Perkutane Fusionsoperation der LWS
Minimalinvasive Versteifung eines instabilen Wirbelsäulenabschnitts über mehrere kleine Hautschnitte
Ziel der perkutanen Fusionsoperation ist es, ein instabiles oder schmerzhaft überbewegliches Segment der Lendenwirbelsäule dauerhaft zu stabilisieren, bei diesem Verfahren jedoch über mehrere kleine Stichinzisionen statt eines langen Hautschnitts. Pedikelschrauben werden unter Röntgenkontrolle punktgenau eingebracht und über Verbindungsstäbe verbunden, ohne die Rückenmuskulatur großflächig von den Wirbeln abzulösen. Ziel ist, die durch die Instabilität verursachten Schmerzen zu lindern und dabei die umgebenden Weichteile besonders zu schonen. Diese Seite erklärt Ihnen, wie der Eingriff konkret abläuft und was in den Wochen danach auf Sie zukommt. Die Erkrankung selbst, die Diagnostik und die konservativen Behandlungsmöglichkeiten finden Sie auf unserer Wirbelsäulen-Übersichtsseite.
Termin vereinbarenDie Operation auf einen Blick
Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf kann abweichen.
Operationsdauer
Meist etwa 1,5–3 Stunden, abhängig von Anzahl der versteiften Segmente.
Narkose
In der Regel Vollnarkose.
Krankenhausaufenthalt
Häufig 3–5 Tage, kürzer als bei der offenen Fusionsoperation.
Mobilisation
Meist bereits am Operationstag oder am ersten Tag danach.
Belastung
Vollbelastung meist sofort erlaubt; Rumpfrotation, starkes Bücken und schweres Heben werden zunächst vermieden.
Korsett / Orthese
Je nach Befund und Operateur für einige Wochen zur zusätzlichen Sicherheit möglich.
Rehabilitation
Die Anschlussheilbehandlung (Reha) erfolgt zweizeitig, beginnend etwa 6 Wochen nach der Operation.
Arbeitsunfähigkeit
Je nach Tätigkeit ca. 9–10 Wochen (Büro) bis ca. 3 Monate (körperlich fordernde Arbeit).
Knöcherne Ausheilung
Der feste knöcherne Durchbau dauert in der Regel mehrere Monate, auch wenn die Stäbe und Schrauben schon vorher Stabilität geben.
Wie läuft die Operation ab?
Vorbereitung und Narkose
Sie werden in Bauchlage gelagert. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose unter kontinuierlicher Röntgenkontrolle (Bildwandler), die dem Operateur während der gesamten Operation die exakte Position der Instrumente zeigt.
Zugang
Statt eines langen Hautschnitts werden mehrere kleine Stichinzisionen von jeweils etwa 1–2 Zentimetern gesetzt, für jede Schraube ein eigener kleiner Zugang. Die Rückenmuskulatur wird dabei nicht großflächig von den Wirbeln abgelöst, sondern nur an den einzelnen Eintrittsstellen durchdrungen.
Der eigentliche Eingriff
Unter fortlaufender Röntgenkontrolle führt der Operateur spezielle Instrumente durch die kleinen Zugänge bis zu den Wirbelbögen und setzt darüber die Pedikelschrauben punktgenau ein. Anschließend werden die Schrauben über Verbindungsstäbe, die unter der Haut zu den Schrauben vorgeschoben werden, miteinander verbunden. Ist zusätzlich ein Zwischenwirbel-Cage geplant, wird dieser über einen etwas größeren, aber weiterhin minimalinvasiven Zugang eingebracht. Die umgebende Muskulatur wird bei diesem Vorgehen deutlich weniger belastet als bei einem offenen Zugang.
Abschluss
Nach abschließender Röntgenkontrolle der Implantatlage werden die kleinen Hautschnitte mit einzelnen Nähten oder Klebestreifen verschlossen. Eine Wunddrainage ist aufgrund der kleinen Zugänge meist nicht notwendig.
Was passiert unmittelbar nach der Operation?
Dank der kleinen Zugänge und der geschonten Muskulatur ist die Mobilisation meist rascher möglich als nach einer offenen Fusionsoperation.
Der Wundschmerz im Bereich der kleinen Zugänge ist meist deutlich geringer als bei einer offenen Operation und lässt sich in der Regel gut mit Schmerzmitteln kontrollieren. Die eingebrachten Schrauben und Stäbe geben von Anfang an Stabilität, sodass eine Vollbelastung meist möglich ist, schweres Heben, starkes Bücken und Rumpfrotation sollten dennoch zunächst vermieden werden. Je nach Befund und individueller Einschätzung des Operateurs wird für einige Wochen ein stützendes Korsett empfohlen.
Physiotherapie mit Gangschulung beginnt meist bereits während des stationären Aufenthalts. Eine Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung erfolgt üblicherweise nach etwa 10–12 Tagen.
Wie geht es zu Hause weiter?
- Erste Wochen
Schonung und schrittweiser Aufbau
Kurze Spaziergänge werden schrittweise gesteigert. Rumpfrotation, starkes Bücken und schweres Heben werden konsequent vermieden, um die knöcherne Ausheilung nicht zu gefährden.
- Nach etwa 6 Wochen
Beginn der Anschlussheilbehandlung
Die Anschlussheilbehandlung (Reha) wird zweizeitig durchgeführt und beginnt etwa sechs Wochen nach der Operation.
- Nach etwa 9–10 Wochen
Rückkehr in den Büroalltag
Leichte Bürotätigkeiten sind für viele Patienten wieder möglich. Physiotherapie zum vorsichtigen Aufbau der Rumpfmuskulatur wird fortgeführt.
- Nach 8–12 Wochen
Zunehmende Belastbarkeit
Mit fortschreitender knöcherner Stabilität nehmen Beweglichkeit und Belastbarkeit spürbar zu. Gelenkschonende Aktivitäten wie Radfahren oder Schwimmen sind für viele Patienten in diesem Zeitraum wieder möglich.
- Nach 6–12 Monaten
Weitgehend abgeschlossene Ausheilung
Bei den meisten Patienten ist die knöcherne Durchbauung nach etwa sechs bis zwölf Monaten so weit fortgeschritten, dass auch körperlich fordernde Tätigkeiten und viele Sportarten wieder möglich sind, individuell abgestimmt.
- Langfristig
Fester, versteifter Wirbelsäulenabschnitt
Das versteifte Segment bleibt dauerhaft unbeweglich, während die übrige Wirbelsäule ihre Beweglichkeit behält. Eine kräftige Rumpfmuskulatur unterstützt die benachbarten Abschnitte.
Wann kann ich wieder …?
Alle Angaben sind Orientierungswerte und hängen vom individuellen Heilungsverlauf ab.
Auto fahren
Sobald Sie schmerzfrei genug für eine Notbremsung sind und ausreichend beweglich sind.
Büroarbeit
Mit der Möglichkeit, zwischendurch aufzustehen und sich zu bewegen.
Körperlich arbeiten
Abhängig vom Ausmaß der Hebe- und Rumpfbelastung im Beruf und dem Heilungsfortschritt.
Fahrrad fahren
Zunächst gemäßigtes Tempo auf ebener Strecke.
Schwimmen
Nach vollständiger Wundheilung, zunächst Rückenschwimmen.
Fitnessstudio
Zunächst ohne Rumpfrotation und schweres Heben, individuell und langsam gesteigert.
Golf / Tennis
Wegen der Rumpfrotationsbelastung erst nach abgeschlossener knöcherner Ausheilung.
Reisen
Bei längeren Auto- oder Flugreisen regelmäßige Sitzpausen einplanen.
Welche Ergebnisse kann ich erwarten?
Die durch die Instabilität verursachten Rücken- und Beinschmerzen bessern sich bei den meisten Patienten deutlich, allerdings meist erst schrittweise über mehrere Monate parallel zur knöchernen Ausheilung.
Durch die Schonung der Rückenmuskulatur berichten viele Patienten in den ersten Wochen über weniger Wundschmerz als nach einer offenen Fusion, das langfristige Ergebnis der knöchernen Stabilisierung ist bei vergleichbarer Ausgangslage jedoch ähnlich. Ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl kann länger bestehen bleiben oder sich nur teilweise zurückbilden. Die Beweglichkeit des versteiften Segments selbst geht dauerhaft verloren, wird aber durch die benachbarten Abschnitte der Wirbelsäule weitgehend kompensiert.
Das Ergebnis wird außerdem von Faktoren wie Anzahl der versteiften Segmente, Knochenqualität, Begleiterkrankungen, Rauchen (hemmt die knöcherne Einheilung) und dem konsequenten, langsam gesteigerten Aufbau der Rumpfmuskulatur beeinflusst. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, die individuelle Prognose besprechen wir mit Ihnen anhand Ihres Befunds.
Welche Risiken bestehen?
Allgemeine Operationsrisiken
Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion, Narkoserisiken sowie ein Thromboserisiko. Durch die kleinen Zugänge und die geschonte Muskulatur sind diese Risiken im Vergleich zur offenen Fusion tendenziell geringer.
Spezifische Risiken dieser Operation
Da die Schrauben perkutan ohne direkte Sicht auf die Knochenoberfläche eingebracht werden, kommt der intraoperativen Röntgenkontrolle eine besondere Bedeutung zu; dennoch können Schrauben in seltenen Fällen fehlplatziert sein und eine Nachkorrektur erfordern. Es besteht ein gewisses Risiko, dass der knöcherne Durchbau ausbleibt (Pseudarthrose) und eine erneute Operation notwendig wird, dieses Risiko ist bei Rauchern deutlich erhöht.
Langfristige Risiken
Durch die dauerhafte Versteifung des Segments wird die benachbarte Wirbelsäule vermehrt beansprucht, was im Verlauf der Jahre zu einer Anschlussdegeneration mit erneuten Beschwerden im angrenzenden Segment führen kann. Implantatbedingte Reizungen sind möglich; eine spätere Materialentfernung ist nach abgeschlossener knöcherner Ausheilung in Einzelfällen möglich, aber nicht routinemäßig erforderlich.
Worauf sollten Sie nach der Operation achten?
Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden
- Fieber
- Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
- Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
- Neu auftretende oder zunehmende Lähmung, Kribbeln oder Taubheitsgefühl
- Neu aufgetretene Störungen beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang
- Schwellung, Schmerz oder Überwärmung der Wade (mögliches Zeichen einer Thrombose)
- Atemnot
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.
Perkutane Fusionsoperationen bei MedArtes
Ob eine perkutane Fusionsoperation für Sie infrage kommt, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, der klinischen Untersuchung und Ihrer Bildgebung. Wir besprechen mit Ihnen gemeinsam, welches Verfahren geeignet ist und was Sie konkret vor, während und nach der Operation erwartet.
Ihr Spezialist für die Wirbelsäule
Häufig gestellte Fragen zur perkutanen Fusionsoperation
Wie viele Narben bleiben zurück?
Statt eines langen Schnitts bleiben mehrere kleine, meist unauffällige Narben von etwa 1–2 Zentimetern zurück, für jede eingesetzte Schraube ein eigener kleiner Zugang.
Ist das perkutane Verfahren besser als die offene Fusion?
Beide Verfahren erreichen dasselbe Ziel, die stabile Versteifung des betroffenen Segments. Das perkutane Verfahren schont die Muskulatur stärker, eignet sich aber nicht für jede Situation, etwa wenn eine ausgedehnte offene Dekompression notwendig ist. Welches Verfahren für Sie geeignet ist, besprechen wir anhand Ihres Befunds.
Wie lange bin ich im Krankenhaus?
In der Regel etwa drei bis fünf Tage, abhängig vom Heilungsverlauf und der Anzahl der versteiften Segmente.
Wie lange bin ich krankgeschrieben?
Das hängt stark von Ihrer beruflichen Tätigkeit ab: Bei überwiegend sitzender Tätigkeit sind oft nach neun bis zehn Wochen wieder Arbeitstage möglich, bei körperlich fordernder Arbeit kann es bis zu drei Monate dauern.
Bleiben die Schrauben für immer im Körper?
In der Regel ja. Eine Materialentfernung ist nach abgeschlossener knöcherner Ausheilung nur in Einzelfällen notwendig, etwa bei Implantatreizung.
Darf ich mit den Implantaten ins MRT?
Die heute verwendeten Titanimplantate sind in aller Regel MRT-tauglich. Bitte informieren Sie das MRT-Zentrum vorab über Ihre Wirbelsäulenoperation.
Kann es sein, dass die Versteifung nicht anwächst?
Ein ausbleibender knöcherner Durchbau (Pseudarthrose) ist möglich, aber selten. Rauchen erhöht dieses Risiko deutlich, ein Rauchstopp vor und nach der Operation wird daher dringend empfohlen.
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