Bakerzyste (Poplitealzyste)
Eine Bakerzyste ist eine mit Gelenkflüssigkeit gefüllte Ausstülpung in der Kniekehle. Bei Erwachsenen ist sie meist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern die Folge einer bereits bestehenden Erkrankung im Kniegelenk selbst, etwa eines Meniskusschadens oder einer Kniearthrose, die zu vermehrter Gelenkflüssigkeit führt. Im Vordergrund der Behandlung steht daher nicht die Zyste allein, sondern die Abklärung und Behandlung ihrer Ursache. Diese Seite erklärt, wie eine Bakerzyste entsteht, wie sie sich von einer Thrombose unterscheiden lässt und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
Termin vereinbarenTypische Symptome
Viele Bakerzysten verursachen keine oder nur geringe Beschwerden und werden zufällig bei einer Untersuchung des Knies entdeckt.

Wenn Beschwerden auftreten, äußern sie sich meist als tastbare oder sichtbare Schwellung in der Kniekehle, verbunden mit einem Druck-, Spannungs- oder Völlegefühl. Die Schwellung ist häufig bei gestrecktem Knie deutlicher zu sehen und wird bei Beugung weicher oder verschwindet ganz, ein für die Bakerzyste charakteristisches Merkmal. Bei größeren Zysten können zusätzlich eine eingeschränkte Beweglichkeit, ein Ziehen in der Wade oder Schmerzen bei längerem Stehen oder Gehen hinzukommen.
Da eine Bakerzyste in aller Regel Folge einer anderen Kniegelenkerkrankung ist, bestehen häufig zusätzlich die für die zugrunde liegende Erkrankung typischen Beschwerden, etwa Schmerzen im Gelenkspalt bei einem Meniskusschaden oder belastungsabhängige Schmerzen bei einer Gonarthrose.
Was steckt dahinter?
Eine Bakerzyste entsteht durch eine Ausstülpung der Gelenkkapsel in eine Schleimbeutelstruktur in der Kniekehle, meist als Folge eines vermehrten Kniegelenkergusses.
Anatomischer Hintergrund
In der Kniekehle liegt zwischen den Sehnen des Musculus gastrocnemius und des Musculus semimembranosus ein Schleimbeutel, der bei vielen Menschen anlagebedingt mit dem Kniegelenk in Verbindung steht. Kommt es im Kniegelenk zu einer vermehrten Bildung von Gelenkflüssigkeit, kann diese über eine Art Ventilmechanismus in den Schleimbeutel gedrückt werden, ihn füllen und so die tastbare Zyste in der Kniekehle bilden. Der Ventilmechanismus lässt Flüssigkeit meist nur in eine Richtung fließen, sodass sich die Zyste unabhängig vom Gelenk weiter füllen kann.
Bei Erwachsenen: fast immer eine Begleiterscheinung
Bei Erwachsenen ist die Bakerzyste in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle sekundär, das heißt Folge einer bereits bestehenden Erkrankung des Kniegelenks, die zu einem vermehrten Gelenkerguss führt. Häufige Ursachen sind ein Meniskusschaden, insbesondere des Hinterhorns –, eine Gonarthrose sowie entzündlich-rheumatische Gelenkerkrankungen. Seltener liegen ein Knorpelschaden oder eine andere Gelenkbinnenerkrankung zugrunde.
Bei Kindern: meist eigenständig und gutartig
Bei Kindern tritt die Bakerzyste dagegen meist ohne zugrunde liegende Gelenkerkrankung auf und wird als primär bezeichnet. Sie bildet sich in den allermeisten Fällen im Laufe der Zeit von selbst zurück und wird in der Regel zunächst beobachtet, ohne dass eine Behandlung notwendig ist.

Das Wichtigste in Kürze
UntersuchungWie finden wir die Ursache?
Die Diagnose lässt sich meist durch klinische Untersuchung und Ultraschall sicher stellen; entscheidend ist zusätzlich die Suche nach der zugrunde liegenden Ursache im Kniegelenk.
Anamnese und klinische Untersuchung
Im Gespräch werden Beginn, Verlauf und Begleitbeschwerden der Schwellung erfasst, ebenso bereits bekannte Kniegelenkbeschwerden. Bei der körperlichen Untersuchung wird die Kniekehle abgetastet; typisch für die Bakerzyste ist, dass sich die Schwellung bei gestrecktem Knie deutlicher zeigt und bei Beugung weicher wird oder verschwindet (Foucher-Zeichen).
Ultraschall
Der Ultraschall ist die Untersuchung der ersten Wahl. Er bestätigt die flüssigkeitsgefüllte, zystische Natur der Schwellung zuverlässig, grenzt sie von anderen Ursachen wie Tumoren oder Gefäßveränderungen ab und kann bei Bedarf gleichzeitig zum Ausschluss einer Thrombose der Beinvenen genutzt werden.
MRT zur Abklärung der Ursache
Eine MRT des Kniegelenks wird eingesetzt, um die zugrunde liegende Gelenkerkrankung zu klären, etwa einen Meniskusschaden, eine Knorpelschädigung oder das Ausmaß eines Gelenkergusses. Sie ist damit weniger zur Bestätigung der Zyste selbst als zur gezielten Ursachensuche wichtig, insbesondere wenn eine Behandlung der Grunderkrankung erwogen wird.
Ohne OperationKonservative Behandlung
Die meisten Beschwerden am Knie lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.
Klassische Schmerztherapie und Physiotherapie
Zur konservativen Therapie nutzen wir die orale Schmerzmedikation und Physiotherapie als Basis zur Verbesserung Ihrer Beschwerden.
Medikamentöse Schmerztherapie
Kurzfristig eingesetzt, um akute Beschwerden zu lindern und Bewegung wieder zu ermöglichen.
Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie
Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung, unter therapeutischer Anleitung strukturiert aufgebaut.
Behandlung der zugrunde liegenden Ursache
Wird beispielsweise ein Meniskusschaden oder eine Gonarthrose gezielt behandelt, nimmt der Gelenkerguss häufig ab und die Zyste bildet sich von selbst zurück.
Beobachtendes Abwarten
Bei beschwerdearmen Zysten ohne relevante Grunderkrankung, insbesondere bei Kindern, ist ein zunächst abwartendes Vorgehen häufig ausreichend.
Wann rasch zum Arzt?
⚠ Wann sollten Sie zeitnah ärztlichen Rat einholen?
Eine Bakerzyste kann reißen (rupturieren), wenn sie durch vermehrten Gelenkerguss stark anschwillt. Dabei fließt Gelenkflüssigkeit in das umliegende Gewebe der Wade und kann eine plötzliche Schwellung, Rötung und Schmerzhaftigkeit der Wade verursachen, die einer tiefen Beinvenenthrombose sehr ähnlich sehen kann. Suchen Sie bei einer plötzlichen, schmerzhaften Schwellung der Wade zeitnah ärztliche Hilfe auf, damit eine Thrombose sicher ausgeschlossen werden kann.
Eine sichere Unterscheidung zwischen rupturierter Bakerzyste und Thrombose ist ohne Bildgebung (in der Regel Ultraschall) nicht zuverlässig möglich.
Ihre Spezialisten für das Knie
Dr. med. Sven Hartmann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
PD Dr. med. Dipl.-Ing. Florian Völlner
Prof. Dr. med. Dr. med. univ. Günther Maderbacher, MHBA
Prof. Dr. med. Franz Xaver Köck
Prof. Dr. med. habil. Jürgen Götz, MHBA
Häufig gestellte Fragen
Ist eine Bakerzyste gefährlich?
In den meisten Fällen nicht. Sie ist jedoch häufig ein Hinweis auf eine behandlungsbedürftige Erkrankung des Kniegelenks. Bei einer plötzlichen, schmerzhaften Schwellung der Wade sollte zeitnah ärztlicher Rat eingeholt werden, um eine Thrombose auszuschließen.
Muss eine Bakerzyste immer operiert werden?
Nein. Die weit überwiegende Zahl der Bakerzysten wird konservativ behandelt, indem die zugrunde liegende Kniegelenkerkrankung therapiert wird. Eine Operation kommt nur in Betracht, wenn Beschwerden trotz behandelter Ursache bestehen bleiben.
Kann eine Bakerzyste von selbst verschwinden?
Ja, insbesondere bei Kindern verschwinden primäre Bakerzysten meist von selbst. Bei Erwachsenen bildet sich die Zyste häufig zurück, sobald die zugrunde liegende Kniegelenkerkrankung erfolgreich behandelt wurde.
Was ist der Unterschied zu einer Thrombose?
Eine gerissene (rupturierte) Bakerzyste kann eine schmerzhafte Wadenschwellung verursachen, die einer Thrombose sehr ähnlich sieht. Eine sichere Unterscheidung ist meist nur mittels Ultraschall möglich, deshalb sollte eine plötzliche Wadenschwellung immer ärztlich abgeklärt werden.
Darf ich mit einer Bakerzyste Sport treiben?
Das hängt von den Beschwerden und der zugrunde liegenden Ursache ab. Bei geringen Beschwerden ist Sport oft möglich, bei deutlicher Schwellung oder Schmerzen sollte die Belastung zunächst angepasst und die Ursache abgeklärt werden.
Hilft eine Punktion dauerhaft?
Meist nicht allein. Da bei der Punktion nur die Flüssigkeit entfernt, die Ursache im Gelenk aber nicht behandelt wird, füllt sich die Zyste häufig erneut. Eine dauerhafte Besserung erfordert in der Regel die Behandlung der zugrunde liegenden Kniegelenkerkrankung.
Welcher Facharzt behandelt eine Bakerzyste?
Ein Facharzt für Orthopädie klärt die zugrunde liegende Ursache im Kniegelenk ab und legt gemeinsam mit Ihnen die passende Behandlung fest.