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Krankheitsbild · Fuß & Sprunggelenk

Lisfranc-Arthrose

Die Lisfranc-Arthrose ist ein Gelenkverschleiß der sogenannten Lisfranc-Gelenklinie, der Reihe von Gelenken, die die Fußwurzel mit den Mittelfußknochen verbindet. In den meisten Fällen entwickelt sie sich Jahre nach einer zurückliegenden, mitunter zunächst übersehenen Verletzung dieser Gelenklinie, seltener rein verschleißbedingt ohne erkennbaren Unfall. Typisch sind Schmerzen mitten im Fuß beim Abrollen und Abstoßen sowie mit der Zeit eine sichtbare Veränderung der Fußform. Wir erklären, wie eine Lisfranc-Arthrose entsteht, wie sie diagnostiziert wird und welche konservativen sowie operativen Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

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Beschwerdebild & Hintergrund

Typische Symptome

Im Vordergrund steht ein belastungsabhängiger Schmerz mitten im Fuß, der sich vor allem beim Abrollen und Abstoßen des Vorfußes bemerkbar macht, etwa beim schnellen Gehen, beim Treppensteigen oder bergauf.

Lisfranc-Arthrose (Symbolbild)

Viele Betroffene beschreiben ein diffuses Druckgefühl oder einen tief sitzenden Schmerz über der mittleren Fußregion, der sich von typischen Vorfußbeschwerden wie beim Hallux valgus unterscheidet. Mit fortschreitendem Gelenkverschleiß kann sich der Mittelfuß sichtbar verbreitern oder das Fußgewölbe abflachen, da die tragende Gelenklinie zunehmend an Stabilität verliert. Zusätzlich kommt es häufig zu einer Schwellung über dem Fußrücken sowie zu Druckstellen im Schuh durch knöcherne Anbauten (Osteophyten) an den betroffenen Gelenken.

Bei ausgeprägterem Verschleiß und begleitender Instabilität berichten manche Patienten zusätzlich über ein Gefühl der Unsicherheit beim Gehen auf unebenem Untergrund.

Was steckt dahinter?

Die Lisfranc-Gelenklinie und ihr Verschleiß

Die Lisfranc-Gelenklinie bezeichnet die Reihe der tarsometatarsalen Gelenke, an denen die drei Keilbeine sowie das Würfelbein der Fußwurzel auf die Basis der fünf Mittelfußknochen treffen. Diese Gelenklinie ist knöchern und über feste Bänder stark verspannt und bildet einen zentralen Stabilitätspfeiler des Fußes, insbesondere für das Quer- und Längsgewölbe. Bei einer Lisfranc-Arthrose ist der Gelenkknorpel an einem oder mehreren dieser Gelenke verschlissen, der Gelenkspalt verschmälert sich, und es bilden sich randständige knöcherne Anbauten (Osteophyten).

Meist posttraumatisch, nach einer Lisfranc-Verletzung

In den meisten Fällen entsteht eine Lisfranc-Arthrose Jahre nach einer zurückliegenden Verletzung dieser Gelenklinie, einer sogenannten Lisfranc-Verletzung. Diese kann als knöcherner Bruch, als reine Bandverletzung oder als Kombination aus beidem auftreten und entsteht meist durch eine Stauchung oder Verdrehung des Vorfußes, etwa bei einem Sturz, einem Sportunfall oder einem Verkehrsunfall. Da die Beschwerden einer Lisfranc-Verletzung deutlich unauffälliger ausfallen können als bei einem klassischen, sichtbaren Bruch, wird sie mitunter zunächst als einfache Verstauchung fehlgedeutet und bleibt unbehandelt oder unzureichend behandelt. In der Folge kann sich in der betroffenen Gelenklinie über die Jahre eine Arthrose entwickeln, auch wenn die ursprüngliche Verletzung selbst längst verheilt scheint.

Seltener primär-degenerativ

Deutlich seltener entsteht eine Lisfranc-Arthrose auch ohne ein vorausgegangenes Trauma, rein durch altersbedingten oder konstitutionellen Gelenkverschleiß. Auch entzündlich-rheumatische Erkrankungen sowie ausgeprägte Fußfehlstellungen können das Risiko für einen Verschleiß dieser Gelenklinie erhöhen.

Lisfranc-Arthrose (Symbolbild)
Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

Was ist es?
Ein Verschleiß der tarsometatarsalen Gelenke (Lisfranc-Gelenklinie) im Mittelfuß, meist nach einer früher durchgemachten Lisfranc-Verletzung.
Typische Beschwerden
Schmerzen mitten im Fuß beim Abrollen und Abstoßen, Schwellung sowie mit der Zeit oft eine sichtbare Verbreiterung oder Abflachung des Vorfußes.
Diagnostik
Röntgenbild des Fußes unter Belastung zur Beurteilung der Gelenkstellung, ergänzend eine Computertomografie (CT) zur genauen Beurteilung des Gelenkverschleißes.
Behandlung
Konservativ vor allem durch eine steife Sohle mit Mittelfußabstützung (Carbon-Einlage), passendes Schuhwerk, Physiotherapie und medikamentöse Schmerztherapie.
Operation notwendig?
Nur bei therapieresistenten Beschwerden trotz konsequent ausgeschöpfter konservativer Behandlung, dann kommt meist eine Versteifung (Arthrodese) der betroffenen Gelenke infrage.
Prognose
Konservativ lassen sich die Beschwerden bei vielen Betroffenen über längere Zeit lindern. Bei fortgeschrittener Arthrose bietet die Mittelfußarthrodese eine zuverlässige Schmerzlinderung.
Untersuchung

Wie finden wir die Ursache?

Anamnese, körperliche Untersuchung und gezielte Bildgebung. Mehr erfahren

Klinische Untersuchung

Geprüft werden der Druckschmerz über der Lisfranc-Gelenklinie, die Stabilität des Mittelfußes, die Fußform im Stehen sowie das Gangbild und das Abrollverhalten beim Gehen. Auch nach Hinweisen auf eine frühere, möglicherweise nicht erkannte Fußverletzung wird gezielt gefragt.

Röntgen unter Belastung

Ein Röntgenbild des Fußes im Stehen ist die Grundlage der weiteren Beurteilung. Unter Belastung lassen sich die Stellung der Gelenke der Lisfranc-Linie, eine mögliche Verschmälerung der Gelenkspalten sowie knöcherne Anbauten am besten beurteilen, da sich Instabilitäten und Fehlstellungen im Stehen oft deutlicher zeigen als im Liegen.

Computertomografie (CT)

Ergänzend kann eine Computertomografie sinnvoll sein, um das Ausmaß des Gelenkverschleißes an den einzelnen tarsometatarsalen Gelenken genauer zu beurteilen. Die CT stellt die knöchernen Strukturen dreidimensional und deutlich detaillierter dar als das Röntgenbild und hilft dabei, die Behandlung, insbesondere die Planung einer möglichen Operation, präzise vorzubereiten.

Ohne Operation

Konservative Behandlung

Konservative, interventionelle und regenerative Verfahren im Überblick. Mehr erfahren

Die meisten Beschwerden an Fuß und Sprunggelenk lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.

Klassische Schmerztherapie und Physiotherapie

Zur konservativen Therapie nutzen wir die orale Schmerzmedikation und Physiotherapie als Basis zur Verbesserung Ihrer Beschwerden.

Sinnvolle Behandlungsoption

Medikamentöse Schmerztherapie

Kurzfristig eingesetzt, um akute Beschwerden zu lindern und Bewegung wieder zu ermöglichen.

Gut etablierte Therapie

Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie

Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung, unter therapeutischer Anleitung strukturiert aufgebaut.

Gut etablierte Therapie

Steife Sohle mit Mittelfußabstützung (Carbon-Einlage)

Eine Einlage mit steifer Carbonplatte unter dem Mittelfuß stabilisiert die verschlissene Gelenklinie und nimmt ihr einen Teil der schmerzhaften Abrollbewegung ab. Sie gilt als zentrale Basismaßnahme bei der Lisfranc-Arthrose.

Gut etablierte Therapie

Schuhversorgung

Schuhe mit steifer Sohle und ausreichend Platz für die Einlage unterstützen die Mittelfußabstützung und reduzieren den Druck im Bereich der betroffenen Gelenklinie zusätzlich.

Innovative Behandlungsstrategie

Gezielte Infiltration

Eine bildgesteuerte Infiltration eines oder mehrerer betroffener Gelenke kann in Phasen deutlicher akuter Reizung kurzfristig Beschwerden lindern und zugleich diagnostisch helfen, den schmerzhaften Gelenkabschnitt genauer einzugrenzen. Für einen dauerhaften Effekt auf den Krankheitsverlauf ist die Datenlage begrenzt.

Mehr über die interventionelle Schmerztherapie erfahren →
Wenn nötig

Operative Behandlung

Operative Verfahren, falls konservative Maßnahmen nicht ausreichen. Mehr erfahren

Operationsverfahren

Mittelfußarthrodese (Versteifung der betroffenen Gelenke)

Bei der Mittelfußarthrodese werden die erkrankten Gelenke der Lisfranc-Linie von ihrem restlichen Knorpel befreit und mit Schrauben oder Platten in einer für das Abrollen günstigen Stellung dauerhaft knöchern versteift. Da diese Gelenke im gesunden Gangbild ohnehin nur wenig beweglich sind, geht dabei im Vergleich zu Versteifungen anderer Fußgelenke vergleichsweise wenig Funktion verloren, während der Schmerz zuverlässig gelindert wird.

Warnzeichen

Wann rasch zum Arzt?

Eine Lisfranc-Arthrose selbst ist kein Notfall

Der Gelenkverschleiß entwickelt sich in der Regel über Jahre und erfordert meist keine sofortige Behandlung. In folgenden Situationen sollten Sie den Fuß dennoch zeitnah ärztlich untersuchen lassen:

  • Akute, deutliche Schwellung, Rötung oder Überwärmung des Mittelfußes, insbesondere nach einem Sturz oder einer Verdrehung des Fußes, möglicher Hinweis auf eine erneute, akute Verletzung der Gelenklinie statt auf einen reinen Verschleiß
  • Plötzlich zunehmende, sichtbare Fehlstellung oder ein neu aufgetretenes Instabilitätsgefühl im Mittelfuß
  • Offene Hautstellen oder schlecht heilende Druckstellen über knöchernen Vorsprüngen, insbesondere bei Diabetes oder Durchblutungsstörungen der Beine

Bei Diabetes oder einer bekannten Durchblutungsstörung sollten Druckstellen und Wunden am Fuß generell frühzeitig und nicht erst bei starken Beschwerden abgeklärt werden, da sie hier schlechter heilen.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen

Muss eine Lisfranc-Arthrose immer operiert werden?

Nein. Bei vielen Betroffenen lassen sich die Beschwerden über lange Zeit gut konservativ beeinflussen, insbesondere mit einer steifen Sohle und Mittelfußabstützung. Eine Operation kommt vor allem dann infrage, wenn trotz konsequenter konservativer Behandlung relevante Beschwerden bestehen bleiben.

Woher weiß ich, ob meine alte Fußverletzung eine Lisfranc-Verletzung war?

Das lässt sich im Nachhinein oft nicht sicher sagen, da eine Lisfranc-Verletzung mitunter als einfache Verstauchung fehlgedeutet wurde. Hinweise können anhaltende Mittelfußbeschwerden nach einer damaligen Verdrehung oder Stauchung des Vorfußes sein. Röntgen und CT zeigen heute, ob und in welchem Ausmaß die Gelenklinie verändert ist.

Was bringt eine Carbon-Einlage bei Lisfranc-Arthrose?

Eine Einlage mit steifer Carbonplatte stabilisiert den Mittelfuß und nimmt der verschlissenen Gelenklinie einen Teil der schmerzhaften Abrollbewegung ab. Sie lindert die Beschwerden, korrigiert den Gelenkverschleiß selbst jedoch nicht.

Wozu dient die Computertomografie zusätzlich zum Röntgen?

Die CT stellt den Gelenkverschleiß an den einzelnen Gelenken der Lisfranc-Linie deutlich detaillierter dar als ein Röntgenbild und wird vor allem eingesetzt, wenn eine Operation geplant wird oder das Ausmaß des Verschleißes genauer eingeordnet werden muss.

Bin ich nach einer Mittelfußarthrodese stark eingeschränkt?

Da die Gelenke der Lisfranc-Linie im normalen Gangbild ohnehin nur wenig beweglich sind, kommen die meisten Patienten nach der knöchernen Ausheilung im Alltag gut mit der Versteifung zurecht. Sportarten mit sehr hoher Mittelfußbelastung können danach dennoch eingeschränkt sein.

Hilft Stoßwellentherapie bei einer Lisfranc-Arthrose?

Nein. Stoßwellentherapie ist vor allem bei Sehnen- und Weichteilreizungen sinnvoll, nicht jedoch bei einem knöchernen Gelenkverschleiß wie der Lisfranc-Arthrose. Sie wird bei dieser Erkrankung nicht eingesetzt.

Wie lange dauert es nach der Operation, bis ich wieder normal gehen kann?

Das hängt vom Ausmaß der versteiften Gelenklinie und dem individuellen Heilungsverlauf ab. Der Knochen benötigt mehrere Wochen zum vollständigen Durchbau, die Belastung wird danach schrittweise gesteigert. Insgesamt sollte für die vollständige Ausheilung mit mehreren Monaten geplant werden.

Kann sich die Arthrose auf weitere Fußgelenke ausbreiten?

Ein isolierter Verschleiß der Lisfranc-Gelenklinie muss nicht zwangsläufig auf andere Gelenke übergehen. Bei ausgeprägten Fehlstellungen oder einer nicht ausreichend versorgten Instabilität kann sich die Belastung jedoch auf benachbarte Fußgelenke verlagern, weshalb regelmäßige Verlaufskontrollen sinnvoll sind.