Morton-Neurom-Operation
Exzision oder Dekompression des gereizten Zwischenzehennervs bei therapieresistentem Morton-Neurom
Wenn die Beschwerden eines Morton-Neuroms trotz konsequent ausgeschöpfter konservativer Maßnahmen bestehen bleiben, kann eine Operation sinnvoll sein. Dabei stehen zwei Verfahrensprinzipien zur Verfügung: die vollständige operative Entfernung des verdickten Nervenabschnitts (Exzision) oder die alleinige Durchtrennung des einengenden Bandes bei Erhalt des Nervs (Dekompression). Der Eingriff erfolgt in aller Regel ambulant in Lokal- oder Regionalanästhesie. Diese Seite erklärt Ihnen, wie die Operation abläuft und was in den Wochen danach auf Sie zukommt. Die Erkrankung selbst und die konservativen Behandlungsmöglichkeiten finden Sie auf unserer Morton-Neurom-Seite.
Termin vereinbarenDie Operation auf einen Blick
Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf kann abweichen.
Operationsdauer
Meist etwa 20–30 Minuten, ein vergleichsweise kurzer Eingriff.
Narkose
Meist Lokal- oder Regionalanästhesie des Fußes (Fußblock); alternativ eine kurze Vollnarkose.
Krankenhausaufenthalt
In der Regel ambulant, ohne Übernachtung.
Mobilisation
Rasche Mobilisation noch am selben Tag möglich.
Belastung
Nur kurzzeitige Vorfußentlastung, danach zügige Steigerung.
Vorfußentlastungsschuh
Meist nur für wenige Tage bis etwa 1–2 Wochen zur Schonung der Wunde.
Rehabilitation
In der Regel keine spezielle Reha notwendig.
Arbeitsunfähigkeit
Je nach Tätigkeit ca. 1–2 Wochen (überwiegend sitzend) bis ca. 2–3 Wochen (stehende/gehende Tätigkeit).
Autofahren
Häufig nach wenigen Tagen bis etwa 1–2 Wochen möglich, abhängig vom operierten Fuß.
Wie läuft die Operation ab?
Vorbereitung und Anästhesie
Der Eingriff wird in aller Regel ambulant durchgeführt. Meist erfolgt er in einer Lokal- oder Regionalanästhesie des Fußes (Fußblock), sodass Sie noch am selben Tag nach Hause können; alternativ ist auch eine kurze Vollnarkose möglich. Während der Operation wird häufig eine Blutsperre am Unterschenkel angelegt, um übersichtliche Sichtverhältnisse zu schaffen.
Zugang
Über einen kleinen, meist etwa 2–3 Zentimeter langen Hautschnitt am Fußrücken zwischen den betroffenen Mittelfußknochen wird der Zugang zum verdickten Nervenabschnitt geschaffen. Seltener erfolgt der Zugang von der Fußsohle aus.
Der eigentliche Eingriff
Nach Darstellung des einengenden Bandes zwischen den Mittelfußköpfchen (Ligamentum intermetatarsale) und des darunterliegenden, verdickten Nervenabschnitts richtet sich das weitere Vorgehen nach dem vor der Operation festgelegten Verfahren: Bei der Exzision wird der betroffene Nervenabschnitt vollständig entfernt. Bei der Dekompression wird lediglich das einengende Band durchtrennt, der Nerv selbst bleibt erhalten. Die Unterschiede beider Prinzipien sind im folgenden Abschnitt „Gibt es unterschiedliche Verfahrensvarianten?" ausführlich gegenübergestellt.
Abschluss
Nach sorgfältiger Blutstillung wird die Wunde schichtweise vernäht und ein Wundverband angelegt. Häufig wird für kurze Zeit ein Vorfußentlastungsschuh angepasst, in dem Sie den Fuß bereits ab dem ersten Tag belasten können.
Gibt es unterschiedliche Verfahrensvarianten?
Exzision
Vollständige operative Entfernung des verdickten Nervenabschnitts. Das am häufigsten angewandte, definitive Verfahren bei ausgeprägtem, therapieresistentem Morton-Neurom. Da der Nerv dabei durchtrennt wird, bleibt im von ihm versorgten Hautareal zwischen den Zehen in der Regel dauerhaft ein Taubheitsgefühl zurück, eine erwartete Folge des Eingriffs, keine Komplikation.
Dekompression
Durchtrennung des einengenden Bandes zwischen den Mittelfußköpfchen (Ligamentum intermetatarsale), ohne den Nerv selbst zu entfernen. Ein gelenk- und nervenerhaltendes Verfahren, bei dem die Sensibilität in der Regel erhalten bleibt. Bei fortgeschrittenem Befund gilt die Erfolgssicherheit im Vergleich zur Exzision als möglicherweise geringer.
Welches der beiden Prinzipien für Sie infrage kommt, richtet sich nach dem Ausmaß und der Dauer Ihrer Beschwerden, dem Ultraschall- oder MRT-Befund sowie Ihren individuellen Prioritäten, etwa dem Wunsch, ein bleibendes Taubheitsgefühl möglichst zu vermeiden. Eine Gegenüberstellung beider Verfahren finden Sie auch auf unserer Morton-Neurom-Seite. Welches Verfahren für Sie geeignet ist, legen wir gemeinsam mit Ihnen fest.
Was passiert unmittelbar nach der Operation?
Bereits am Operationstag können Sie den Fuß meist wieder belasten und nach Hause gehen.
Ein Wundschmerz in den ersten Tagen ist normal und lässt sich in der Regel gut mit Schmerzmitteln sowie Hochlagern und Kühlen des Fußes kontrollieren. Für kurze Zeit wird häufig ein Vorfußentlastungsschuh getragen, um die Wunde zu schonen; eine rasche Mobilisation ist dabei ausdrücklich erwünscht. Der Eingriff wird in aller Regel ambulant durchgeführt, sodass ein stationärer Aufenthalt üblicherweise nicht erforderlich ist.
Physiotherapie ist in den ersten Wochen meist nicht erforderlich. Eine Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung erfolgt üblicherweise nach etwa 10–14 Tagen.
Wie geht es zu Hause weiter?
- Erste Tage
Hochlagern, Kühlen, rasche Mobilisation
Der Fuß sollte in den ersten Tagen möglichst oft hochgelagert und gekühlt werden, um die Schwellung gering zu halten. Kurze Gehstrecken sind erwünscht, längeres Stehen sollte zunächst vermieden werden.
- Nach etwa 1–2 Wochen
Wundkontrolle und Wechsel zu normalem Schuhwerk
Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung. Der Vorfußentlastungsschuh kann meist abgelegt und schrittweise auf breites, flaches Schuhwerk umgestiegen werden.
- Nach 2–4 Wochen
Rückkehr zu den meisten Alltagsaktivitäten
Alltagsschuhwerk, längere Gehstrecken und viele gelenkschonende Aktivitäten sind für die meisten Patienten wieder möglich.
- Langfristig
Endgültiges Ergebnis nach einigen Wochen bis Monaten
Die Restschwellung bildet sich meist über einige Wochen zurück. Nach einer Exzision gewöhnen sich die meisten Patienten rasch an das verbleibende Taubheitsgefühl zwischen den Zehen.
Wann kann ich wieder …?
Alle Angaben sind Orientierungswerte und hängen vom individuellen Heilungsverlauf ab.
Auto fahren
Abhängig davon, welcher Fuß operiert wurde und wie sicher Sie sich beim Bremsen fühlen.
Büroarbeit
Mit der Möglichkeit, den Fuß zwischendurch hochzulegen.
Stehende/gehende Tätigkeit
Abhängig vom Ausmaß der Steh- und Gehbelastung im Beruf.
Normale Schuhe tragen
Zunächst breites, flaches Schuhwerk; enge oder spitze Schuhe erst nach vollständiger Abschwellung.
Fahrrad fahren
Zunächst kurze Strecken auf ebenem Untergrund.
Schwimmen
Nach vollständiger Wundheilung.
Joggen
Nach abgeschlossener Wundheilung und guter Belastbarkeit des Vorfußes.
Wandern / längere Spaziergänge
Gehstrecke und Tempo werden entsprechend dem Heilungsverlauf schrittweise gesteigert.
Reisen
Mit Möglichkeit zur Hochlagerung; bei längeren Reisen zunächst besser ab etwa 2–3 Wochen.
Welche Ergebnisse kann ich erwarten?
Bei den meisten Patienten bessert sich der brennende Schmerz zwischen den Zehen nach der Operation deutlich.
Nach einer Exzision ist ein Taubheitsgefühl im vom entfernten Nervenabschnitt versorgten Hautareal zwischen den Zehen zu erwarten und meist bleibend, diese Folge wird von den meisten Patienten im Alltag gut toleriert, da der zuvor bestehende, brennende Schmerz in der Regel deutlich stärker belastend war. Nach einer Dekompression bleibt die Sensibilität in der Regel erhalten; die Erfolgssicherheit kann dabei bei fortgeschrittenem Befund im Vergleich etwas geringer ausfallen.
Das Ergebnis wird unter anderem vom Ausmaß und der Dauer der vorbestehenden Nervenreizung, dem gewählten Verfahren sowie individuellen Faktoren wie einem fortbestehenden Spreizfuß beeinflusst. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, die individuelle Prognose besprechen wir mit Ihnen anhand Ihres Befunds.
Welche Risiken bestehen?
Allgemeine Operationsrisiken
Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion und Narkoserisiken. Das Thromboserisiko ist bei diesem kleinen, ambulanten Eingriff insgesamt gering.
Spezifische Risiken dieser Operation
Trotz sorgfältiger Operationstechnik kann sich am durchtrennten Nervenende erneut ein sogenanntes Stumpfneurom bilden, das mit einem Wiederauftreten der Beschwerden verbunden sein kann. Ein dauerhaftes Taubheitsgefühl im versorgten Hautareal zwischen den Zehen ist nach einer Exzision eine erwartbare Folge des Eingriffs und keine Komplikation; nach einer Dekompression ist es seltener, aber ebenfalls als mögliches Risiko zu nennen. Die Wundheilung kann in Einzelfällen verzögert verlaufen.
Langfristige Risiken
Bei der Dekompression ist ein erneutes Auftreten der Beschwerden möglich, wenn die Druckentlastung des Nervs nicht ausreicht oder begünstigende Faktoren wie ein ausgeprägter Spreizfuß fortbestehen. Bleiben nach der Operation trotz allem relevante Beschwerden bestehen, kann in einem solchen Fall im Verlauf auch eine spätere Exzision erwogen werden.
Worauf sollten Sie nach der Operation achten?
Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden
- Fieber
- Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
- Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
- Neu auftretende oder deutlich über das erwartete Maß hinaus zunehmende Taubheit, insbesondere nach einer Dekompression
- Verrutschen des Verbands oder ungewöhnliche Veränderungen im Wundbereich
- Schwellung, Schmerz oder Überwärmung der Wade (mögliches Zeichen einer Thrombose)
- Atemnot
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.
Morton-Neurom-Operation bei MedArtes
Ob eine Operation für Sie infrage kommt und ob Exzision oder Dekompression das für Sie geeignetere Verfahren ist, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, der klinischen Untersuchung und des Ultraschall- oder MRT-Befunds. Die Erkrankung selbst sowie die konservativen Behandlungsmöglichkeiten, die einer Operation üblicherweise vorausgehen, finden Sie auf unserer Morton-Neurom-Seite. Als Fußzentrum Ostbayern der Deutschen Assoziation für Fuß und Sprunggelenk e.V. (D.A.F.) besprechen wir mit Ihnen gemeinsam, welche Vorgehensweise für Ihren individuellen Befund sinnvoll ist, und begleiten Sie durch Operation und Nachbehandlung.
Ihre Spezialisten für Fuß & Sprunggelenk
Häufig gestellte Fragen zur Morton-Neurom-Operation
Wird ambulant oder stationär operiert?
Der Eingriff wird in aller Regel ambulant durchgeführt. Ein stationärer Aufenthalt ist bei diesem kleinen Eingriff üblicherweise nicht erforderlich.
Welches Verfahren ist besser, Exzision oder Dekompression?
Es gibt kein pauschal „besseres" Verfahren. Die Exzision ist das definitive Verfahren mit erwartbarem, bleibendem Taubheitsgefühl, während die Dekompression den Nerv erhält, bei fortgeschrittenem Befund aber möglicherweise eine geringere Erfolgssicherheit bietet. Welches Vorgehen zu Ihrem Befund und Ihren Prioritäten passt, besprechen wir gemeinsam mit Ihnen.
Bleibt nach der Operation ein Taubheitsgefühl zurück?
Nach einer Exzision ja: Da der betroffene Nervenabschnitt entfernt wird, bleibt im versorgten Hautareal zwischen den Zehen in der Regel dauerhaft ein Taubheitsgefühl, dies ist eine erwartete Folge und wird von den meisten Patienten gut toleriert. Nach einer Dekompression bleibt die Sensibilität in der Regel erhalten.
Muss ich nach der Operation einen Spezialschuh tragen?
Häufig wird für kurze Zeit, meist wenige Tage bis etwa ein bis zwei Wochen, ein Vorfußentlastungsschuh zur Schonung der Wunde getragen. Die genaue Dauer legt Ihr Operateur individuell fest.
Wie groß ist die Narbe?
Der Hautschnitt ist meist etwa 2–3 Zentimeter lang und verläuft am Fußrücken zwischen den betroffenen Mittelfußknochen. Mit der Zeit verblasst die Narbe in der Regel deutlich.
Wie lange bin ich krankgeschrieben?
Das hängt von Ihrer beruflichen Tätigkeit ab: Bei überwiegend sitzender Tätigkeit sind oft schon nach etwa einer Woche wieder Arbeitstage möglich, bei stehender oder gehender Tätigkeit kann es zwei bis drei Wochen dauern.
Kann das Morton-Neurom nach der Operation wiederkommen?
Ein gewisses Risiko besteht: Nach einer Exzision kann sich am Nervenende erneut ein sogenanntes Stumpfneurom bilden, nach einer Dekompression können die ursprünglichen Beschwerden bei unzureichender Druckentlastung wiederkehren. In einem solchen Fall kann im Verlauf auch eine spätere Exzision erwogen werden.
Wie stark sind die Schmerzen nach der Operation?
Der Wundschmerz in den ersten Tagen ist normal und lässt sich in der Regel gut mit Schmerzmitteln sowie Hochlagern und Kühlen kontrollieren.
Das könnte Sie auch interessieren
Operation besprechen
Wenn Ihnen eine Morton-Neurom-Operation empfohlen wurde und Sie den Ablauf und Ihre individuelle Eignung besprechen möchten, vereinbaren Sie gerne einen Termin.