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Schulter · AC-Gelenksprengung · Operation

AC-Gelenk-Stabilisierung

Arthroskopisch-assistierte Reposition und Fixierung des Schlüsselbeins mit einem Kordel- oder Button-System

Bei einer höhergradigen AC-Gelenksprengung wird das äußere Schlüsselbeinende operativ wieder in seine korrekte Position zum Schulterblatt und zum Rabenschnabelfortsatz (Korakoid) gebracht und dort mit einem stabilen Implantat gehalten, während die körpereigenen Bänder in dieser Position ausheilen können. Diese Seite erklärt Ihnen, wie der Eingriff konkret abläuft und was in den Wochen danach auf Sie zukommt.

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Kurzüberblick

Die Operation auf einen Blick

Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf hängt vom Schweregrad der Verletzung und dem Zeitpunkt der Operation ab.

Operationsdauer

Meist etwa 45–75 Minuten, abhängig vom Ausmaß der Instabilität und einer eventuell zusätzlichen Bandrekonstruktion.

Narkose

In der Regel Vollnarkose, häufig ergänzt durch eine Regionalanästhesie der Schulter zur Schmerzkontrolle nach der OP.

Zugang

Arthroskopisch-assistiert über wenige kleine Hautschnitte, ergänzt durch einen kleinen offenen Zugang zur Implantatplatzierung.

Krankenhausaufenthalt

Häufig ambulant oder mit ein bis zwei Übernachtungen möglich.

Ruhigstellung

Der Arm wird direkt nach der OP in einer Schulterorthese für mehrere Wochen geschützt.

Mobilisation

Ellenbogen, Handgelenk und Finger können sofort bewegt werden, die Schulter selbst bleibt zunächst ruhiggestellt.

Belastung

In der Frühphase keine Zugbelastung auf den Arm und kein Tragen von Lasten mit der betroffenen Seite.

Arbeitsunfähigkeit

Je nach Tätigkeit einige Wochen (überwiegend sitzend) bis mehrere Monate (körperlich fordernde oder Überkopf-Tätigkeit).

Indikation

Wann wird diese Operation durchgeführt?

Eine AC-Gelenk-Stabilisierung kommt vor allem bei höhergradigen, instabilen Verletzungen des Schultereckgelenks infrage, insbesondere bei Rockwood IV, VI und in ausgewählten Fällen auch bei Rockwood III.

Wie die Schwere einer AC-Gelenksprengung nach der Rockwood-Klassifikation eingeteilt wird und wann zunächst eine konservative Behandlung sinnvoll ist, erfahren Sie ausführlich auf unserer Seite zur AC-Gelenksprengung. Besonders erwogen wird die Operation bei jüngeren, aktiven Patienten sowie bei Berufen oder Sportarten mit hoher Belastung der Schulter, etwa Überkopfarbeit, Überkopfsport oder Kontaktsport.

Die operative Stabilisierung ist in aller Regel zeitnah nach der Verletzung sinnvoll: Eine frische Bandverletzung bietet deutlich bessere Heilungschancen für die körpereigenen Bandstrukturen als eine bereits chronisch gewordene Instabilität, bei der sich Narbengewebe gebildet hat und eine einfache Reposition allein oft nicht mehr ausreicht.

Der Eingriff

Wie läuft die Operation ab?

Vorbereitung und Narkose

Sie werden meist in einer halb sitzenden Position (Beach-Chair-Lagerung) gelagert. Der Eingriff erfolgt in der Regel in Vollnarkose, häufig ergänzt durch eine Regionalanästhesie der Schulter, die auch in den ersten Stunden nach der Operation für eine gute Schmerzkontrolle sorgt.

Zugang

Über wenige kleine arthroskopische Zugänge wird das Gelenk zunächst gespiegelt, um den Befund zu bestätigen und Begleitverletzungen auszuschließen. Für die eigentliche Implantatplatzierung wird zusätzlich ein kleiner, wenige Zentimeter langer Hautschnitt oberhalb des Schlüsselbeins angelegt.

Der eigentliche Eingriff

Unter arthroskopischer und teils röntgenologischer Kontrolle werden Bohrkanäle durch das Schlüsselbein und den Rabenschnabelfortsatz (Korakoid) angelegt. Durch diese Kanäle wird ein stabiles Kordel- oder Button-Implantat (auch als „Doppelknopf-Technik" bezeichnet) hindurchgeführt. Über dieses Implantat wird das Schlüsselbein anschließend gezielt nach unten in seine anatomisch korrekte Position zum Korakoid und zum Schulterblatt gezogen und dort fixiert. Je nach Befund werden zusätzlich verletzte AC-Bandstrukturen genäht oder mit Nahtmaterial augmentiert.

Abschluss

Nach Kontrolle der korrekten Reposition und ausreichender Spannung des Implantats werden die Zugänge schichtweise verschlossen. Anschließend wird eine Schulterorthese angelegt, die den Arm in den ersten Wochen schützt und die Zugbelastung auf das operierte Gelenk gering hält.

Operationsverfahren

Gibt es unterschiedliche Verfahrensvarianten?

Welche Variante geeignet ist, richtet sich vor allem danach, wie frisch die Verletzung ist und wie ausgeprägt die Instabilität des AC-Gelenks ist.

Isolierte AC-Gelenk-Stabilisierung

Alleinige arthroskopisch-assistierte Reposition und Fixierung mit einem Kordel-/Button-System. Geeignet für die meisten frischen, höhergradigen Verletzungen ohne relevante Begleitschäden der Bandstrukturen.

Stabilisierung mit zusätzlicher Bandrekonstruktion

Ergänzend zur Kordel-/Button-Fixierung werden die gerissenen korakoklavikulären Bänder genäht oder mit körpereigenem beziehungsweise künstlichem Sehnenmaterial rekonstruiert. Kommt vor allem bei ausgeprägter Instabilität oder bereits länger bestehender, chronischer Verletzung infrage, da hier die alleinige Kordelfixierung oft nicht ausreicht.

Direkt danach

Was passiert unmittelbar nach der Operation?

Direkt nach der Operation wird der Arm in einer Schulterorthese ruhiggestellt, die das AC-Gelenk in den ersten Wochen vor Zugbelastung schützt.

Ein Wundschmerz ist in den ersten Tagen normal und wird gut mit Schmerzmitteln sowie der Regionalanästhesie kontrolliert. Ellenbogen, Handgelenk und Finger sollen von Beginn an regelmäßig bewegt werden, um Durchblutung und Beweglichkeit zu erhalten, die Schulter selbst bleibt zunächst in der Orthese geschützt. Der stationäre Aufenthalt beschränkt sich häufig auf eine oder zwei Nächte oder erfolgt ambulant.

Eine Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung erfolgt üblicherweise nach etwa zwei Wochen. Röntgenkontrollen im Verlauf zeigen, ob die Reposition erhalten geblieben ist, und geben vor, wann die Orthesentragezeit reduziert und mit dem vorsichtigen Bewegungsaufbau begonnen werden kann.

Zeitlicher Verlauf

Wie geht es zu Hause weiter?

  • Erste Tage

    Schulterorthese, Schmerzkontrolle, Fingerbeweglichkeit erhalten

    Die Schulter bleibt konsequent in der Orthese geschützt. Ellenbogen, Handgelenk und Finger werden von Beginn an regelmäßig bewegt, um Schwellung und Steifigkeit vorzubeugen.

  • Nach etwa 2 Wochen

    Wundkontrolle und weiterhin konsequente Ruhigstellung

    Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung. Die Orthese wird weiterhin durchgehend getragen, um die Reposition nicht zu gefährden.

  • Nach etwa 4–6 Wochen

    Schrittweise Reduktion der Orthese, Beginn der Physiotherapie

    Nach Röntgenkontrolle wird die Tragezeit der Orthese schrittweise reduziert. Unter physiotherapeutischer Anleitung beginnt der vorsichtige, passive und zunehmend aktive Bewegungsaufbau, zunächst ohne Zugbelastung.

  • Nach etwa 6–12 Wochen

    Aktiver Bewegungs- und Kraftaufbau

    Die Beweglichkeit wird weiter ausgebaut und gezieltes Kräftigungstraining der schulterumgebenden Muskulatur ergänzt. Zugbelastung und Überkopf-Kraftbelastung werden weiterhin schrittweise dosiert.

  • Langfristig (ca. 3–6 Monate)

    Rückkehr zu voller Belastung

    Die volle Belastbarkeit einschließlich sportlicher Aktivität wird schrittweise und in Abstimmung mit dem Heilungsverlauf und dem Operateur wieder aufgebaut.

Alltag & Sport

Wann kann ich wieder …?

Alle Angaben sind Orientierungswerte und hängen vom Ausgangsbefund und individuellen Heilungsverlauf ab.

Auto fahren

ca. 6–8 Wochen

Sobald die Orthese nicht mehr durchgehend getragen wird und eine ausreichende Armkontrolle besteht.

Büroarbeit

ca. 2–4 Wochen

Mit angepasster, überwiegend einhändiger Tätigkeit in der Anfangsphase.

Körperlich fordernde/Überkopf-Tätigkeit

mehrere Monate

Rückkehr erst nach abgeschlossenem Bewegungs- und Kraftaufbau, individuell abgestimmt.

Schwimmen

ca. 8–12 Wochen

Nach vollständiger Wundheilung und ärztlicher Freigabe der Schulterbewegung.

Joggen / Laufen

ca. 6–8 Wochen

Zunächst ohne Armschwung bzw. mit Unterstützung, um Zugbelastung zu vermeiden.

Krafttraining Oberkörper

mehrere Monate

Schrittweiser Aufbau, beginnend mit leichten Übungen ohne Zugbelastung auf das AC-Gelenk.

Kontaktsport / Überkopfsport

ca. 4–6 Monate

Erst nach vollständiger Ausheilung und funktioneller Freigabe durch den Operateur.

Fahrrad fahren

ca. 8–10 Wochen

Zunächst auf ebenem Untergrund und ohne Sturzrisiko.

Reisen

kurze Reisen ab ca. 2–3 Wochen

Mit Orthese gut möglich; längere Reisen eher nach Abschluss der ersten Heilungsphase.

Erwartungen

Welche Ergebnisse kann ich erwarten?

Bei passender Indikation und zeitnaher operativer Versorgung wird meist eine gute Wiederherstellung der Stabilität und Schmerzfreiheit des Schultereckgelenks erreicht.

Das Schlüsselbein wird durch die Reposition in eine anatomisch korrekte oder nahezu korrekte Position zum Korakoid und Schulterblatt gebracht, in der die körpereigenen Bänder ausheilen können. Die Beweglichkeit der Schulter stellt sich bei konsequenter Nachbehandlung bei den meisten Patienten weitgehend wieder her.

Das Ergebnis wird unter anderem vom Ausmaß der ursprünglichen Instabilität, dem Zeitpunkt der Operation nach der Verletzung, der Einhaltung der Ruhigstellungs- und Belastungsvorgaben sowie individuellen Faktoren beeinflusst. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, die individuelle Prognose besprechen wir mit Ihnen anhand Ihres Befunds.

Offen informiert

Welche Risiken bestehen?

Allgemeine Operationsrisiken

Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion und Narkoserisiken. Das Thromboserisiko ist bei diesem Eingriff insgesamt gering, kann aber je nach individuellem Risikoprofil eine vorübergehende medikamentöse Prophylaxe erforderlich machen.

Spezifische Risiken dieser Operation

Trotz sorgfältiger Operationstechnik kann es zu einem teilweisen oder vollständigen Repositionsverlust mit erneuter Instabilität des Schlüsselbeins kommen. Das eingebrachte Implantat kann in Einzelfällen eine örtliche Reizung verursachen, die gegebenenfalls eine spätere Entfernung erforderlich macht. Selten kommt es im Bereich der angelegten Bohrkanäle zu einer Klavikulafraktur, entweder während der Operation oder in der Heilungsphase danach.

Langfristige Risiken

Unabhängig vom Operationserfolg kann eine durchgemachte AC-Gelenksprengung das langfristige Risiko für eine Arthrose des Gelenks erhöhen, da die Gelenkflächen durch die ursprüngliche Verletzung und die veränderte Mechanik stärker beansprucht werden.

Warnzeichen

Worauf sollten Sie nach der Operation achten?

Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden

  • Fieber
  • Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
  • Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
  • Neu auftretende Taubheit, Kribbeln oder Kraftverlust im Arm oder in der Hand
  • Sichtbares erneutes Hochstehen des Schlüsselbeins bzw. das Gefühl, dass sich die Schulter „verschoben" hat
  • Schwellung, Schmerz oder Überwärmung des Unterarms (mögliches Zeichen einer Thrombose)
  • Atemnot

In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zur AC-Gelenk-Stabilisierung

Ist die AC-Gelenk-Stabilisierung eine arthroskopische oder eine offene Operation?

Meist eine Kombination: Das Gelenk wird arthroskopisch gespiegelt und beurteilt, für die Implantatplatzierung ist zusätzlich ein kleiner offener Zugang notwendig. Man spricht daher von einer arthroskopisch-assistierten Technik.

Wie lange muss ich nach der Operation die Schulterorthese tragen?

In der Regel für mehrere Wochen, häufig etwa vier bis sechs Wochen. Die genaue Dauer und der Zeitpunkt für die schrittweise Reduktion legt Ihr Operateur anhand der Röntgenkontrollen fest.

Bleibt das Kordel-/Button-Implantat dauerhaft im Körper?

In der Regel ja. Diese Implantate verbleiben meist beschwerdefrei im Körper. Nur bei örtlicher Reizung kann in Einzelfällen eine spätere operative Entfernung sinnvoll sein.

Wie schnell nach der Verletzung sollte die Operation erfolgen?

Möglichst zeitnah nach der AC-Gelenksprengung. Eine frische Bandverletzung bietet bessere Heilungschancen als eine bereits chronisch gewordene Instabilität, bei der oft aufwendigere Verfahren notwendig werden.

Kann es trotz Operation zu einem erneuten Hochstand des Schlüsselbeins kommen?

Ja, ein teilweiser oder vollständiger Repositionsverlust ist ein bekanntes Risiko dieser Operation, auch bei sorgfältiger Technik und konsequenter Nachbehandlung. Er lässt sich nicht vollständig ausschließen.

Wie lange bin ich nach der Operation arbeitsunfähig?

Das hängt stark von Ihrer beruflichen Tätigkeit ab: Bei überwiegend sitzender Tätigkeit sind oft nach einigen Wochen wieder Arbeitstage möglich, bei körperlich fordernder oder Überkopf-Tätigkeit kann es mehrere Monate dauern.

Wann darf ich nach der Operation wieder Sport treiben?

Der Wiedereinstieg erfolgt schrittweise über mehrere Monate und wird an Ihren individuellen Heilungsverlauf sowie die jeweilige Sportart angepasst. Kontakt- und Überkopfsport werden erst nach vollständiger funktioneller Freigabe wieder aufgenommen.

Bleibt nach der Operation eine sichtbare Narbe zurück?

Es entstehen wenige kleine Narben an den arthroskopischen Zugängen sowie am kleinen offenen Zugang zur Implantatplatzierung. Diese verblassen mit der Zeit meist deutlich.

Bei MedArtes

AC-Gelenk-Stabilisierung bei MedArtes

Am Anfang steht bei uns immer eine genaue Diagnose. Auf dieser Grundlage besprechen wir gemeinsam mit Ihnen, ob und wann eine operative Stabilisierung des AC-Gelenks für Sie sinnvoll ist.

Wir legen dabei besonderen Wert auf eine differenzierte klinische und radiologische Einordnung Ihrer Verletzung sowie eine möglichst zeitnahe Terminierung, da eine frische Bandverletzung die besten Heilungschancen bietet. Ob eine Operation für Sie infrage kommt und welche Verfahrensvariante geeignet ist, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, der klinischen Untersuchung und Ihres Röntgenbefunds gemeinsam mit Ihnen.

Operation besprechen

Wenn Ihnen eine AC-Gelenk-Stabilisierung empfohlen wurde und Sie den Ablauf und die für Sie geeignete Verfahrensvariante besprechen möchten, vereinbaren Sie gerne einen Termin.