Zum Inhalt springen
Hüfte · Operation

Periacetabuläre Osteotomie (PAO)

Gelenkerhaltende Umstellung der Hüftgelenkspfanne bei symptomatischer Hüftdysplasie nach Reinhold Ganz

Die periacetabuläre Osteotomie (PAO) ist ein etabliertes, von Reinhold Ganz entwickeltes Verfahren zur Umstellung der Hüftgelenkspfanne. Ziel ist es, die Überdachung des Hüftkopfes bei einer Hüftdysplasie zu verbessern, ohne das Gelenk selbst zu ersetzen.

Termin vereinbaren
Kurzüberblick

Die Operation auf einen Blick

Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf kann abweichen.

Prinzip

Mehrere gezielte Knochenschnitte um die Hüftgelenkspfanne, die es erlauben, die Pfanne als Ganzes neu auszurichten.

Ziel

Bessere Überdachung des Hüftkopfes und Erhalt des eigenen Gelenks.

Fixierung

Die neu ausgerichtete Pfanne wird in der verbesserten Überdachungsposition mit Schrauben fixiert.

Geeignet für

Jugendliche und junge Erwachsene mit symptomatischer Hüftdysplasie ohne bereits fortgeschrittene Knorpelschädigung.

Belastung

Zunächst eingeschränkte Teilbelastung an Gehstützen über mehrere Wochen.

Reha

Längere Rehabilitationszeit mit Physiotherapie zum schrittweisen Belastungsaufbau.

Nachkontrollen

Regelmäßige Röntgenkontrollen zur Überprüfung der knöchernen Einheilung.

Langfristiges Ziel

Verzögerung oder Vermeidung einer vorzeitigen, dysplasiebedingten Hüftarthrose.

Entwickelt von

Reinhold Ganz, die PAO ist ein etabliertes gelenkerhaltendes Standardverfahren bei symptomatischer Dysplasie.

Der Eingriff

Wie läuft die Operation ab?

Vorbereitung und Narkose

Der Eingriff erfolgt in der Regel in Vollnarkose. Sie werden entsprechend dem gewählten Zugang gelagert.

Gezielte Knochenschnitte um die Pfanne

Über einen Zugang im Bereich des Beckens werden mehrere gezielte Knochenschnitte rund um die Hüftgelenkspfanne gesetzt. Diese Schnitte lösen die Pfanne so vom übrigen Becken, dass sie als zusammenhängendes Knochenstück beweglich wird, während die Beckenringstabilität erhalten bleibt.

Neuausrichtung und Fixierung der Pfanne

Die mobilisierte Pfanne wird als Ganzes in eine Position gedreht, die den Hüftkopf besser überdacht. Unter Röntgenkontrolle wird die verbesserte Überdachung überprüft. Anschließend wird die Pfanne in dieser Position mit Schrauben fixiert, damit sie in der korrigierten Stellung knöchern einheilen kann.

Abschluss

Nach Kontrolle von Gelenkbeweglichkeit und korrekter Pfannenposition wird die Wunde schichtweise verschlossen.

Direkt danach

Was passiert unmittelbar nach der Operation?

In den ersten Tagen steht der Schutz der umgestellten Pfanne durch eine konsequent eingehaltene Teilbelastung im Vordergrund.

Ein Wundschmerz ist in den ersten Tagen normal und wird konsequent mit Schmerzmitteln und Kühlung behandelt. Das operierte Bein wird zunächst nur eingeschränkt teilbelastet, damit die osteotomierte Pfanne in der korrigierten Position knöchern einheilen kann. Die Physiotherapie beginnt bereits im Krankenhaus mit vorsichtigen Bewegungsübungen und dem Erlernen des Gehens an Gehstützen unter Teilbelastung.

Zur Vorbeugung einer Thrombose wird für die Dauer der eingeschränkten Belastung eine medikamentöse Prophylaxe eingesetzt. Regelmäßige Röntgenkontrollen begleiten den Heilungsverlauf.

Zeitlicher Verlauf

Wie geht es zu Hause weiter?

  • Erste Wochen

    Eingeschränkte Teilbelastung an Gehstützen

    Das operierte Bein wird über mehrere Wochen nur eingeschränkt teilbelastet, begleitet von Physiotherapie zur Beweglichkeit und Anleitung des Gangbilds.

  • Begleitend

    Regelmäßige Röntgenkontrollen

    In festgelegten Abständen wird die knöcherne Einheilung der umgestellten Pfanne röntgenologisch überprüft, bevor die Belastung weiter gesteigert wird.

  • Im weiteren Verlauf

    Schrittweiser Belastungsaufbau

    Nach Freigabe durch den behandelnden Arzt wird die Belastung im Rahmen der Physiotherapie schrittweise gesteigert, begleitet von gezieltem Muskelaufbau um das Hüftgelenk.

  • Langfristig

    Rückkehr zu Alltag und Belastung

    Alltagstätigkeiten werden entsprechend dem individuellen Heilungsverlauf schrittweise wieder aufgenommen. Die Rehabilitationszeit ist insgesamt länger als bei arthroskopischen Verfahren.

Alltag & Sport

Wann kann ich wieder …?

Alle Angaben sind Orientierungswerte und hängen vom individuellen Heilungsverlauf ab.

Vollständig belasten

nach röntgenologisch bestätigter Einheilung

Erst wenn die Röntgenkontrollen eine ausreichende knöcherne Durchbauung zeigen.

Auto fahren

individuell abzustimmen

Erst wenn Kraft und Beweglichkeit für eine sichere Notbremsung ausreichen.

Büroarbeit

nach individueller Freigabe

Abhängig vom Heilungsverlauf und der Möglichkeit, Belastung im Alltag zu dosieren.

Körperlich arbeiten

nach vollständigem Belastungsaufbau

Erst nach abgeschlossenem Kraft- und Beweglichkeitsaufbau in der Reha.

Schwimmen

nach vollständiger Wundheilung

Gelenkschonend, jedoch erst nach Freigabe durch den behandelnden Arzt.

Sport mit Dreh- und Stoßbelastung

individuell abzustimmen

Rückkehr richtet sich nach der vollständigen knöchernen Einheilung und dem muskulären Aufbau.

Erwartungen

Welche Ergebnisse kann ich erwarten?

Ziel der periacetabulären Osteotomie ist der Erhalt des eigenen Hüftgelenks und die Verzögerung oder Vermeidung einer vorzeitigen, dysplasiebedingten Hüftarthrose.

Durch die verbesserte Überdachung des Hüftkopfes soll die mechanische Überlastung von Gelenkknorpel und Labrum reduziert werden. Das Ergebnis hängt unter anderem vom Ausmaß der ursprünglichen Fehlüberdachung, vom Zustand des Gelenkknorpels zum Operationszeitpunkt und von der konsequenten Mitarbeit während der Reha ab. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, die individuelle Prognose besprechen wir mit Ihnen anhand Ihres Befunds.

Ist bereits eine fortgeschrittene Arthrose eingetreten, verfolgt die PAO nicht mehr ihr eigentliches Ziel; in diesem Fall steht wie bei einer primären Hüftarthrose der Gelenkersatz im Vordergrund.

Offen informiert

Welche Risiken bestehen?

Allgemeine Operationsrisiken

Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion, Narkoserisiken sowie ein Thrombose- und Embolierisiko. Zur Vorbeugung wird routinemäßig eine medikamentöse Thromboseprophylaxe eingesetzt.

Verfahrensspezifische Aspekte

Die osteotomierte Pfanne muss in der neuen Position knöchern ausreichend durchbauen, weshalb die vorgegebene, zunächst eingeschränkte Teilbelastung an Gehstützen über mehrere Wochen eingehalten werden muss. Die Rehabilitation ist insgesamt länger und aufwendiger als bei arthroskopischen Verfahren. Regelmäßige Röntgenkontrollen sind notwendig, um den Heilungsfortschritt zu überwachen.

Warnzeichen

Worauf sollten Sie nach der Operation achten?

Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden

  • Fieber
  • Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
  • Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
  • Plötzliche Bewegungseinschränkung oder ein Instabilitätsgefühl im Hüftgelenk
  • Schwellung, Schmerz oder Überwärmung der Wade (mögliches Zeichen einer Thrombose)
  • Atemnot
  • Eine über die Teilbelastungsvorgabe hinausgehende Belastung des operierten Beins

In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.

Bei MedArtes

Periacetabuläre Osteotomie bei MedArtes

Am Anfang steht bei uns immer eine genaue Diagnose. Auf dieser Grundlage besprechen wir gemeinsam mit Ihnen, welche Behandlung in Ihrer individuellen Situation medizinisch sinnvoll ist.

Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit symptomatischer Hüftdysplasie klären wir anhand der klinischen Untersuchung und Bildgebung, ob eine periacetabuläre Osteotomie für Sie geeignet ist, und begleiten Sie durch Operation und Nachbehandlung.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zur periacetabulären Osteotomie

Für wen ist eine PAO geeignet?

Die PAO eignet sich vor allem für Jugendliche und junge Erwachsene mit symptomatischer Hüftdysplasie, bei denen der Gelenkknorpel noch nicht fortgeschritten geschädigt ist.

Ist die PAO eine Alternative zur Hüftendoprothese?

Die PAO verfolgt ein anderes Ziel als die Hüftprothese: den Erhalt des eigenen Gelenks bei Patienten ohne bereits fortgeschrittene Knorpelschädigung. Bei bereits fortgeschrittener Arthrose ist die PAO in der Regel nicht mehr geeignet.

Wer hat das PAO-Verfahren entwickelt?

Die periacetabuläre Osteotomie wurde von Reinhold Ganz entwickelt und ist heute ein etabliertes, gelenkerhaltendes Standardverfahren bei symptomatischer Hüftdysplasie.

Wie lange muss ich die Gehstützen benutzen?

In der Regel für mehrere Wochen, bis die Röntgenkontrollen eine ausreichende knöcherne Einheilung der umgestellten Pfanne zeigen. Die genaue Dauer legt Ihr behandelnder Arzt anhand des Heilungsverlaufs fest.

Warum sind nach der Operation mehrere Röntgenkontrollen notwendig?

Die osteotomierte Pfanne muss in ihrer neuen Position knöchern einheilen. Regelmäßige Röntgenkontrollen zeigen den Fortschritt dieser Einheilung und sind Grundlage dafür, wann die Belastung gesteigert werden darf.

Kann die PAO das Fortschreiten zu einer Hüftarthrose verhindern?

Sie kann das Fortschreiten bei geeigneter Indikation verzögern, indem die Fehlüberdachung des Hüftkopfes korrigiert wird. Eine Garantie, dass sich langfristig keine Arthrose entwickelt, kann jedoch nicht gegeben werden.

Wie lange bin ich krankgeschrieben?

Das hängt von Ihrer beruflichen Tätigkeit und dem individuellen Heilungsverlauf ab und wird im Rahmen der Nachsorge gemeinsam mit Ihnen besprochen.

Operation besprechen

Wenn Ihnen eine Periacetabuläre Osteotomie empfohlen wurde und Sie den Ablauf und Ihre individuelle Eignung besprechen möchten, vereinbaren Sie gerne einen Termin.