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Krankheitsbild · Fuß & Sprunggelenk

Morton-Neurom

Beim Morton-Neurom handelt es sich um eine gutartige, überlastungsbedingte Verdickung und Reizung eines Zwischenzehennervs im Vorfuß, meist zwischen der dritten und vierten Zehe. Begünstigt wird sie unter anderem durch einen Spreizfuß sowie enges oder hohes Schuhwerk. Typisch sind ein brennender, elektrisierender Schmerz und ein Taubheitsgefühl zwischen den Zehen. In vielen Fällen lassen sich die Beschwerden konservativ deutlich lindern. Wir erklären, woran Sie ein Morton-Neurom erkennen, wie die Diagnose gestellt wird und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

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Beschwerdebild & Hintergrund

Typische Symptome

Typisch ist ein brennender, elektrisierender Schmerz zwischen zwei Zehen, meist zwischen der dritten und vierten Zehe, häufig begleitet von einem Taubheits- oder Kribbelgefühl in den angrenzenden Zehen.

Morton-Neurom (Symbolbild)

Die Beschwerden verstärken sich meist beim Gehen, insbesondere in engem oder spitz zulaufendem Schuhwerk sowie bei hohen Absätzen, da der Vorfuß dabei zusammengedrückt und der gereizte Nerv zusätzlich belastet wird. Viele Betroffene berichten, dass sich die Schmerzen bessern, sobald sie den Schuh ausziehen oder den Vorfuß massieren. Manche Patienten spüren zudem ein tastbares oder sogar hörbares „Klicken" beim Zusammendrücken des Vorfußes, dieses sogenannte Mulder-Klick-Zeichen ist ein charakteristischer Hinweis auf das Krankheitsbild und wird auch bei der körperlichen Untersuchung genutzt.

Im Verlauf können die Schmerzen anfangs anfallsartig, später auch anhaltender auftreten. Ein permanenter, ausgeprägter Sensibilitätsverlust ohne Schmerzen ist eher selten und sollte, ebenso wie zunehmende Beschwerden, ärztlich abgeklärt werden.

Was steckt dahinter?

Eine gutartige Nervenreizung im Vorfuß

Zwischen den Mittelfußköpfchen verlaufen kleine Zwischenzehennerven, die die Zehen sensibel versorgen. Werden diese Nerven durch wiederholten Druck und Reibung unter dem straffen Band zwischen den Mittelfußköpfchen (Ligamentum intermetatarsale) chronisch gereizt, kann sich der Nerv verdicken und narbig verändern. Trotz des Namens „Neurom" handelt es sich nicht um einen echten Tumor, sondern um eine gutartige, überlastungsbedingte Gewebereaktion des Nervs. Am häufigsten betroffen ist der Zwischenraum zwischen der dritten und vierten Zehe, seltener jener zwischen der zweiten und dritten Zehe.

Ursachen und Risikofaktoren

Ein Morton-Neurom entsteht meist durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren:

  • Ein Spreizfuß, bei dem sich das vordere Fußquergewölbe absenkt und die Mittelfußköpfchen näher zusammenrücken, wodurch der Nerv stärker eingeengt wird
  • Enges oder spitz zulaufendes Schuhwerk, das den Vorfuß seitlich zusammendrückt
  • Hohe Absätze, die das Körpergewicht nach vorne verlagern und den Druck auf die Mittelfußköpfchen erhöhen
  • Wiederholte Stoßbelastung des Vorfußes, etwa durch Laufen oder bestimmte Sportarten
  • Frühere Verletzungen oder Voroperationen im Vorfußbereich

Frauen sind insgesamt deutlich häufiger betroffen als Männer, was unter anderem mit dem häufigeren Tragen von engem oder hochhackigem Schuhwerk in Verbindung gebracht wird.

Morton-Neurom (Symbolbild)
Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

Was ist es?
Eine gutartige, überlastungsbedingte Verdickung und Reizung eines Zwischenzehennervs im Vorfuß, meist zwischen der dritten und vierten Zehe.
Typische Beschwerden
Brennender, elektrisierender Schmerz und/oder Taubheitsgefühl zwischen den Zehen, oft verstärkt durch enges Schuhwerk.
Diagnostik
Klinische Untersuchung mit Mulder-Klick-Test und Druckschmerzprüfung, ergänzt durch Ultraschall als bildgebendes Verfahren der Wahl.
Behandlung
Konservativ meist gut zu beeinflussen: breites Schuhwerk mit ausreichend Vorfußraum und eine retrokapitale Einlagenpelotte.
Operation notwendig?
Nur bei therapieresistenten Beschwerden trotz konsequent ausgeschöpfter konservativer Maßnahmen.
Prognose
Konservativ bessern sich die Beschwerden bei vielen Betroffenen deutlich. Operativ sind bei passender Indikation gute Ergebnisse möglich.
Untersuchung

Wie finden wir die Ursache?

Anamnese, körperliche Untersuchung und gezielte Bildgebung. Mehr erfahren

Klinische Untersuchung

Bereits die klinische Untersuchung liefert oft wegweisende Hinweise. Beim seitlichen Zusammendrücken des Vorfußes lässt sich häufig ein tast- oder hörbares Klicken auslösen, während gleichzeitig der typische Schmerz reproduziert wird, dieser sogenannte Mulder-Klick-Test gilt als charakteristisches Zeichen für ein Morton-Neurom. Ergänzend wird der betroffene Zehenzwischenraum von der Fußsohle aus gezielt abgetastet, um den Druckschmerz genau zu lokalisieren.

Ultraschall

Der Ultraschall gilt als bildgebendes Verfahren der Wahl bei Verdacht auf ein Morton-Neurom. Er kann die Nervenverdickung in aller Regel gut darstellen, ihre Größe und Lage bestimmen und weitere Ursachen der Beschwerden, etwa eine begleitende Schleimbeutelentzündung, mit erfassen.

MRT

Ein MRT kann in ausgewählten Fällen ergänzend sinnvoll sein, etwa wenn der Ultraschallbefund nicht eindeutig ist, mehrere Zehenzwischenräume betroffen sein könnten oder eine Operation geplant wird.

Ohne Operation

Konservative Behandlung

Konservative, interventionelle und regenerative Verfahren im Überblick. Mehr erfahren

Die meisten Beschwerden an Fuß und Sprunggelenk lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.

Klassische Schmerztherapie und Physiotherapie

Zur konservativen Therapie nutzen wir die orale Schmerzmedikation und Physiotherapie als Basis zur Verbesserung Ihrer Beschwerden.

Gut etablierte Therapie

Breites Schuhwerk

Schuhe mit ausreichend Platz im Vorfuß, ohne einengende Spitze und mit niedrigem Absatz nehmen den seitlichen Druck vom Zwischenzehennerv und gelten als zentraler Baustein der Behandlung.

Gut etablierte Therapie

Retrokapitale Einlagenpelotte

Eine individuell angepasste Einlage mit gezielter Abstützung direkt hinter den Mittelfußköpfchen (retrokapitale Pelotte) spreizt diese leicht auseinander und entlastet so den eingeengten Nerv im Zehenzwischenraum.

Innovative Behandlungsstrategie

Kortisoninfiltration

Eine gezielte, meist ultraschallgesteuerte Infiltration mit einem entzündungshemmenden Kortisonpräparat kann bei manchen Patienten eine vorübergehende Besserung bewirken. Die Datenlage zeigt insgesamt eine begrenzte bis mäßige Evidenz, vor allem für eine kurzfristige Wirkung; ein dauerhafter Effekt ist nicht bei allen Patienten zu erwarten.

Mehr über die interventionelle Schmerztherapie erfahren →

Physikalische Medizin

Zur optimalen Regeneration nutzen wir gezielt die Stoßwellentherapie und High-Power-Lasertherapie: Die Stoßwelle regt die Durchblutung an, bricht Verkalkungen auf und aktiviert die Zellheilung, während der Laser auf Zellebene die Regeneration unterstützt.

Wenn nötig

Operative Behandlung

Operative Verfahren, falls konservative Maßnahmen nicht ausreichen. Mehr erfahren

Operationsverfahren

ExzisionMehr erfahren zur Exzision → Operative Entfernung des verdickten Nervenabschnitts über einen kleinen Schnitt am Fußrücken oder an der Fußsohle. Das am häufigsten angewandte Verfahren bei ausgeprägtem, therapieresistentem Morton-Neurom. Da der Nerv durchtrennt wird, bleibt in der Regel dauerhaft ein Taubheitsgefühl an den angrenzenden Zehenseiten, dies ist eine erwartete Folge, keine Komplikation. Dekompression des Nervs

Durchtrennung des über dem Nerv liegenden Bandes (Ligamentum intermetatarsale), um den Druck auf den Nerv zu verringern, ohne den Nerv selbst zu entfernen.

Warnzeichen

Wann rasch zum Arzt?

Ein Morton-Neurom selbst ist kein Notfall

Die Beschwerden entwickeln sich meist schleichend über Wochen bis Monate. In folgenden Situationen sollte der Fuß dennoch zeitnah ärztlich untersucht werden:

  • Plötzlich einsetzender, sehr starker Schmerz oder eine rasch zunehmende Taubheit, etwa nach einer Verletzung
  • Anhaltendes Taubheitsgefühl, das auch in Ruhe nicht mehr nachlässt und sich ausbreitet
  • Deutliche Rötung, Überwärmung, Schwellung oder Fieber im Vorfußbereich, mögliche Zeichen einer Entzündung oder Infektion
  • Offene Hautstellen am Fuß, insbesondere bei Diabetes oder Durchblutungsstörungen der Beine

Bei Diabetes oder einer bekannten Durchblutungsstörung sollten Beschwerden am Fuß generell zeitnah abgeklärt werden, da Wunden hier schlechter heilen und Taubheitsgefühle auch andere Ursachen haben können.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen

Muss ein Morton-Neurom immer operiert werden?

Nein. Bei vielen Patienten lassen sich die Beschwerden durch konsequente konservative Maßnahmen wie geeignetes Schuhwerk und eine Einlagenpelotte ausreichend lindern. Eine Operation wird erst erwogen, wenn diese Maßnahmen über einen ausreichenden Zeitraum nicht ausreichend geholfen haben.

Was ist der Mulder-Klick-Test?

Dabei wird der Vorfuß seitlich zusammengedrückt, während gleichzeitig auf den betroffenen Zehenzwischenraum gedrückt wird. Ein dabei auslösbares, tast- oder hörbares Klicken bei gleichzeitigem Schmerz gilt als charakteristischer Hinweis auf ein Morton-Neurom.

Welche Schuhe sollte ich bei einem Morton-Neurom vermeiden?

Ungünstig sind vor allem enge, spitz zulaufende Schuhe sowie hohe Absätze, da sie den Vorfuß seitlich zusammendrücken und den gereizten Nerv zusätzlich belasten.

Bleibt nach der Operation ein Taubheitsgefühl zurück?

Ja, da bei der Exzision der betroffene Nervenabschnitt entfernt wird, bleibt an den angrenzenden Zehenseiten in der Regel dauerhaft ein Taubheitsgefühl. Dies ist eine erwartete Folge des Eingriffs und wird von den meisten Patienten gut toleriert.

Kann ein Morton-Neurom von selbst wieder verschwinden?

Ein spontanes vollständiges Zurückbilden ist eher selten. Häufiger lassen sich die Beschwerden durch eine Anpassung von Schuhwerk und Belastung sowie durch Einlagen deutlich und dauerhaft lindern, ohne dass die Nervenverdickung im Ultraschall vollständig verschwindet.

Wie sicher ist die Diagnose per Ultraschall?

Der Ultraschall gilt als bildgebendes Verfahren der Wahl und kann ein Morton-Neurom in Kombination mit der klinischen Untersuchung in aller Regel zuverlässig darstellen. In unklaren Fällen kann ergänzend ein MRT sinnvoll sein.

Wie lange wirkt eine Kortisoninfiltration?

Die Wirkdauer ist individuell unterschiedlich und nicht bei allen Patienten von Dauer. Die Datenlage zeigt eine begrenzte bis mäßige Evidenz vor allem für eine vorübergehende Besserung der Beschwerden.

Kann ein Morton-Neurom nach der Operation wiederkommen?

Ein gewisses Risiko für ein erneutes, sogenanntes Stumpfneurom mit wiederkehrenden Beschwerden besteht. Wie häufig dies vorkommt, hängt unter anderem vom gewählten Verfahren und der individuellen Heilung ab.