Hammerzehen und Krallenzehen
Bei Hammer- und Krallenzehen handelt es sich um Fehlstellungen der Kleinzehen, bei denen sich die Zehe nicht mehr vollständig strecken lässt. Bei der Hammerzehe ist vor allem das Mittelgelenk der Zehe gebeugt, bei der Krallenzehe zusätzlich das Grundgelenk überstreckt, sodass sich die Zehenspitze nach unten krallt. Solange sich die Fehlstellung noch von Hand geraderichten lässt, sprechen Ärzte von einer flexiblen Deformität, lässt sie sich nicht mehr passiv korrigieren, von einer fixierten Deformität. Diese Unterscheidung ist für die Wahl der Behandlung entscheidend.
Termin vereinbarenTypische Symptome
Im Vordergrund stehen meist Druckbeschwerden im Schuh, nicht die Fehlstellung selbst.

Durch die Beugung im Mittelgelenk reibt der Zehenrücken vermehrt an der Schuhoberseite, wodurch sich dort schmerzhafte Hühneraugen (Clavi) oder verdickte Hornhaut bilden können. Bei der Krallenzehe drückt zusätzlich die überstreckte Zehenspitze von oben auf die Sohle, sodass sich auch dort schmerzhafte Druckstellen entwickeln können. Viele Betroffene bemerken außerdem eine zunehmende Steifigkeit der Zehe und Schwierigkeiten, im Vorfuß passendes, nicht drückendes Schuhwerk zu finden.
Da Hammer- und Krallenzehen häufig zusammen mit anderen Vorfußveränderungen auftreten, können begleitend Schmerzen unter den mittleren Mittelfußköpfchen (Metatarsalgie) oder Beschwerden im Rahmen eines Hallux valgus bestehen.
Was steckt dahinter?
Die Fehlstellung im Detail
Bei der Hammerzehe ist das Mittelgelenk der betroffenen Zehe dauerhaft gebeugt, während Grund- und Endgelenk meist eine annähernd normale Stellung behalten. Bei der Krallenzehe kommt zusätzlich eine Überstreckung im Grundgelenk hinzu, sodass sich die Zehe insgesamt krallenartig nach unten biegt. Beide Formen betreffen am häufigsten die zweite bis vierte Zehe.
Ursachen und Risikofaktoren
Hammer- und Krallenzehen entstehen meist durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren:
- Ein muskuläres Ungleichgewicht zwischen den Beuge- und den Streckmuskeln der Zehe, wodurch sich die Zehe mit der Zeit in der Fehlstellung fixiert
- Ungeeignetes Schuhwerk, etwa zu enge, zu kurze oder spitz zulaufende Schuhe sowie hohe Absätze, die die Zehen dauerhaft in eine gebeugte Position drängen
- Begleitfehlstellungen wie ein Hallux valgus, bei dem die Großzehe die Nachbarzehen zur Seite drängt
- Ein Spreizfuß, der die Druckverteilung im Vorfuß verändert und die Kleinzehen zusätzlich belastet
- Neurologische Grunderkrankungen oder rheumatische Erkrankungen, seltener auch angeborene Veranlagung
Flexible oder fixierte Deformität, ein wichtiger Unterschied
Im frühen Stadium lässt sich die Zehe meist noch von Hand vollständig geraderichten, man spricht dann von einer flexiblen Deformität. Bleibt die Fehlstellung über längere Zeit bestehen, können sich Gelenkkapsel, Bänder und Sehnen so verkürzen, dass sich die Zehe auch passiv nicht mehr strecken lässt. In diesem Fall liegt eine fixierte Deformität vor. Diese Unterscheidung wird bei jeder Untersuchung geprüft, da sie maßgeblich bestimmt, ob konservative Maßnahmen noch wirksam sein können oder eine Operation erwogen werden sollte.

Das Wichtigste in Kürze
UntersuchungWie finden wir die Ursache?
Klinische Untersuchung
Der Fuß wird im Stehen und im Sitzen betrachtet, um Ausmaß und Lokalisation der Fehlstellung sowie begleitende Druckstellen oder Hühneraugen zu erfassen. Entscheidend ist der sogenannte Redressionstest: Der Arzt prüft von Hand, ob sich die Zehe im Mittel- und Grundgelenk noch passiv strecken lässt (flexible Deformität) oder ob dies nicht mehr möglich ist (fixierte Deformität). Zusätzlich werden die Nachbarzehen und der übrige Vorfuß auf Begleitfehlstellungen wie einen Hallux valgus oder Spreizfuß untersucht.
Röntgen unter Belastung
Ein Röntgenbild des Fußes im Stehen zeigt das Ausmaß der knöchernen Fehlstellung sowie mögliche Begleitveränderungen an den Mittelfußknochen und der Großzehe. Es hilft außerdem, eine geeignete operative Verfahrenswahl zu planen, falls diese notwendig werden sollte.
Ohne OperationKonservative Behandlung
Die meisten Beschwerden an Fuß und Sprunggelenk lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.
Klassische Schmerztherapie und Physiotherapie
Zur konservativen Therapie nutzen wir die orale Schmerzmedikation und Physiotherapie als Basis zur Verbesserung Ihrer Beschwerden.
Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie
Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung, unter therapeutischer Anleitung strukturiert aufgebaut.
Weites, passendes Schuhwerk
Schuhe mit breiter, hoher Zehenbox und ausreichend Platz für die Zehen reduzieren den Druck auf die gebeugte Zehe und gelten als zentraler Baustein jeder Behandlung, unabhängig davon, ob die Deformität flexibel oder fixiert ist.
Zehenpolster und Zehenschienen
Silikonpolster, Zügelverbände oder kleine Schienen können die Zehe entlasten, Druckstellen und Hühneraugen vorbeugen und bei flexibler Deformität unterstützend zur Streckung beitragen.
Fußpflege und Hornhautentfernung
Die regelmäßige, fachgerechte Entfernung von Hühneraugen und verdickter Hornhaut lindert die Druckbeschwerden, beeinflusst die zugrunde liegende Fehlstellung jedoch nicht.
Wann rasch zum Arzt?
Hammer- und Krallenzehen sind selbst kein Notfall
Die Fehlstellung entwickelt sich meist langsam über Jahre. In folgenden Situationen sollten Sie den Fuß dennoch zeitnah ärztlich untersuchen lassen:
- Offene Druckstellen oder Wunden über dem Zehenrücken oder an der Zehenspitze, insbesondere bei Diabetes oder Durchblutungsstörungen der Beine
- Deutliche Rötung, Überwärmung, Schwellung oder Fieber im Bereich der Zehe, mögliche Zeichen einer Entzündung oder Infektion
- Plötzlich zunehmende Fehlstellung oder Schmerzen, etwa nach einer Verletzung
Bei Diabetes oder einer bekannten Durchblutungsstörung sollten Druckstellen an den Zehen generell frühzeitig abgeklärt werden, da Wunden hier schlechter heilen.
Ihre Spezialisten für Fuß & Sprunggelenk
Häufig gestellte Fragen
Muss eine Hammerzehe immer operiert werden?
Nein. Solange die Deformität noch flexibel ist und sich mit weitem Schuhwerk, Polstern und Übungen ausreichend bessert, ist keine Operation notwendig. Sie kommt vor allem bei fixierten, störenden Fehlstellungen infrage.
Was ist der Unterschied zwischen Hammerzehe und Krallenzehe?
Bei der Hammerzehe ist vor allem das Mittelgelenk der Zehe gebeugt. Bei der Krallenzehe kommt zusätzlich eine Überstreckung im Grundgelenk hinzu, sodass sich die Zehe insgesamt stärker nach unten krallt.
Wie erkenne ich, ob meine Zehe noch flexibel oder schon fixiert ist?
Lässt sich die Zehe von Hand noch vollständig geraderichten, liegt in der Regel eine flexible Deformität vor. Ist dies nicht mehr möglich, spricht man von einer fixierten Deformität. Eine sichere Einordnung erfolgt im Rahmen der ärztlichen Untersuchung.
Helfen Zehenpolster und Schienen wirklich?
Sie können Druckstellen entlasten und Beschwerden lindern, bei flexibler Deformität auch die Streckung unterstützen. Eine bereits fixierte, knöcherne Fehlstellung lässt sich damit jedoch nicht mehr korrigieren.
Warum bekomme ich Hühneraugen auf der Zehe?
Durch die Beugung im Mittelgelenk reibt der Zehenrücken vermehrt an der Schuhoberseite. Die dauerhafte Reibung führt zu einer schmerzhaften Hornhautverdickung, dem sogenannten Hühnerauge (Clavus).
Welche Schuhe sind bei Hammer- und Krallenzehen geeignet?
Günstig sind Schuhe mit ausreichend breiter und hoher Zehenbox sowie einem flachen bis moderaten Absatz. Enges, spitz zulaufendes Schuhwerk verstärkt den Druck auf die gebeugten Zehen.
Wie lange dauert die Heilung nach einer Hammerzehenkorrektur?
Das hängt vom gewählten Verfahren und dem individuellen Heilungsverlauf ab. Details zum üblichen Ablauf und zur Nachbehandlung finden Sie auf der Seite zur Hammer- und Krallenzehenkorrektur.
Kann die Fehlstellung nach der Operation wiederkommen?
Ein gewisses Rückfallrisiko besteht, insbesondere wenn zugrunde liegende Ursachen wie ein ausgeprägter Spreizfuß, ein Hallux valgus oder ungeeignetes Schuhwerk fortbestehen.