Kyphoplastie der LWS/BWS
Minimal-invasive Aufrichtung und Stabilisierung eines eingebrochenen Wirbelkörpers mit Ballon und Knochenzement
Bei der Kyphoplastie wird ein durch Osteoporose eingebrochener Wirbelkörper der Lenden- oder Brustwirbelsäule über kleine Zugänge mit einem Ballon vorsichtig aufgerichtet und anschließend mit Knochenzement stabilisiert. Ziel ist in erster Linie eine rasche Schmerzlinderung; zusätzlich kann eine gewisse Wiederherstellung der Wirbelkörperhöhe gelingen. Diese Seite erklärt Ihnen, wie der Eingriff konkret abläuft und was in den Tagen und Wochen danach auf Sie zukommt. Die Erkrankung selbst, die Diagnostik und die konservativen Behandlungsmöglichkeiten bei einer osteoporotischen Wirbelkörperfraktur finden Sie auf unserer Übersichtsseite zur osteoporotischen Wirbelkörperfraktur.
Termin vereinbarenDie Operation auf einen Blick
Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf kann abweichen.
Operationsdauer
Meist etwa 30–45 Minuten je behandeltem Wirbelkörper, bei mehreren Etagen entsprechend länger.
Narkose
In der Regel Vollnarkose; je nach Allgemeinzustand ist auch eine Dämmerschlafnarkose mit örtlicher Betäubung möglich.
Krankenhausaufenthalt
Meist wenige Tage, abhängig vom Allgemeinzustand und begleitenden Erkrankungen.
Mobilisation
In der Regel noch am Operationstag oder am Folgetag, unter Vollbelastung.
Belastung
Meist sofortige Vollbelastung ohne Korsett möglich, da der Zement rasch aushärtet.
Gehstützen
In der Regel nicht erforderlich; bei Unsicherheit oder Sturzneigung können sie in den ersten Tagen sinnvoll sein.
Rehabilitation
Fokus auf Rückenmuskulatur, Haltung und Sturzprophylaxe sowie konsequente Fortführung der Osteoporosebehandlung.
Arbeitsunfähigkeit
Individuell sehr unterschiedlich, abhängig von Beschwerden, Tätigkeit und Allgemeinzustand.
Autofahren
Häufig nach wenigen Tagen bis etwa 1–2 Wochen möglich, sobald Sie schmerzarm und reaktionsfähig genug für eine Notbremsung sind.
Wie läuft die Operation ab?
Vorbereitung und Narkose
Sie werden in Bauchlage gelagert, damit der Operateur von hinten Zugang zum betroffenen Wirbelkörper hat. Der Eingriff erfolgt in der Regel in Vollnarkose und wird durchgehend mittels Röntgendurchleuchtung (Bildwandler) kontrolliert.
Zugang
Über ein oder zwei winzige Hautschnitte wird unter Röntgenkontrolle eine feine Hohlnadel durch den Wirbelbogen in den gebrochenen Wirbelkörper eingebracht. Ob ein- oder beidseitig gearbeitet wird, richtet sich nach der Lage und Ausdehnung der Fraktur.
Der eigentliche Eingriff
Über die liegende Kanüle wird ein spezieller Ballon in den Wirbelkörper vorgeschoben und vorsichtig aufgedehnt. Dadurch soll der eingesunkene Wirbelkörper so weit wie möglich wieder aufgerichtet werden, und es entsteht ein Hohlraum. Anschließend wird der Ballon entfernt und der Hohlraum unter fortlaufender Röntgenkontrolle mit zähflüssigem Knochenzement aufgefüllt, der dort innerhalb weniger Minuten aushärtet und den Wirbelkörper von innen stabilisiert.
Abschluss
Nach Aushärten des Zements und einer abschließenden Röntgenkontrolle werden die Instrumente entfernt. Die winzigen Hautschnitte werden meist nur mit einem Pflasterverband versorgt, eine Naht ist in der Regel nicht erforderlich.
Was passiert unmittelbar nach der Operation?
In der Regel dürfen Sie noch am Operationstag oder am ersten Tag danach erstmals aufstehen und ohne Korsett voll belasten.
Da die Zugänge sehr klein sind, ist der Wundschmerz meist gering und lässt sich gut mit Schmerzmitteln kontrollieren. Viele Patienten bemerken bereits innerhalb weniger Tage eine deutliche Besserung des Rückenschmerzes, da der Zement den instabilen Wirbelkörper sofort stabilisiert. Der stationäre Aufenthalt richtet sich vor allem nach dem Allgemeinzustand und eventuellen Begleiterkrankungen.
Physiotherapie zur Kräftigung der Rückenmuskulatur und Sturzprophylaxe beginnt meist schon in den ersten Tagen. Duschen ist in der Regel möglich, sobald der Pflasterverband es zulässt oder nach ärztlicher Freigabe.
Wie geht es zu Hause weiter?
- Erste Tage
Mobilisation unter Vollbelastung
Aufstehen und Gehen sind meist von Anfang an ohne Korsett erlaubt. Sturzprophylaxe hat in dieser Phase besondere Bedeutung, da erneute Stürze weitere Frakturen begünstigen können.
- Nach etwa 1–2 Wochen
Rückkehr zu leichten Alltagsaktivitäten
Viele Patienten fühlen sich für leichte Alltagstätigkeiten und kurze Wege wieder sicher genug. Die Physiotherapie wird fortgeführt.
- Nach 2–4 Wochen
Gezielter Aufbau der Rückenmuskulatur
Physiotherapeutische Übungen zur Kräftigung der Rückenstrecker und zur Haltungsschulung stehen im Vordergrund, ergänzt durch eine konsequente Behandlung der Osteoporose.
- Nach 4–6 Wochen
Zunehmende Belastbarkeit
Die Alltagsbelastbarkeit nimmt bei den meisten Patienten spürbar zu. Der weitere Aufbau erfolgt individuell abgestimmt auf Fitness und Begleiterkrankungen.
- Langfristig
Osteoporosebehandlung als wichtigste Vorbeugung
Da Knochenzement steifer ist als der umgebende Knochen, kommt der konsequenten medikamentösen Osteoporosebehandlung und der Sturzprophylaxe entscheidende Bedeutung zu, um weitere Wirbelkörperfrakturen zu vermeiden.
Wann kann ich wieder …?
Alle Angaben sind Orientierungswerte und hängen vom individuellen Heilungsverlauf ab.
Auto fahren
Sobald Sie schmerzarm und reaktionsfähig genug für eine Notbremsung sind.
Büroarbeit
Mit der Möglichkeit, zwischendurch aufzustehen und die Position zu wechseln.
Körperlich arbeiten
Abhängig vom Ausmaß der Hebe- und Rumpfbelastung sowie vom Allgemeinzustand.
Spaziergänge
Kurze Strecken werden von Anfang an empfohlen und schrittweise gesteigert.
Fahrrad fahren
Zunächst gemäßigtes Tempo auf ebener Strecke, um Sturzrisiken zu vermeiden.
Schwimmen
Nach vollständiger Wundheilung, zunächst Rückenschwimmen.
Fitnessstudio
Zunächst ohne Rumpfrotation und schweres Heben, individuell aufgebaut.
Golf / Tennis
Wegen der Rumpfrotationsbelastung erst nach gutem muskulärem Aufbau.
Reisen
Bei längeren Auto- oder Flugreisen regelmäßige Bewegungspausen einplanen.
Welche Ergebnisse kann ich erwarten?
Die meisten Patienten bemerken innerhalb weniger Tage eine deutliche Linderung des Rückenschmerzes, da der instabile Wirbelkörper unmittelbar durch den Zement stabilisiert wird.
Eine gewisse Aufrichtung des eingesunkenen Wirbelkörpers kann zusätzlich gelingen, insbesondere bei frischen Frakturen, eine vollständige Wiederherstellung der ursprünglichen Wirbelkörperhöhe ist jedoch nicht garantiert und hängt vom Alter und der Form der Fraktur ab.
Das langfristige Ergebnis wird außerdem von der konsequenten Behandlung der zugrunde liegenden Osteoporose beeinflusst: Nur so lässt sich das Risiko weiterer Wirbelkörperfrakturen wirksam senken. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, die individuelle Prognose besprechen wir mit Ihnen anhand Ihres Befunds.
Welche Risiken bestehen?
Allgemeine Operationsrisiken
Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion, Narkoserisiken sowie ein Thromboserisiko.
Spezifische Risiken dieser Operation
Der Knochenzement kann über kleine Risse im Wirbelkörper in das umgebende Gewebe austreten (Zementleckage). Dies bleibt in den meisten Fällen ohne Beschwerden, kann aber in seltenen Fällen auf eine Nervenwurzel oder den Wirbelkanal drücken und dadurch Beschwerden verursachen oder eine erneute Behandlung notwendig machen. Sehr selten kann Zement in ein Blutgefäß gelangen (Zementembolie) oder es kommt zu einer Verletzung benachbarter Gefäße oder Nerven.
Langfristige Risiken
Da Knochenzement steifer ist als der umgebende, osteoporotisch geschwächte Knochen, besteht ein erhöhtes Risiko, dass benachbarte Wirbelkörper im weiteren Verlauf ebenfalls brechen (Anschlussfraktur). Diesem Risiko wirkt vor allem die konsequente Behandlung der Osteoporose entgegen.
Worauf sollten Sie nach der Operation achten?
Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden
- Fieber
- Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Bereich der Einstichstellen
- Ungewöhnlich starke oder erneut zunehmende statt abnehmende Rückenschmerzen
- Neu auftretende oder zunehmende Lähmung, Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Beinen
- Neu aufgetretene Störungen beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang
- Schwellung, Schmerz oder Überwärmung der Wade (mögliches Zeichen einer Thrombose)
- Atemnot oder plötzlicher Brustschmerz
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.
Kyphoplastie bei MedArtes
Ob eine Kyphoplastie für Sie infrage kommt, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, der klinischen Untersuchung und Ihrer Bildgebung. Wir besprechen mit Ihnen gemeinsam, ob eine Kyphoplastie oder eine Vertebroplastie geeigneter ist und was Sie konkret vor, während und nach der Operation erwartet, eingebettet in ein Gesamtkonzept aus Schmerztherapie und konsequenter Osteoporosebehandlung.
Ihr Spezialist für die Wirbelsäule
Häufig gestellte Fragen zur Kyphoplastie
Können mehrere Wirbelkörper in einer Sitzung behandelt werden?
Ja, sind mehrere Wirbelkörper relevant frakturiert, können diese je nach Befund in derselben Sitzung behandelt werden.
Brauche ich danach ein Korsett?
In der Regel nicht, da der Wirbelkörper durch den ausgehärteten Zement unmittelbar stabilisiert wird.
Wie groß sind die Narben?
Die Zugänge sind winzig und werden meist nur mit einem Pflaster versorgt, eine Naht ist in der Regel nicht notwendig.
Was ist der Unterschied zur Vertebroplastie?
Bei der Kyphoplastie wird vor der Zementfüllung mit einem Ballon ein Hohlraum geschaffen und der Wirbelkörper dabei nach Möglichkeit aufgerichtet. Bei der Vertebroplastie wird der Zement ohne diesen Zwischenschritt direkt in den Wirbelkörper eingebracht. Eine ausführliche Gegenüberstellung finden Sie auf unserer Übersichtsseite zur osteoporotischen Wirbelkörperfraktur.
Wie schnell wirkt die Schmerzlinderung?
Viele Patienten bemerken bereits innerhalb weniger Tage eine deutliche Besserung, da der instabile Wirbelkörper sofort stabilisiert wird.
Kann ein anderer Wirbelkörper danach ebenfalls brechen?
Ja, das Risiko einer sogenannten Anschlussfraktur benachbarter Wirbelkörper ist erhöht, insbesondere wenn die zugrunde liegende Osteoporose nicht konsequent weiterbehandelt wird.
Wie lange nach dem Bruch kann noch operiert werden?
Grundsätzlich ist eine Behandlung auch später noch möglich. Eine relevante Aufrichtung des Wirbelkörpers gelingt jedoch am ehesten, solange die Fraktur noch nicht knöchern fest verheilt ist.
Das könnte Sie auch interessieren
Operation besprechen
Wenn Ihnen eine Kyphoplastie der LWS/BWS empfohlen wurde und Sie den Ablauf und Ihre individuelle Eignung besprechen möchten, vereinbaren Sie gerne einen Termin.