Kreuzbandruptur (Kreuzbandriss)
Ein Kreuzbandriss entsteht meist durch ein Verdreh- oder Stopp-Trauma beim Sport, häufig mit einem hörbaren "Knacken" und dem Gefühl, dass das Knie nachgibt. Nicht jede Kreuzbandruptur muss operiert werden, ob konservative Therapie oder eine Kreuzbandersatzplastik sinnvoller ist, hängt von Instabilitätsgrad, sportlichem Anspruch, Alter und Begleitverletzungen ab. Wir erklären, wie ein Kreuzbandriss erkannt und behandelt wird.
Termin vereinbarenTypische Symptome
Typisch ist ein plötzliches Ereignis beim Sport: ein Verdrehen des Knies mit fixiertem Fuß, oft begleitet von einem hörbaren oder spürbaren "Knacken" im Gelenk.

Unmittelbar danach schwillt das Knie meist rasch an, da es durch die Verletzung von Gefäßen im Bandgewebe zu einem Bluterguss im Gelenk kommt (Hämarthros). Viele Betroffene können zunächst nicht weiterspielen und verspüren ein Instabilitätsgefühl, als würde das Knie bei Belastung "wegknicken" oder nachgeben ("giving way"). Dieses Gefühl tritt insbesondere bei Dreh- und Abbremsbewegungen auf und kann auch nach Abklingen der akuten Schwellung bestehen bleiben, wenn das Kreuzband seine stabilisierende Funktion nicht mehr erfüllt.
Schmerzen sind in der Akutphase oft weniger ausgeprägt als das Instabilitätsgefühl und die Schwellung. Bei Begleitverletzungen, etwa eines Meniskus oder des Innenbandes, können zusätzliche Beschwerden wie ein Einklemmgefühl oder ein lokaler Druckschmerz entlang des Gelenkspalts hinzukommen.
Was steckt dahinter?
Aufgabe des vorderen Kreuzbandes
Das vordere Kreuzband (VKB) verläuft im Inneren des Kniegelenks zwischen Oberschenkelknochen und Schienbein und verhindert, dass sich das Schienbein gegenüber dem Oberschenkel zu weit nach vorne verschiebt. Zusammen mit dem hinteren Kreuzband, den Seitenbändern und der umgebenden Muskulatur sorgt es für die Rotations- und Translationsstabilität des Knies, insbesondere bei Dreh- und Abbremsbewegungen.
Wie entsteht der Riss?
Die meisten Kreuzbandrisse entstehen ohne direkten Fremdkontakt, sondern durch eine plötzliche Verdreh-, Abbrems- oder Landebewegung, bei der das Knie stärker belastet wird, als das Band aushalten kann. Typisch sind Stopp-and-go-Sportarten mit schnellen Richtungswechseln wie Fußball, Skifahren, Handball oder Basketball. Seltener reißt das Kreuzband durch direkte Gewalteinwirkung von außen, etwa bei einem Verkehrsunfall.
Vorderes und hinteres Kreuzband
Der weit überwiegende Teil der Kreuzbandrisse betrifft das vordere Kreuzband. Ein Riss des hinteren Kreuzbandes ist deutlich seltener und entsteht meist durch eine andere Krafteinwirkung, etwa einen Stoß gegen das gebeugte Schienbein von vorne (z. B. Armaturenbrett-Verletzung bei einem Autounfall). Diagnostik und Therapieprinzipien ähneln sich, die klinischen Tests unterscheiden sich jedoch teilweise.

Das Wichtigste in Kürze
UntersuchungWie finden wir die Ursache?
Anamnese
Der Unfallhergang gibt bereits wichtige Hinweise: ein Verdrehtrauma mit hörbarem "Knacken", rascher Schwellung und dem Gefühl, dass das Knie nachgegeben hat, ist typisch für eine Kreuzbandverletzung.
Klinische Untersuchung
Mit gezielten manuellen Tests wird die Stabilität des Kniegelenks geprüft. Beim Lachman-Test wird bei leicht gebeugtem Knie geprüft, wie weit sich das Schienbein gegenüber dem Oberschenkel nach vorne verschieben lässt, er gilt als besonders zuverlässiger klinischer Test für das vordere Kreuzband. Der vordere Schubladentest prüft ähnliches bei stärker gebeugtem Knie. Der Pivot-Shift-Test untersucht das für Betroffene typische Instabilitätsgefühl bei Rotation und Beugung des Knies. In der Akutphase können Schmerz und Muskelanspannung diese Tests erschweren, weshalb eine erneute Untersuchung nach Abklingen der Schwellung sinnvoll sein kann.
Bildgebung
Die Magnetresonanztomografie (MRT) sichert die klinische Verdachtsdiagnose, stellt den Riss selbst dar und zeigt zugleich, ob Begleitverletzungen an Menisken, Seitenbändern oder Knorpel vorliegen. Ein Röntgenbild wird ergänzend angefertigt, um knöcherne Begleitverletzungen oder eine bereits bestehende Arthrose auszuschließen.
Ohne OperationKonservative Behandlung
Die meisten Beschwerden am Knie lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.
Klassische Schmerztherapie und Physiotherapie
Zur konservativen Therapie nutzen wir die orale Schmerzmedikation und Physiotherapie als Basis zur Verbesserung Ihrer Beschwerden.
Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie
Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung, unter therapeutischer Anleitung strukturiert aufgebaut.
Neuromuskuläres Training
Gezieltes Training von Koordination, Gleichgewicht und Muskelkontrolle rund um das Kniegelenk, um den Verlust der Bandstabilität funktionell auszugleichen.
Physikalische Therapie
Abschwellende und schmerzlindernde Maßnahmen in der akuten Phase, ergänzend zum aktiven Training.
Knieorthese
In ausgewählten Fällen kann eine stabilisierende Orthese, insbesondere bei sportlicher Belastung, zusätzliche Sicherheit geben.
Regenerative Therapie
Ergänzend zu konservativen und interventionellen Maßnahmen können regenerative Eigenblutverfahren eingesetzt werden. Bei MedArtes setzen wir bewusst auch auf innovative Verfahren der regenerativen Medizin, um Ihnen über etablierte Therapien hinaus zusätzliche, zukunftsorientierte Behandlungsoptionen anzubieten.
Wenn nötigOperative Behandlung
Operationsverfahren
Prinzip
Funktionelle Stabilisierung durch neuromuskuläres Training statt Wiederherstellung des Bandes selbst.
Geeignet für
Geringes Instabilitätsgefühl, niedrigeres sportliches Anspruchsniveau, keine relevanten Begleitverletzungen.
Zeitlicher Aufwand
Kein operativer Eingriff, dafür konsequentes, oft langfristiges Training.
Zu beachten
Bei fortbestehender Instabilität steigt das Risiko für Folgeschäden an Meniskus und Knorpel.
Wann rasch zum Arzt?
Bei diesen Anzeichen sollten Sie das Knie rasch ärztlich untersuchen lassen
Ein akutes Knietrauma mit den folgenden Merkmalen sollte zeitnah abgeklärt werden:
- Deutliche Schwellung des Knies innerhalb weniger Stunden nach dem Unfallereignis
- Ausgeprägtes Instabilitätsgefühl oder ein sicht- oder tastbares "Wegkippen" des Kniegelenks
- Fehlende Belastbarkeit des Beines oder eine spürbare Fehlstellung des Knies
- Ausgeprägte, anhaltende Bewegungseinschränkung des Kniegelenks
Ein rasch geschwollenes Knie nach einem Sportunfall ist bis zum Beweis des Gegenteils verdächtig auf eine relevante Bandverletzung und sollte zeitnah fachärztlich untersucht werden.
Ihre Spezialisten für das Knie
Dr. med. Sven Hartmann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
PD Dr. med. Dipl.-Ing. Florian Völlner
Prof. Dr. med. Dr. med. univ. Günther Maderbacher, MHBA
Prof. Dr. med. Franz Xaver Köck
Prof. Dr. med. habil. Jürgen Götz, MHBA
Häufig gestellte Fragen
Kann ein gerissenes Kreuzband von selbst wieder zusammenwachsen?
Ein vollständig gerissenes vorderes Kreuzband heilt in der Regel nicht von selbst wieder zusammen, da die Bandenden im Gelenk meist keinen ausreichenden Kontakt zueinander haben. Eine funktionelle Stabilisierung ohne operative Rekonstruktion ist dennoch möglich.
Wie lange kann ich nach der Verletzung noch warten, bevor ich mich entscheide?
Eine sofortige Notfalloperation ist meist nicht erforderlich. Sinnvoll ist jedoch eine zeitnahe Diagnostik, um Begleitverletzungen zu erkennen, und anschließend eine in Ruhe getroffene, individuelle Therapieentscheidung.
Darf ich mit einer unbehandelten Kreuzbandruptur noch Sport treiben?
Das hängt vom Ausmaß der Instabilität und der Sportart ab. Bei Sportarten mit häufigen Dreh- und Stoppbewegungen steigt ohne ausreichende Stabilität das Risiko für erneute Verletzungen, insbesondere von Meniskus und Knorpel.
Muss ich nach der Operation lange im Krankenhaus bleiben?
Die Kreuzbandersatzplastik wird meist im Rahmen eines kurzen stationären Aufenthalts durchgeführt. Details zum konkreten Ablauf besprechen wir individuell in der Sprechstunde.
Was passiert, wenn eine Kreuzbandruptur unbehandelt bleibt?
Bleibt eine relevante Instabilität bestehen, steigt das Risiko für wiederholte "Giving-way"-Episoden sowie für Folgeschäden an Meniskus und Gelenkknorpel, was langfristig eine vorzeitige Kniegelenksarthrose begünstigen kann.
Ist ein Riss des hinteren Kreuzbandes genauso häufig?
Nein. Verletzungen des hinteren Kreuzbandes sind deutlich seltener als Risse des vorderen Kreuzbandes und entstehen meist durch einen anderen Unfallmechanismus, etwa einen Stoß gegen das gebeugte Schienbein.
Wird bei der Operation immer auch der Meniskus mitbehandelt?
Nur wenn eine relevante Meniskusverletzung vorliegt. Ob und wie der Meniskus mitversorgt wird, richtet sich nach dem Befund in der MRT und während der Arthroskopie.