Patellaspitzensyndrom (Jumper's Knee)
Beim Patellaspitzensyndrom ist der Ansatz der Patellarsehne an der unteren Kniescheibenspitze schmerzhaft gereizt. Typisch ist ein gut lokalisierbarer Druckschmerz genau an dieser Stelle, der bei sprung- und sprintintensiven Sportarten wie Volleyball, Basketball oder Leichtathletik, daher der Name „Jumper's Knee", allmählich zunimmt. Ursache ist eine chronische Überlastung der Sehne, keine akute Verletzung. Die Behandlung ist ganz überwiegend konservativ, mit gezieltem exzentrischem Krafttraining als zentralem Baustein.
Termin vereinbarenTypische Symptome
Typisch ist ein gut lokalisierbarer, punktueller Druckschmerz genau an der unteren Kniescheibenspitze, dort, wo die Patellarsehne am Knochen ansetzt.

Die Beschwerden treten belastungsabhängig auf und verstärken sich charakteristischerweise bei Sprüngen, beim Absprung und bei der Landung, bei schnellen Sprints sowie beim Treppabgehen oder tiefen Kniebeugen, wenn die Sehne unter erhöhter Zugspannung steht. Besonders häufig betroffen sind Sportarten mit wiederholtem, intensivem Springen und Sprinten wie Volleyball, Basketball, Leichtathletik (Sprung- und Sprintdisziplinen) oder Fußball, daher der im Sport gebräuchliche Name „Jumper's Knee".
Beschwerden nehmen häufig stufenweise zu
Im Anfangsstadium treten die Schmerzen meist nur nach der sportlichen Belastung auf. Im weiteren Verlauf können sie bereits während der Aktivität auftreten, zunächst ohne die Leistungsfähigkeit wesentlich einzuschränken. In fortgeschrittenen, unbehandelten Fällen können die Schmerzen die sportliche Leistungsfähigkeit spürbar beeinträchtigen oder sogar in Ruhe bestehen bleiben. Diese stufenweise Zunahme ist ein typisches Merkmal von Überlastungsbeschwerden der Sehne und ein wichtiger Grund, die Beschwerden frühzeitig ernst zu nehmen.
Was steckt dahinter?
Dem Patellaspitzensyndrom liegt eine chronische Überlastung des Sehnenansatzes zugrunde, keine plötzliche Verletzung wie ein Riss oder ein Unfallereignis.
Chronische Überlastung statt akuter Verletzung
Bei wiederholten, intensiven Sprung- und Abbremsbewegungen wirken hohe Zugkräfte auf die Patellarsehne. Kann sich das Sehnengewebe zwischen den Belastungen nicht ausreichend erholen, kommt es zu wiederholten kleinsten Gewebeschädigungen (Mikrotraumatisierung) am Sehnenansatz. Über die Zeit reagiert die Sehne darauf mit einem Umbau ihrer Struktur, man spricht von einer Tendinopathie des Sehnenansatzes, nicht von einer klassischen, akut entzündlichen Sehnenentzündung.
Begünstigende Faktoren
Begünstigt wird die Entstehung durch eine plötzliche Steigerung von Trainingsumfang oder -intensität, ungewohnte Sprungbelastungen, harte Untergründe, unzureichende Regeneration zwischen den Belastungseinheiten sowie muskuläre Dysbalancen oder eine eingeschränkte Beweglichkeit der Oberschenkelmuskulatur. Auch individuelle anatomische Faktoren können eine Rolle spielen.

Das Wichtigste in Kürze
UntersuchungWie finden wir die Ursache?
Die Diagnose wird überwiegend klinisch gestellt, der punktuelle Druckschmerz an der Kniescheibenspitze ist meist wegweisend.
Anamnese und klinische Untersuchung
Im Gespräch werden Sportart, Trainingsumfang, Belastungssteigerung und der zeitliche Verlauf der Beschwerden erfasst. Bei der körperlichen Untersuchung wird der Sehnenansatz an der unteren Kniescheibenspitze in leichter Kniebeugung gezielt abgetastet. Der dabei auslösbare, gut lokalisierbare Druckschmerz ist charakteristisch für das Patellaspitzensyndrom und hilft, es von anderen Überlastungsbeschwerden am Knie abzugrenzen.
Ultraschall
Eine Ultraschalluntersuchung ist gut geeignet, um die Struktur der Patellarsehne zu beurteilen. Typische Befunde sind eine Verdickung der Sehne im ansatznahen Bereich sowie echoarme, degenerativ veränderte Areale. Der Ultraschall liefert damit wichtige Zusatzinformationen zur klinischen Untersuchung, ohne Strahlenbelastung.
MRT bei unklaren oder hartnäckigen Fällen
Eine MRT ist nicht routinemäßig erforderlich, kann aber sinnvoll sein, wenn die Beschwerden untypisch verlaufen, sich trotz konsequenter Therapie nicht bessern oder andere Ursachen ausgeschlossen werden sollen. Sie zeigt die Sehnenstruktur besonders detailliert und kann auch begleitende Veränderungen am Knochen oder eine Teilschädigung der Sehne darstellen.
Ohne OperationKonservative Behandlung
Die meisten Beschwerden am Knie lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.
Klassische Schmerztherapie und Physiotherapie
Zur konservativen Therapie nutzen wir die orale Schmerzmedikation und Physiotherapie als Basis zur Verbesserung Ihrer Beschwerden.
Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie
Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung, unter therapeutischer Anleitung strukturiert aufgebaut.
Belastungsreduktion und -anpassung
Vorübergehende Reduzierung sprung- und sprintintensiver Belastung, meist ohne vollständige Sportpause, mit schrittweisem Wiederaufbau.
Exzentrisches Krafttraining der Oberschenkelmuskulatur
Zentraler Baustein der Behandlung: ein gezielt aufgebautes, meist über mehrere Wochen fortgeführtes exzentrisches Training des Musculus quadriceps, häufig auf einem Schrägbrett durchgeführt.
Bandagen und Tapes
Eine Infrapatellarbandage oder ein Tape kann die Zugbelastung auf die Sehne ergänzend reduzieren und Beschwerden während der Belastung lindern, ersetzt aber nicht das gezielte Training.
Kortisoninfiltrationen
Injektionen direkt in die Sehne bergen das Risiko einer weiteren Schwächung des Sehnengewebes bis hin zur Ruptur. Sie werden daher nicht als Standardtherapie eingesetzt, sondern allenfalls im Einzelfall kritisch abgewogen.
Mehr über die interventionelle Schmerztherapie erfahren →Physikalische Medizin
Zur optimalen Regeneration nutzen wir gezielt die Stoßwellentherapie und High-Power-Lasertherapie: Die Stoßwelle regt die Durchblutung an, bricht Verkalkungen auf und aktiviert die Zellheilung, während der Laser auf Zellebene die Regeneration unterstützt.
Regenerative Therapie
Ergänzend zu konservativen und interventionellen Maßnahmen können regenerative Eigenblutverfahren eingesetzt werden. Bei MedArtes setzen wir bewusst auch auf innovative Verfahren der regenerativen Medizin, um Ihnen über etablierte Therapien hinaus zusätzliche, zukunftsorientierte Behandlungsoptionen anzubieten.
Ihre Spezialisten für das Knie
Dr. med. Sven Hartmann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
PD Dr. med. Dipl.-Ing. Florian Völlner
Prof. Dr. med. Dr. med. univ. Günther Maderbacher, MHBA
Prof. Dr. med. Franz Xaver Köck
Prof. Dr. med. habil. Jürgen Götz, MHBA
Häufig gestellte Fragen
Muss ein Patellaspitzensyndrom operiert werden?
Nein. Die ganz überwiegende Zahl der Fälle wird erfolgreich konservativ behandelt, vor allem mit exzentrischem Krafttraining. Eine Operation kommt nur in Betracht, wenn die Beschwerden trotz konsequenter konservativer Therapie über mehrere Monate bestehen bleiben.
Was ist der Unterschied zwischen „Jumper's Knee" und Patellaspitzensyndrom?
Es handelt sich um dasselbe Krankheitsbild. „Jumper's Knee" ist der im Sport gebräuchliche Begriff für das Patellaspitzensyndrom, da es besonders häufig bei Sportarten mit wiederholtem, intensivem Springen auftritt.
Darf ich trotz Patellaspitzensyndrom weiter trainieren?
Oft ja, allerdings meist mit vorübergehend reduziertem Umfang bei sprung- und sprintintensiven Belastungen. Andere Trainingsformen lassen sich häufig fortführen. Der genaue Umfang sollte individuell mit einer Physiotherapeutin oder einem Facharzt abgestimmt werden.
Wie lange dauert es, bis die Beschwerden besser werden?
Das ist individuell unterschiedlich. Da sich die Sehne nur allmählich an das exzentrische Training anpasst, ist meist über mehrere Wochen bis Monate Geduld gefragt. Kontinuität beim Training ist wichtiger als Tempo.
Sind Kortisonspritzen eine gute Behandlungsoption?
Kortisoninfiltrationen direkt in die Sehne werden zurückhaltend eingeordnet, da sie das Sehnengewebe zusätzlich schwächen und das Risiko einer Ruptur erhöhen können. Sie gelten nicht als Standardtherapie, sondern werden allenfalls in ausgewählten Einzelfällen kritisch abgewogen.
Was unterscheidet das Patellaspitzensyndrom vom Pes-anserinus-Syndrom?
Beide betreffen einen überlasteten Sehnenansatz am Knie, jedoch an unterschiedlichen Stellen: Das Patellaspitzensyndrom betrifft den Ansatz der Patellarsehne vorn an der Kniescheibenspitze, das Pes-anserinus-Syndrom den Sehnenansatz mehrerer Muskeln an der Innenseite des Schienbeins. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Seite zum Pes-anserinus-Syndrom.
Kann das Patellaspitzensyndrom wiederkommen?
Ja, insbesondere wenn Trainingsumfang oder -intensität nach Beschwerdebesserung zu rasch gesteigert werden oder Aufwärmen und Regeneration vernachlässigt werden. Ein schrittweiser Belastungsaufbau senkt das Rückfallrisiko.
Reicht Ultraschall zur Diagnose oder brauche ich eine MRT?
In den meisten Fällen reicht die Kombination aus klinischer Untersuchung und Ultraschall zur Diagnosestellung aus. Eine MRT wird ergänzend eingesetzt, wenn die Beschwerden untypisch verlaufen, sich trotz Therapie nicht bessern oder andere Ursachen ausgeschlossen werden sollen.