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Wirbelsäule · Halswirbelsäule · Operation

Implantation einer Bandscheibenprothese (HWS)

Bewegungserhaltender Ersatz einer geschädigten Bandscheibe der Halswirbelsäule

Ziel der Implantation einer Bandscheibenprothese ist es, eine geschädigte Bandscheibe der Halswirbelsäule zu entfernen und durch ein künstliches, bewegliches Implantat zu ersetzen, im Unterschied zur Versteifung bleibt die Beweglichkeit des Segments dabei erhalten. Über einen Zugang von vorne wird die Nervenwurzel oder das Rückenmark entlastet und anschließend die Prothese in den entstandenen Zwischenwirbelraum eingesetzt. Ziel ist, den in den Arm ausstrahlenden Schmerz zu lindern und gleichzeitig die natürliche Beweglichkeit des Halses so weit wie möglich zu bewahren. Diese Seite erklärt Ihnen, wie der Eingriff konkret abläuft und was in den Wochen danach auf Sie zukommt. Die Erkrankung selbst, die Diagnostik und die konservativen Behandlungsmöglichkeiten finden Sie auf unserer Wirbelsäulen-Übersichtsseite.

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Kurzüberblick

Die Operation auf einen Blick

Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf kann abweichen.

Operationsdauer

Meist etwa 60–90 Minuten pro versorgtem Segment.

Narkose

In der Regel Vollnarkose.

Krankenhausaufenthalt

Häufig 3–5 Tage.

Mobilisation

In der Regel noch am selben oder am folgenden Tag.

Halskrause

Meist für ca. 1–2 Wochen, vor allem zur Einschränkung starker Bewegungen in der frühen Heilungsphase.

Belastung

Alltagsbewegungen des Kopfes meist bald wieder möglich; abrupte Überstreckung und starke Rotation zunächst vermeiden.

Rehabilitation

Meist ambulante Physiotherapie nach Abschluss der Wundheilung.

Arbeitsunfähigkeit

Je nach Tätigkeit ca. 2–3 Wochen (Büro) bis ca. 6–8 Wochen (körperlich fordernde Arbeit).

Schlucken / Stimme

Vorübergehende Schluckbeschwerden oder Heiserkeit sind in den ersten Tagen möglich und meist rückläufig.

Der Eingriff

Wie läuft die Operation ab?

Vorbereitung und Narkose

Sie werden auf dem Rücken gelagert. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose.

Zugang

Über einen kleinen, meist quer verlaufenden Hautschnitt an der Vorderseite des Halses wird zwischen Luft-/Speiseröhre und den großen Halsgefäßen hindurch ein schonender Weg zur Vorderseite der Halswirbelsäule geschaffen. Die Muskulatur und Gefäße werden dabei vorsichtig zur Seite gehalten, nicht durchtrennt.

Der eigentliche Eingriff

Die geschädigte Bandscheibe wird vollständig entfernt, wodurch gleichzeitig die dahinterliegende Nervenwurzel und gegebenenfalls das Rückenmark entlastet werden. In den entstandenen Zwischenwirbelraum wird anschließend die Bandscheibenprothese eingesetzt, ein bewegliches Implantat, das die natürliche Beugung, Streckung und Rotation des Segments nachbildet. Die Größe und Position der Prothese werden unter Röntgenkontrolle sorgfältig an die individuelle Anatomie angepasst.

Abschluss

Nach Kontrolle der korrekten Implantatlage wird die Wunde schichtweise verschlossen. Eine Wunddrainage ist meist nicht notwendig. Der Hautschnitt wird mit Nähten oder Klebestreifen verschlossen und verläuft entlang einer natürlichen Hautfalte, wodurch die Narbe später kaum auffällt.

Direkt danach

Was passiert unmittelbar nach der Operation?

In der Regel dürfen Sie noch am Operationstag oder am folgenden Tag erstmals aufstehen.

Ein Schluckgefühl, leichte Schluckbeschwerden oder eine vorübergehende Heiserkeit sind in den ersten Tagen häufig und meist rückläufig, da die Luft- und Speiseröhre während der Operation vorsichtig zur Seite gehalten wurden. Eine Halskrause wird üblicherweise für 1–2 Wochen getragen, vor allem um starke Bewegungen in der frühen Heilungsphase einzuschränken. Alltagsbewegungen des Kopfes werden meist rasch wieder aufgenommen, abrupte Überstreckung und starke Rotation sollten in den ersten Tagen vermieden werden.

Physiotherapie beginnt meist erst nach den ersten Tagen, sobald die Wunde reizlos verheilt ist. Eine Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung erfolgt üblicherweise nach etwa 10–12 Tagen.

Zeitlicher Verlauf

Wie geht es zu Hause weiter?

  • Erste Tage

    Schonung, aber Bewegung erwünscht

    Vorsichtige, alltägliche Kopfbewegungen sind erwünscht und für die Funktion der Prothese sogar sinnvoll. Vermeiden Sie abrupte Überstreckung, starke Rotation und schweres Tragen.

  • Nach etwa 2–3 Wochen

    Rückkehr in den Büroalltag

    Leichte Alltags- und Bürotätigkeiten sind für viele Patienten wieder möglich. Physiotherapie zur Verbesserung von Beweglichkeit und Nackenmuskulatur kann beginnen.

  • Nach 4–6 Wochen

    Zunehmende Belastbarkeit

    Die Beweglichkeit des Nackens nimmt spürbar zu. Gelenkschonende Aktivitäten wie Schwimmen oder Radfahren sind für viele Patienten in diesem Zeitraum wieder möglich.

  • Nach 6–8 Wochen

    Rückkehr zu Sport und körperlicher Arbeit

    Die meisten Alltags- und Sportaktivitäten sowie körperlich fordernde berufliche Tätigkeiten sind wieder möglich, individuell abgestimmt.

  • Langfristig

    Erhaltene Beweglichkeit

    Die Prothese soll die natürliche Bewegung des Segments dauerhaft nachbilden. Regelmäßige Nachkontrollen prüfen die korrekte Funktion und Position des Implantats.

Alltag & Sport

Wann kann ich wieder …?

Alle Angaben sind Orientierungswerte und hängen vom individuellen Heilungsverlauf ab.

Auto fahren

ca. 1–2 Wochen

Sobald Sie den Kopf schmerzfrei genug drehen und über die Schulter schauen können.

Büroarbeit

ca. 2–3 Wochen

Mit der Möglichkeit, zwischendurch die Nackenhaltung zu wechseln.

Körperlich arbeiten

ca. 6–8 Wochen

Abhängig vom Ausmaß der Belastung für Nacken und Schultern im Beruf.

Schwimmen

ca. 4 Wochen

Nach vollständiger Wundheilung, zunächst ohne Kraulschwimmen mit starker Kopfrotation.

Fitnessstudio

ca. 4–6 Wochen

Zunächst ohne Nackenbelastung und schweres Heben über Kopf, individuell aufgebaut.

Kontaktsport

ca. 6 Monate

Sportarten mit Stoß- oder Verletzungsrisiko für den Nacken erst nach ca. 6 Monaten, nach vollständiger Ausheilung und ärztlicher Freigabe.

Erwartungen

Welche Ergebnisse kann ich erwarten?

Der in den Arm ausstrahlende Schmerz bessert sich bei den meisten Patienten rasch und deutlich, oft schon in den ersten Tagen nach der Operation.

Ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl kann dagegen länger bestehen bleiben oder sich nur teilweise zurückbilden, da sich ein gereizter Nerv langsamer erholt als der reine Schmerz nachlässt. Die Beweglichkeit des operierten Segments bleibt durch die Prothese in der Regel weitgehend erhalten, was für viele Patienten ein wichtiges Argument gegenüber der Versteifung ist. Der reine Nackenschmerz entwickelt sich individuell unterschiedlich.

Das Ergebnis wird außerdem von Faktoren wie der Dauer der Beschwerden vor der Operation, Begleiterkrankungen und dem konsequenten Aufbau der Nackenmuskulatur in der Nachbehandlung beeinflusst. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, die individuelle Prognose besprechen wir mit Ihnen anhand Ihres Befunds.

Offen informiert

Welche Risiken bestehen?

Allgemeine Operationsrisiken

Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion, Narkoserisiken sowie ein Thromboserisiko.

Spezifische Risiken dieser Operation

Aufgrund der räumlichen Nähe zu Luft- und Speiseröhre, den großen Halsgefäßen und dem Stimmbandnerv kann es zu vorübergehenden Schluckbeschwerden oder Heiserkeit kommen, die sich in den meisten Fällen innerhalb weniger Wochen zurückbilden. Aufgrund der Nähe zur Nervenwurzel und zum Rückenmark kann es sehr selten zu einer Reizung oder Verletzung dieser Strukturen kommen. Die Prothese kann sich in seltenen Fällen lockern oder verlagern, was eine Nachoperation erforderlich machen kann.

Langfristige Risiken

Über die Lebensdauer der Prothese und mögliche Verschleißerscheinungen des Implantats liegen inzwischen mehrjährige Erfahrungswerte vor; wie bei jedem künstlichen Gelenkersatz ist ein Verschleiß über sehr lange Zeiträume nicht vollständig auszuschließen. Auch bei erhaltener Beweglichkeit kann es im Verlauf der Jahre durch den natürlichen Verschleißprozess zu einer Anschlussdegeneration an benachbarten Segmenten kommen, dieses Risiko gilt jedoch grundsätzlich für alle Verfahren an der Halswirbelsäule.

Warnzeichen

Worauf sollten Sie nach der Operation achten?

Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden

  • Fieber
  • Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
  • Zunehmende Schluckbeschwerden oder Atemnot
  • Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
  • Neu auftretende oder zunehmende Lähmung, Kribbeln oder Taubheitsgefühl in Arm oder Hand
  • Störungen von Gang, Koordination oder Feinmotorik der Hände
  • Schwellung, Schmerz oder Überwärmung der Wade (mögliches Zeichen einer Thrombose)

In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.

Bei MedArtes

Bandscheibenprothesen bei MedArtes

Ob eine Bandscheibenprothese für Sie infrage kommt, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, der klinischen Untersuchung, Ihrer Bildgebung und der Beurteilung Ihrer Wirbelgelenke und Knochenqualität. Wir besprechen mit Ihnen gemeinsam, ob eine Prothese oder eine ACDF für Sie geeigneter ist und was Sie konkret vor, während und nach der Operation erwartet.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zur Bandscheibenprothese

Was ist der Unterschied zur ACDF?

Bei der ACDF wird das Segment nach Entfernung der Bandscheibe versteift, bei der Prothese bleibt die natürliche Beweglichkeit erhalten. Nicht jeder Patient ist für eine Prothese geeignet, entscheidend sind unter anderem der Zustand der Wirbelgelenke und die Knochenqualität.

Wie lange hält eine Bandscheibenprothese?

Nach den bisher vorliegenden mehrjährigen Erfahrungswerten zeigen zervikale Bandscheibenprothesen gute Standzeiten. Wie bei jedem künstlichen Gelenkersatz ist ein Verschleiß über sehr lange Zeiträume dennoch nicht vollständig auszuschließen, weshalb regelmäßige Nachkontrollen empfohlen werden.

Wie groß ist die Narbe?

Der Hautschnitt verläuft entlang einer natürlichen Hautfalte am Hals und ist meist wenige Zentimeter lang. Er verheilt in der Regel zu einer unauffälligen Narbe.

Muss ich nach der Operation eine Halskrause tragen?

Ja, meist für 1–2 Wochen, vor allem um starke Bewegungen in der frühen Heilungsphase einzuschränken.

Darf ich mit der Prothese ins MRT?

Die heute verwendeten Bandscheibenprothesen sind in aller Regel MRT-tauglich. Bitte informieren Sie das MRT-Zentrum vorab über Ihre Wirbelsäulenoperation und den genauen Implantattyp.

Brauche ich eine Reha?

In den meisten Fällen reicht eine ambulante Physiotherapie nach Abschluss der Wundheilung aus.

Wie lange bin ich krankgeschrieben?

Das hängt stark von Ihrer beruflichen Tätigkeit ab: Bei überwiegend sitzender Tätigkeit sind oft schon nach zwei bis drei Wochen wieder Arbeitstage möglich, bei körperlich fordernder Arbeit kann es sechs bis acht Wochen dauern.

Operation besprechen

Wenn Ihnen eine Implantation einer Bandscheibenprothese empfohlen wurde und Sie den Ablauf und Ihre individuelle Eignung besprechen möchten, vereinbaren Sie gerne einen Termin.