Osteochondrosis dissecans der Hüfte
Bei einer Osteochondrosis dissecans ist ein umschriebener Bereich von Gelenkknorpel und dem darunterliegenden Knochen im Hüftgelenk geschädigt; verwandt ist der isolierte Knorpelschaden ohne begleitende Knochenbeteiligung. An der Hüfte kommt diese Erkrankung insgesamt seltener vor als am Kniegelenk, kann aber ebenfalls Leistenschmerzen und in manchen Fällen mechanische Beschwerden wie ein Blockieren des Gelenks verursachen. Je nach Befund reicht die Behandlung von Aktivitätsanpassung und Physiotherapie bis zu gelenkerhaltenden operativen Verfahren.
Termin vereinbarenTypische Symptome
Führendes Symptom ist ein belastungsabhängiger Leistenschmerz; hat sich ein Knorpel-Knochen-Fragment gelöst, können zusätzlich mechanische Beschwerden auftreten.

Solange der betroffene Bereich noch stabil im umgebenden Knochen verankert ist, äußert sich die Erkrankung häufig durch einen eher diffusen, belastungsabhängigen Schmerz in der Leiste, der bei Sport oder längerem Gehen zunimmt und sich in Ruhe bessert. Löst sich ein Fragment aus Knorpel und Knochen teilweise oder vollständig und bewegt sich frei im Gelenk (freier Gelenkkörper), können zusätzlich ein Blockade- oder Einklemmgefühl, ein Schnappen oder eine plötzlich eingeschränkte Beweglichkeit auftreten. Diese mechanischen Symptome sind ein wichtiger Hinweis darauf, dass der Befund nicht mehr stabil ist.
Was steckt dahinter?
Aufbau des Gelenkknorpels
Der Gelenkknorpel überzieht die Gelenkflächen von Hüftkopf und Hüftgelenkspfanne und sorgt gemeinsam mit dem darunterliegenden Knochen für eine reibungsarme, belastungsfähige Gleitfläche. Knorpelgewebe wird nicht direkt durchblutet und hat daher nur eine begrenzte Fähigkeit zur Selbstheilung.
Wie entsteht eine Osteochondrosis dissecans?
Bei einer Osteochondrosis dissecans kommt es in einem umschriebenen Bereich zu einer Durchblutungsstörung des knochennahen Gewebes unterhalb des Gelenkknorpels. Dadurch kann sich dieser Bereich von seiner Umgebung ablösen und im fortgeschrittenen Verlauf als sogenannter freier Gelenkkörper in das Gelenk gelangen. Ein isolierter Knorpelschaden betrifft demgegenüber vor allem den Knorpel selbst, etwa durch eine punktuelle mechanische Überlastung, ohne dass zwingend eine größere Knochenbeteiligung vorliegt. An der Hüfte sind beide Formen insgesamt seltener als am Kniegelenk, das aufgrund seiner Anatomie und Belastung häufiger betroffen ist.
Ursachen und Risikofaktoren
- Wiederholte mechanische Mikrotraumen, etwa durch intensiven Sport mit häufigen Dreh- und Stoßbelastungen
- Eine zugrunde liegende Formstörung des Hüftgelenks, etwa ein femoroacetabuläres Impingement, kann örtliche Überlastungen des Knorpels begünstigen
- Individuelle anatomische und möglicherweise erbliche Faktoren, deren genaues Zusammenspiel im Einzelfall nicht immer abschließend geklärt werden kann

Das Wichtigste in Kürze
UntersuchungWie finden wir die Ursache?
Am Anfang steht die klinische Untersuchung mit Prüfung der Beweglichkeit, gezielten Provokationstests und der Frage nach mechanischen Symptomen wie Blockaden. Ein Röntgenbild kann bei einem bereits fortgeschrittenen Befund Hinweise liefern, ist in frühen Stadien jedoch oft unauffällig. Die MRT ist die wichtigste Untersuchungsmethode, da sie Lage und Größe des betroffenen Areals sowie, entscheidend für die Therapieplanung, dessen Stabilität am zuverlässigsten beurteilen kann. In Einzelfällen, etwa bei geplanter operativer Versorgung, kann ergänzend eine Computertomographie zur genaueren Darstellung der knöchernen Strukturen sinnvoll sein.
Ohne OperationKonservative Behandlung
Die meisten Beschwerden an der Hüfte lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.
Klassische Schmerztherapie und Physiotherapie
Zur konservativen Therapie nutzen wir die orale Schmerzmedikation und Physiotherapie als Basis zur Verbesserung Ihrer Beschwerden.
Medikamentöse Schmerztherapie
Kurzfristig eingesetzt, um akute Beschwerden zu lindern und Bewegung wieder zu ermöglichen.
Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie
Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung, unter therapeutischer Anleitung strukturiert aufgebaut.
Aktivitätsanpassung und Entlastung bei stabilem Befund
Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen mit noch offenen Wachstumsfugen und einem stabilen Befund kann eine vorübergehende Reduktion der Belastung, in ausgewählten Fällen auch eine zeitweise Entlastung an Gehstützen, die Ausheilung des betroffenen Areals unterstützen.
Vermeidung von Stoß- und Drehbelastung
Der zeitweise Verzicht auf Sportarten mit hoher Stoßbelastung oder abrupten Drehbewegungen kann helfen, den betroffenen Knorpel-Knochen-Bereich vor weiterer mechanischer Reizung zu schützen.
Regenerative Therapie
Ergänzend zu konservativen und interventionellen Maßnahmen können regenerative Eigenblutverfahren eingesetzt werden. Bei MedArtes setzen wir bewusst auch auf innovative Verfahren der regenerativen Medizin, um Ihnen über etablierte Therapien hinaus zusätzliche, zukunftsorientierte Behandlungsoptionen anzubieten.
Wenn nötigOperative Behandlung
Operationsverfahren
Refixation eines abgelösten Fragments
Das gelöste, aber noch erhaltene Knorpel-Knochen-Fragment wird wieder an seinem ursprünglichen Ort befestigt.
Knorpelregenerative Verfahren
Behandlung des Defekts, wenn eine Refixation nicht möglich ist, mit dem Ziel, die Bildung von Ersatzgewebe im geschädigten Areal anzuregen.
Arthroskopische Entfernung eines freien Gelenkkörpers
Ein bereits frei im Gelenk beweglicher Knorpel-Knochen-Fragment wird minimalinvasiv entfernt, um mechanische Beschwerden und weitere Knorpelschäden zu vermeiden.
Wann rasch zum Arzt?
Blockaden und Einklemmgefühl sind ein Hinweis auf Instabilität
Ein plötzliches Blockieren, Einklemmen oder wiederkehrendes Schnappen im Hüftgelenk kann auf einen bereits abgelösten oder gelockerten Knorpel-Knochen-Bereich hinweisen und sollte fachärztlich untersucht werden, um weitere Schäden am Gelenkknorpel zu vermeiden.
- Bei Kindern und Jugendlichen mit noch offenen Wachstumsfugen bietet eine frühzeitige Diagnose die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche konservative Behandlung
- Anhaltende oder wiederkehrende Leistenschmerzen ohne klare Ursache sollten grundsätzlich fachärztlich abgeklärt werden
- Eine MRT ist bei Verdacht auf eine Osteochondrosis dissecans in der Regel die aussagekräftigste Untersuchung, um Lage, Größe und Stabilität des Befunds einzuschätzen
Ihre Spezialisten für die Hüfte
Dr. med. Sven Hartmann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
PD Dr. med. Dipl.-Ing. Florian Völlner
Prof. Dr. med. Dr. med. univ. Günther Maderbacher, MHBA
Prof. Dr. med. Franz Xaver Köck
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Osteochondrosis dissecans und einem einfachen Knorpelschaden?
Bei der Osteochondrosis dissecans ist neben dem Gelenkknorpel auch der darunterliegende Knochen betroffen, wodurch sich ein Fragment aus beiden Gewebeschichten lösen kann. Ein isolierter Knorpelschaden betrifft in erster Linie den Knorpel selbst, ohne dass zwangsläufig eine größere Knochenbeteiligung vorliegt.
Kann eine Osteochondrosis dissecans der Hüfte von selbst ausheilen?
Bei Kindern und Jugendlichen mit noch offenen Wachstumsfugen und einem stabilen Befund ist eine Ausheilung unter konsequenter Entlastung möglich. Bei Erwachsenen oder bereits instabilen Befunden ist eine spontane Ausheilung deutlich seltener.
Muss ich bei einer Osteochondrosis dissecans immer operiert werden?
Nein. Bei stabilen Befunden, insbesondere im Wachstumsalter, wird zunächst häufig konservativ mit Aktivitätsanpassung behandelt. Eine Operation wird vor allem bei Instabilität, freiem Gelenkkörper oder ausbleibender Besserung erwogen.
Warum treten plötzlich Blockaden im Hüftgelenk auf?
Ein plötzliches Blockieren kann auftreten, wenn sich ein Knorpel-Knochen-Fragment ganz oder teilweise gelöst hat und sich zwischen den Gelenkflächen einklemmt. Dieses Symptom sollte zeitnah fachärztlich abgeklärt werden.
Welche Sportarten sind bei einer Osteochondrosis dissecans der Hüfte geeignet?
Gelenkschonende Ausdauersportarten wie Schwimmen oder Radfahren werden während der Behandlungsphase häufig gut vertragen. Sportarten mit hoher Stoß- oder Drehbelastung sollten individuell mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.
Steht die Osteochondrosis dissecans immer in Zusammenhang mit einem Hüftimpingement?
Nicht immer, aber bei einem Teil der Betroffenen kann eine zugrunde liegende Formstörung des Hüftgelenks wie ein femoroacetabuläres Impingement zu einer lokalen Überlastung des Knorpels beitragen. Dies wird im Rahmen der Diagnostik mit abgeklärt.
Kann eine unbehandelte Osteochondrosis dissecans zu Arthrose führen?
Ein fortbestehender oder unbehandelter Knorpel-Knochen-Schaden kann die Gelenkmechanik dauerhaft stören und das Risiko einer vorzeitigen Hüftarthrose erhöhen. Eine rechtzeitige, dem Befund angepasste Behandlung soll dem entgegenwirken.