Endoskopische Dekompression der LWS
Minimalinvasive Erweiterung des eingeengten Wirbelkanals über einen sehr kleinen Zugang mit Kameraoptik
Ziel der endoskopischen Dekompression ist es, den durch Verschleiß verengten Wirbelkanal im Bereich der Lendenwirbelsäule zu erweitern und so den Druck von den Nervenwurzeln zu nehmen, über einen minimalinvasiven Zugang von wenigen Millimetern. Dadurch sollen vor allem die belastungsabhängigen Beinschmerzen und die eingeschränkte Gehstrecke deutlich gebessert werden. Diese Seite erklärt Ihnen, wie der Eingriff konkret abläuft und was in den Wochen danach auf Sie zukommt. Die Erkrankung selbst, die Diagnostik und die konservativen Behandlungsmöglichkeiten bei einer Spinalkanalstenose finden Sie auf unserer Wirbelsäulen-Übersichtsseite.
Termin vereinbarenDie Operation auf einen Blick
Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf kann abweichen.
Operationsdauer
Meist etwa 60–90 Minuten, abhängig von Ausmaß und Anzahl der betroffenen Segmente.
Narkose
Vollnarkose.
Krankenhausaufenthalt
In der Regel 3–4 Übernachtungen.
Mobilisation
In der Regel noch am selben Tag, wenige Stunden nach der Operation.
Belastung
Meist sofortige Vollbelastung erlaubt; Rumpfrotation und schweres Heben zunächst vermeiden.
Gehstützen
In der Regel nicht erforderlich, können in den ersten Tagen als Sicherheit hilfreich sein.
Rehabilitation
Meist ambulante Physiotherapie nach Abschluss der Wundheilung; eine stationäre Reha ist nur im Einzelfall sinnvoll.
Arbeitsunfähigkeit
Je nach Tätigkeit ca. 3–4 Wochen (Büro) bis ca. 5–6 Wochen (körperlich fordernde Arbeit).
Autofahren
Häufig nach etwa 1–2 Wochen möglich, sobald Sie schmerzfrei genug für eine Notbremsung sind.
Wie läuft die Operation ab?
Vorbereitung und Narkose
Sie werden in Bauchlage gelagert, damit der Operateur von hinten Zugang zur Lendenwirbelsäule hat. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose.
Zugang
Über einen sehr kleinen Hautschnitt von etwa 7–8 Millimetern wird ein dünnes Endoskop mit Kamera, Lichtquelle und Arbeitskanal eingeführt. Die umgebende Muskulatur wird dabei vorsichtig auseinandergedrängt statt durchtrennt.
Der eigentliche Eingriff
Unter kontinuierlicher Spülung und direkter Kamerasicht auf einem Bildschirm entfernt der Operateur gezielt die Anteile, die den Wirbelkanal einengen, meist verdicktes Gelbes Band (Ligamentum flavum) sowie kleine, überschüssige Knochenanbauten an den Wirbelgelenken. Die tragenden Strukturen der Wirbelsäule, insbesondere die Gelenke selbst, bleiben dabei so weit wie möglich erhalten, damit die Stabilität des Segments nicht beeinträchtigt wird. Häufig lässt sich über einen einseitigen Zugang auch die gegenüberliegende Seite des Wirbelkanals miterreichen und entlasten.
Abschluss
Nach Kontrolle, dass der Wirbelkanal ausreichend erweitert und die Nervenwurzeln frei liegen, wird das Endoskop entfernt. Der kleine Hautschnitt wird meist mit einer einzelnen Naht oder einem Klebestreifen verschlossen. Eine Wunddrainage ist in der Regel nicht notwendig.
Was passiert unmittelbar nach der Operation?
Dank des kleinen Zugangs ist die Belastung durch die Operation selbst meist deutlich geringer als bei einem offenen Eingriff.
In der Regel dürfen Sie noch am Operationstag oder wenige Stunden nach dem Eingriff erstmals aufstehen und einige Schritte gehen. Ein Wundschmerz im Bereich des kleinen Zugangs ist normal und lässt sich meist gut mit Schmerzmitteln kontrollieren. Das Bein darf üblicherweise sofort voll belastet werden. Viele Patienten bemerken bereits kurz nach der Operation, dass sich die belastungsabhängigen Beinschmerzen deutlich gebessert haben. Der stationäre Aufenthalt beträgt in der Regel 3–4 Übernachtungen.
Physiotherapie beginnt meist erst nach den ersten Tagen, sobald die Wunde reizlos verheilt ist. Duschen ist in der Regel möglich, sobald der Verband wasserdicht ist oder nach ärztlicher Freigabe. Eine Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung erfolgt üblicherweise nach etwa 10–12 Tagen, sofern kein selbstauflösendes Nahtmaterial verwendet wurde.
Wie geht es zu Hause weiter?
- Erste Tage
Schonung, aber keine Bettruhe
Kurze Spaziergänge sind erwünscht und werden meist zügig gesteigert. Vermeiden Sie Rumpfrotation, das Bücken mit rundem Rücken und das Heben schwerer Lasten.
- Nach etwa 3–4 Wochen
Rückkehr in den Büroalltag
Leichte Alltags- und Bürotätigkeiten sind für viele Patienten wieder möglich. Physiotherapie zum gezielten Aufbau der Rumpfmuskulatur kann beginnen.
- Nach 4–6 Wochen
Zunehmende Gehstrecke und Belastbarkeit
Die schmerzfreie Gehstrecke nimmt bei den meisten Patienten spürbar zu. Gelenkschonende Aktivitäten wie Radfahren oder Schwimmen sind für viele in diesem Zeitraum wieder möglich.
- Nach etwa 5–6 Wochen
Rückkehr zu körperlich fordernder Arbeit
Berufliche Tätigkeiten mit Heben, Bücken oder Rumpfbelastung sind für die meisten Patienten wieder möglich, individuell abgestimmt auf Heilungsverlauf und muskulären Aufbau.
- Nach 6–12 Wochen
Rückkehr zum Sport
Die meisten Alltags- und Sportaktivitäten sind wieder möglich, individuell abgestimmt auf Heilungsverlauf und muskulären Aufbau.
- Langfristig
Rumpfmuskulatur als beste Vorbeugung
Bei gutem Heilungsverlauf bestehen in der Regel keine dauerhaften Einschränkungen. Eine kräftige Rumpfmuskulatur unterstützt das operierte Segment und benachbarte Abschnitte der Wirbelsäule.
Wann kann ich wieder …?
Alle Angaben sind Orientierungswerte und hängen vom individuellen Heilungsverlauf ab.
Auto fahren
Sobald Sie schmerzfrei genug für eine Notbremsung sind.
Büroarbeit
Mit der Möglichkeit, zwischendurch aufzustehen und sich zu bewegen.
Körperlich arbeiten
Abhängig vom Ausmaß der Hebe- und Rumpfbelastung im Beruf.
Längere Spaziergänge
Die Gehstrecke wird meist schrittweise gesteigert.
Fahrrad fahren
Zunächst gemäßigtes Tempo auf ebener Strecke.
Schwimmen
Nach vollständiger Wundheilung, zunächst Rückenschwimmen.
Fitnessstudio
Zunächst ohne Rumpfrotation und schweres Heben, individuell aufgebaut.
Golf / Tennis
Wegen der Rumpfrotationsbelastung erst nach gutem muskulärem Aufbau.
Reisen
Bei längeren Auto- oder Flugreisen regelmäßige Sitzpausen einplanen.
Welche Ergebnisse kann ich erwarten?
Die belastungsabhängigen Beinschmerzen und die eingeschränkte Gehstrecke bessern sich bei den meisten Patienten deutlich, oft schon in den ersten Wochen nach der Operation.
Ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl kann dagegen länger bestehen bleiben oder sich nur teilweise zurückbilden, da sich ein länger gereizter Nerv langsamer erholt als der reine Schmerz nachlässt. Der reine Rückenschmerz entwickelt sich individuell unterschiedlich, da er häufig auch durch den allgemeinen Verschleiß der Wirbelsäule mitbedingt ist und nicht immer das primäre Ziel dieser Operation darstellt.
Das Ergebnis wird außerdem von Faktoren wie der Dauer der Beschwerden vor der Operation, dem Ausmaß der Enge in weiteren Segmenten, Begleiterkrankungen und dem konsequenten Aufbau der Rumpfmuskulatur in der Nachbehandlung beeinflusst. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, die individuelle Prognose besprechen wir mit Ihnen anhand Ihres Befunds.
Welche Risiken bestehen?
Allgemeine Operationsrisiken
Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion, Narkoserisiken sowie ein Thromboserisiko. Durch den kleinen Zugang und die meist rasche Mobilisation sind diese Risiken bei der endoskopischen Dekompression insgesamt gering.
Spezifische Risiken dieser Operation
Aufgrund der räumlichen Nähe zu den Nervenwurzeln und zur harten Hirnhaut (Dura) kann es selten zu einer Verletzung dieser Strukturen oder zu einer vorübergehenden Reizung eines Nervs mit Kribbeln oder Taubheitsgefühl kommen. Wird die Enge nicht ausreichend beseitigt oder bleiben Beschwerden bestehen, kann in Einzelfällen eine erweiterte oder erneute Operation notwendig werden.
Langfristige Risiken
Da bei diesem Verfahren die stabilisierenden Strukturen der Wirbelsäule weitgehend erhalten bleiben, ist eine zusätzliche Stabilisierung meist nicht erforderlich. Wie bei jeder Dekompressionsoperation kann es im Verlauf der Jahre durch den fortschreitenden natürlichen Verschleiß zu einer erneuten Einengung im selben oder einem benachbarten Segment kommen, die eine weitere Behandlung erforderlich machen kann.
Worauf sollten Sie nach der Operation achten?
Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden
- Fieber
- Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
- Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
- Neu auftretende oder zunehmende Lähmung, Kribbeln oder Taubheitsgefühl
- Neu aufgetretene Störungen beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang
- Schwellung, Schmerz oder Überwärmung der Wade (mögliches Zeichen einer Thrombose)
- Atemnot
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.
Endoskopische Dekompression bei MedArtes
Ob eine endoskopische Dekompression für Sie infrage kommt, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, der klinischen Untersuchung und Ihrer Bildgebung. Wir besprechen mit Ihnen gemeinsam, ob das endoskopische Verfahren geeignet ist und was Sie konkret vor, während und nach der Operation erwartet.
Ihr Spezialist für die Wirbelsäule
Häufig gestellte Fragen zur endoskopischen Dekompression
Wie groß ist die Narbe?
Der Hautschnitt ist mit etwa 7–8 Millimetern sehr klein und verheilt in der Regel zu einer kaum sichtbaren Narbe.
Wie stark sind die Schmerzen nach der Operation?
Der Wundschmerz im Bereich des kleinen Zugangs ist meist deutlich geringer als bei einer offenen Operation und lässt sich in der Regel gut mit Schmerzmitteln kontrollieren.
Brauche ich danach ein Korsett?
In der Regel nicht, da die stabilisierenden Strukturen bei diesem Verfahren erhalten bleiben. Ob im Einzelfall etwas anderes sinnvoll ist, besprechen wir individuell mit Ihnen.
Brauche ich eine Reha?
In den meisten Fällen reicht eine ambulante Physiotherapie nach Abschluss der Wundheilung aus. Eine stationäre Rehabilitation ist nur in ausgewählten Fällen sinnvoll.
Wie lange bin ich krankgeschrieben?
Das hängt stark von Ihrer beruflichen Tätigkeit ab: Bei überwiegend sitzender Tätigkeit sind oft nach drei bis vier Wochen wieder Arbeitstage möglich, bei körperlich fordernder Arbeit kann es fünf bis sechs Wochen dauern.
Kann die Enge an derselben Stelle erneut auftreten?
Da es sich um einen fortschreitenden Verschleißprozess handelt, ist eine erneute Einengung im Laufe der Jahre grundsätzlich möglich, im selben oder einem benachbarten Segment. Das betrifft alle dekomprimierenden Verfahren gleichermaßen.
Was ist der Unterschied zur Mikrodekompression?
Beide Verfahren verfolgen dasselbe Ziel, die Erweiterung des eingeengten Wirbelkanals unter weitgehendem Erhalt der stabilisierenden Strukturen, unterscheiden sich aber im Zugangsweg und in der Größe des Hautschnitts. Welches Verfahren im Einzelfall geeignet ist, hängt von Ausmaß und Lage der Enge sowie den anatomischen Gegebenheiten ab.
Muss zusätzlich versteift werden?
Nur wenn zusätzlich eine relevante Instabilität oder ein ausgeprägtes Wirbelgleiten vorliegt. Bei reiner Spinalkanalstenose ohne Instabilität ist eine zusätzliche Versteifung in der Regel nicht notwendig.
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