Offene Hüfteinstellung bei Osteochondrosis dissecans
Vollständige Eröffnung des Hüftgelenks zur Behandlung schwer zugänglicher Knorpel-Knochen-Defekte unter direkter Sicht
Lässt sich eine Osteochondrosis dissecans der Hüfte arthroskopisch nicht ausreichend behandeln, kann das Gelenk über die sogenannte sichere chirurgische Luxationstechnik (nach Ganz) offen eröffnet werden. Der Hüftkopf wird dabei kontrolliert aus der Pfanne herausgekugelt und wieder eingestellt, ohne seine Blutversorgung zu gefährden. So kann der betroffene Knorpel-Knochen-Bereich unter direkter Sicht beurteilt und behandelt werden, vor allem bei größeren, zentral oder weiter hinten gelegenen Befunden, die arthroskopisch nicht sicher erreichbar sind.
Termin vereinbarenDie Operation auf einen Blick
Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf kann abweichen.
Zugang
Offener, seitlicher Zugang zum Hüftgelenk mit kontrollierter Ablösung eines Knochenfensters am großen Rollhügel.
Narkose
In der Regel Vollnarkose, häufig ergänzt durch ein Verfahren zur Schmerztherapie nach der Operation.
Prinzip
Sichere, kontrollierte Luxation und Einstellung des Hüftkopfes unter Erhalt seiner Blutversorgung, um den Defekt unter direkter Sicht zu erreichen.
Behandelbare Befunde
Osteochondrosis-dissecans-Herde, die arthroskopisch nicht ausreichend zugänglich sind, etwa zentral oder weiter hinten gelegene sowie größere Defekte.
Verfahren am Defekt
Je nach Befund Refixation eines Fragments, ein knorpelregeneratives Verfahren oder Entfernung eines bereits freien Gelenkkörpers, unter direkter Sicht.
Belastung
Nach der Operation zunächst Teilbelastung an Gehstützen für mehrere Wochen.
Reha
Strukturiertes Physiotherapie-Programm mit schrittweisem Belastungsaufbau.
Im Vergleich zur Arthroskopie
Aufwendigere Rehabilitation, dafür vollständiger Zugang zu arthroskopisch schwer erreichbaren Arealen.
Ziel
Erhalt des körpereigenen Gelenkknorpels und der Gelenkfunktion.
Wie läuft die Operation ab?
Vorbereitung und Narkose
Der Eingriff erfolgt in der Regel in Vollnarkose. Sie werden so gelagert, dass ein seitlicher Zugang zum Hüftgelenk möglich ist.
Zugang und sichere Luxation
Über einen seitlichen Zugang wird ein Knochenfenster am großen Rollhügel kontrolliert abgelöst. Nach der sogenannten sicheren chirurgischen Luxationstechnik (nach Ganz) wird der Hüftkopf anschließend gezielt aus der Pfanne herausgekugelt und eingestellt, ohne die für seine Durchblutung entscheidenden Gefäße zu gefährden. Dieses Vorgehen erlaubt eine vollständige Einsicht auf den betroffenen Knorpel-Knochen-Bereich, auch wenn dieser arthroskopisch nicht sicher erreichbar wäre.
Darstellung und Behandlung des Defekts
Unter direkter Sicht wird der Knorpel-Knochen-Defekt dargestellt und hinsichtlich Größe, Lage und Zustand beurteilt. Je nach Befund erfolgt entweder die Refixation eines noch verwertbaren, abgelösten Fragments an seinem ursprünglichen Ort, oder, wenn kein verwertbares Fragment vorliegt, ein knorpelregeneratives Verfahren, das die Bildung von Ersatzgewebe im betroffenen Areal anregen soll. Liegt bereits ein freier Gelenkkörper vor, wird dieser unter direkter Sicht entfernt.
Reposition und Refixation
Nach abgeschlossener Behandlung des Defekts wird der Hüftkopf wieder in die Pfanne zurückgeführt. Das zuvor abgelöste Knochenfenster am Rollhügel wird mit Schrauben wieder an seinem ursprünglichen Ort befestigt.
Abschluss
Nach Kontrolle der Beweglichkeit und des korrekten Sitzes wird die Wunde schichtweise verschlossen.
Was passiert unmittelbar nach der Operation?
In den ersten Tagen steht die Schmerzkontrolle und eine vorsichtige, angeleitete Mobilisation im Vordergrund.
Ein Wundschmerz ist in den ersten Tagen normal und wird konsequent mit Schmerzmitteln und Kühlung behandelt. Das operierte Bein wird zunächst nur teilbelastet, um die Refixation des Knochenfensters sowie die Behandlung des Defekts nicht zu gefährden. Die Physiotherapie beginnt bereits während des stationären Aufenthalts mit vorsichtigen Bewegungsübungen und dem Erlernen des Gehens an Gehstützen unter Teilbelastung.
Zur Vorbeugung einer Thrombose wird für die Dauer der eingeschränkten Belastung eine medikamentöse Prophylaxe eingesetzt. Der genaue Zeitpunkt der Entlassung richtet sich nach dem individuellen Heilungsverlauf.
Wie geht es zu Hause weiter?
- Erste Wochen
Teilbelastung an Gehstützen
Das operierte Bein wird für mehrere Wochen nur teilbelastet, begleitet von Physiotherapie zur Beweglichkeit und zur Anleitung des Gangbilds an Gehstützen.
- Im weiteren Verlauf
Strukturierter Belastungsaufbau
Nach Freigabe durch den behandelnden Arzt wird die Belastung im Rahmen eines strukturierten Physiotherapie-Programms schrittweise gesteigert, begleitet von gezieltem Muskelaufbau um das Hüftgelenk.
- Weiterer Verlauf
Rückkehr zu Alltag und Belastung
Alltagstätigkeiten werden entsprechend dem individuellen Heilungsverlauf schrittweise wieder aufgenommen. Wann eine vollständige sportliche Belastung möglich ist, wird im Rahmen der Nachsorge besprochen.
Wann kann ich wieder …?
Alle Angaben sind Orientierungswerte und hängen vom individuellen Heilungsverlauf ab.
Vollständig belasten
Erst nach knöcherner Durchbauung des refixierten Knochenfensters und ausreichender Stabilität des behandelten Defekts.
Auto fahren
Erst wenn Kraft und Beweglichkeit für eine sichere Notbremsung ausreichen.
Büroarbeit
Abhängig vom Heilungsverlauf und der Möglichkeit, Belastung im Alltag zu dosieren.
Körperlich arbeiten
Erst nach abgeschlossenem Kraft- und Beweglichkeitsaufbau in der Reha.
Schwimmen
Gelenkschonend, jedoch erst nach Freigabe durch den behandelnden Arzt.
Sport mit Dreh- und Stoßbelastung
Rückkehr richtet sich nach dem behandelten Befund und der muskulären Stabilität des Gelenks.
Welche Ergebnisse kann ich erwarten?
Ziel der offenen Hüfteinstellung ist es, den betroffenen Knorpel-Knochen-Bereich unter direkter Sicht zu behandeln und dabei den körpereigenen Gelenkknorpel möglichst zu erhalten.
Bei einer erfolgreichen Refixation kann der ursprüngliche Gelenkknorpel erhalten bleiben. Bei knorpelregenerativen Verfahren entsteht Ersatzgewebe, das in der Regel nicht vollständig die Qualität des ursprünglichen Gelenkknorpels erreicht. Das Ergebnis hängt unter anderem von Größe und Lage des Defekts, dem gewählten Verfahren und der konsequenten Mitarbeit während der Reha ab. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, die individuelle Prognose besprechen wir mit Ihnen anhand Ihres Befunds.
Weil der Eingriff aufwendiger ist als eine Arthroskopie, ist auch die Rehabilitation entsprechend länger. Dafür können Befunde behandelt werden, die arthroskopisch nicht sicher zugänglich wären.
Welche Risiken bestehen?
Allgemeine Operationsrisiken
Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion, Narkoserisiken sowie ein Thrombose- und Embolierisiko. Zur Vorbeugung wird routinemäßig eine medikamentöse Thromboseprophylaxe eingesetzt.
Verfahrensspezifische Aspekte
Die sichere chirurgische Luxationstechnik ist gezielt darauf ausgelegt, die Blutversorgung des Hüftkopfes während der Operation zu schonen. Das abgelöste und wieder refixierte Knochenfenster am Rollhügel muss knöchern durchbauen, weshalb die Teilbelastung an Gehstützen für mehrere Wochen eingehalten werden muss. Der behandelte Gelenkknorpel beziehungsweise das entstehende Ersatzgewebe kann sich nur begrenzt regenerieren; ein vollständiger Wiederaufbau der ursprünglichen Knorpelqualität ist nicht in jedem Fall zu erwarten. Im Vergleich zu arthroskopischen Verfahren ist die Rehabilitation insgesamt aufwendiger und langwieriger.
Worauf sollten Sie nach der Operation achten?
Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden
- Fieber
- Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
- Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
- Plötzliche Bewegungseinschränkung oder ein Instabilitätsgefühl im Hüftgelenk
- Schwellung, Schmerz oder Überwärmung der Wade (mögliches Zeichen einer Thrombose)
- Atemnot
- Eine über die Teilbelastungsvorgabe hinausgehende Belastung des operierten Beins
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.
Offene Hüfteinstellung bei MedArtes
Am Anfang steht bei uns immer eine genaue Diagnose. Auf dieser Grundlage besprechen wir gemeinsam mit Ihnen, welche Behandlung in Ihrer individuellen Situation medizinisch sinnvoll ist.
Bei einer Osteochondrosis dissecans der Hüfte, die arthroskopisch nicht ausreichend behandelbar ist, klären wir anhand Ihrer klinischen Untersuchung und MRT-Bildgebung, ob eine offene Hüfteinstellung für Sie geeignet ist, und begleiten Sie durch Operation und Nachbehandlung.
Ihre Spezialisten für die Hüfte
Dr. med. Sven Hartmann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
PD Dr. med. Dipl.-Ing. Florian Völlner
Prof. Dr. med. Dr. med. univ. Günther Maderbacher, MHBA
Prof. Dr. med. Franz Xaver Köck
Häufig gestellte Fragen zur offenen Hüfteinstellung bei Osteochondrosis dissecans
Was unterscheidet die offene Hüfteinstellung von einer arthroskopischen Behandlung?
Bei der Arthroskopie wird das Gelenk über kleine Zugänge mit einer Kamera behandelt, bei der offenen Hüfteinstellung wird das Gelenk vollständig eröffnet. Das erlaubt einen umfassenderen Zugang zu Befunden, die arthroskopisch nicht sicher erreichbar sind, geht jedoch mit einer aufwendigeren Rehabilitation einher.
Ist die Blutversorgung des Hüftkopfes bei dieser Operation gefährdet?
Die sichere chirurgische Luxationstechnik nach Ganz wurde gezielt entwickelt, um die für die Durchblutung des Hüftkopfes entscheidenden Gefäße während der Luxation und Einstellung zu schonen.
Welches Verfahren wird am Knorpel-Knochen-Defekt selbst angewendet?
Das hängt vom Befund ab: Ist noch ein verwertbares Fragment vorhanden, wird dieses refixiert. Fehlt ein verwertbares Fragment, kommt ein knorpelregeneratives Verfahren zum Einsatz. Liegt bereits ein freier Gelenkkörper vor, wird dieser entfernt.
Wie lange muss ich die Gehstützen benutzen?
In der Regel für mehrere Wochen, bis das refixierte Knochenfenster am Rollhügel knöchern ausreichend durchgebaut ist. Die genaue Dauer legt Ihr behandelnder Arzt anhand des Heilungsverlaufs fest.
Kann der Gelenkknorpel durch die Operation vollständig wiederhergestellt werden?
Bei einer erfolgreichen Refixation kann der ursprüngliche Knorpel erhalten bleiben. Entsteht dagegen Ersatzgewebe im Rahmen eines knorpelregenerativen Verfahrens, erreicht dieses in der Regel nicht vollständig die Qualität des ursprünglichen Gelenkknorpels.
Wie lange bin ich krankgeschrieben?
Das hängt von Ihrer beruflichen Tätigkeit und dem individuellen Heilungsverlauf ab und wird im Rahmen der Nachsorge gemeinsam mit Ihnen besprochen.
Bleibt eine sichtbare Narbe zurück?
Der seitliche Zugang hinterlässt eine Narbe, die mit der Zeit meist deutlich verblasst.
Operation besprechen
Wenn Ihnen eine Offene Hüfteinstellung bei Osteochondrosis dissecans empfohlen wurde und Sie den Ablauf und Ihre individuelle Eignung besprechen möchten, vereinbaren Sie gerne einen Termin.