Offene Fusionsoperation an der LWS
Versteifung eines instabilen Wirbelsäulenabschnitts mit Schrauben, Stäben und knöcherner Ausheilung
Ziel der offenen Fusionsoperation (Spondylodese) ist es, ein instabiles oder schmerzhaft überbewegliches Segment der Lendenwirbelsäule dauerhaft zu stabilisieren. Über Pedikelschrauben und Verbindungsstäbe werden die betroffenen Wirbel zueinander fixiert, bis sie knöchern zusammenwachsen und ein fester Block entsteht. Häufig wird die Fusion mit einer Dekompression der Nervenwurzeln kombiniert. Ziel ist, die durch die Instabilität verursachten Schmerzen zu lindern und ein weiteres Fortschreiten des Wirbelgleitens zu verhindern. Diese Seite erklärt Ihnen, wie der Eingriff konkret abläuft und was in den Wochen danach auf Sie zukommt. Die Erkrankung selbst, die Diagnostik und die konservativen Behandlungsmöglichkeiten finden Sie auf unserer Wirbelsäulen-Übersichtsseite.
Termin vereinbarenDie Operation auf einen Blick
Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf kann abweichen.
Operationsdauer
Meist etwa 2–3,5 Stunden, abhängig von Anzahl der versteiften Segmente.
Narkose
In der Regel Vollnarkose.
Krankenhausaufenthalt
Häufig 5–8 Tage.
Mobilisation
Meist am ersten Tag nach der Operation mit physiotherapeutischer Unterstützung.
Belastung
Vollbelastung meist sofort erlaubt; Rumpfrotation, starkes Bücken und schweres Heben werden zunächst vermieden.
Korsett / Orthese
Je nach Befund und Operateur für einige Wochen zur zusätzlichen Sicherheit möglich.
Rehabilitation
Die Anschlussheilbehandlung (Reha) erfolgt zweizeitig, beginnend etwa 6 Wochen nach der Operation.
Arbeitsunfähigkeit
Je nach Tätigkeit ca. 9–10 Wochen (Büro) bis ca. 3–4 Monate (körperlich fordernde Arbeit).
Knöcherne Ausheilung
Der feste knöcherne Durchbau dauert in der Regel mehrere Monate, auch wenn die Stäbe und Schrauben schon vorher Stabilität geben.
Wie läuft die Operation ab?
Vorbereitung und Narkose
Sie werden in Bauchlage gelagert. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose. Während der Operation wird die Lage der Schrauben in der Regel mit Röntgenkontrolle überprüft.
Zugang
Über einen Hautschnitt in der Mitte des Rückens im Bereich der betroffenen Segmente wird die Rückenmuskulatur beidseits von den Wirbelbögen und Wirbelgelenken abgelöst, um Zugang zu den knöchernen Strukturen zu erhalten.
Der eigentliche Eingriff
Zunächst wird, sofern erforderlich, der eingeengte Wirbelkanal dekomprimiert, um die Nervenwurzeln zu entlasten. Anschließend setzt der Operateur in jeden zu versteifenden Wirbel jeweils zwei Pedikelschrauben ein, die anschließend beidseits mit Längsstäben verbunden werden. Bei Bedarf wird zusätzlich ein Platzhalter (Cage), gefüllt mit körpereigenem oder körperfremdem Knochenmaterial, zwischen die Wirbelkörper eingebracht, um den Zwischenwirbelraum aufzuspannen und die knöcherne Verwachsung zu unterstützen. Über den Wirbelbögen wird zusätzlich Knochenmaterial angelagert, damit sich im Verlauf der Monate ein durchgehender knöcherner Block bildet.
Abschluss
Nach abschließender Röntgenkontrolle der Implantatlage wird die Muskulatur schichtweise readaptiert. Eine Wunddrainage wird häufig für ein bis zwei Tage eingelegt, um Nachblutungen abzuleiten. Der Hautschnitt wird mit Nähten oder Klammern verschlossen.
Was passiert unmittelbar nach der Operation?
Am ersten Tag nach der Operation beginnt in der Regel bereits die Mobilisation mit physiotherapeutischer Unterstützung.
Der Wundschmerz ist nach einer offenen Operation dieser Größenordnung deutlicher ausgeprägt als bei minimalinvasiven Eingriffen und wird in den ersten Tagen konsequent medikamentös behandelt. Die eingebrachten Schrauben und Stäbe geben von Anfang an Stabilität, sodass eine Vollbelastung meist möglich ist, schweres Heben, starkes Bücken und Rumpfrotation sollten dennoch zunächst vermieden werden. Je nach Befund und individueller Einschätzung des Operateurs wird für einige Wochen ein stützendes Korsett empfohlen.
Die Wunddrainage wird meist nach ein bis zwei Tagen entfernt. Physiotherapie mit Gangschulung beginnt bereits während des stationären Aufenthalts. Eine Wundkontrolle mit Fadenentfernung erfolgt üblicherweise nach etwa 12–14 Tagen.
Wie geht es zu Hause weiter?
- Erste Wochen
Schonung und schrittweiser Aufbau
Kurze Spaziergänge werden schrittweise gesteigert. Rumpfrotation, starkes Bücken und schweres Heben werden konsequent vermieden, um die knöcherne Ausheilung nicht zu gefährden.
- Nach etwa 6 Wochen
Beginn der Anschlussheilbehandlung
Die Anschlussheilbehandlung (Reha) wird zweizeitig durchgeführt und beginnt etwa sechs Wochen nach der Operation.
- Nach etwa 9–10 Wochen
Rückkehr in den Büroalltag
Leichte Bürotätigkeiten sind für viele Patienten wieder möglich. Physiotherapie zum vorsichtigen Aufbau der Rumpfmuskulatur wird fortgeführt.
- Nach 3–4 Monaten
Zunehmende Belastbarkeit
Mit fortschreitender knöcherner Stabilität nehmen Beweglichkeit und Belastbarkeit spürbar zu. Gelenkschonende Aktivitäten wie Radfahren oder Schwimmen sind für viele Patienten in diesem Zeitraum wieder möglich.
- Nach 6–12 Monaten
Weitgehend abgeschlossene Ausheilung
Bei den meisten Patienten ist die knöcherne Durchbauung nach etwa sechs bis zwölf Monaten so weit fortgeschritten, dass auch körperlich fordernde Tätigkeiten und viele Sportarten wieder möglich sind, individuell abgestimmt.
- Langfristig
Fester, versteifter Wirbelsäulenabschnitt
Das versteifte Segment bleibt dauerhaft unbeweglich, während die übrige Wirbelsäule ihre Beweglichkeit behält. Eine kräftige Rumpfmuskulatur unterstützt die benachbarten Abschnitte.
Wann kann ich wieder …?
Alle Angaben sind Orientierungswerte und hängen vom individuellen Heilungsverlauf ab.
Auto fahren
Sobald Sie schmerzfrei genug für eine Notbremsung sind und ausreichend beweglich sind.
Büroarbeit
Mit der Möglichkeit, zwischendurch aufzustehen und sich zu bewegen.
Körperlich arbeiten
Abhängig vom Ausmaß der Hebe- und Rumpfbelastung im Beruf und dem Heilungsfortschritt.
Fahrrad fahren
Zunächst gemäßigtes Tempo auf ebener Strecke.
Schwimmen
Nach vollständiger Wundheilung, zunächst Rückenschwimmen.
Fitnessstudio
Zunächst ohne Rumpfrotation und schweres Heben, individuell und langsam gesteigert.
Golf / Tennis
Wegen der Rumpfrotationsbelastung erst nach abgeschlossener knöcherner Ausheilung.
Reisen
Bei längeren Auto- oder Flugreisen regelmäßige Sitzpausen einplanen.
Welche Ergebnisse kann ich erwarten?
Die durch die Instabilität verursachten Rücken- und Beinschmerzen bessern sich bei den meisten Patienten deutlich, allerdings meist erst schrittweise über mehrere Monate parallel zur knöchernen Ausheilung.
Beinschmerzen und neurologische Symptome, die durch eine gleichzeitig durchgeführte Dekompression behandelt wurden, bessern sich häufig schneller als der reine Rückenschmerz. Ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl kann länger bestehen bleiben oder sich nur teilweise zurückbilden. Die Beweglichkeit des versteiften Segments selbst geht dauerhaft verloren, wird aber durch die benachbarten Abschnitte der Wirbelsäule weitgehend kompensiert.
Das Ergebnis wird außerdem von Faktoren wie Anzahl der versteiften Segmente, Knochenqualität, Begleiterkrankungen, Rauchen (hemmt die knöcherne Einheilung) und dem konsequenten, langsam gesteigerten Aufbau der Rumpfmuskulatur beeinflusst. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, die individuelle Prognose besprechen wir mit Ihnen anhand Ihres Befunds.
Welche Risiken bestehen?
Allgemeine Operationsrisiken
Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion, Narkoserisiken sowie ein Thromboserisiko. Da es sich um einen größeren, offenen Eingriff handelt, sind diese Risiken im Vergleich zu minimalinvasiven Verfahren etwas höher zu veranschlagen.
Spezifische Risiken dieser Operation
Aufgrund der räumlichen Nähe zu Nervenwurzeln und harter Hirnhaut (Dura) kann es selten zu einer Verletzung dieser Strukturen kommen. Die Schrauben können in seltenen Fällen fehlplatziert sein und eine Nachkorrektur erfordern, was durch die intraoperative Röntgenkontrolle minimiert wird. Es besteht ein gewisses Risiko, dass der knöcherne Durchbau ausbleibt (Pseudarthrose) und eine erneute Operation notwendig wird, dieses Risiko ist bei Rauchern deutlich erhöht.
Langfristige Risiken
Durch die dauerhafte Versteifung des Segments wird die benachbarte Wirbelsäule vermehrt beansprucht, was im Verlauf der Jahre zu einer Anschlussdegeneration mit erneuten Beschwerden im angrenzenden Segment führen kann. Implantatbedingte Reizungen sind möglich; eine spätere Materialentfernung ist nach abgeschlossener knöcherner Ausheilung in Einzelfällen möglich, aber nicht routinemäßig erforderlich.
Worauf sollten Sie nach der Operation achten?
Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden
- Fieber
- Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
- Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
- Neu auftretende oder zunehmende Lähmung, Kribbeln oder Taubheitsgefühl
- Neu aufgetretene Störungen beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang
- Schwellung, Schmerz oder Überwärmung der Wade (mögliches Zeichen einer Thrombose)
- Atemnot
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.
Fusionsoperationen bei MedArtes
Ob eine offene Fusionsoperation für Sie infrage kommt, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, der klinischen Untersuchung und Ihrer Bildgebung. Wir besprechen mit Ihnen gemeinsam, welches Verfahren geeignet ist und was Sie konkret vor, während und nach der Operation erwartet.
Ihr Spezialist für die Wirbelsäule
Häufig gestellte Fragen zur offenen Fusionsoperation
Wie lange bin ich im Krankenhaus?
In der Regel etwa fünf bis acht Tage, abhängig vom Heilungsverlauf und der Anzahl der versteiften Segmente.
Brauche ich eine Reha?
Ja. Die Anschlussheilbehandlung wird zweizeitig durchgeführt und beginnt etwa sechs Wochen nach der Operation, um den Muskelaufbau und die Alltagsbelastbarkeit gezielt zu unterstützen.
Wie lange bin ich krankgeschrieben?
Das hängt stark von Ihrer beruflichen Tätigkeit ab: Bei überwiegend sitzender Tätigkeit sind oft nach neun bis zehn Wochen wieder Arbeitstage möglich, bei körperlich fordernder Arbeit kann es drei bis vier Monate dauern.
Bin ich nach der Versteifung steifer als vorher?
Das versteifte Segment selbst verliert seine Beweglichkeit dauerhaft. Da meist nur ein oder wenige Segmente betroffen sind, wird dies im Alltag von den meisten Patienten durch die übrige, weiterhin bewegliche Wirbelsäule gut kompensiert.
Bleiben die Schrauben für immer im Körper?
In der Regel ja. Eine Materialentfernung ist nach abgeschlossener knöcherner Ausheilung nur in Einzelfällen notwendig, etwa bei Implantatreizung.
Was ist der Unterschied zur perkutanen Fusionsoperation?
Beide Verfahren verfolgen dasselbe Ziel, die dauerhafte Stabilisierung eines instabilen Segments, unterscheiden sich aber im Zugangsweg: offen mit größerem Hautschnitt und direkter Sicht auf die knöchernen Strukturen, oder perkutan über mehrere kleine Stichinzisionen. Welches Verfahren im Einzelfall geeignet ist, hängt vom Ausmaß der notwendigen Dekompression und den anatomischen Gegebenheiten ab.
Darf ich mit den Implantaten ins MRT?
Die heute verwendeten Titanimplantate sind in aller Regel MRT-tauglich. Bitte informieren Sie das MRT-Zentrum vorab über Ihre Wirbelsäulenoperation.
Kann es sein, dass die Versteifung nicht anwächst?
Ein ausbleibender knöcherner Durchbau (Pseudarthrose) ist möglich, aber selten. Rauchen erhöht dieses Risiko deutlich, ein Rauchstopp vor und nach der Operation wird daher dringend empfohlen.
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