Sprunggelenksprothese (OSG-Endoprothese)
Operativer Ersatz der arthrotischen Gelenkflächen bei fortgeschrittener OSG-Arthrose mit dem Ziel, die Beweglichkeit des oberen Sprunggelenks zu erhalten
Ziel der Sprunggelenksprothese ist es, die durch die Arthrose zerstörten Gelenkflächen von Schienbein und Sprungbein durch ein künstliches Implantat zu ersetzen und dabei, anders als bei der Versteifung, die Beweglichkeit im oberen Sprunggelenk zu erhalten. Als Alternative mit einem anderen Kompromiss steht die Sprunggelenksarthrodese zur Verfügung, die auf eine dauerhafte, zuverlässige Schmerzfreiheit durch Versteifung des Gelenks setzt. Diese Seite erklärt, wie der Gelenkersatz konkret abläuft und was in den Wochen und Monaten danach auf Sie zukommt. Die Erkrankung selbst, die Diagnostik und die konservativen Behandlungsmöglichkeiten finden Sie auf unserer OSG-Arthrose-Seite.
Termin vereinbarenDie Operation auf einen Blick
Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf kann abweichen.
Operationsdauer
Je nach Implantat und Ausgangsbefund meist 90–120 Minuten.
Narkose
Häufig eine Regionalanästhesie des Beins (z. B. Ischiadicus-/Femoralisblock), oft mit leichter Sedierung; alternativ eine Vollnarkose.
Krankenhausaufenthalt
In der Regel stationär für einige Tage.
Mobilisation
Unter Anleitung an Unterarmgehstützen, meist bereits in den ersten Tagen nach der Operation.
Belastung
Zunächst Teilbelastung für mehrere Wochen, danach schrittweise Steigerung nach Röntgenkontrolle.
Ruhigstellung
Orthese oder Spezialschuh meist für etwa 6 Wochen, abhängig vom Implantat und der Weichteilheilung.
Rehabilitation
Häufig ambulante Physiotherapie, in manchen Fällen eine Anschlussheilbehandlung.
Arbeitsunfähigkeit
Je nach Tätigkeit ca. 6–8 Wochen (überwiegend sitzend) bis ca. 3 Monate (stehende/gehende Tätigkeit).
Autofahren
Häufig nach etwa 8–10 Wochen möglich, abhängig vom operierten Bein und der erreichten Belastbarkeit.
Wie läuft die Operation ab?
Vorbereitung und Narkose
Sie werden in Rückenlage gelagert. Häufig erfolgt der Eingriff in einer Regionalanästhesie des Beins, oft kombiniert mit einer leichten Sedierung; alternativ ist auch eine Vollnarkose möglich. Während der Operation kommt meist eine Blutsperre am Bein zum Einsatz, um übersichtliche Sichtverhältnisse zu schaffen.
Zugang
Der Zugang erfolgt in aller Regel über einen Hautschnitt an der Vorderseite des oberen Sprunggelenks. Da die Weichteile über dem Sprunggelenk vergleichsweise dünn sind, wird der Zugang besonders sorgfältig und schonend angelegt, um die Wundheilung nicht zu gefährden.
Der eigentliche Eingriff
Nach Darstellung des Gelenks werden die arthrotisch geschädigten Gelenkflächen von Schienbein (Tibia) und Sprungbein (Talus) mit speziellen Instrumenten und Schnittlehren präzise abgetragen. Anschließend wird üblicherweise ein Drei-Komponenten-System eingesetzt: eine tibiale Komponente am Schienbein, eine talare Komponente am Sprungbein und dazwischen ein Gleitinlay aus Polyethylen, das die beiden Metallkomponenten voneinander trennt und die Gleitbewegung im Gelenk ermöglicht. Die Bandführung und die Beweglichkeit des Gelenks werden während der Operation wiederholt kontrolliert, um eine stabile und funktionell günstige Position sicherzustellen.
Abschluss
Nach Kontrolle der Beweglichkeit und der Bandspannung wird die Wunde schichtweise verschlossen, gegebenenfalls unter Einlage einer kurzzeitigen Wunddrainage. Anschließend wird das Bein in einer Orthese oder einem Spezialschuh ruhiggestellt, um die Weichteil- und Einheilungsphase nicht zu gefährden.
Gibt es unterschiedliche Prothesensysteme?
Mobile-Bearing-Systeme
Das Polyethylen-Inlay liegt beweglich zwischen tibialer und talarer Komponente und kann sich innerhalb gewisser Grenzen mitbewegen. Dies soll eine physiologischere Kraftübertragung ermöglichen und die Beanspruchung des Materials verteilen.
Fixed-Bearing-Systeme
Das Inlay ist fest mit der tibialen Komponente verbunden, die Gleitbewegung findet allein zwischen Inlay und talarer Komponente statt. Dies kann die Stabilität des Konstrukts begünstigen, stellt dafür höhere Anforderungen an die exakte Ausrichtung während der Operation.
Beide Prinzipien werden in der Fußchirurgie eingesetzt; ein System ist dem anderen nicht grundsätzlich überlegen. Welches Implantat für Sie geeignet ist, legen wir anhand Ihres Röntgen- und CT-Befunds, der Bandstabilität und der Achsverhältnisse Ihres Sprunggelenks gemeinsam fest.
Was passiert unmittelbar nach der Operation?
In den ersten Tagen nach der Operation stehen Schmerzkontrolle, Hochlagerung des Beins und eine vorsichtige, geführte Mobilisation im Vordergrund.
Ein Wundschmerz ist normal und wird gut mit Schmerzmitteln kontrolliert; konsequentes Hochlagern und Kühlen des Beins in den ersten Tagen hilft, die Schwellung gering zu halten. Sie werden noch im Krankenhaus an Unterarmgehstützen mobilisiert, wobei das operierte Bein zunächst nur mit Teilbelastung beansprucht wird. Zur Vorbeugung einer Thrombose erhalten Sie in dieser Phase in der Regel eine medikamentöse Prophylaxe.
Der stationäre Aufenthalt umfasst üblicherweise einige Tage, in denen Wundverhältnisse, Durchblutung und Beweglichkeit der Zehen kontrolliert werden. Eine Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung erfolgt üblicherweise nach etwa 12–14 Tagen. Physiotherapie beginnt meist bereits in dieser frühen Phase und vermittelt den sicheren Umgang mit den Gehstützen sowie erste vorsichtige Bewegungsübungen für das neue Gelenk.
Wie geht es zu Hause weiter?
- Erste Tage
Stationärer Aufenthalt, Hochlagern und Teilbelastung
Das Bein wird hochgelagert und gekühlt, um die Schwellung zu begrenzen. Der Gang an Unterarmgehstützen mit Teilbelastung des operierten Fußes wird eingeübt.
- Nach etwa 2 Wochen
Wundkontrolle und beginnende Beweglichkeitsübungen
Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung. Unter physiotherapeutischer Anleitung beginnen vorsichtige Übungen zur Beweglichkeit des Sprunggelenks.
- Nach etwa 6 Wochen
Röntgenkontrolle und Belastungssteigerung
Zeigt die Röntgenkontrolle einen unauffälligen Sitz der Prothesenkomponenten, kann die Belastung schrittweise und unter Anleitung bis zur Vollbelastung gesteigert werden.
- Nach etwa 3 Monaten
Kräftigung und funktionelle Rehabilitation
Physiotherapie unterstützt die Kräftigung der umgebenden Muskulatur, die Verbesserung der Beweglichkeit und ein möglichst physiologisches Gangbild.
- Langfristig
Endgültiges Ergebnis nach einigen Monaten
Die volle Belastbarkeit im Alltag ist meist nach etwa 3–6 Monaten erreicht. Restschwellungen können sich über einen längeren Zeitraum zurückbilden.
Wann kann ich wieder …?
Alle Angaben sind Orientierungswerte und hängen vom individuellen Heilungsverlauf ab.
Auto fahren
Erst nach ausreichender Belastbarkeit und wenn Sie das Bein sicher und schmerzarm einsetzen können.
Büroarbeit
Mit der Möglichkeit, das Bein regelmäßig hochzulegen, anfangs ggf. an Gehstützen.
Stehende/gehende Tätigkeit
Abhängig vom Ausmaß der Steh- und Gehbelastung im Beruf und vom Fortschritt der Einheilung.
Normale Schuhe tragen
Zunächst weites, flaches Schuhwerk; die endgültige Schuhwahl wird individuell mit Ihnen besprochen.
Fahrrad fahren
Zunächst kurze Strecken auf ebenem Untergrund, nach gesicherter Einheilung.
Schwimmen
Nach vollständiger Wundheilung und Freigabe durch den Operateur.
Joggen
Stoßbelastendes Laufen wird bei einer Sprunggelenksprothese aufgrund der Beanspruchung des Implantats meist nicht empfohlen; gelenkschonende Alternativen werden individuell besprochen.
Wandern / längere Spaziergänge
Gehstrecke und Untergrund werden entsprechend dem Heilungsverlauf schrittweise gesteigert.
Reisen
Mit Möglichkeit zur Hochlagerung; bei längeren Reisen zunächst besser abwarten, bis die Belastung gesteigert werden konnte.
Welche Ergebnisse kann ich erwarten?
Die meisten Patienten erreichen nach einer Sprunggelenksprothese bei passender Indikation eine deutliche Schmerzlinderung bei erhaltener Beweglichkeit im oberen Sprunggelenk.
Anders als bei der Versteifung bleibt das Heben und Senken des Fußes über das obere Sprunggelenk grundsätzlich möglich, wenn auch meist mit einem etwas geringeren Bewegungsausmaß als vor der Erkrankung. Ein physiologischeres Gangbild und eine geringere zusätzliche Belastung der Nachbargelenke, insbesondere des unteren Sprunggelenks, werden als möglicher Vorteil des Bewegungserhalts diskutiert.
Wie bei anderen Gelenkprothesen besteht eine begrenzte Haltbarkeit des Implantats. Im Vergleich zu Hüft- und Knieprothesen liegen zur Sprunggelenksprothese insgesamt kürzere Erfahrungswerte zur Standzeit vor, da das Verfahren später in die breitere klinische Anwendung kam. Das Ergebnis wird unter anderem von der Knochenqualität, der Bandstabilität, den Achsverhältnissen sowie der konsequenten Nachbehandlung beeinflusst. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, die individuelle Prognose besprechen wir mit Ihnen anhand Ihres Befunds.
Welche Risiken bestehen?
Allgemeine Operationsrisiken
Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion und Narkoserisiken. Aufgrund der mehrwöchigen Teilbelastungsphase ist zudem eine konsequente Thromboseprophylaxe wichtig. Da die Weichteile über dem Sprunggelenk vergleichsweise dünn sind, besteht ein etwas erhöhtes Risiko für Wundheilungsstörungen.
Spezifische Risiken dieser Operation
Eine Lockerung einer oder beider Prothesenkomponenten im Knochen kann im Verlauf auftreten und gegebenenfalls eine erneute Operation erforderlich machen. Ein periprothetischer Infekt, also eine Infektion im Bereich des Kunstgelenks, ist selten, stellt aber ein ernstzunehmendes Risiko dar. Eine Instabilität des Gelenks oder in seltenen Fällen ein Auskugeln (Luxation) des Inlays sind möglich. Vorübergehende oder in seltenen Fällen anhaltende Schwellungen und eine Reizung kleiner Hautnerven können auftreten.
Langfristige Risiken
Die Standzeit einer Sprunggelenksprothese ist begrenzt; ein Verschleiß des Inlays oder eine Lockerung der Komponenten können im Verlauf der Jahre eine Wechseloperation erforderlich machen. In manchen Fällen ist bei fortgeschrittenem Implantatversagen statt eines Wechsels auch eine sekundäre Versteifung (Arthrodese) des Sprunggelenks als Rückzugsoption möglich. Diese Möglichkeiten werden Ihnen im Vorfeld der Operation ausführlich erläutert.
Worauf sollten Sie nach der Operation achten?
Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden
- Fieber
- Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
- Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
- Neu auftretende Taubheit, Kribbeln oder Durchblutungsstörungen am Fuß oder an den Zehen
- Instabilitätsgefühl, Blockade oder ein Schnapp-Phänomen im Sprunggelenk
- Verrutschen von Orthese oder Spezialschuh oder sichtbar veränderte Fußstellung
- Schwellung, Schmerz oder Überwärmung der Wade (mögliches Zeichen einer Thrombose)
- Atemnot
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.
Sprunggelenksprothese bei MedArtes
Ob bei Ihrer OSG-Arthrose eine Prothese oder eine Sprunggelenksarthrodese sinnvoller ist und welches Implantat für Sie infrage kommt, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, der klinischen Untersuchung sowie Ihres Röntgen- und CT-Befunds. Wir besprechen mit Ihnen gemeinsam, welche Vorgehensweise für Ihre individuelle Situation medizinisch sinnvoll ist, und begleiten Sie durch Operation und Nachbehandlung bis zur abgeschlossenen Rehabilitation.
Ihre Spezialisten für Fuß & Sprunggelenk
Häufig gestellte Fragen zur Sprunggelenksprothese
Wie lange hält eine Sprunggelenksprothese?
Eine pauschale, verlässliche Zahl können wir Ihnen nicht nennen. Im Vergleich zu Hüft- und Knieprothesen liegen zur Sprunggelenksprothese insgesamt kürzere Erfahrungswerte vor, da das Verfahren später in die breitere klinische Anwendung kam. Wie lange ein Implantat hält, hängt unter anderem von der Knochenqualität, der Belastung im Alltag und dem gewählten System ab.
Was passiert, wenn sich die Prothese lockert oder verschleißt?
In diesem Fall kann eine Wechseloperation mit Austausch der betroffenen Komponenten notwendig werden. Bei fortgeschrittenem Implantatversagen ist in manchen Fällen auch eine sekundäre Versteifung (Arthrodese) des Sprunggelenks als Rückzugsoption möglich.
Bin ich eher für eine Prothese oder für eine Versteifung geeignet?
Das hängt vor allem von Ihrer Knochenqualität, der Stabilität der Bänder, den Achsverhältnissen Ihres Beins, Ihrem Alter und Ihrem Aktivitätsniveau ab. Bei guten Voraussetzungen kommt häufiger eine Prothese infrage, bei ausgeprägten Fehlstellungen, eingeschränkter Knochenqualität oder hohen Belastungsansprüchen eher eine Sprunggelenksarthrodese. Wir klären dies gemeinsam mit Ihnen anhand Ihres Befunds.
Wie lange muss ich die Teilbelastung einhalten?
In der Regel für mehrere Wochen, bis eine Röntgenkontrolle einen unauffälligen Sitz der Prothesenkomponenten bestätigt. Die genaue Dauer und die Steigerung der Belastung legt Ihr Operateur individuell fest.
Kann ich nach der Operation noch Sport treiben?
Gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren sind nach abgeschlossener Heilung meist gut möglich. Von stark stoßbelastenden Sportarten wie Joggen wird wegen der Beanspruchung des Implantats in der Regel abgeraten.
Bleibt das Sprunggelenk nach der Prothese genauso beweglich wie vorher?
Das Bewegungsausmaß nach der Operation hängt vom präoperativen Befund, der Bandstabilität und dem gewählten Implantat ab. Häufig wird eine relevante, funktionell wertvolle Beweglichkeit erhalten, ohne dass das ursprüngliche, unversehrte Bewegungsausmaß immer vollständig erreicht wird.
Wie unterscheidet sich die Prothese von einer Sprunggelenksarthrodese?
Die Prothese soll die Beweglichkeit des Gelenks erhalten, stellt dafür aber höhere Anforderungen an Knochenqualität, Achsverhältnisse und Bandstabilität und hat kürzere Erfahrungswerte zur Standzeit. Die Sprunggelenksarthrodese erzielt eine zuverlässige Schmerzfreiheit, gibt dafür aber die Beweglichkeit des Gelenks auf. Welches Verfahren geeignet ist, wird individuell besprochen.
Wie lange dauert der stationäre Aufenthalt?
Üblicherweise einige Tage, in denen Wundverhältnisse, Durchblutung und die sichere Mobilisation an Gehstützen kontrolliert werden.
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