Zum Inhalt springen
Krankheitsbild · Hüfte

Hüftgelenksentzündung (Coxitis)

Als Coxitis wird eine Entzündung des Hüftgelenks bezeichnet, die möglichen Ursachen reichen von einer meist harmlosen, vorübergehenden Reizung bei Kindern über eine rheumatisch-entzündliche Erkrankung bis hin zu einer bakteriellen Infektion, die einen medizinischen Notfall darstellt. Da sich diese Formen im Beschwerdebild ähneln, aber völlig unterschiedlich behandelt werden, ist eine sorgfältige und zügige ärztliche Abklärung entscheidend.

Termin vereinbaren
Beschwerdebild & Hintergrund

Typische Symptome

Bei Kindern

Kinder mit einer Hüftgelenksentzündung klagen typischerweise über Schmerzen in der Leiste, im Oberschenkel oder auch im Knie und zeigen häufig ein Schonhinken. Kleinere Kinder verweigern mitunter das Laufen ganz. Bei der harmlosen Coxitis fugax tritt dies oft im Anschluss an einen grippalen Infekt auf, meist bei ansonsten gutem Allgemeinzustand.

Bei Jugendlichen und Erwachsenen

Auch bei Jugendlichen und Erwachsenen äußert sich eine Coxitis durch Bewegungsschmerz, eine eingeschränkte Beweglichkeit des Hüftgelenks und teils einen tastbaren Erguss. Im Rahmen einer entzündlich-rheumatischen Grunderkrankung können zusätzlich Beschwerden an anderen Gelenken oder eine allgemeine Krankheitsaktivität bestehen.

Hüftgelenksentzündung (Coxitis) (Symbolbild)

Was steckt dahinter?

Bakterielle (septische) Coxitis

Hierbei gelangen Bakterien in das Hüftgelenk und lösen eine akute Infektion aus. Diese Form kann in jedem Lebensalter auftreten, ist aber bei kleinen Kindern besonders relevant, da das Gelenk durch die Entzündungsreaktion rasch geschädigt werden kann. Sie stellt einen orthopädischen Notfall dar.

Reaktive beziehungsweise entzündlich-rheumatische Coxitis

Hier reagiert das Immunsystem entzündlich auf eine vorausgegangene Infektion oder im Rahmen einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung, etwa einer Spondyloarthritis. Das Hüftgelenk ist dabei mitbetroffen, ohne dass Bakterien direkt im Gelenk nachweisbar sind.

Coxitis fugax ("Hüftschnupfen")

Die mit Abstand häufigste Ursache von Hüftschmerzen im Kindesalter ist die Coxitis fugax, eine vorübergehende, meist harmlose Reizung des Hüftgelenks, die häufig einige Tage nach einem viralen Infekt der oberen Atemwege auftritt. Sie klingt in aller Regel innerhalb weniger Tage folgenlos wieder ab.

Hüftgelenksentzündung (Coxitis) (Symbolbild)
Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

Was ist es?
Eine Entzündung des Hüftgelenks mit sehr unterschiedlichen möglichen Ursachen und Verläufen.
Wichtigste Formen
Bakteriell-septisch (Notfall), reaktiv-rheumatisch sowie der meist harmlose "Hüftschnupfen" (Coxitis fugax) bei Kindern.
Symptome
Hüft-, Leisten- oder Oberschenkelschmerz, Bewegungseinschränkung, bei Kindern häufig ein Schonhinken.
Diagnostik
Laborwerte, Ultraschall auf einen Gelenkerguss, bei Verdacht auf bakterielle Ursache eine Gelenkpunktion.
Behandlung
Richtet sich vollständig nach der Ursache, von Beobachtung und Schonung bis zur notfallmäßigen Operation.
Prognose
Bei Coxitis fugax meist folgenlose Ausheilung binnen weniger Tage; bei bakterieller Ursache ist rasches Handeln entscheidend.
Untersuchung

Wie finden wir die Ursache?

Anamnese, körperliche Untersuchung und gezielte Bildgebung. Mehr erfahren

Da die Behandlung stark von der Ursache abhängt, steht am Anfang immer die Klärung: Handelt es sich um eine harmlose oder um eine ernsthafte Form der Hüftgelenksentzündung?

Die klinische Untersuchung prüft Beweglichkeit, Schmerzhaftigkeit und Belastbarkeit des Hüftgelenks. Laboruntersuchungen des Blutes geben Hinweise auf das Ausmaß einer Entzündungsreaktion und können auf eine bakterielle Ursache hindeuten. Der Ultraschall stellt einen Gelenkerguss zuverlässig dar und wird häufig ergänzend zur klinischen Untersuchung eingesetzt. Besteht der Verdacht auf eine bakterielle Infektion, wird in der Regel eine Gelenkpunktion durchgeführt, bei der Gelenkflüssigkeit entnommen und im Labor untersucht wird, dies erlaubt eine rasche und sichere Unterscheidung von der harmlosen Coxitis fugax.

Ohne Operation

Konservative Behandlung

Konservative, interventionelle und regenerative Verfahren im Überblick. Mehr erfahren

Die meisten Beschwerden an der Hüfte lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.

Klassische Schmerztherapie und Physiotherapie

Zur konservativen Therapie nutzen wir die orale Schmerzmedikation und Physiotherapie als Basis zur Verbesserung Ihrer Beschwerden.

Sinnvolle Behandlungsoption

Medikamentöse Schmerztherapie

Kurzfristig eingesetzt, um akute Beschwerden zu lindern und Bewegung wieder zu ermöglichen.

Gut etablierte Therapie

Bakterielle (septische) Coxitis

Notfallbehandlung mit Antibiotika sowie in der Regel einer operativen Gelenkspülung und -drainage, um die Bakterien und Entzündungsprodukte aus dem Gelenk zu entfernen und das Gelenk zu schützen.

Gut etablierte Therapie

Coxitis fugax

Schonung, symptomatische Schmerzbehandlung und Beobachtung des Verlaufs. Die Beschwerden bilden sich in aller Regel innerhalb weniger Tage von selbst zurück; Kontrolluntersuchungen sichern den erwarteten Verlauf ab.

Sinnvolle Behandlungsoption

Reaktive/rheumatisch-entzündliche Coxitis

Interdisziplinäre Behandlung in enger Zusammenarbeit mit der Rheumatologie, abgestimmt auf die zugrunde liegende Erkrankung, ergänzt durch Physiotherapie zum Erhalt der Gelenkbeweglichkeit.

Warnzeichen

Wann rasch zum Arzt?

Wann sollten Sie umgehend eine Notaufnahme oder Praxis aufsuchen?

Die meisten Hüftgelenksentzündungen bei Kindern sind harmlos und heilen von selbst ab. Eine bakterielle (septische) Coxitis ist jedoch ein akuter medizinischer Notfall, da sich das Gelenk durch die Infektion dauerhaft schädigen kann, wenn nicht rasch behandelt wird. Achten Sie insbesondere bei Kindern auf folgende Warnzeichen:

  • Hohes Fieber in Verbindung mit Hüft- oder Beinschmerzen
  • Sehr starke Schmerzen, die deutlich über ein leichtes Schonhinken hinausgehen
  • Vollständige Verweigerung der Belastung des betroffenen Beins
  • Deutlich reduzierter Allgemeinzustand, Trinkschwäche oder starke Abgeschlagenheit beim Kind

Treten diese Zeichen auf, ist eine sofortige ärztliche beziehungsweise notfallmäßige Abklärung notwendig, warten Sie nicht auf einen regulären Praxistermin.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen

Ist Coxitis fugax ansteckend?

Nein, die Coxitis fugax selbst ist keine ansteckende Erkrankung. Sie tritt jedoch häufig im zeitlichen Zusammenhang mit einem vorausgegangenen, meist viralen Atemwegsinfekt auf.

Wie unterscheidet der Arzt eine harmlose Coxitis fugax von einer bakteriellen Coxitis?

Anhand der Kombination aus klinischem Bild, Fieber, Laborwerten und Ultraschallbefund lässt sich meist eine erste Einschätzung treffen. Bei Unsicherheit oder Warnzeichen sichert eine Gelenkpunktion die Diagnose zuverlässig ab.

Wie lange hinkt ein Kind bei Coxitis fugax?

Meist bessern sich die Beschwerden innerhalb weniger Tage; eine vollständige Ausheilung ist in der Regel innerhalb von ein bis zwei Wochen zu erwarten. Anhaltende oder zunehmende Beschwerden sollten erneut ärztlich beurteilt werden.

Kann eine Coxitis fugax wiederkommen?

Ein erneutes Auftreten ist möglich, insgesamt aber selten. Wiederkehrende oder untypisch verlaufende Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden, um andere Ursachen auszuschließen.

Muss mein Kind bei Hüftschmerzen sofort ins Krankenhaus?

Nicht zwingend, jedoch sollte bei Hüftschmerzen mit Fieber, sehr starken Schmerzen, vollständiger Belastungsverweigerung oder deutlich reduziertem Allgemeinzustand umgehend eine ärztliche beziehungsweise notfallmäßige Untersuchung erfolgen.

Kann eine Coxitis auch das Kniegelenk betreffen?

Schmerzen bei einer Hüfterkrankung können bei Kindern gelegentlich in den Oberschenkel oder das Knie ausstrahlen, ohne dass das Kniegelenk selbst erkrankt ist. Dies ist ein wichtiger Grund, bei Knieschmerzen im Kindesalter auch die Hüfte mit zu untersuchen.

Bleiben nach einer bakteriellen Coxitis Schäden zurück?

Bei rascher Diagnose und Behandlung sind die Aussichten günstig. Eine verzögerte Behandlung erhöht jedoch das Risiko einer bleibenden Schädigung von Gelenkknorpel und Hüftkopf, weshalb schnelles Handeln bei Verdacht so wichtig ist.