Spreizfuß (Pes transversoplanus)
Beim Spreizfuß senkt sich das vordere Quergewölbe des Fußes ab, sodass die mittleren Mittelfußköpfchen tiefer stehen und beim Stehen und Gehen deutlich mehr Druck tragen als vorgesehen. Es handelt sich um eine der häufigsten Fußfehlformen überhaupt und begünstigt häufig weitere Vorfußprobleme wie Hallux valgus, Schneiderballen, Hammer- oder Krallenzehen sowie schmerzhafte Druckstellen unter dem Vorfuß. In der ganz überwiegenden Zahl der Fälle lässt sich ein Spreizfuß gut konservativ behandeln. Wir erklären, wie ein Spreizfuß entsteht, welche Beschwerden und Folgeerkrankungen er begünstigen kann und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
Termin vereinbarenTypische Symptome
Typisch sind Schwielen unter den mittleren Mittelfußköpfchen sowie ein Druck- oder Brennschmerz im Vorfuß, besonders nach längerem Stehen oder Gehen.

Viele Betroffene beschreiben das Gefühl, beim Barfußgehen auf einem kleinen Stein oder einer Erbse zu stehen. Der Vorfuß wirkt oft spürbar verbreitert, sodass gewohnte Schuhe im Vorfußbereich enger werden. Die Schwielenbildung konzentriert sich meist unter dem zweiten bis vierten Mittelfußköpfchen, da genau dort durch das abgesenkte Quergewölbe die größte zusätzliche Druckbelastung entsteht.
Nicht jeder Spreizfuß verursacht Beschwerden, viele bleiben über Jahre nahezu unbemerkt, während andere schon frühzeitig zu deutlichen Druckproblemen im Vorfuß führen.
Was steckt dahinter?
Die Fehlform im Detail
Der Vorfuß wird normalerweise durch ein leichtes Quergewölbe getragen: Der Großteil der Last liegt physiologisch auf dem ersten und dem fünften Mittelfußköpfchen, während Bänder, die Fußsohlenplatte und die kleine Fußmuskulatur das Gewölbe dazwischen aufspannen. Beim Spreizfuß senkt sich dieses Quergewölbe ab. Die mittleren Mittelfußköpfchen (das zweite bis vierte) treten dadurch tiefer und tragen beim Abrollen deutlich mehr Druck, als anatomisch vorgesehen ist. Der Vorfuß wird zudem häufig spürbar breiter, daher der Name „Spreizfuß".
Ursachen und Risikofaktoren
Ein Spreizfuß entsteht meist durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren:
- Nachlassende Spannkraft der Bänder und der Fußsohlenplatte mit zunehmendem Alter
- Eine konstitutionelle Bindegewebsschwäche
- Übergewicht, das die Belastung des Vorfußes zusätzlich erhöht
- Eine Schwäche der kleinen Fußmuskulatur, etwa durch überwiegend sitzende Lebensweise
- Enges, spitz zulaufendes Schuhwerk und hohe Absätze, die den Druck auf den Vorfuß zusätzlich verstärken
Frauen sind insgesamt deutlich häufiger betroffen als Männer, unter anderem durch Schuhwerk und eine im Schnitt ausgeprägtere Bindegewebsschwäche. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu.

Das Wichtigste in Kürze
UntersuchungWie finden wir die Ursache?
Klinische Untersuchung
Der Fuß wird im Stehen und im Gehen betrachtet, da sich die Verbreiterung des Vorfußes unter Belastung meist deutlicher zeigt. Ergänzend werden die Mittelfußköpfchen auf Druckschmerz abgetastet, vorhandene Schwielen begutachtet und die Fußform insgesamt sowie mögliche Begleitveränderungen an Großzehe und Kleinzehen beurteilt.
Fußdruckmessung (Pedobarographie)
Eine Fußdruckmessung kann die Druckverteilung unter dem Vorfuß objektivieren und die überlasteten Bereiche sichtbar machen. Sie ist besonders bei der Anpassung individueller Einlagen und bei begleitender Metatarsalgie hilfreich.
Röntgen
Bei einem isolierten Spreizfuß ist eine Röntgenuntersuchung nicht routinemäßig erforderlich. Sie ist jedoch sinnvoll, wenn der Verdacht auf eine relevante Begleitfehlstellung wie einen Hallux valgus besteht oder eine operative Behandlung einer solchen Begleitfehlstellung geplant wird.
Ohne OperationKonservative Behandlung
Die meisten Beschwerden an Fuß und Sprunggelenk lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.
Klassische Schmerztherapie und Physiotherapie
Zur konservativen Therapie nutzen wir die orale Schmerzmedikation und Physiotherapie als Basis zur Verbesserung Ihrer Beschwerden.
Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie
Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung, unter therapeutischer Anleitung strukturiert aufgebaut.
Einlagen mit retrokapitaler Abstützung
Individuell angefertigte Einlagen mit einer gezielten Abstützung direkt hinter den überlasteten mittleren Mittelfußköpfchen (retrokapitale Abstützung) und einer weichen Polsterung gelten als zentrale und gut etablierte Behandlungsmaßnahme. Sie entlasten die überlasteten Bereiche und verteilen den Druck gleichmäßiger auf den gesamten Vorfuß.
Geeignetes Schuhwerk
Breite, flache Schuhe mit ausreichend Platz im Vorfußbereich reduzieren den Druck auf die Mittelfußköpfchen zusätzlich und unterstützen die Wirkung der Einlagenversorgung.
Gewichtsreduktion bei Übergewicht
Wird das vordere Quergewölbe zusätzlich durch Übergewicht belastet, kann eine Gewichtsreduktion die Druckbelastung der mittleren Mittelfußköpfchen spürbar senken.
Wann rasch zum Arzt?
Ein Spreizfuß selbst ist kein Notfall
Die Fehlform entwickelt sich meist über Jahre und erfordert in aller Regel keine sofortige Behandlung. In folgenden Situationen sollten Sie den Fuß dennoch zeitnah ärztlich untersuchen lassen:
- Offene Hautstellen oder Wunden unter einer Schwiele, insbesondere bei Diabetes oder Durchblutungsstörungen der Beine
- Plötzlich zunehmende Rötung, Schwellung oder Überwärmung des Vorfußes, gegebenenfalls mit Fieber, möglicher Hinweis auf eine Entzündung oder Infektion
- Deutlich zunehmende Schmerzen oder eine rasch fortschreitende Verformung des Vorfußes
Bei Diabetes oder einer Nervenschädigung des Fußes (Polyneuropathie) sollten Veränderungen am Vorfuß grundsätzlich frühzeitig ärztlich abgeklärt werden, da Wunden hier schlechter heilen und Schmerzen mitunter fehlen.
Ihre Spezialisten für Fuß & Sprunggelenk
Häufig gestellte Fragen
Muss ein Spreizfuß immer behandelt werden?
Nein. Solange keine relevanten Beschwerden bestehen, ist keine Behandlung notwendig. Eine Einlagenversorgung wird vor allem bei Schmerzen, Schwielen oder Druckstellen im Vorfuß empfohlen.
Kann ich einen Spreizfuß mit Übungen wieder rückgängig machen?
Nein, die bereits abgesenkte Fußform lässt sich durch Übungen allein nicht dauerhaft aufrichten. Gezieltes Training kann jedoch die Fußmuskulatur unterstützen und Beschwerden lindern.
Führt ein Spreizfuß zwangsläufig zu einem Hallux valgus?
Nein, nicht zwangsläufig. Ein Spreizfuß zählt jedoch zu den wichtigen Risikofaktoren für die Entstehung eines Hallux valgus und weiterer Fehlstellungen der Zehen.
Welche Einlagen helfen bei einem Spreizfuß?
Individuell angefertigte Einlagen mit einer retrokapitalen Abstützung hinter den überlasteten mittleren Mittelfußköpfchen und einer weichen Polsterung gelten als zentrale Behandlungsmaßnahme.
Muss ein Spreizfuß operiert werden?
Praktisch nie. Eine eigenständige Spreizfuß-Operation gibt es nicht. Operative Verfahren kommen allenfalls bei einer relevanten Begleitfehlstellung wie Hallux valgus oder ausgeprägter Metatarsalgie infrage.
Welche Schuhe sind bei einem Spreizfuß geeignet?
Günstig sind Schuhe mit einer ausreichend breiten Vorfußbox und einem flachen bis moderaten Absatz. Enges, spitz zulaufendes Schuhwerk verstärkt in der Regel den Druck auf den Vorfuß.
Sind Frauen häufiger von einem Spreizfuß betroffen als Männer?
Ja. Frauen sind insgesamt deutlich häufiger betroffen, unter anderem durch Schuhwerk mit engem Vorfußraum oder hohen Absätzen sowie eine im Schnitt ausgeprägtere Bindegewebsschwäche.