Septischer Knie-TEP-Wechsel (Protheseninfekt-OP)
Wenn sich Bakterien im Bereich einer Knieprothese ansiedeln, spricht man von einer periprothetischen Infektion. Da Bakterien sich fest an der Implantatoberfläche festsetzen können, lässt sich eine solche Infektion mit Antibiotika allein in aller Regel nicht sicher beherrschen, meist ist eine Operation notwendig, bei der das infizierte Implantat entfernt und die Infektion gezielt behandelt wird, bevor eine neue Prothese eingesetzt wird. Diese Seite erklärt, wie eine periprothetische Infektion erkannt und operativ behandelt wird, was ein zweizeitiges Vorgehen bedeutet und was Sie in der Nachbehandlung erwartet. Geht es bei Ihnen dagegen um einen Wechsel ohne Infektion, etwa wegen Lockerung oder Verschleiß, finden Sie die entsprechenden Informationen auf unserer Seite zur Wechseloperation bei aseptischer Lockerung.
Termin vereinbarenTypische Symptome

Was steckt dahinter?
Eine periprothetische Infektion liegt vor, wenn sich Bakterien im Bereich des künstlichen Kniegelenks ansiedeln und dort eine Entzündung des umgebenden Gewebes und des Implantatlagers verursachen.
Die Bakterien können bereits während der Erstoperation eingebracht werden oder später über die Blutbahn aus einem anderen Infektionsherd im Körper an die Prothese gelangen. Sobald sich Bakterien an der Implantatoberfläche ansiedeln, bilden sie häufig einen schützenden Biofilm, der sie vor körpereigener Abwehr und vor Antibiotika weitgehend abschirmt. Deshalb reicht eine alleinige Antibiotikatherapie bei einer etablierten periprothetischen Infektion in aller Regel nicht aus, meist ist eine operative Sanierung notwendig.
Frühe oder späte Infektion, ein wichtiger Unterschied
Ärzte unterscheiden grundsätzlich zwischen einer frühen periprothetischen Infektion, die sich innerhalb der ersten Wochen nach der Implantation zeigt, meist mit deutlichen Entzündungszeichen wie Rötung, Schwellung, Überwärmung und Fieber, und einer späten bzw. chronischen periprothetischen Infektion, die sich Monate bis Jahre nach der Operation entwickelt und häufig schleichender verläuft, etwa mit langsam zunehmenden, unklaren Schmerzen ohne ausgeprägte äußere Entzündungszeichen. Diese zeitliche Einordnung sowie der Zustand des umliegenden Gewebes beeinflussen maßgeblich, welches operative Vorgehen sinnvoll ist.
Risikofaktoren
Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko einer periprothetischen Infektion, ohne dass ihr Vorliegen automatisch zu einer Infektion führen muss. Dazu zählen unter anderem eine Wundheilungsstörung nach der Erstoperation, ein Diabetes mellitus, eine Immunsuppression bzw. ein geschwächtes Immunsystem, bereits zuvor durchgemachte Infektionen im selben Gelenk, Übergewicht sowie Rauchen. Auch weitere Voroperationen am betroffenen Gelenk können das Risiko erhöhen. Wenn bei Ihnen einer oder mehrere dieser Faktoren vorliegen, kann dies bei der Planung der Behandlung berücksichtigt werden.

Das Wichtigste in Kürze
UntersuchungWie finden wir die Ursache?
Die Diagnose stützt sich auf mehrere Bausteine, die zusammen betrachtet werden, ein einzelner auffälliger Wert allein beweist noch keine Infektion.
Labor- und Entzündungswerte
Im Blut werden Entzündungswerte wie CRP (C-reaktives Protein) und teils weitere Laborparameter bestimmt. Erhöhte Werte können auf eine Infektion hinweisen, sind für sich genommen aber nicht beweisend, da sie auch andere Ursachen haben können.
Gelenkpunktion
Ein zentraler Baustein der Diagnostik ist die Gelenkpunktion: Dabei wird unter sterilen Bedingungen Gelenkflüssigkeit aus dem betroffenen Kniegelenk entnommen. Die Probe wird sowohl mikrobiologisch untersucht, um einen möglichen Erreger nachzuweisen und gezielt zu bestimmen, als auch laborchemisch, etwa hinsichtlich Zellzahl und weiterer Entzündungsparameter in der Gelenkflüssigkeit. Der Nachweis des konkreten Erregers ist besonders wichtig, da er die spätere gezielte Antibiotikatherapie entscheidend mitbestimmt.
Bildgebung
Röntgenaufnahmen können Hinweise auf eine Lockerung des Implantats oder knöcherne Veränderungen im Umfeld der Prothese liefern. Ergänzend können weitere bildgebende Verfahren eingesetzt werden, um das Ausmaß der Veränderungen im Knochen- und Weichteilgewebe einzuschätzen. Die Bildgebung allein kann eine Infektion jedoch weder sicher beweisen noch ausschließen und wird stets zusammen mit Labor, Punktion und Ihrem klinischen Beschwerdebild bewertet.
Erst aus dem Zusammenspiel von Anamnese, klinischem Befund, Laborwerten, Gelenkpunktion und Bildgebung ergibt sich, ob eine periprothetische Infektion vorliegt und welches operative Vorgehen im individuellen Fall sinnvoll ist.
Ohne OperationKonservative Behandlung
Die meisten Beschwerden am Knie lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.
Wann rasch zum Arzt?
Bei diesen Anzeichen zeitnah fachärztlich abklären lassen
Eine akute periprothetische Infektion mit Fieber sowie plötzlicher Schwellung, Rötung oder Schmerzverstärkung des Knies erfordert eine zeitnahe fachärztliche Abklärung, warten Sie in diesen Fällen nicht ab, ob sich die Beschwerden von selbst bessern.
- Fieber, gegebenenfalls mit Schüttelfrost
- Plötzlich auftretende oder rasch zunehmende Schwellung des Knies
- Neue oder deutlich zunehmende Rötung und Überwärmung im Bereich des Kniegelenks
- Plötzliche Zunahme der Schmerzen, insbesondere nach zunächst beschwerdearmer Zeit
- Austritt von Flüssigkeit oder Sekret aus einer (alten) Operationsnarbe
- Allgemeines Krankheitsgefühl in Verbindung mit Beschwerden am Kniegelenk
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.
Ihre Spezialisten für das Knie
Dr. med. Sven Hartmann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
PD Dr. med. Dipl.-Ing. Florian Völlner
Prof. Dr. med. Dr. med. univ. Günther Maderbacher, MHBA
Prof. Dr. med. Franz Xaver Köck
Prof. Dr. med. habil. Jürgen Götz, MHBA
Häufig gestellte Fragen
Woran erkenne ich, dass meine Knieprothese infiziert sein könnte?
Mögliche Hinweise sind Schmerzen, Schwellung, Rötung oder Überwärmung des Knies sowie Fieber. Bei einer späten, chronischen Infektion können die Anzeichen auch schleichender und weniger eindeutig sein. Die Diagnose wird anhand von klinischer Untersuchung, Labor, Gelenkpunktion und Bildgebung gesichert.
Ist jede Rötung nach der Operation ein Zeichen einer Infektion?
Nicht zwingend, eine leichte Rötung kann in der frühen Wundheilungsphase normal sein. Zunehmende, sich ausbreitende Rötung, Überwärmung, Nässen der Wunde oder Fieber sollten jedoch zeitnah fachärztlich abgeklärt werden.
Warum reicht eine Antibiotikatherapie allein meist nicht aus?
Bakterien können an der Implantatoberfläche einen schützenden Biofilm bilden, der sie vor Antibiotika und der körpereigenen Abwehr weitgehend abschirmt. Deshalb ist bei einer etablierten periprothetischen Infektion in aller Regel eine operative Entfernung des Implantats notwendig.
Warum ist bei den meisten Infektionen ein zweizeitiges Vorgehen der Standard?
Der antibiotikahaltige Spacer und die zwischenzeitliche gezielte Antibiotikatherapie sollen die Infektion sicher ausheilen lassen, bevor die endgültige Prothese eingesetzt wird. Dieses Vorgehen gilt als etabliertes Standardverfahren bei periprothetischen Infektionen.
Wann kommt ein einzeitiger septischer Wechsel infrage?
Ein einzeitiger Wechsel kann bei ausgewählten Konstellationen erwogen werden, etwa bei einem gut behandelbaren, bereits bekannten Erreger, kurzer Infektionsdauer und unauffälligem Weichteilgewebe. Ob diese Option für Sie geeignet ist, wird anhand Ihres individuellen mikrobiologischen und klinischen Befunds interdisziplinär geprüft.
Wie lange muss ich zwischen den beiden Operationen Antibiotika einnehmen?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Dauer richtet sich nach dem jeweiligen Erreger, dem Ansprechen auf die Therapie und den Verlaufskontrollen und wird gemeinsam mit den mitbehandelnden Infektiologen individuell festgelegt.
Kann eine periprothetische Infektion auch Jahre nach der Erstimplantation auftreten?
Ja. Man spricht dann von einer späten bzw. chronischen periprothetischen Infektion. Sie kann sich schleichender äußern als eine frühe Infektion, weshalb neu auftretende, unklare Knieschmerzen nach einer Prothese immer fachärztlich abgeklärt werden sollten.
Kann eine Infektion nach der Behandlung erneut auftreten?
Ein Infektionsrezidiv lässt sich nicht vollständig ausschließen, auch nach sorgfältig durchgeführter Behandlung. Wie hoch dieses Risiko im Einzelfall ist, hängt unter anderem vom Erreger, dem Zustand des umliegenden Gewebes und Begleiterkrankungen ab und wird individuell mit Ihnen besprochen.
Muss ich bei Verdacht auf eine Infektion sofort ins Krankenhaus?
Bei Fieber, plötzlicher Schwellung, Rötung oder deutlicher Schmerzzunahme des Knies sollten Sie sich zeitnah fachärztlich vorstellen, statt abzuwarten. Bei schleichenden, unklaren Beschwerden ist eine zeitnahe ambulante Abklärung in der Regel der richtige erste Schritt.