Ulnarisnerv-Dekompression (Kubitaltunnel-OP)
Operative Entlastung des Nervus ulnaris am Ellenbogen, als einfache In-situ-Dekompression oder mit Vorverlagerung des Nervs
Ziel der Ulnarisnerv-Dekompression ist es, den im Sulcus ulnaris eingeengten Ellennerv operativ zu entlasten, um Kribbeln, Taubheitsgefühl und Kraftverlust in Ring- und kleinem Finger zu bessern und ein Fortschreiten der Nervenschädigung zu stoppen. Diese Seite erklärt Ihnen, wie der Eingriff konkret abläuft, worin sich die beiden gängigen Verfahren unterscheiden und was in den Wochen danach auf Sie zukommt. Die Erkrankung selbst, die Diagnostik und die konservativen Behandlungsmöglichkeiten finden Sie auf unserer Seite zum Kubitaltunnelsyndrom.
Termin vereinbarenDie Operation auf einen Blick
Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf kann abweichen und hängt auch davon ab, ob eine reine Dekompression oder zusätzlich eine Vorverlagerung erfolgt.
Operationsdauer
Meist etwa 30–45 Minuten für die In-situ-Dekompression; bei einer Vorverlagerung des Nervs entsprechend länger.
Narkose
Häufig eine Regionalanästhesie des Arms (z. B. Plexusblockade), oft mit leichter Sedierung; alternativ Vollnarkose.
Krankenhausaufenthalt
In der Regel ambulant oder kurzstationär mit einer Übernachtung.
Ruhigstellung
Meist nur ein kurzzeitiger Verband oder eine Schiene für wenige Tage; keine lange Gipsruhigstellung erforderlich.
Beweglichkeit
Vorsichtige Bewegungsübungen des Ellenbogens werden meist früh angeleitet, um einer Versteifung vorzubeugen.
Wundkontrolle
Üblicherweise nach etwa 10–14 Tagen mit gegebenenfalls Fadenentfernung.
Physiotherapie/Ergotherapie
Bei Bedarf, insbesondere zur Beweglichkeits- und Kraftförderung nach einer Vorverlagerung.
Arbeitsunfähigkeit
Je nach Tätigkeit von wenigen Tagen bis einigen Wochen (überwiegend sitzend deutlich kürzer als bei kraftvoller, handbetonter Arbeit).
Autofahren
Abhängig vom Befinden und der Beweglichkeit häufig nach wenigen Tagen bis rund zwei Wochen wieder möglich.
Wann wird diese Operation durchgeführt?
Eine Operation kommt vor allem dann infrage, wenn die Beschwerden trotz konsequent ausgeschöpfter konservativer Therapie über mehrere Wochen bis Monate bestehen bleiben, wenn bereits motorische Ausfälle wie Kraftverlust oder eine beginnende Muskelrückbildung vorliegen, oder wenn die Elektroneurografie eine deutlichere Schädigung des Nervs zeigt.
Bei rein sensiblen, noch nicht lange bestehenden Beschwerden wird zunächst die konservative Behandlung ausgeschöpft. Zeigen sich jedoch motorische Warnzeichen oder eine auffällige Elektroneurografie, wird eine Operation auch dann sinnvoll, wenn die subjektiven Beschwerden noch moderat erscheinen, da sich eine bereits eingetretene motorische Schädigung nach Entlastung meist langsamer zurückbildet als rein sensible Beschwerden. Die Entscheidung für oder gegen eine Operation treffen wir stets individuell anhand Ihrer Beschwerden, der klinischen Untersuchung und der elektrophysiologischen Befunde.
Wie läuft die Operation ab?
Vorbereitung und Narkose
Der Eingriff erfolgt meist ambulant oder kurzstationär. Sie werden auf dem Rücken gelagert, der Arm wird ausgelagert. Häufig kommt eine Regionalanästhesie des Arms zum Einsatz, oft kombiniert mit einer leichten Sedierung; alternativ ist auch eine Vollnarkose möglich. Während der Operation wird meist eine Blutsperre am Oberarm angelegt, um übersichtliche Sichtverhältnisse zu schaffen.
Zugang
Über einen Hautschnitt von einigen Zentimetern an der Innenseite des Ellenbogens, über dem Verlauf des Nervus ulnaris im Sulcus ulnaris, wird der Nerv vorsichtig dargestellt und auf seiner gesamten Engstelle freigelegt.
Der eigentliche Eingriff
Zunächst werden die einengenden Bindegewebsstrukturen über dem Nerv, insbesondere das Retinaculum cubitale sowie gegebenenfalls die Faszie zwischen den Anteilen des Ellenbeugemuskels, gespalten, damit der Nerv wieder mehr Platz hat. In den meisten Fällen bleibt es bei dieser sogenannten In-situ-Dekompression, bei der der Nerv in seinem angestammten Bett verbleibt. Zeigt sich während der Operation, dass der Nerv instabil ist und bei Beugung über den knöchernen Vorsprung des inneren Ellenbogens nach vorne springt, oder liegt ein ausgeprägter beziehungsweise wiederkehrender Befund vor, wird der Nerv zusätzlich nach vorne verlagert (Vorverlagerung/Transposition). Die beiden Verfahren werden im nächsten Abschnitt genauer beschrieben.
Abschluss
Nach Kontrolle des freien Nervenverlaufs wird die Wunde schichtweise verschlossen. Es wird ein leichter Verband angelegt; eine kurzzeitige Schiene kann insbesondere nach einer Vorverlagerung sinnvoll sein, um die Wundheilung in den ersten Tagen zu unterstützen.
Zwei Verfahren: Dekompression oder Vorverlagerung
Welches Verfahren zum Einsatz kommt, richtet sich vor allem nach der Stabilität des Nervs sowie dem Schweregrad und der Vorgeschichte Ihrer Beschwerden.
Einfache In-situ-Dekompression
Das Retinaculum cubitale beziehungsweise die einengende Faszie über dem Nerv im Sulcus ulnaris wird gespalten, ohne den Nerv aus seinem angestammten Bett zu verlagern. Dies ist das Standardverfahren und reicht bei den meisten Patienten aus, sofern der Nerv nach der Spaltung stabil in seiner Rinne liegt und keine ausgeprägte Instabilität besteht.
Vorverlagerung (Transposition) des Nervs
Der Nerv wird zusätzlich aus dem Sulcus ulnaris gelöst und nach subkutan (unter die Haut) oder submuskulär (unter die Beugemuskulatur) vor den knöchernen Vorsprung des inneren Ellenbogens verlagert. Dieses Vorgehen wird gewählt, wenn der Nerv intraoperativ instabil ist und bei Beugung nach vorne springt, bei ausgeprägtem Befund oder wenn zuvor bereits eine Operation am Kubitaltunnel erfolgt ist (Rezidiveingriff).
Vorab lässt sich anhand von Beschwerdebild und Elektroneurografie oft schon einschätzen, welches Verfahren wahrscheinlich infrage kommt; die endgültige Entscheidung fällt jedoch häufig erst während der Operation anhand des Befunds vor Ort. Beide Verfahren verfolgen dasselbe Ziel, eine dauerhafte Entlastung des Nervs, und unterscheiden sich vor allem im Ausmaß des Eingriffs und in der Länge der anschließenden Erholungsphase.
Was passiert unmittelbar nach der Operation?
Bereits am Operationstag können Sie den Arm im Alltag vorsichtig einsetzen, sobald die Regionalanästhesie beziehungsweise die Narkose abgeklungen ist.
Ein Wundschmerz ist normal und lässt sich meist gut mit Schmerzmitteln kontrollieren; Hochlagern und Kühlen des Arms in den ersten Tagen hilft, die Schwellung gering zu halten. Der stationäre Aufenthalt beschränkt sich meist auf eine Übernachtung oder erfolgt ambulant. Frühzeitig angeleitete, vorsichtige Bewegungsübungen des Ellenbogens sollen ein Versteifen des Gelenks verhindern, während der Wundbereich selbst noch geschont wird.
Eine Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung erfolgt üblicherweise nach etwa 10–14 Tagen. Bei einer Vorverlagerung des Nervs wird die Belastung in den ersten Wochen etwas vorsichtiger gesteigert als bei der reinen In-situ-Dekompression.
Wie geht es zu Hause weiter?
- Erste Tage
Schonung, Hochlagern, vorsichtige Bewegung
Der Arm sollte möglichst oft hochgelagert und gekühlt werden. Vorsichtige, angeleitete Bewegungsübungen des Ellenbogens sind erwünscht, kraftvolles Greifen oder Heben sollte noch vermieden werden.
- Nach etwa 10–14 Tagen
Wundkontrolle und zunehmende Beweglichkeit
Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung. Die Beweglichkeit des Ellenbogens wird schrittweise gesteigert, leichte Alltagstätigkeiten sind meist wieder möglich.
- Nach 2–4 Wochen
Aufbau der Alltagsbelastung, bei Bedarf Therapie
Bei Bedarf wird Physiotherapie oder Ergotherapie ergänzt, insbesondere nach einer Vorverlagerung, um Beweglichkeit und Kraft gezielt aufzubauen.
- Nach 6–12 Wochen
Allmählicher Kraftaufbau
Kraftvollere und handwerklich fordernde Tätigkeiten sowie sportliche Belastung des Arms werden schrittweise und individuell angepasst gesteigert.
- Langfristig
Individuelle Rückbildung der Nervenbeschwerden
Wie schnell und wie vollständig sich Kribbeln und Taubheitsgefühl zurückbilden, ist von Person zu Person unterschiedlich und hängt vor allem davon ab, wie lange und wie ausgeprägt der Nerv zuvor eingeengt war.
Wann kann ich wieder …?
Alle Angaben sind Orientierungswerte und hängen vom gewählten Verfahren, Ihrer beruflichen Tätigkeit und dem individuellen Heilungsverlauf ab.
Leichte Alltagstätigkeiten
Vorsichtiger Einsatz der Hand für leichte Verrichtungen, solange die Wunde geschont wird.
Büro-/Schreibtischarbeit
Mit der Möglichkeit, den Arm zwischendurch hochzulegen und zu entlasten.
Auto fahren
Abhängig vom Befinden, der Beweglichkeit und ob der operierte Arm für die Lenk- und Schaltbewegungen benötigt wird.
Handwerkliche/kraftvolle Tätigkeit
Je nach Verfahren und Heilungsverlauf; nach einer Vorverlagerung meist etwas später als nach reiner Dekompression.
Sport ohne Armbelastung (z. B. Gehen, Joggen)
Nach abgeschlossener Wundheilung und guter Beweglichkeit.
Sport mit Armbelastung (Kraft-, Ball-, Kontaktsport)
Erst nach ausreichendem Kraftaufbau und Rücksprache mit dem Operateur.
Schreiben/Tippen
Zunächst in Pausen dosiert steigern, um den Wundbereich nicht zu überlasten.
Schwere Lasten heben/tragen
Schrittweise Steigerung entsprechend der Kraftentwicklung, insbesondere nach einer Vorverlagerung.
Duschen
Je nach Verbandsart, sobald die Wunde ausreichend abgedeckt werden kann.
Welche Ergebnisse kann ich erwarten?
Die operative Entlastung des Nervs kann Kribbeln, Taubheitsgefühl und Kraftverlust bessern, wie schnell und wie vollständig, ist jedoch von Person zu Person unterschiedlich.
Rein sensible Beschwerden wie Kribbeln und Taubheitsgefühl bilden sich nach einer erfolgreichen Dekompression bei vielen Betroffenen deutlich zurück, insbesondere wenn die Nervenkompression noch nicht lange bestanden hat. War bereits eine motorische Schädigung mit Kraftverlust oder sichtbarer Muskelrückbildung (Atrophie) eingetreten, bessert sich die Funktion nach der Operation häufig, jedoch meist langsamer und nicht immer vollständig, da sich Nervenfasern nur begrenzt und über längere Zeit regenerieren. Je länger und ausgeprägter eine motorische Schädigung bereits bestand, desto vorsichtiger ist die Erholungsaussicht einzuschätzen.
Beide Operationsverfahren verfolgen dasselbe Ziel einer dauerhaften Entlastung des Nervs. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, die individuelle Prognose besprechen wir mit Ihnen anhand Ihres Befunds, der Dauer Ihrer Beschwerden und der Elektroneurografie.
Welche Risiken bestehen?
Allgemeine Operationsrisiken
Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion und Narkoserisiken. Das Thromboserisiko ist bei diesem Eingriff insgesamt gering.
Spezifische Risiken dieser Operation
Da der Nerv unmittelbar im Operationsgebiet liegt, kann es zu einer vorübergehenden, in seltenen Fällen auch anhaltenden Reizung oder Verletzung des Nervus ulnaris kommen. Kleine Hautnerven im Wundbereich können gereizt werden und ein umschriebenes Taubheitsgefühl an der Haut verursachen. Ein Narbenschmerz oder eine erhöhte Druckempfindlichkeit im Bereich der Narbe ist möglich. Bei bereits fortgeschrittener Nervenschädigung vor der Operation kann sich die Beschwerdesymptomatik trotz technisch erfolgreicher Entlastung nur unvollständig zurückbilden.
Langfristige Risiken
Ein erneutes Auftreten der Beschwerden (Rezidiv) durch eine erneute Einengung oder, nach reiner In-situ-Dekompression, durch eine sekundäre Instabilität des Nervs ist grundsätzlich möglich und kann gegebenenfalls eine weitere Operation mit Vorverlagerung erforderlich machen. Nach einer Vorverlagerung ist die Rehabilitationszeit erfahrungsgemäß etwas länger als nach der einfachen Dekompression, da der Nerv und das umliegende Gewebe mehr Zeit zur Einheilung benötigen.
Worauf sollten Sie nach der Operation achten?
Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden
- Fieber
- Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
- Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
- Neu auftretende oder deutlich zunehmende Taubheit, Kribbeln oder Kraftverlust in Ring- und kleinem Finger
- Verrutschen des Verbands oder der Schiene
- Schwellung, Schmerz oder Überwärmung des Unterarms
- Atemnot
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.
Häufig gestellte Fragen zur Ulnarisnerv-Dekompression
Wie groß ist die Narbe?
Der Hautschnitt liegt an der Innenseite des Ellenbogens über dem Sulcus ulnaris und ist meist wenige Zentimeter lang. Bei einer Vorverlagerung des Nervs kann der Zugang etwas länger ausfallen, da ein größerer Nervenabschnitt dargestellt werden muss.
Muss der Arm nach der Operation ruhiggestellt werden?
Meist ist keine lange Ruhigstellung notwendig. Häufig genügt ein leichter Verband oder eine kurzzeitige Schiene für einige Tage. Vorsichtige, frühzeitig angeleitete Bewegung wird bewusst gefördert, um einer Versteifung des Ellenbogens vorzubeugen.
Wie entscheidet sich, ob eine reine Dekompression ausreicht oder eine Vorverlagerung nötig ist?
Ausschlaggebend ist vor allem, ob der Nerv nach der Spaltung der einengenden Strukturen stabil in seiner Rinne liegt oder bei Beugung des Ellenbogens nach vorne springt. Dies lässt sich endgültig erst während der Operation beurteilen; ein ausgeprägter Befund oder eine vorangegangene Voroperation sprechen zusätzlich für eine Vorverlagerung.
Bildet sich das Taubheitsgefühl nach der Operation vollständig zurück?
Das hängt vor allem davon ab, wie lange und wie ausgeprägt der Nerv vor der Operation eingeengt war. Bei überwiegend sensiblen, noch nicht lange bestehenden Beschwerden ist eine deutliche Besserung häufig; bei bereits eingetretener Muskelrückbildung kann eine Restsymptomatik zurückbleiben, da sich Nervengewebe nur begrenzt regeneriert.
Wie lange bin ich krankgeschrieben?
Das hängt stark von Ihrer beruflichen Tätigkeit und dem gewählten Verfahren ab: Bei überwiegend sitzender Tätigkeit sind oft schon nach wenigen Tagen bis rund zwei Wochen wieder Arbeitstage möglich, bei körperlich fordernder oder handbetonter Arbeit kann es deutlich länger dauern, insbesondere nach einer Vorverlagerung.
Ist nach der Operation Physiotherapie notwendig?
Nicht zwingend. Viele Patienten kommen nach einer reinen In-situ-Dekompression mit angeleiteten Übungen im Alltag gut zurecht. Bei Bedarf, etwa nach einer Vorverlagerung oder bei zäher Beweglichkeit, wird ergänzend Physiotherapie oder Ergotherapie empfohlen.
Kann das Kubitaltunnelsyndrom nach der Operation zurückkommen?
Ein Rezidiv ist grundsätzlich möglich, etwa durch eine erneute Einengung oder, nach reiner Dekompression, durch eine sekundäre Instabilität des Nervs. In einem solchen Fall kann eine erneute Operation mit Vorverlagerung des Nervs erwogen werden.
Ulnarisnerv-Dekompression bei MedArtes
Ob eine einfache In-situ-Dekompression ausreicht oder eine Vorverlagerung des Nervs sinnvoll ist, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, der klinischen Untersuchung und der Elektroneurografie. Wir besprechen mit Ihnen gemeinsam, welches Vorgehen für Ihren individuellen Befund geeignet ist, und begleiten Sie durch Operation und Nachbehandlung.
Unser Spezialist für Hand & Ellenbogen
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