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Krankheitsbild · Fuß & Sprunggelenk

Hohlfuß (Pes cavus)

Beim Hohlfuß (Pes cavus) ist das Fußlängsgewölbe im Vergleich zum normalen Fuß deutlich überhöht, häufig kombiniert mit einer Fehlstellung der Ferse nach innen (Rückfußvarus) und mit Krallenzehen. Die Ursache kann anlagebedingt sein, in manchen Fällen liegt dem Hohlfuß aber eine neurologische Erkrankung zugrunde, weshalb insbesondere ein einseitiger oder fortschreitender Befund ärztlich abgeklärt werden sollte. Viele Beschwerden lassen sich durch individuell angepasste Einlagen, weites Schuhwerk und gezielte Physiotherapie deutlich lindern; eine Operation ist nur bei ausgeprägter, anhaltend symptomatischer Fehlstellung nach ausgeschöpfter konservativer Behandlung notwendig.

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Beschwerdebild & Hintergrund

Typische Symptome

Im Vordergrund stehen meist Schmerzen unter dem Vorfuß und der Ferse sowie eine ausgeprägte Neigung, mit dem Sprunggelenk umzuknicken.

Hohlfuß (Pes cavus) (Symbolbild)

Durch das überhöhte Fußlängsgewölbe verlagert sich beim Stehen und Gehen ein größerer Anteil der Last auf den Vorfuß, insbesondere auf die äußeren Mittelfußköpfchen, sowie auf die Ferse, während der mittlere Fußbereich kaum Bodenkontakt hat. Dies führt häufig zu schmerzhaften Schwielen unter dem Vorfuß (Metatarsalgie) sowie zu Fersenschmerzen. Die begleitende Fehlstellung der Ferse nach innen (Rückfußvarus) macht das Sprunggelenk zusätzlich instabiler, sodass Betroffene deutlich häufiger als üblich umknicken, teils schon bei alltäglichen Unebenheiten.

Zusätzlich entwickeln viele Betroffene Krallenzehen als häufige Begleitfehlstellung, da sich durch das muskuläre Ungleichgewicht am Fuß die Zehen mit der Zeit krallenartig nach unten verformen. Dies verursacht zusätzliche Druckstellen auf dem Zehenrücken und an den Zehenspitzen im Schuh. Ein hoher Rist erschwert vielen Betroffenen zudem die Suche nach gut sitzendem Schuhwerk.

Was steckt dahinter?

Die Fehlstellung im Detail

Beim Hohlfuß ist das mediale Fußlängsgewölbe auch unter Belastung deutlich höher als üblich und senkt sich beim Stehen kaum oder gar nicht ab. Häufig ist die Ferse zusätzlich nach innen gekippt (Rückfußvarus), und die Zehen krallen sich durch ein muskuläres Ungleichgewicht zwischen den langen Zehenbeugern und -streckern sowie der kurzen Fußmuskulatur nach unten. Je nach Ausprägung wird zwischen einem leichten, mittelgradigen und einem ausgeprägten Hohlfuß unterschieden.

Ursachen und Risikofaktoren

Ein Hohlfuß kann anlagebedingt (idiopathisch) auftreten, ohne dass sich eine zugrunde liegende Erkrankung finden lässt. Bei einem relevanten Teil der Betroffenen steckt jedoch eine neurologische Erkrankung dahinter, die das muskuläre Gleichgewicht am Fuß stört:

  • Anlagebedingter (idiopathischer) Hohlfuß ohne erkennbare Grunderkrankung
  • Hereditäre (erblich bedingte) Neuropathien, allen voran die Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung
  • Weitere neurologische oder neuromuskuläre Erkrankungen, die die Muskulatur des Unterschenkels und Fußes betreffen
  • Seltener Folgezustände nach Verletzungen von Nerven im Bereich des Unterschenkels

Da die Behandlung, insbesondere die Frage nach einer möglichen Progredienz und einer sinnvollen interdisziplinären Betreuung, von der Ursache abhängt, wird gerade bei einseitigem oder fortschreitendem Befund eine neurologische Abklärung empfohlen (siehe „Wann sollten Sie zeitnah einen Arzt aufsuchen?").

Hohlfuß (Pes cavus) (Symbolbild)
Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

Was ist es?
Ein übermäßig hohes Fußlängsgewölbe, häufig kombiniert mit einer Rückfußfehlstellung nach innen (Varus) und Krallenzehen.
Typische Beschwerden
Schmerzen unter dem Vorfuß und der Ferse, häufige Umknicktraumata am Sprunggelenk sowie Druckstellen durch begleitende Krallenzehen.
Diagnostik
Klinische Untersuchung im Stehen und Gehen mit Coleman-Block-Test, Röntgen unter Belastung und bei Verdacht eine neurologische Untersuchung.
Behandlung
Individuelle Einlagen zur Druckumverteilung, weites, anpassbares Schuhwerk sowie Physiotherapie und Dehnübungen.
Operation notwendig?
Nur bei ausgeprägter, funktionell relevanter Fehlstellung, die trotz konsequenter konservativer Behandlung fortbesteht.
Prognose
Sehr unterschiedlich je nach Ursache, bei einer zugrunde liegenden Nervenerkrankung ist eine interdisziplinäre Mitbetreuung sinnvoll.
Untersuchung

Wie finden wir die Ursache?

Anamnese, körperliche Untersuchung und gezielte Bildgebung. Mehr erfahren

Klinische Untersuchung

Der Fuß wird im Stehen, im Gehen und in Entlastung betrachtet, um Ausmaß und Lokalisation der Fehlstellung, die Rückfußachse sowie begleitende Krallenzehen zu beurteilen. Mit dem sogenannten Coleman-Block-Test lässt sich prüfen, ob die Rückfußfehlstellung noch flexibel oder bereits fixiert ist, eine wichtige Information für die weitere Behandlungsplanung. Zusätzlich werden Kraft, Sensibilität und Reflexe der Füße und Unterschenkel geprüft, um Hinweise auf eine neurologische Ursache nicht zu übersehen.

Röntgen unter Belastung

Ein Röntgenbild des Fußes im Stehen zeigt das Ausmaß der Wölbung des Fußlängsgewölbes sowie die Stellung der Ferse und hilft, den Schweregrad einzuordnen und eine mögliche operative Behandlung zu planen.

Neurologische Untersuchung

Bei einseitigem, fortschreitendem oder mit Muskelschwäche bzw. Sensibilitätsstörungen einhergehendem Hohlfuß wird eine neurologische Mitbeurteilung empfohlen, unter anderem mit einer Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (Elektroneurographie). Bei Verdacht auf eine hereditäre Neuropathie kann in Abstimmung mit dem Neurologen auch eine humangenetische Abklärung sinnvoll sein.

Ohne Operation

Konservative Behandlung

Konservative, interventionelle und regenerative Verfahren im Überblick. Mehr erfahren

Die meisten Beschwerden an Fuß und Sprunggelenk lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.

Klassische Schmerztherapie und Physiotherapie

Zur konservativen Therapie nutzen wir die orale Schmerzmedikation und Physiotherapie als Basis zur Verbesserung Ihrer Beschwerden.

Gut etablierte Therapie

Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie

Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung, unter therapeutischer Anleitung strukturiert aufgebaut.

Gut etablierte Therapie

Individuelle Einlagenversorgung

Maßgefertigte Einlagen verteilen den Druck gezielt vom überlasteten Vorfuß und der Ferse auf weniger belastete Bereiche um und können durch eine Außenranderhöhung die Rückfußvarusstellung teilweise ausgleichen. Sie gelten als zentraler Baustein der konservativen Behandlung.

Sinnvolle Behandlungsoption

Weites, anpassbares Schuhwerk

Schuhe mit ausreichend Volumen, weichem Obermaterial und idealerweise verstellbaren Verschlüssen beugen Druckstellen am Vorfuß, an begleitenden Krallenzehen sowie über dem erhöhten Rist vor. Eine stabile Fersenkappe unterstützt zusätzlich die Führung des instabilen Rückfußes.

Ergänzende Therapie

Regelmäßige Fußkontrolle bei Nervenerkrankung

Liegt dem Hohlfuß eine Nervenerkrankung mit vermindertem Berührungs- oder Schmerzempfinden zugrunde, ist eine regelmäßige Selbst- oder Fremdkontrolle der Füße auf Druckstellen und Verletzungen sinnvoll, da diese sonst leicht unbemerkt bleiben.

Wenn nötig

Operative Behandlung

Operative Verfahren, falls konservative Maßnahmen nicht ausreichen. Mehr erfahren

Operationsverfahren

Calcaneus-Osteotomie

Bei einer ausgeprägten oder bereits fixierten Rückfußvarusfehlstellung kann eine Umstellungsosteotomie des Fersenbeins (Calcaneus) die Rückfußachse begradigen und die Ferse wieder in eine physiologischere Stellung bringen. Dies verbessert die Stabilität beim Gehen und kann das Risiko für erneute Umknicktraumata senken.

Sehnenrekonstruktion und Sehnentransfer

Ist das muskuläre Gleichgewicht am Fuß gestört, etwa durch eine im Verhältnis zu schwache Fußhebermuskulatur oder eine überstarke Wadenmuskulatur –, kann eine Sehnenverlängerung, -verlagerung oder -rekonstruktion die muskuläre Balance am Fuß wiederherstellen und einer erneuten Fehlstellung vorbeugen. Häufig wird dieses Verfahren mit einer knöchernen Korrektur wie der Calcaneus-Osteotomie kombiniert.

Warnzeichen

Wann rasch zum Arzt?

Ein Hohlfuß ist meist kein Notfall, kann aber auf eine behandlungsbedürftige Ursache hinweisen

Die Fußform selbst entwickelt sich häufig schon im Kindes- oder Jugendalter und bleibt über Jahre stabil. In folgenden Situationen sollte der Befund dennoch zeitnah ärztlich, bei Bedarf auch neurologisch, untersucht werden:

  • Häufige, wiederkehrende Umknicktraumata am Sprunggelenk trotz aufmerksamer Schuhwahl
  • Zunehmende Muskelschwäche in Füßen oder Unterschenkeln, etwa beim Anheben des Fußes (Fußheberschwäche) oder beim Zehenstand
  • Taubheitsgefühl, Kribbeln oder andere Sensibilitätsstörungen an Füßen und Unterschenkeln
  • Ein einseitiger, neu aufgetretener oder im Verlauf zunehmender Hohlfuß, insbesondere im Erwachsenenalter

Bei einem einseitigen oder fortschreitenden Hohlfuß sowie bei begleitenden neurologischen Beschwerden sollte eine neurologische Abklärung erfolgen. Solchen Verläufen kann eine hereditäre (erblich bedingte) Nervenerkrankung wie die Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung zugrunde liegen. Das bedeutet nicht automatisch eine ernste Diagnose, sollte aber sorgfältig untersucht werden.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen

Muss ein Hohlfuß immer operiert werden?

Nein. Die meisten Beschwerden lassen sich zunächst mit Einlagen, passendem Schuhwerk und Physiotherapie gut beeinflussen. Eine Operation kommt erst bei ausgeprägter, funktionell relevanter Fehlstellung infrage, die trotz konsequenter konservativer Behandlung fortbesteht.

Ist ein Hohlfuß immer angeboren?

Nicht zwingend. Ein Hohlfuß kann anlagebedingt sein, aber auch im Verlauf des Lebens als Folge einer neurologischen Erkrankung entstehen oder sich verstärken, insbesondere bei hereditären Neuropathien wie der Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung.

Warum soll eine neurologische Untersuchung erfolgen, wenn doch nur mein Fuß betroffen ist?

Weil bei einem einseitigen oder fortschreitenden Hohlfuß eine zugrunde liegende Nervenerkrankung als Ursache infrage kommt. Eine neurologische Abklärung hilft, diese frühzeitig zu erkennen und die Behandlung entsprechend abzustimmen.

Was unterscheidet den Hohlfuß vom Spreizfuß oder Knick-Senkfuß?

Beim Hohlfuß ist das Fußlängsgewölbe überhöht, beim Spreizfuß senkt sich das vordere Fußquergewölbe ab, und beim Knick-Senkfuß ist das Fußlängsgewölbe abgesenkt bei nach außen gekippter Ferse. Die drei Fußformen unterscheiden sich also grundlegend, auch wenn sich einzelne Beschwerden ähneln können.

Warum knicke ich mit einem Hohlfuß so häufig um?

Die typische Innenkippung der Ferse (Rückfußvarus) macht das Sprunggelenk instabiler, wodurch Betroffene deutlich häufiger als üblich nach außen umknicken.

Helfen Einlagen bei einem Hohlfuß wirklich?

Individuell angepasste Einlagen können die Druckverteilung deutlich verbessern und Beschwerden lindern. Eine bereits fixierte knöcherne Fehlstellung können sie jedoch nicht rückgängig machen.

Wie lange dauert die Heilung nach einer Calcaneus-Osteotomie?

Das hängt vom durchgeführten Verfahren und dem individuellen Heilungsverlauf ab. In der Regel ist mit einer mehrwöchigen Entlastungs- oder Teilbelastungsphase und einer vollständigen Ausheilung nach einigen Monaten zu rechnen.

Kann sich die Fehlstellung nach der Operation erneut verschlechtern?

Bei einer fortschreitenden neurologischen Grunderkrankung ist dies möglich, weshalb regelmäßige Nachkontrollen sinnvoll sind. Bei einem stabilen, nicht neurologisch bedingten Hohlfuß ist ein erneutes Fortschreiten seltener zu erwarten.