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Wirbelsäule · Bandscheibenvorfall · Operation

Endoskopische Bandscheibenoperation der LWS

Minimal-invasive Entfernung des Bandscheibenvorfalls über einen sehr kleinen Zugang mit Kameraoptik

Ziel der endoskopischen Bandscheibenoperation ist es, das vorgefallene Bandscheibengewebe zu entfernen, das auf eine Nervenwurzel drückt, über einen minimalinvasiven Zugang von wenigen Millimetern. Dadurch soll vor allem der ins Bein ausstrahlende Schmerz spürbar nachlassen. Diese Seite erklärt Ihnen, wie der Eingriff konkret abläuft und was in den Wochen danach auf Sie zukommt. Die Erkrankung selbst, die Diagnostik und die konservativen Behandlungsmöglichkeiten finden Sie auf unserer Bandscheibenvorfall-Seite.

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Kurzüberblick

Die Operation auf einen Blick

Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf kann abweichen.

Operationsdauer

Meist etwa 45–75 Minuten, abhängig von Lage und Größe des Vorfalls.

Narkose

Vollnarkose.

Krankenhausaufenthalt

In der Regel 3–4 Übernachtungen.

Mobilisation

In der Regel noch am selben Tag, wenige Stunden nach der Operation.

Belastung

Meist sofortige Vollbelastung erlaubt; Rumpfrotation und schweres Heben zunächst vermeiden.

Gehstützen

In der Regel nicht erforderlich.

Rehabilitation

Meist ambulante Physiotherapie nach Abschluss der Wundheilung; eine stationäre Reha ist nur im Einzelfall sinnvoll.

Arbeitsunfähigkeit

Je nach Tätigkeit ca. 3–4 Wochen (Büro) bis ca. 5–6 Wochen (körperlich fordernde Arbeit).

Autofahren

Häufig nach etwa 1–2 Wochen möglich, sobald Sie schmerzfrei genug für eine Notbremsung sind.

Der Eingriff

Wie läuft die Operation ab?

Vorbereitung und Narkose

Sie werden in Bauchlage gelagert, damit der Operateur von hinten Zugang zur Lendenwirbelsäule hat. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose.

Zugang

Über einen sehr kleinen Hautschnitt von etwa 7–8 Millimetern wird ein dünnes Endoskop mit Kamera, Lichtquelle und Arbeitskanal eingeführt. Die umgebende Muskulatur wird dabei vorsichtig auseinandergedrängt statt durchtrennt.

Der eigentliche Eingriff

Unter kontinuierlicher Spülung und direkter Kamerasicht auf einem Bildschirm verschafft sich der Operateur zunächst einen Überblick über die Nervenwurzel und das vorgefallene Bandscheibengewebe. Mit feinen, durch den Arbeitskanal geführten Instrumenten wird das Gewebe, das auf den Nerv drückt, gezielt entfernt. Die Nervenwurzel wird dadurch sichtbar entlastet und kann sich wieder frei bewegen. Die übrige Bandscheibe, die Wirbelgelenke und der knöcherne Wirbelkanal bleiben dabei weitgehend unangetastet.

Abschluss

Nach Kontrolle, dass die Nervenwurzel frei liegt, wird das Endoskop entfernt. Der kleine Hautschnitt wird meist mit einer einzelnen Naht oder einem Klebestreifen verschlossen. Eine Wunddrainage ist in der Regel nicht notwendig, ein kleiner Pflasterverband genügt.

Zugangswege

Gibt es unterschiedliche Verfahrensvarianten?

Interlaminärer Zugang

Der Zugang erfolgt zwischen den Wirbelbögen zweier benachbarter Wirbel. Geeignet vor allem bei mittig bis mäßig seitlich gelegenen Vorfällen, insbesondere im untersten Segment der Lendenwirbelsäule.

Transforaminaler Zugang

Der Zugang erfolgt seitlich durch das knöcherne Zwischenwirbelloch (Neuroforamen), durch das die Nervenwurzel die Wirbelsäule verlässt. Geeignet vor allem bei weiter seitlich oder im Bereich des Zwischenwirbellochs gelegenen Vorfällen.

Welcher Zugang im Einzelfall geeignet ist, ergibt sich aus der genauen Lage des Vorfalls in der Bildgebung. Beide Zugangswege verfolgen dasselbe Ziel, die Entlastung der Nervenwurzel, und unterscheiden sich vor allem in der Richtung, aus der das Endoskop an den Vorfall herangeführt wird.

Direkt danach

Was passiert unmittelbar nach der Operation?

Dank des kleinen Zugangs ist die Belastung durch die Operation selbst meist deutlich geringer als bei einem offenen Eingriff.

In der Regel dürfen Sie noch am Operationstag oder wenige Stunden nach dem Eingriff erstmals aufstehen und einige Schritte gehen. Ein Wundschmerz im Bereich des kleinen Zugangs ist normal und lässt sich meist gut mit Schmerzmitteln kontrollieren. Das operierte Bein darf üblicherweise sofort voll belastet werden; Gehstützen sind in der Regel nicht notwendig. Der stationäre Aufenthalt beträgt in der Regel 3–4 Übernachtungen.

Physiotherapie beginnt meist erst nach den ersten Tagen, sobald die Wunde reizlos verheilt ist. Duschen ist in der Regel möglich, sobald der Verband wasserdicht ist oder nach ärztlicher Freigabe, oft nach ein bis zwei Tagen. Eine Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung erfolgt üblicherweise nach etwa 10–12 Tagen, sofern kein selbstauflösendes Nahtmaterial verwendet wurde.

Zeitlicher Verlauf

Wie geht es zu Hause weiter?

  • Erste Tage

    Schonung, aber keine Bettruhe

    Kurze Spaziergänge sind erwünscht. Vermeiden Sie Rumpfrotation, das Bücken mit rundem Rücken und das Heben schwerer Lasten. Halten Sie die Wunde trocken.

  • Nach etwa 3–4 Wochen

    Rückkehr in den Büroalltag

    Leichte Alltagstätigkeiten und Bürotätigkeiten sind für viele Patienten wieder möglich. Physiotherapie zum gezielten Aufbau der Rumpfmuskulatur kann beginnen.

  • Nach 4–6 Wochen

    Zunehmende Belastbarkeit

    Die Beweglichkeit und Belastbarkeit nehmen spürbar zu. Gelenkschonende Aktivitäten wie Radfahren oder Schwimmen sind für viele Patienten in diesem Zeitraum wieder möglich.

  • Nach etwa 5–6 Wochen

    Rückkehr zu körperlich fordernder Arbeit

    Berufliche Tätigkeiten mit Heben, Bücken oder Rumpfbelastung sind für die meisten Patienten wieder möglich, individuell abgestimmt auf Heilungsverlauf und muskulären Aufbau.

  • Nach 6–12 Wochen

    Rückkehr zum Sport

    Die meisten Alltags- und Sportaktivitäten sind wieder möglich, individuell abgestimmt auf Heilungsverlauf und muskulären Aufbau.

  • Langfristig

    Rumpfmuskulatur als beste Vorbeugung

    Bei gutem Heilungsverlauf bestehen in der Regel keine dauerhaften Einschränkungen. Eine kräftige Rumpfmuskulatur senkt das Risiko eines erneuten Bandscheibenvorfalls.

Alltag & Sport

Wann kann ich wieder …?

Alle Angaben sind Orientierungswerte und hängen vom individuellen Heilungsverlauf ab.

Auto fahren

ca. 1–2 Wochen

Sobald Sie schmerzfrei genug für eine Notbremsung sind.

Büroarbeit

ca. 3–4 Wochen

Mit der Möglichkeit, zwischendurch aufzustehen und sich zu bewegen.

Körperlich arbeiten

ca. 5–6 Wochen

Abhängig vom Ausmaß der Hebe- und Rumpfbelastung im Beruf.

Fahrrad fahren

ca. 3–4 Wochen

Zunächst gemäßigtes Tempo auf ebener Strecke.

Schwimmen

ca. 4 Wochen

Nach vollständiger Wundheilung, zunächst Rückenschwimmen.

Joggen

ca. 6–8 Wochen

Nach ausreichendem muskulärem Aufbau der Rumpfmuskulatur.

Fitnessstudio

ca. 6–8 Wochen

Zunächst ohne Rumpfrotation und schweres Heben, individuell aufgebaut.

Golf / Tennis

ca. 8–12 Wochen

Wegen der Rumpfrotationsbelastung erst nach gutem muskulärem Aufbau.

Skifahren

ca. 12 Wochen

Eine pauschale Zeitangabe ist hier schwierig, im Zweifel individuell mit dem Operateur abstimmen.

Reisen

kurze Reisen ab ca. 2 Wochen

Bei längeren Auto- oder Flugreisen regelmäßige Sitzpausen einplanen.

Gartenarbeit

ca. 4–6 Wochen

Zunächst ohne schweres Heben oder Arbeiten mit stark gebeugtem Rücken.

Erwartungen

Welche Ergebnisse kann ich erwarten?

Der ins Bein ausstrahlende Schmerz bessert sich bei den meisten Patienten rasch und deutlich, oft schon in den ersten Tagen nach der Operation.

Ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl kann dagegen länger bestehen bleiben oder sich nur teilweise zurückbilden, da sich ein gereizter Nerv langsamer erholt als der reine Schmerz nachlässt. Eine vor der Operation bestehende Kraftminderung bessert sich bei vielen Patienten ebenfalls, jedoch nicht immer vollständig, wie gut sich die Kraft erholt, hängt unter anderem davon ab, wie stark und wie lange der Nerv vor der Operation eingeengt war. Der reine Rückenschmerz, im Unterschied zum Beinschmerz, entwickelt sich individuell unterschiedlich und ist nicht immer das primäre Ziel dieser Operation.

Das Ergebnis wird außerdem von Faktoren wie der Dauer der Beschwerden vor der Operation, Begleiterkrankungen und dem konsequenten Aufbau der Rumpfmuskulatur in der Nachbehandlung beeinflusst. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, die individuelle Prognose besprechen wir mit Ihnen anhand Ihres Befunds.

Offen informiert

Welche Risiken bestehen?

Allgemeine Operationsrisiken

Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion, Narkoserisiken sowie ein Thromboserisiko. Durch den kleinen Zugang und die meist rasche Mobilisation sind diese Risiken bei der endoskopischen Bandscheibenoperation insgesamt gering.

Spezifische Risiken dieser Operation

Aufgrund der räumlichen Nähe zur Nervenwurzel und zur harten Hirnhaut (Dura) kann es sehr selten zu einer Verletzung dieser Strukturen oder zu einer vorübergehenden Reizung des Nervs mit Kribbeln oder Taubheitsgefühl kommen. Wird das vorgefallene Gewebe nicht vollständig entfernt oder bleiben Beschwerden bestehen, kann in Einzelfällen eine erneute Operation notwendig werden.

Langfristige Risiken

Da bei diesem Verfahren die Bandscheibe selbst, anders als etwa bei einer Versteifungsoperation, weitgehend erhalten bleibt, besteht grundsätzlich ein Risiko für einen erneuten Bandscheibenvorfall an derselben Stelle (Rezidiv). Tritt dieser mit relevanten Beschwerden erneut auf, kann eine weitere Behandlung oder Operation erforderlich werden.

Warnzeichen

Worauf sollten Sie nach der Operation achten?

Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden

  • Fieber
  • Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
  • Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
  • Neu auftretende oder zunehmende Lähmung, Kribbeln oder Taubheitsgefühl
  • Neu aufgetretene Störungen beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang
  • Schwellung, Schmerz oder Überwärmung der Wade (mögliches Zeichen einer Thrombose)
  • Atemnot

In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.

Bei MedArtes

Endoskopische Bandscheibenoperation bei MedArtes

Ob eine endoskopische Operation für Sie infrage kommt, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, der klinischen Untersuchung und Ihrer Bildgebung. Wir besprechen mit Ihnen gemeinsam, welcher Zugangsweg geeignet ist und was Sie konkret vor, während und nach der Operation erwartet.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zur endoskopischen Bandscheibenoperation

Wie groß ist die Narbe?

Der Hautschnitt ist mit etwa 7–8 Millimetern sehr klein und verheilt in der Regel zu einer kaum sichtbaren Narbe.

Wie stark sind die Schmerzen nach der Operation?

Der Wundschmerz im Bereich des kleinen Zugangs ist meist deutlich geringer als bei einer offenen Operation und lässt sich in der Regel gut mit Schmerzmitteln kontrollieren.

Bin ich während der OP bei Bewusstsein?

Nein. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose, Sie bekommen davon nichts mit.

Brauche ich eine Reha?

In den meisten Fällen reicht eine ambulante Physiotherapie nach Abschluss der Wundheilung aus. Eine stationäre Rehabilitation ist nur in ausgewählten Fällen sinnvoll.

Wie lange bin ich krankgeschrieben?

Das hängt stark von Ihrer beruflichen Tätigkeit ab: Bei überwiegend sitzender Tätigkeit sind oft nach drei bis vier Wochen wieder Arbeitstage möglich, bei körperlich fordernder Arbeit kann es fünf bis sechs Wochen dauern.

Kann ich nach der Operation wieder schwer heben?

Schweres Heben sollte in den ersten Wochen vermieden werden. Nach ausreichendem Aufbau der Rumpfmuskulatur, meist nach etwa sechs Wochen, ist dies für die meisten Patienten wieder möglich, individuell abgestimmt.

Kann der Bandscheibenvorfall an derselben Stelle erneut auftreten?

Ja, ein Rezidiv ist grundsätzlich möglich, da die Bandscheibe selbst bei diesem Verfahren erhalten bleibt. Eine gestärkte Rumpfmuskulatur und der Verzicht auf Risikofaktoren wie Rauchen können das Risiko günstig beeinflussen.

Was ist der Unterschied zur mikrochirurgischen Bandscheibenoperation?

Beide Verfahren verfolgen dasselbe Ziel, die Entlastung der Nervenwurzel, unterscheiden sich aber im Zugangsweg und in der Größe des Hautschnitts. Welches Verfahren im Einzelfall geeignet ist, hängt von Lage und Größe des Vorfalls sowie den anatomischen Gegebenheiten ab und wird anhand Ihrer Bildgebung besprochen.

Spüre ich später noch etwas von der Operation?

Im Alltag ist in der Regel nichts von der Operation zu spüren. Manche Patienten berichten über eine leichte Empfindlichkeit im Bereich der kleinen Narbe, die üblicherweise mit der Zeit nachlässt.

Operation besprechen

Wenn Ihnen eine Endoskopische Bandscheibenoperation der LWS empfohlen wurde und Sie den Ablauf und Ihre individuelle Eignung besprechen möchten, vereinbaren Sie gerne einen Termin.