer Sprunggelenksdistorsion, umgangssprachlich „verstauchter Knöchel", knicken Sie meist mit dem Fuß nach außen um, wodurch die Bänder am Außenknöchel überdehnt oder teilweise beziehungsweise vollständig einreißen. Typisch sind eine rasch einsetzende Schwellung, ein Bluterguss und Schmerzen beim Auftreten. Die weit überwiegende Mehrheit dieser Verletzungen wird konservativ, das heißt ohne Operation, funktionell behandelt. Wir erklären, woran Sie eine Distorsion erkennen, wann geröntgt werden sollte und wie die Behandlung abläuft.

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Beschwerdebild & Hintergrund

Typische Symptome

Unmittelbar nach dem Umknicken treten meist ein stechender Schmerz am Außenknöchel sowie rasch eine Schwellung auf.

Sprunggelenksdistorsion (Symbolbild)

Innerhalb weniger Stunden bildet sich häufig zusätzlich ein Bluterguss (Hämatom), der sich über den Außenknöchel bis in den Fußrücken ausbreiten kann. Das Auftreten und Abrollen des Fußes ist schmerzhaft und oft nur eingeschränkt möglich, in ausgeprägteren Fällen ist eine Vollbelastung zunächst kaum machbar. Der Außenknöchel selbst ist meist deutlich druckschmerzhaft, teils auch die umliegenden Bandstrukturen.

Wie stark die Beschwerden ausfallen, hängt vom Ausmaß der Bandverletzung ab: Von einer leichten Überdehnung der Bänder über einen Teileinriss bis zu einem vollständigen Bandriss ist das gesamte Spektrum möglich, äußerlich lässt sich der Schweregrad allein anhand von Schwellung und Schmerz nicht zuverlässig einschätzen, weshalb die klinische Untersuchung wichtig ist.

Was steckt dahinter?

Der Verletzungsmechanismus

Beim typischen Umknicktrauma kippt der Fuß ruckartig nach außen, während sich das Sprunggelenk gleichzeitig streckt (Supinations-Inversions-Trauma). Dabei werden vor allem die Außenbänder des oberen Sprunggelenks belastet, in erster Linie das vordere Außenband (Ligamentum fibulotalare anterius), seltener zusätzlich das Fersenbein-Wadenbein-Band (Ligamentum fibulocalcaneare). Je nach einwirkender Kraft reicht das Ausmaß von einer Überdehnung über einen Teileinriss bis zum vollständigen Bandriss.

Ursachen und Risikofaktoren

Sprunggelenksdistorsionen zählen zu den häufigsten Sportverletzungen und entstehen typischerweise durch:

  • Umknicken beim Laufen, Springen oder Landen, etwa beim Fußball, Basketball oder Volleyball
  • Unebenen oder unsicheren Untergrund, zum Beispiel beim Wandern oder Gehen auf Kopfsteinpflaster
  • Bereits vorausgegangene Bandverletzungen des Sprunggelenks, die das erneute Umknicken begünstigen können
  • Eine vorbestehende Instabilität oder muskuläre Schwäche rund um das Sprunggelenk

Wer bereits mehrfach umgeknickt ist, hat ein erhöhtes Risiko für weitere Distorsionen und für eine sich entwickelnde chronische Instabilität.

Sprunggelenksdistorsion (Symbolbild)
Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

Was ist es?
Eine akute Verletzung der Außenbänder des oberen Sprunggelenks durch Umknicken, meist nach außen (Supinationstrauma).
Typische Beschwerden
Schwellung, Bluterguss und Druckschmerz am Außenknöchel sowie Schmerzen beim Auftreten und Abrollen.
Diagnostik
Klinische Untersuchung und Stabilitätsprüfung; die Ottawa Ankle Rules helfen zu entscheiden, ob ein Röntgen zum Frakturausschluss nötig ist.
Behandlung
Ganz überwiegend konservativ und funktionell: PECH-Schema in der Akutphase, danach Orthese oder Tape und gezielte Physiotherapie.
Operation notwendig?
In der Akutphase praktisch nie. Eine Operation kommt allenfalls bei chronischer, therapieresistenter Instabilität infrage.
Prognose
Mit konsequenter funktioneller Therapie heilen die meisten Distorsionen gut aus. Unzureichend austherapierte oder wiederholte Verletzungen können eine chronische Instabilität begünstigen.
Untersuchung

Wie finden wir die Ursache?

Anamnese, körperliche Untersuchung und gezielte Bildgebung. Mehr erfahren

Anamnese und klinische Untersuchung

Wichtig sind zunächst der Unfallhergang (Richtung des Umknickens, einwirkende Kraft, Sportart), der Zeitpunkt der Verletzung sowie frühere Distorsionen desselben Sprunggelenks. Bei der körperlichen Untersuchung werden Schwellung, Bluterguss und die genaue Lokalisation des Druckschmerzes erfasst. Zur Beurteilung der Bandstabilität werden gezielte Zusatztests eingesetzt, etwa der vordere Schubladentest und der Aufklapptest (Talar-Tilt-Test), mit denen sich eine relevante Bandinstabilität von einer reinen Überdehnung abgrenzen lässt.

Ottawa Ankle Rules, wann ist ein Röntgen nötig?

Die Ottawa Ankle Rules sind ein etabliertes, gut untersuchtes klinisches Entscheidungsinstrument, das dabei hilft, unnötige Röntgenaufnahmen nach einem Umknicktrauma zu vermeiden. Ein Röntgen des Sprunggelenks wird danach empfohlen, wenn Schmerzen im Bereich der Knöchel bestehen und zusätzlich mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt ist: Druckschmerz am Knochen über der hinteren Kante oder Spitze des Außen- oder Innenknöchels, oder die Unfähigkeit, sowohl unmittelbar nach der Verletzung als auch bei der Untersuchung vier Schritte zu gehen. Ergänzend gibt es entsprechende Kriterien für den Mittelfußbereich (Druckschmerz am Kahnbein oder an der Basis des fünften Mittelfußknochens). Sind alle Kriterien unauffällig, ist eine relevante Fraktur unwahrscheinlich und ein Röntgen in der Regel nicht erforderlich.

Weitere Bildgebung

Eine Kernspintomografie (MRT) ist bei einer frischen, unkomplizierten Distorsion in aller Regel nicht notwendig. Sie kann in Einzelfällen sinnvoll sein, etwa bei unklarer anhaltender Instabilität, Verdacht auf eine begleitende Knorpel- oder Sehnenverletzung, oder im Rahmen der Abklärung einer bereits chronischen Instabilität.

Ohne Operation

Konservative Behandlung

Konservative, interventionelle und regenerative Verfahren im Überblick. Mehr erfahren

Die meisten Beschwerden an Fuß und Sprunggelenk lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.

Klassische Schmerztherapie und Physiotherapie

Zur konservativen Therapie nutzen wir die orale Schmerzmedikation und Physiotherapie als Basis zur Verbesserung Ihrer Beschwerden.

Sinnvolle Behandlungsoption

Medikamentöse Schmerztherapie

Kurzfristig eingesetzt, um akute Beschwerden zu lindern und Bewegung wieder zu ermöglichen.

Gut etablierte Therapie

Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie

Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung, unter therapeutischer Anleitung strukturiert aufgebaut.

Gut etablierte Therapie

PECH-Schema in der Akutphase

Pause, Eis, Compression und Hochlagern in den ersten ein bis zwei Tagen reduzieren Schwellung und Schmerz und schaffen die Grundlage für die anschließende funktionelle Therapie.

Gut etablierte Therapie

Funktionelle Behandlung mit Orthese oder Tape

Eine stabilisierende Sprunggelenksorthese oder ein funktioneller Tapeverband ermöglicht eine frühzeitige, kontrollierte Belastung bei gleichzeitigem Schutz vor erneutem Umknicken. Dieses Vorgehen gilt einer starren, mehrwöchigen Gipsruhigstellung als überlegen.

Sinnvolle Behandlungsoption

Kurzzeitige Teilentlastung bei schweren Bandverletzungen

Bei stark ausgeprägter Schwellung oder Instabilität kann für wenige Tage eine Gehstütze oder ein kurzfristig stärker stabilisierendes Hilfsmittel sinnvoll sein, bevor auf eine funktionelle Orthese übergegangen wird.

Warnzeichen

Wann rasch zum Arzt?

Diese Zeichen sprechen für einen möglichen Knochenbruch

Nicht jede Distorsion muss sofort ärztlich untersucht werden. In folgenden Situationen sollten Sie den Fuß aber zeitnah abklären lassen, da sie, entsprechend den sogenannten Ottawa Ankle Rules, einem etablierten klinischen Entscheidungsinstrument, auf einen möglichen Knochenbruch statt einer reinen Bandverletzung hindeuten können:

  • Sie können unmittelbar nach der Verletzung und auch bei der Untersuchung nicht mindestens vier Schritte mit dem betroffenen Fuß belasten
  • Deutlicher Druckschmerz direkt über dem Knochen am Außen- oder Innenknöchel, nicht nur über den Bändern
  • Druckschmerz am Knochen im Bereich des Mittelfußaußenrands oder des Fußwurzelknochens (Kahnbein)
  • Sichtbare Fehlstellung des Sprunggelenks
  • Ein blasser, kalter oder taubes Fuß beziehungsweise fehlender Puls, Hinweis auf eine Durchblutungs- oder Nervenstörung
  • Eine offene Wunde im Bereich der Verletzung

Besteht der Verdacht auf einen Bruch, wird geröntgt und die weitere Abklärung richtet sich nach dem Befund, mehr dazu auf unserer Seite zur Sprunggelenksfraktur.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen

Muss nach jedem Umknicken geröntgt werden?

Nein. Anhand der Ottawa Ankle Rules, etwa Druckschmerz direkt am Knochen oder der Unfähigkeit, mehrere Schritte zu gehen, lässt sich klinisch gut einschätzen, ob ein relevantes Bruchrisiko besteht. Sind diese Kriterien unauffällig, ist ein Röntgen meist nicht erforderlich.

Muss ein gerissenes Außenband operiert werden?

In der Akutphase praktisch nie. Auch ein vollständiger Bandriss wird ganz überwiegend konservativ und funktionell behandelt und heilt dabei in den meisten Fällen gut aus.

Wie lange sollte ich die Orthese tragen?

Das hängt vom Schweregrad der Bandverletzung und dem individuellen Heilungsverlauf ab und wird typischerweise über mehrere Wochen geplant, insbesondere für sportliche Belastungen. Die genaue Dauer legt Ihr behandelnder Arzt fest.

Darf ich mit dem verletzten Fuß auftreten?

Sofern kein Verdacht auf einen Knochenbruch besteht, wird eine vorsichtige, schmerzadaptierte Belastung in der Regel früh empfohlen, meist mit stabilisierender Orthese. Eine vollständige, langwierige Schonung ist bei den meisten Distorsionen nicht sinnvoll.

Wann kann ich wieder Sport treiben?

Erst wenn Schwellung und Schmerz weitgehend abgeklungen sind und Koordination sowie muskuläre Stabilität ausreichend wiederhergestellt sind. Bei Sportarten mit Richtungswechseln oder Sprüngen ist propriozeptives Training vorab besonders wichtig.

Wie lange sollte ich das PECH-Schema anwenden?

PECH (Pause, Eis, Compression, Hochlagern) ist vor allem in den ersten ein bis zwei Tagen nach der Verletzung sinnvoll. Danach steht die schrittweise, funktionelle Belastung im Vordergrund.

Kann ich wieder umknicken, obwohl ich schon einmal eine Distorsion hatte?

Ja, das Risiko für ein erneutes Umknicken ist nach einer vorausgegangenen Distorsion erhöht, besonders wenn die propriozeptive Nachbehandlung nicht vollständig durchgeführt wurde. Gezieltes Koordinationstraining kann dieses Risiko senken.

Woran erkenne ich, dass sich eine chronische Instabilität entwickelt?

Typisch sind ein wiederholtes, unerwartetes Wegknicken des Sprunggelenks im Alltag oder Sport sowie ein anhaltendes Unsicherheitsgefühl, auch Monate nach der ursprünglichen Verletzung. In diesem Fall sollte eine gezielte Abklärung erfolgen.