Plantarfasziitis
Bei einer Plantarfasziitis ist die Plantarfaszie, die breite Sehnenplatte an der Fußsohle, an ihrem Ansatz am Fersenbein überlastungsbedingt gereizt. Typisch ist ein stechender Schmerz an der Ferse direkt nach Ruhephasen, etwa beim ersten Schritt am Morgen. Die Erkrankung lässt sich in den allermeisten Fällen konservativ, also ohne Operation, erfolgreich behandeln.
Termin vereinbarenTypische Symptome
Charakteristisch ist der sogenannte Anlaufschmerz: ein stechender Schmerz an der Ferse bzw. Fußsohle, der direkt nach einer Ruhephase auftritt, typischerweise beim ersten Schritt am Morgen oder nach längerem Sitzen.

Der Schmerz sitzt meist punktuell an der Unterseite der Ferse, häufig etwas zur Fußinnenseite versetzt, dort wo die Plantarfaszie am Fersenbein ansetzt. Nach den ersten Schritten lässt er häufig etwas nach, kann im Tagesverlauf bei anhaltender Belastung, etwa langem Stehen oder Gehen, jedoch erneut zunehmen. Manche Patienten berichten zusätzlich über einen Druckschmerz beim Abrollen oder beim Barfußgehen auf hartem Untergrund.
Unbehandelt können die Beschwerden über Wochen bis Monate bestehen bleiben und durch eine unbewusste Schonhaltung mitunter auch andere Strukturen des Fußes, des Sprunggelenks oder des Knies zusätzlich belasten.
Was steckt dahinter?
Die Reizung im Detail
Die Plantarfaszie ist eine breite, straffe Sehnenplatte, die von der Ferse zu den Zehengrundgelenken zieht und das Längsgewölbe des Fußes stabilisiert. Bei wiederholter, über das gewohnte Maß hinausgehender Zugbelastung entstehen an ihrem Ansatz am Fersenbein kleine, wiederkehrende Mikroverletzungen. Der Körper reagiert darauf mit degenerativ-reaktiven Veränderungen des Gewebes, trotz der Bezeichnung „-itis" handelt es sich also weniger um eine klassische Entzündung als vielmehr um eine chronische Überlastungsreaktion des Fasziengewebes.
Ursachen und Risikofaktoren
Eine Plantarfasziitis entsteht meist durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren:
- Übergewicht, das die dauerhafte Zugbelastung auf die Plantarfaszie erhöht
- Eine verkürzte Wadenmuskulatur bzw. Achillessehne mit eingeschränkter Beweglichkeit des Sprunggelenks nach oben (Dorsalextension)
- Lange Steh- oder Gehbelastung im Beruf oder Alltag, insbesondere auf hartem Untergrund
- Ungeeignetes Schuhwerk ohne ausreichende Dämpfung oder Unterstützung des Fußgewölbes
- Fußfehlstellungen wie ein Senk- oder Plattfuß sowie ein ausgeprägter Hohlfuß
- Eine plötzliche Steigerung der sportlichen Belastung, etwa beim Laufen
Die Erkrankung tritt besonders häufig zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf, betrifft aber auch aktive Läufer in jüngerem Alter.

Das Wichtigste in Kürze
UntersuchungWie finden wir die Ursache?
Klinische Untersuchung
Meist lässt sich die Diagnose bereits durch die typische Beschwerdeschilderung und die klinische Untersuchung stellen. Geprüft werden ein punktueller Druckschmerz am medialen Fersenbeinhöcker, die Beweglichkeit des Sprunggelenks und der Wadenmuskulatur sowie die Fußform insgesamt, um Risikofaktoren wie einen Senk- oder Hohlfuß zu erkennen.
Ultraschall
Der Ultraschall ist die wichtigste bildgebende Ergänzung. Er zeigt eine verdickte, aufgelockerte Plantarfaszie an ihrem Ansatz und kann Begleitveränderungen sowie andere Ursachen für Fersenschmerzen ausschließen helfen.
Röntgen und weitere Diagnostik
Ein Röntgenbild wird ergänzend eingesetzt, insbesondere um einen begleitenden Fersensporn oder andere knöcherne Ursachen darzustellen, zur Diagnosesicherung der Plantarfasziitis selbst ist es jedoch nicht zwingend erforderlich. Ein MRT kommt nur bei unklaren oder trotz Behandlung anhaltenden Beschwerden zum Einsatz, etwa um andere Differentialdiagnosen wie eine Nerveneinklemmung sicher auszuschließen.
Ohne OperationKonservative Behandlung
Die meisten Beschwerden an Fuß und Sprunggelenk lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.
Klassische Schmerztherapie und Physiotherapie
Zur konservativen Therapie nutzen wir die orale Schmerzmedikation und Physiotherapie als Basis zur Verbesserung Ihrer Beschwerden.
Medikamentöse Schmerztherapie
Kurzfristig eingesetzt, um akute Beschwerden zu lindern und Bewegung wieder zu ermöglichen.
Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie
Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung, unter therapeutischer Anleitung strukturiert aufgebaut.
Dehnübungen der Plantarfaszie und Wade
Regelmäßiges, gezieltes Dehnen der Plantarfaszie und der Wadenmuskulatur gilt als zentraler Baustein der Behandlung und ist gut durch Studien belegt. Besonders wirksam ist ein konsequentes Dehnprogramm über mehrere Wochen.
Einlagenversorgung und Fersenkissen
Individuell angepasste Einlagen zur Unterstützung des Fußgewölbes sowie weiche Fersenkissen zur Druckverteilung entlasten die Plantarfaszie im Schuh und lindern die Beschwerden bei vielen Patienten spürbar.
Nachtschienen
Halten den Fuß über Nacht in einer leicht gedehnten Position und können insbesondere den morgendlichen Anlaufschmerz reduzieren. Sie werden meist ergänzend zu Dehnübungen und Einlagen eingesetzt.
Kortisoninfiltration
Kann in Einzelfällen bei starken, anders nicht ausreichend beherrschbaren Beschwerden kurzfristig lindernd wirken. Da wiederholte Infiltrationen das Risiko eines Einrisses der Plantarfaszie erhöhen können, wird sie zurückhaltend und nur ausgewählt eingesetzt.
Mehr über die interventionelle Schmerztherapie erfahren →Physikalische Medizin
Zur optimalen Regeneration nutzen wir gezielt die Stoßwellentherapie und High-Power-Lasertherapie: Die Stoßwelle regt die Durchblutung an, bricht Verkalkungen auf und aktiviert die Zellheilung, während der Laser auf Zellebene die Regeneration unterstützt.
Stoßwellentherapie
Fokussierte und radiale Stoßwelle, ergänzend bei myofaszialen Schmerzanteilen der Rückenmuskulatur einsetzbar.
Mehr über die Stoßwellentherapie erfahren →Ergänzende TherapieHighpower-Lasertherapie (HILT)
Kann begleitend bei muskulären Verspannungen eingesetzt werden, als Ergänzung im Gesamtkonzept, nicht als alleiniger Therapiebaustein.
Mehr über die Highpower-Lasertherapie erfahren →Regenerative Therapie
Ergänzend zu konservativen und interventionellen Maßnahmen können regenerative Eigenblutverfahren eingesetzt werden. Bei MedArtes setzen wir bewusst auch auf innovative Verfahren der regenerativen Medizin, um Ihnen über etablierte Therapien hinaus zusätzliche, zukunftsorientierte Behandlungsoptionen anzubieten.
Wenn nötigOperative Behandlung
Operationsverfahren
Plantarfaszien-Operation
Bei der operativen Behandlung wird die Plantarfaszie an ihrem Ansatz teilweise eingekerbt (partielle Release), um die Zugspannung zu reduzieren. Ein gegebenenfalls vorhandener Fersensporn kann im gleichen Eingriff mitbehandelt werden, ist jedoch in der Regel nicht der primäre Grund für die Operation. Der Eingriff kann offen oder minimalinvasiv erfolgen.
Wann rasch zum Arzt?
Eine Plantarfasziitis selbst ist kein Notfall
Die Beschwerden entwickeln sich meist schleichend und erfordern in aller Regel keine sofortige Behandlung. In folgenden Situationen sollten Sie den Fuß dennoch zeitnah ärztlich untersuchen lassen:
- Plötzlich einsetzender, sehr starker Fersenschmerz nach einem Sprung oder einer abrupten Belastung, möglicher Hinweis auf einen Einriss (Ruptur) der Plantarfaszie
- Deutliche Rötung, Überwärmung, Schwellung oder Fieber im Bereich der Ferse, mögliche Zeichen einer akuten Entzündung oder Infektion
- Anhaltende oder zunehmende Beschwerden trotz konsequent durchgeführter konservativer Behandlung über mehrere Wochen
- Kribbeln oder Taubheitsgefühl an der Fußsohle, das auf eine Nerveneinklemmung statt auf eine reine Plantarfasziitis hindeuten kann
Bei Diabetes oder einer bekannten Durchblutungsstörung sollten Beschwerden am Fuß generell zeitnah und nicht erst bei starken Symptomen abgeklärt werden, da Wunden und Reizungen hier schlechter heilen.
Ihre Spezialisten für Fuß & Sprunggelenk
Häufig gestellte Fragen
Ist ein Fersensporn dasselbe wie eine Plantarfasziitis?
Nein. Der Fersensporn ist eine knöcherne Ausziehung im Röntgenbild, während die Plantarfasziitis die eigentliche schmerzhafte Reizung der Plantarfaszie beschreibt. Beide treten häufig gemeinsam auf, der Sporn selbst ist dabei meist nur ein Nebenbefund und nicht die Hauptursache der Schmerzen.
Muss eine Plantarfasziitis operiert werden?
Nur in sehr seltenen Ausnahmefällen. Die weit überwiegende Mehrheit der Patienten wird erfolgreich konservativ behandelt, eine Operation kommt erst nach Ausschöpfen aller konservativen Optionen über mehrere Monate infrage.
Wie lange dauert es, bis die Beschwerden besser werden?
Das ist individuell unterschiedlich. Bei konsequenter Behandlung bessern sich die Beschwerden bei vielen Patienten innerhalb einiger Wochen bis Monate; eine vollständige Ausheilung kann auch länger dauern.
Welche Schuhe sind bei Plantarfasziitis geeignet?
Günstig sind Schuhe mit guter Dämpfung, ausreichender Unterstützung des Fußgewölbes und einem stabilen Fersenbereich. Von flachem, ungedämpftem Schuhwerk oder langem Barfußlaufen auf hartem Untergrund wird in der Akutphase eher abgeraten.
Darf ich mit einer Plantarfasziitis weiter laufen oder Sport treiben?
Moderate, gut angepasste Bewegung wird meist gut vertragen. Sportarten mit hoher Stoßbelastung sollten in akuten Beschwerdephasen reduziert und erst nach Rücksprache und je nach Beschwerdeverlauf wieder gesteigert werden.
Was hilft schnell gegen den Anlaufschmerz am Morgen?
Sanftes Dehnen der Fußsohle und der Wade direkt nach dem Aufstehen sowie das Tragen gut gedämpfter Hausschuhe können den ersten Schritt am Morgen erleichtern. Eine dauerhafte Besserung erfordert jedoch ein regelmäßiges, über mehrere Wochen fortgeführtes Behandlungsprogramm.
Hilft eine Kortisonspritze bei Plantarfasziitis?
Sie kann in Einzelfällen kurzfristig Linderung verschaffen, wird aber wegen des Risikos eines Einrisses der Plantarfaszie bei wiederholter Anwendung zurückhaltend eingesetzt und ersetzt nicht die ursächliche Behandlung.
Kann die Plantarfasziitis wiederkommen?
Ja, insbesondere wenn zugrunde liegende Risikofaktoren wie Übergewicht, verkürzte Wadenmuskulatur oder ungeeignetes Schuhwerk bestehen bleiben. Fortgeführte Dehnübungen und passendes Schuhwerk können einem erneuten Auftreten vorbeugen.