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Krankheitsbild · Hüfte

Glutealsehnen-Tendinopathie

Bei einer Glutealsehnen-Tendinopathie sind die Ansatzsehnen der mittleren und kleinen Gesäßmuskulatur (Musculus gluteus medius und minimus) am Trochanter major degenerativ verändert oder überlastet, teils mit begleitenden Teilrissen. Da diese Sehnen für die seitliche Stabilität der Hüfte beim Gehen sorgen, wird die Erkrankung bildlich manchmal als "Rotatorenmanschette der Hüfte" bezeichnet. Die Beschwerden lassen sich in vielen Fällen konservativ mit gezieltem Training behandeln. Wir erklären, wie eine Glutealsehnen-Tendinopathie entsteht, wie sie diagnostiziert wird und welche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

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Beschwerdebild & Hintergrund

Typische Symptome

Charakteristisch ist ein Schmerz seitlich über dem Trochanter major, der beim Gehen, Treppensteigen und Liegen auf der betroffenen Seite zunehmen kann, häufig begleitet von einer Schwäche beim Abspreizen des Beins.

Glutealsehnen-Tendinopathie (Symbolbild)

Viele Betroffene bemerken zunächst einen belastungsabhängigen Schmerz, der sich bei längerem Gehen oder beim Aufstehen aus dem Sitzen verstärkt. Da die Ansatzsehnen der mittleren und kleinen Gesäßmuskulatur wesentlich zur seitlichen Stabilisierung des Beckens beim Gehen beitragen, kann bei ausgeprägterer Schwäche oder einem relevanten Sehnenschaden ein sogenanntes Trendelenburg-Hinken auftreten: Das Becken sackt beim Stehen auf dem betroffenen Bein zur Gegenseite ab.

Die Beschwerden entwickeln sich meist schleichend über Wochen bis Monate und werden anfangs häufig nicht eindeutig einer Sehnenproblematik zugeordnet.

Was steckt dahinter?

Funktion der Glutealsehnen

Die Musculus gluteus medius und minimus setzen mit ihren Sehnen am Trochanter major an und sorgen beim Gehen dafür, dass das Becken auf der jeweiligen Standbeinseite stabil gehalten wird. Aufgrund dieser stabilisierenden Funktion werden sie bildlich manchmal als "Rotatorenmanschette der Hüfte" bezeichnet.

Wie entsteht die Tendinopathie?

Durch wiederholte mechanische Belastung, insbesondere in Kombination mit muskulärer Schwäche oder Fehlbelastung, kommt es zu degenerativen Veränderungen im Sehnengewebe. Im Verlauf können sich Teilrisse der Sehne entwickeln. Die Übergänge zwischen einer reinen Sehnenreizung und einem strukturellen Teilriss sind fließend.

Risikofaktoren

  • Weibliches Geschlecht und zunehmendes Alter
  • Wiederkehrende Überlastung durch Sport, langes Gehen oder Stehen
  • Muskuläre Schwäche oder Dysbalancen der Hüftabduktoren
  • Ein erhöhter Body-Mass-Index als zusätzlicher mechanischer Belastungsfaktor
  • Begleitende Reizung des benachbarten Schleimbeutels (Bursa trochanterica)
Glutealsehnen-Tendinopathie (Symbolbild)
Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

Was ist es?
Eine degenerative oder überlastungsbedingte Veränderung der Ansatzsehnen der mittleren und kleinen Gesäßmuskulatur am Trochanter major, teils mit Teilrissen.
Typische Beschwerden
Seitlicher Hüftschmerz, Schwäche bei Abspreizung des Beins, in fortgeschrittenen Fällen ein Hinken beim Gehen.
Verwandtes Krankheitsbild
Überschneidet sich klinisch stark mit dem Trochanterschmerzsyndrom und der Bursitis trochanterica.
Diagnostik
Klinische Tests wie der Einbeinstand und die Abduktion gegen Widerstand, ergänzt durch Ultraschall oder MRT.
Behandlung
Meist konservativ mit gezieltem Belastungstraining; bei therapieresistenten Beschwerden oder relevantem Sehnenriss kann eine Operation erwogen werden.
Prognose
Mit konsequentem, gezieltem Training bessern sich die Beschwerden bei vielen Betroffenen, auch wenn der Verlauf mehrere Monate dauern kann.
Untersuchung

Wie finden wir die Ursache?

Anamnese, körperliche Untersuchung und gezielte Bildgebung. Mehr erfahren

Die klinische Untersuchung umfasst gezielte Funktionstests: Beim Einbeinstand-Test wird geprüft, ob das Becken auf der betroffenen Seite stabil gehalten werden kann oder zur Gegenseite absackt. Auch eine schmerzhafte oder abgeschwächte Abduktion des Beins gegen Widerstand ist ein typischer klinischer Befund. Zusätzlich wird der Trochanter major auf einen lokalen Druckschmerz geprüft.

Zur weiteren Beurteilung wird häufig eine Ultraschalluntersuchung eingesetzt, die Sehnenverdickungen, Strukturveränderungen und begleitende Flüssigkeit im Schleimbeutel darstellen kann. Bei Verdacht auf einen relevanten Sehnenteilriss oder zur genauen Operationsplanung ist eine MRT das Verfahren der Wahl, da sie das Ausmaß der Sehnenschädigung am zuverlässigsten abbildet.

Ohne Operation

Konservative Behandlung

Konservative, interventionelle und regenerative Verfahren im Überblick. Mehr erfahren

Die meisten Beschwerden an der Hüfte lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.

Klassische Schmerztherapie und Physiotherapie

Zur konservativen Therapie nutzen wir die orale Schmerzmedikation und Physiotherapie als Basis zur Verbesserung Ihrer Beschwerden.

Gut etablierte Therapie

Gezieltes exzentrisches und isometrisches Belastungstraining

Ein strukturiertes Trainingsprogramm mit exzentrischen und isometrischen Übungen für die Hüftabduktoren ist, analog zu anderen Sehnenansatzproblemen im Körper, ein etabliertes Therapieprinzip und bildet die Basis der Behandlung.

Sinnvolle Behandlungsoption

Aktivitätsanpassung

Eine vorübergehende Reduktion stark belastender Aktivitäten kann akute Beschwerdephasen überbrücken, ohne dass eine vollständige Schonung notwendig ist.

Innovative Behandlungsstrategie

Kortison-Infiltration

Eine Kortison-Infiltration kann kurzfristig schmerzlindernd wirken, wird jedoch kontrovers diskutiert, da sie das Sehnengewebe möglicherweise schwächen und das Risiko eines Sehnenrisses erhöhen kann. Sie sollte daher zurückhaltend und nicht wiederholt eingesetzt werden.

Mehr über die interventionelle Schmerztherapie erfahren →

Physikalische Medizin

Zur optimalen Regeneration nutzen wir gezielt die Stoßwellentherapie und High-Power-Lasertherapie: Die Stoßwelle regt die Durchblutung an, bricht Verkalkungen auf und aktiviert die Zellheilung, während der Laser auf Zellebene die Regeneration unterstützt.

Regenerative Therapie

Ergänzend zu konservativen und interventionellen Maßnahmen können regenerative Eigenblutverfahren eingesetzt werden. Bei MedArtes setzen wir bewusst auch auf innovative Verfahren der regenerativen Medizin, um Ihnen über etablierte Therapien hinaus zusätzliche, zukunftsorientierte Behandlungsoptionen anzubieten.

Warnzeichen

Wann rasch zum Arzt?

Eine Glutealsehnen-Tendinopathie ist keine gefährliche Erkrankung, sollte aber nicht ignoriert werden

Insbesondere folgende Anzeichen sollten fachärztlich abgeklärt werden:

  • Ein neu auftretendes oder zunehmendes Hinken, insbesondere ein Absacken des Beckens beim Stehen auf dem betroffenen Bein
  • Plötzlich einschießender, starker Schmerz mit deutlichem Kraftverlust der Hüftabduktion, etwa nach einem Sturz oder einer plötzlichen Fehlbelastung, möglicher Hinweis auf einen relevanten Sehnenriss
  • Schmerzen, die trotz Schonung über mehrere Wochen zunehmen statt sich zu bessern

In diesen Fällen sollte eine fachärztliche Untersuchung erfolgen, um das Ausmaß der Sehnenschädigung einzuschätzen.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen

Warum wird die Glutealsehnen-Tendinopathie mit der Rotatorenmanschette der Schulter verglichen?

Ähnlich wie die Rotatorenmanschette an der Schulter stabilisieren die Sehnen von Musculus gluteus medius und minimus ein Gelenk bei Bewegung, hier das Becken beim Gehen. Beide Krankheitsbilder betreffen degenerativ veränderte, überlastete Ansatzsehnen, weshalb der bildliche Vergleich gelegentlich verwendet wird.

Was ist ein Trendelenburg-Hinken?

Dabei sackt das Becken beim Stehen auf dem betroffenen Bein zur Gegenseite ab, weil die stabilisierenden Ansatzsehnen der Gesäßmuskulatur ihre Funktion nicht mehr ausreichend erfüllen können. Es kann ein Hinweis auf eine ausgeprägte Tendinopathie oder einen relevanten Sehnenriss sein.

Reicht Schonung aus, um die Beschwerden zu lindern?

Nein, reine Schonung allein reicht meist nicht aus. Ein gezielt dosiertes Belastungstraining der Hüftabduktoren ist für die Regeneration des Sehnengewebes wichtiger als vollständige Ruhigstellung.

Wie sinnvoll ist eine PRP-Infiltration bei Glutealsehnen-Tendinopathie?

PRP-Infiltrationen werden bei Sehnenerkrankungen als ergänzende Option diskutiert. Die wissenschaftliche Datenlage für die Glutealsehnen-Tendinopathie ist bislang begrenzt, sodass ein möglicher Nutzen individuell abgewogen werden sollte.

Ist Kortison bei Glutealsehnen-Tendinopathie sinnvoll?

Kortison kann kurzfristig schmerzlindernd wirken, wird aber kontrovers diskutiert, da es das Sehnengewebe möglicherweise schwächt und langfristig das Risiko eines Sehnenrisses erhöhen kann. Ein zurückhaltender Einsatz ist daher sinnvoll.

Wie lange dauert die Genesung bei einer Glutealsehnen-Tendinopathie?

Das ist individuell unterschiedlich und hängt vom Ausmaß der Sehnenveränderung ab. Eine spürbare Besserung kann sich über mehrere Wochen einstellen, eine vollständige Ausheilung, insbesondere bei begleitenden Teilrissen, kann mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Wann ist eine Operation bei einer Glutealsehnen-Tendinopathie notwendig?

Eine Operation ist die Ausnahme und wird erst erwogen, wenn die Beschwerden trotz konsequentem Belastungstraining über mehrere Monate bestehen bleiben oder ein funktionell relevanter Sehnenriss mit deutlichem Kraftverlust vorliegt.