Epiphysiolysis capitis femoris (Hüftkopflösung)
Bei einer Epiphysiolysis capitis femoris löst sich die Wachstumsfuge am Hüftkopf eines Jugendlichen, sodass der Hüftkopf gegenüber dem Schenkelhals abrutscht. Die Erkrankung tritt typischerweise im Wachstumsalter auf und kann sich schleichend oder plötzlich verschlechtern; ein akuter, instabiler Abrutsch ist ein orthopädischer Notfall. Wir erklären, welche Anzeichen bei Ihrem Kind auf eine Hüftkopflösung hindeuten können und warum eine rasche fachärztliche Abklärung so wichtig ist.
Termin vereinbarenTypische Symptome
Über Wochen bis Monate zunehmende, meist mäßige Schmerzen in der Leiste, im Oberschenkel oder isoliert im Knie sowie ein zunehmendes Hinken sind typisch. Häufig wird das betroffene Bein beim Gehen leicht nach außen gedreht. Da der Schmerz manchmal ausschließlich im Knie wahrgenommen wird, wird die eigentliche Ursache in der Hüfte mitunter zunächst übersehen.
Plötzliche (instabile) FormHier tritt der Schmerz akut und stark auf, oft im Zusammenhang mit einer geringfügigen Belastung oder einem Sturz, und das Bein kann nicht mehr belastet werden. Dieser Verlauf gilt als Notfall und erfordert eine sofortige Behandlung.

Was steckt dahinter?
Die Wachstumsfuge am Hüftkopf
Bei Jugendlichen ist der Hüftkopf noch nicht vollständig ausgereift und über eine Wachstumsfuge (Epiphysenfuge) mit dem Schenkelhals verbunden. Diese Fuge sorgt für das Längenwachstum des Oberschenkelknochens und ist mechanisch weniger belastbar als der bereits verknöcherte Knochen.
Wie kommt es zum Abrutschen?
Aus bislang nicht vollständig geklärten Gründen kann sich diese Wachstumsfuge lockern, sodass der Hüftkopf gegenüber dem Schenkelhals nach hinten-unten abrutscht. Dieser Vorgang kann langsam-schleichend oder plötzlich erfolgen.
Risikofaktoren
- Übergewicht, ein wesentlicher, häufig beobachteter Risikofaktor
- Ein rasches Wachstum während des pubertären Wachstumsschubs
- Bestimmte hormonelle (endokrine) Erkrankungen, die den Knochenstoffwechsel beeinflussen
- Bevorzugtes Auftreten bei Jungen sowie in bestimmten Altersspannen des Wachstumsalters

Das Wichtigste in Kürze
UntersuchungWie finden wir die Ursache?
Bei Verdacht auf eine Hüftkopflösung sichert ein Röntgenbild des Beckens die Diagnose in aller Regel zuverlässig.
Die klinische Untersuchung zeigt häufig eine eingeschränkte Innendrehung der Hüfte sowie ein charakteristisches Mitdrehen des Beins nach außen bei Beugung des Hüftgelenks. Zur Diagnosesicherung wird ein Röntgenbild des Beckens in zwei Ebenen angefertigt, von vorne (a.p.) sowie in der sogenannten Lauenstein- oder Froschperspektive, die den Abrutsch besonders deutlich zeigt. Das klassische radiologische Bild wird bildhaft oft als "Eiskugel, die vom Hörnchen rutscht" beschrieben. Bei unklarem Befund kann ergänzend eine Schnittbildgebung sinnvoll sein.
Ohne OperationKonservative Behandlung
Die meisten Beschwerden an der Hüfte lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.
Wann rasch zum Arzt?
Ein plötzlicher, instabiler Abrutsch erfordert sofortiges Handeln
Eine Epiphysiolysis capitis femoris kann schleichend über Wochen bis Monate verlaufen (stabile Form) oder sich plötzlich, oft im Rahmen eines Sturzes oder einer Belastung, deutlich verschlechtern (instabile Form). Eine akute, instabile Hüftkopflösung ist ein orthopädischer Notfall.
- Ein plötzlich einsetzender, starker Hüft- oder Leistenschmerz mit Unfähigkeit, das Bein zu belasten, sollte umgehend notfallmäßig untersucht werden
- Ein bereits bekannter, schleichender Verlauf mit zunehmenden Beschwerden sollte zeitnah fachärztlich abgeklärt werden, um eine akute Verschlechterung zu vermeiden
- Anhaltende, unklare Knieschmerzen bei Jugendlichen sollten immer auch eine Untersuchung der Hüfte nach sich ziehen, da der Schmerz von dort ausstrahlen kann
Bei plötzlich auftretender Gehunfähigkeit mit Hüft-, Leisten- oder Oberschenkelschmerz ist eine sofortige ärztliche beziehungsweise notfallmäßige Vorstellung notwendig.
Ihre Spezialisten für die Hüfte
Dr. med. Sven Hartmann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
PD Dr. med. Dipl.-Ing. Florian Völlner
Prof. Dr. med. Dr. med. univ. Günther Maderbacher, MHBA
Prof. Dr. med. Franz Xaver Köck
Häufig gestellte Fragen
Warum tut bei meinem Kind das Knie weh, wenn die Hüfte betroffen ist?
Nerven, die das Hüftgelenk versorgen, ziehen auch am Knie vorbei, sodass Schmerzen aus der Hüfte im Knie wahrgenommen werden können, ohne dass das Kniegelenk selbst erkrankt ist. Deshalb sollte bei Jugendlichen mit unklaren Knieschmerzen immer auch die Hüfte mituntersucht werden.
Muss immer operiert werden?
Ja, eine operative Stabilisierung der Wachstumsfuge ist bei dieser Erkrankung praktisch immer notwendig, um ein weiteres Abrutschen zu verhindern.
Kann auch die andere Hüfte betroffen sein?
Ein Abrutschen der Gegenseite ist möglich, besonders bei jüngeren Kindern oder bei zugrunde liegenden hormonellen Erkrankungen. Deshalb werden im Verlauf beide Hüften im Blick behalten.
Wie lange muss mein Kind nach der Operation pausieren?
Nach der Entlastungsphase erfolgt ein schrittweiser Belastungsaufbau; volle sportliche Belastung wird erst nach Freigabe durch den behandelnden Facharzt und entsprechend dem Röntgenverlauf wiederaufgenommen.
Ist Übergewicht die alleinige Ursache?
Übergewicht ist ein wichtiger Risikofaktor, aber nicht die alleinige Ursache. Auch ein rasches Wachstum sowie bestimmte hormonelle Erkrankungen spielen eine Rolle.
Was passiert, wenn die Erkrankung nicht behandelt wird?
Unbehandelt kann sich der Abrutsch weiter verschlechtern und das Risiko für eine Durchblutungsstörung des Hüftkopfes sowie eine spätere vorzeitige Hüftarthrose deutlich erhöhen.