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Krankheitsbild · Fuß & Sprunggelenk

OSG-Arthrose

Bei der OSG-Arthrose ist der Knorpel des oberen Sprunggelenks, dem Gelenk zwischen Schienbein, Wadenbein und Sprungbein, verschlissen. Anders als an Knie oder Hüfte entsteht sie nur selten ohne erkennbare Vorschädigung, sondern meist nach einer früheren Verletzung wie einem Sprunggelenksbruch oder wiederholten Bandverletzungen mit bleibender Instabilität. Konservative Maßnahmen können die Beschwerden über lange Zeit lindern; bei fortgeschrittener, therapieresistenter Arthrose stehen mit der Sprunggelenksarthrodese und der Sprunggelenksprothese zwei etablierte operative Verfahren zur Verfügung. Wir erklären, wie die OSG-Arthrose entsteht, wie sie diagnostiziert wird und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

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Beschwerdebild & Hintergrund

Typische Symptome

Im Vordergrund stehen ein Anlaufschmerz nach Ruhephasen sowie zunehmende Schmerzen und eine Schwellung des Sprunggelenks unter Belastung.

OSG-Arthrose (Symbolbild)

Typischerweise fällt der erste Schmerz beim Loslaufen nach längerem Sitzen oder morgens nach dem Aufstehen auf, der sich nach einigen Schritten oft zunächst bessert. Mit fortschreitendem Verschleiß nehmen die Beschwerden unter Belastung zu, insbesondere beim Gehen auf unebenem Untergrund, beim Treppensteigen oder bei sportlicher Aktivität, und das Sprunggelenk schwillt nach stärkerer Beanspruchung häufig an. Charakteristisch ist außerdem eine zunehmend eingeschränkte Beweglichkeit beim Heben und Senken des Fußes, wodurch das flüssige Abrollen beim Gehen erschwert wird und viele Patienten ein leichtes Schonhinken entwickeln.

Im fortgeschrittenen Stadium können die Schmerzen auch in Ruhe oder nachts auftreten, und sichtbare Achsabweichungen des Rückfußes sind möglich. Der Verlauf ist individuell unterschiedlich: Manche Patienten haben über Jahre nur geringe Beschwerden, andere entwickeln, insbesondere nach einer schweren Vorverletzung, vergleichsweise rasch eine deutliche Funktionseinschränkung.

Was steckt dahinter?

Das obere Sprunggelenk

Das obere Sprunggelenk (OSG, Articulatio talocruralis) wird von drei Knochen gebildet: dem Schienbein (Tibia), dem Wadenbein (Fibula) und dem Sprungbein (Talus). Es ermöglicht vor allem das Heben und Senken des Fußes und ist damit für das Abrollen beim Gehen von zentraler Bedeutung. Bei einer Arthrose ist der Gelenkknorpel dieses Gelenks abgenutzt, sodass die Knochenflächen zunehmend aufeinander reiben; am Gelenkrand können sich zusätzlich knöcherne Anbauten (Osteophyten) bilden.

Warum entsteht eine OSG-Arthrose meist nach einer Verletzung?

Anders als an Knie oder Hüfte, wo eine Arthrose häufig auch ohne erkennbare Vorschädigung im Rahmen des normalen Alterungsprozesses entsteht, ist eine rein primär-degenerative OSG-Arthrose deutlich seltener. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle liegt eine erkennbare Ursache zugrunde:

  • Frühere Sprunggelenksbrüche: Nach einer Fraktur des Sprunggelenks mit Beteiligung der Gelenkfläche kann eine auch nach guter Heilung verbleibende, meist geringfügige Stufenbildung oder Achsabweichung die Druckverteilung im Gelenk dauerhaft verändern und den Knorpel über Jahre zusätzlich belasten.
  • Chronische Instabilität nach Bandverletzungen: Wiederholte Umknicktraumata und eine daraus resultierende chronische Sprunggelenksinstabilität führen zu einer dauerhaft veränderten Gelenkmechanik mit ungleichmäßiger Knorpelbelastung, was das Arthroserisiko über die Zeit erhöht.
  • Weitere Ursachen: Seltener spielen entzündlich-rheumatische Erkrankungen, eine Durchblutungsstörung des Sprungbeins (Talusnekrose) oder ein unzureichend ausgeheilter Knorpelschaden (osteochondrale Läsion) eine Rolle.

Eine rein primäre, ohne erkennbare Vorschädigung entstehende OSG-Arthrose kommt vor, ist im Vergleich zur posttraumatischen Form aber die Ausnahme.

OSG-Arthrose (Symbolbild)
Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

Was ist es?
Ein Verschleiß des Gelenkknorpels im oberen Sprunggelenk (Tibia-Fibula-Talus-Gelenk), meist als Folge einer früheren Verletzung.
Typische Ursache
Überwiegend posttraumatisch, nach Sprunggelenksbrüchen oder wiederholten Bandverletzungen mit chronischer Instabilität. Eine rein primäre Arthrose ohne Vorschädigung ist am Sprunggelenk deutlich seltener als an Knie oder Hüfte.
Typische Beschwerden
Belastungs- und Anlaufschmerz, Schwellung nach Belastung sowie eine zunehmend eingeschränkte Beweglichkeit beim Abrollen des Fußes.
Diagnostik
Klinische Untersuchung und ein Röntgenbild des Sprunggelenks unter Belastung, bei fortgeschrittener Arthrose und vor einer Operation ergänzend häufig eine Computertomografie.
Behandlung
Konservativ mit angepasster Schuhversorgung, Einlagen, Physiotherapie und Schmerztherapie; bei fortgeschrittener, therapieresistenter Arthrose Versteifung oder Prothese.
Operation notwendig?
Nur bei anhaltenden Beschwerden trotz ausgeschöpfter konservativer Therapie, nicht allein aufgrund eines Röntgenbefunds.
Untersuchung

Wie finden wir die Ursache?

Anamnese, körperliche Untersuchung und gezielte Bildgebung. Mehr erfahren

Anamnese und klinische Untersuchung

Wichtige Hinweise liefern frühere Verletzungen des Sprunggelenks, etwa ein durchgemachter Bruch oder wiederholte Umknicktraumata. Bei der klinischen Untersuchung werden die Beweglichkeit des Sprunggelenks beim Heben und Senken des Fußes, eine mögliche Schwellung, der Druckschmerz, das Gangbild sowie eine eventuelle Achsabweichung des Rückfußes geprüft.

Röntgen unter Belastung

Ein Röntgenbild des Sprunggelenks im Stehen ist die Basis der Diagnostik. Es zeigt eine Verschmälerung des Gelenkspalts, randständige Osteophyten und eine vermehrte Verdichtung des angrenzenden Knochens (subchondrale Sklerose) und erlaubt eine Einordnung des Schweregrads.

Weitere Bildgebung

Bei fortgeschrittener Arthrose und insbesondere zur Planung einer Operation wird häufig ergänzend eine Computertomografie (CT) durchgeführt, um Knochenqualität, Achsverhältnisse und eventuelle knöcherne Defekte genauer zu beurteilen. Eine Magnetresonanztomografie (MRT) ist für die Diagnose der Arthrose selbst meist nicht erforderlich, kann aber bei Verdacht auf begleitende Knorpel- oder Weichteilschäden sinnvoll sein.

Ohne Operation

Konservative Behandlung

Konservative, interventionelle und regenerative Verfahren im Überblick. Mehr erfahren

Die meisten Beschwerden an Fuß und Sprunggelenk lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.

Klassische Schmerztherapie und Physiotherapie

Zur konservativen Therapie nutzen wir die orale Schmerzmedikation und Physiotherapie als Basis zur Verbesserung Ihrer Beschwerden.

Sinnvolle Behandlungsoption

Medikamentöse Schmerztherapie

Kurzfristig eingesetzt, um akute Beschwerden zu lindern und Bewegung wieder zu ermöglichen.

Gut etablierte Therapie

Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie

Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung, unter therapeutischer Anleitung strukturiert aufgebaut.

Gut etablierte Therapie

Schuhversorgung mit Abrollhilfe

Eine Schmetterlings- oder Ballenrolle in Kombination mit einer Sohlenversteifung übernimmt einen Teil der Abrollbewegung, die das arthrotische Sprunggelenk sonst leisten müsste. Diese orthopädisch-schuhtechnische Versorgung ist ein zentraler Baustein der symptomatischen Behandlung.

Sinnvolle Behandlungsoption

Einlagenversorgung

Individuell angepasste Einlagen können den Rückfuß führen und stabilisieren, insbesondere bei einer begleitenden Achsabweichung, und so die Belastung im Sprunggelenk gleichmäßiger verteilen.

Sinnvolle Behandlungsoption

Gewichtsmanagement

Eine Reduktion von Übergewicht verringert die mechanische Belastung des Sprunggelenks bei jedem Schritt und kann die Beschwerden spürbar lindern.

Sinnvolle Behandlungsoption

Kortison-Infiltration

Eine gelenknahe Injektion kann bei einer akuten Beschwerdephase mit Reizerguss vorübergehend Schmerzlinderung bringen. Aufgrund möglicher Effekte auf den Gelenkknorpel wird sie zurückhaltend und nicht wiederholt kurzfristig eingesetzt.

Mehr über die interventionelle Schmerztherapie erfahren →
Innovative Behandlungsstrategie

Hyaluronsäure-Infiltration

Bei der Hyaluronsäuretherapie wird eine gelenkschmierende Substanz in das Sprunggelenk injiziert. Die Datenlage zum Nutzen bei OSG-Arthrose ist begrenzt und uneinheitlich; ein sicherer Effekt lässt sich daraus nicht ableiten. Sie kann im Einzelfall als Behandlungsversuch erwogen werden.

Mehr über die Hyaluronsäure-Therapie erfahren →
Warnzeichen

Wann rasch zum Arzt?

Eine OSG-Arthrose selbst ist kein Notfall

Der Verschleiß entwickelt sich in aller Regel über einen längeren Zeitraum. In folgenden Situationen sollten Sie das Sprunggelenk dennoch zeitnah ärztlich untersuchen lassen:

  • Plötzliche, deutliche Rötung, Überwärmung und Schwellung des Gelenks, insbesondere mit Fieber, möglicher Hinweis auf eine akute Gelenkentzündung oder einen Infekt
  • Ein akutes Unfallereignis mit starken Schmerzen und Unfähigkeit, das Bein zu belasten, möglicher Hinweis auf einen begleitenden Knochenbruch
  • Rasch zunehmende Schmerzen, Schwellung oder Fehlstellung innerhalb weniger Tage

Bei Diabetes oder einer bekannten Durchblutungsstörung sollten neu auftretende Beschwerden am Fuß generell zeitnah abgeklärt werden.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen

Muss eine OSG-Arthrose immer operiert werden?

Nein. Solange die Beschwerden mit konservativen Maßnahmen wie Schuhversorgung, Einlagen und Physiotherapie ausreichend zu bewältigen sind, ist keine Operation notwendig. Sie kommt vor allem dann infrage, wenn trotz konsequenter konservativer Behandlung relevante Beschwerden bestehen bleiben.

Was ist der Unterschied zwischen OSG-Arthrose und USG-Arthrose?

Die OSG-Arthrose betrifft das obere Sprunggelenk und beeinträchtigt vor allem das Heben und Senken des Fußes. Die USG-Arthrose betrifft das untere Sprunggelenk und beeinträchtigt vor allem das seitliche Kippen des Fußes. Beide können auch gemeinsam auftreten.

Warum entsteht eine Sprunggelenksarthrose so oft nach einem Bruch oder einem umgeknickten Fuß?

Ein Bruch mit Beteiligung der Gelenkfläche oder eine wiederholte Bandverletzung mit bleibender Instabilität verändert die Kraftverteilung im Sprunggelenk dauerhaft. Diese ungleichmäßige Belastung des Knorpels über viele Jahre erhöht das Risiko für einen vorzeitigen Gelenkverschleiß deutlich.

Versteifung oder Prothese, welches Verfahren ist besser?

Es gibt kein Verfahren, das für alle Patienten grundsätzlich besser wäre. Die Versteifung ist ein bewährtes Standardverfahren mit zuverlässiger Schmerzlinderung, die Prothese erhält die Beweglichkeit des Gelenks. Welches Verfahren geeignet ist, hängt von Alter, Aktivitätsniveau, Knochenqualität und Achsverhältnissen ab.

Kann ich nach einer Versteifung des Sprunggelenks noch normal gehen?

Ja, viele Patienten erreichen nach einer Sprunggelenksarthrodese ein weitgehend unauffälliges Gangbild, da die Nachbargelenke einen Teil der fehlenden Beweglichkeit kompensieren können. Eine gewisse Anpassung, insbesondere bei schnellem Gehen auf unebenem Untergrund, ist dabei möglich.

Hilft Hyaluronsäure bei OSG-Arthrose?

Die Datenlage zur Hyaluronsäuretherapie am Sprunggelenk ist begrenzt und uneinheitlich. Ein sicherer Effekt ist wissenschaftlich nicht belegt; im Einzelfall kann sie dennoch als Behandlungsversuch erwogen werden.

Wie lange bin ich nach einer Operation am Sprunggelenk arbeitsunfähig?

Das hängt stark vom gewählten Verfahren, der beruflichen Belastung und dem individuellen Heilungsverlauf ab und wird im Rahmen der Nachsorge besprochen. Bei überwiegend sitzender Tätigkeit ist häufig eine frühere Rückkehr möglich als bei körperlich fordernden Berufen.

Kann ich mit einer OSG-Arthrose noch Sport treiben?

Gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren sind meist auch bei fortgeschrittener Arthrose gut möglich. Stark stoßbelastende Sportarten wie Laufen oder Sprungsportarten sollten dagegen mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.