Hüft-TEP minimalinvasiv über den MicroHip-Zugang
Vollständiger Hüftgelenkersatz über einen muskelschonenden, intermuskulären Zugang
Beim MicroHip-Zugang wird die Hüfttotalendoprothese über einen minimalinvasiven, anterolateralen Zugang eingesetzt, bei dem zwischen bestehenden Muskellogen präpariert wird, ohne Muskelansätze abzulösen. Dieses muskelschonende Vorgehen kann eine raschere Mobilisation begünstigen, und da die hinteren, stabilisierenden Strukturen der Hüfte erhalten bleiben, ist das Luxationsrisiko tendenziell geringer als bei manchen anderen Zugangswegen. Wir erklären, wie der Eingriff abläuft, was direkt danach zu erwarten ist und wie die Rehabilitation aussieht.
Termin vereinbarenDie Operation auf einen Blick
Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf kann abweichen.
Operationsdauer
Meist etwa 60–90 Minuten, abhängig von Anatomie und Befund.
Narkose
Spinalanästhesie (häufig mit Sedierung) oder Vollnarkose.
Zugangsweg
Minimalinvasiver, anterolateraler, intermuskulärer Zugang (MicroHip) ohne Ablösen von Muskelansätzen.
Krankenhausaufenthalt
In der Regel etwa 5–7 Tage.
Mobilisation
Nach unserem Fast-Track-Konzept meist noch am Operationstag oder am Folgetag mit Gehhilfen unter physiotherapeutischer Anleitung.
Belastung
Aufgrund des muskelschonenden Zugangs häufig frühzeitige Vollbelastung möglich, abhängig von Verankerungsart und Knochenqualität.
Gehstützen
Unterarmgehstützen meist für etwa 2–4 Wochen zur Sicherheit.
Rehabilitation
Physiotherapie, ambulant oder im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung.
Arbeitsunfähigkeit
Je nach Tätigkeit ca. 6–8 Wochen (Büro) bis ca. 3 Monate (körperlich fordernde Arbeit).
Wie läuft die Operation ab?
Vorbereitung und Narkose
Der Eingriff erfolgt meist in Spinalanästhesie, häufig kombiniert mit einer leichten Sedierung, oder in Vollnarkose. Sie werden in Rückenlage gelagert.
Zugang
Über einen vergleichsweise kurzen Hautschnitt an der Vorderaußenseite der Hüfte wird zwischen zwei benachbarten Muskellogen in die Tiefe präpariert, ohne dass dabei Sehnenansätze abgelöst werden müssen. Dieses intermuskuläre Vorgehen soll die Muskulatur rund um das Hüftgelenk möglichst schonen.
Der eigentliche Eingriff
Nach Eröffnung der Gelenkkapsel wird der geschädigte Hüftkopf entfernt. Die Hüftgelenkspfanne wird aufbereitet und mit der Pfannenkomponente versorgt, anschließend wird der Oberschenkelknochen für die Schaftkomponente vorbereitet. Nach Einbringen von Schaft und Kopfteil wird die Beweglichkeit und Stabilität des künstlichen Gelenks überprüft.
Abschluss
Nach Kontrolle von Beweglichkeit und korrektem Sitz der Implantate wird die Wunde schichtweise verschlossen. Üblich sind ein steriler Verband sowie häufig ein Kompressionsverband zur Abschwellung.
Wie unterscheidet sich der MicroHip-Zugang von anderen Zugangswegen?
MicroHip (anterolateral, intermuskulär) vs. posteriorer Zugang
Der posteriore Zugang eröffnet das Gelenk von hinten und erfordert dabei häufig ein vorübergehendes Ablösen kurzer Außenrotatoren. Der MicroHip-Zugang verläuft zwischen bestehenden Muskellogen und belässt sowohl die hintere Kapsel als auch die Außenrotatoren weitgehend unangetastet.
MicroHip vs. direkter lateraler Zugang
Der direkte laterale Zugang erfordert meist ein teilweises Ablösen der Hüftabspreizer (Glutealmuskulatur) vom Trochanter. Beim MicroHip-Zugang bleibt dieser Muskelansatz erhalten.
Zementierte vs. zementfreie Verankerung
Bei der zementierten Verankerung werden die Implantate mit Knochenzement fixiert und können meist unmittelbar voll belastet werden. Bei der zementfreien Verankerung wächst der Knochen in eine spezielle Implantatoberfläche ein; sie eignet sich vor allem bei guter Knochenqualität.
Standardimplantat vs. individuell angepasste Komponenten
Bei den meisten Patienten kommen bewährte Standardimplantate in verschiedenen Größen zum Einsatz. Bei ausgeprägter Formabweichung, etwa nach einer Hüftdysplasie, können speziell angepasste Implantatkomponenten sinnvoll sein.
Welche Kombination dieser Varianten für Sie geeignet ist, ergibt sich aus Ihrer Anatomie, der Knochenqualität und den Ergebnissen der Bildgebung. Wir besprechen die im Einzelfall sinnvolle Vorgehensweise gemeinsam mit Ihnen.
Was passiert unmittelbar nach der Operation?
Wir behandeln nach dem Fast-Track-Konzept, einem abgestimmten Zusammenspiel aus wirksamer Schmerztherapie, früher Mobilisation und strukturierter Reha-Planung, das einen zügigen Genesungsverlauf unterstützen soll. Die erste Mobilisation erfolgt danach meist bereits am Operationstag oder am Folgetag, begleitet durch die Physiotherapie.
Ein Wundschmerz ist normal und wird konsequent mit Schmerzmitteln sowie Kühlung behandelt. Aufgrund des muskelschonenden Zugangs ist häufig eine frühzeitige Belastung möglich; zur Sicherheit werden zunächst Unterarmgehstützen genutzt. Physiotherapie beginnt in der Regel bereits im Krankenhaus und umfasst Gangschulung, Bewegungsübungen und den gezielten Aufbau der hüftumgebenden Muskulatur. Der stationäre Aufenthalt dauert üblicherweise etwa 5–7 Tage.
Zum Wundverschluss verwenden wir in der Regel Hautklammern oder eine Hautnaht. Duschen ist meist möglich, sobald die Wunde trocken und reizlos ist. Zur Vorbeugung einer Thrombose wird für mehrere Wochen eine medikamentöse Prophylaxe eingesetzt.
Wie geht es zu Hause weiter?
- Erste Tage
Mobilisation mit Gehhilfen
Gehen mit Unterarmgehstützen unter Anleitung der Physiotherapie, erste Bewegungsübungen, Kühlung und konsequente Schmerztherapie.
- Direkt im Anschluss oder ambulant
Physiotherapie / Anschlussheilbehandlung
Je nach individueller Situation schließt sich eine ambulante Physiotherapie oder eine stationäre bzw. ambulante Anschlussheilbehandlung an, in der Beweglichkeit, Kraft und Gangsicherheit weiter aufgebaut werden.
- Nach 2–4 Wochen
Gehstützen meist nicht mehr nötig
Viele Patienten können die Gehstützen in diesem Zeitraum ablegen. Die Belastbarkeit im Alltag nimmt spürbar zu.
- Nach 6–8 Wochen
Rückkehr zu Alltag und Büroarbeit
Die meisten Alltagstätigkeiten und Bürotätigkeiten sind wieder möglich. Gelenkschonender Sport kann schrittweise wieder aufgenommen werden.
- Langfristig
Weitere Verbesserung über mehrere Monate
Kraft und Belastbarkeit verbessern sich häufig noch über mehrere Monate. Ein Großteil des Ergebnisses ist meist nach einigen Monaten erreicht.
Wann kann ich wieder …?
Alle Angaben sind Orientierungswerte und hängen vom individuellen Heilungsverlauf ab.
Auto fahren
Sobald Kraft und Beweglichkeit für eine sichere Notbremsung ausreichen.
Büroarbeit
Mit der Möglichkeit, zwischendurch aufzustehen und sich zu bewegen.
Körperlich arbeiten
Abhängig vom Ausmaß der Steh-, Geh- und Hebebelastung im Beruf.
Fahrrad fahren
Nach ausreichendem Kraft- und Beweglichkeitsaufbau, zunächst auf ebener Strecke.
Schwimmen
Nach vollständiger Wundheilung, gelenkschonende Schwimmarten bevorzugen.
Wandern / Spazieren
Distanz und Tempo werden entsprechend dem Heilungsverlauf schrittweise gesteigert.
Golf
Nach ausreichendem muskulärem Aufbau und guter Beweglichkeit.
Tennis
Wegen der Dreh- und Stoßbelastung nur eingeschränkt empfohlen; im Einzelfall mit dem Operateur besprechen.
Reisen
Bei längeren Auto- oder Flugreisen regelmäßige Bewegungspausen wegen des Thromboserisikos einplanen.
Gartenarbeit
Zunächst ohne längeres Knien, Hocken oder extreme Beugung der Hüfte.
Welche Ergebnisse kann ich erwarten?
Der arthrosebedingte Schmerz bessert sich bei den meisten Patienten deutlich, oft bereits in den ersten Wochen nach der Operation.
Da beim MicroHip-Zugang die hinteren, stabilisierenden Strukturen der Hüfte erhalten bleiben, ist das Luxationsrisiko tendenziell geringer als bei manchen anderen Zugangswegen. Der muskelschonende Charakter des Eingriffs kann außerdem eine raschere Mobilisation in den ersten Tagen begünstigen. Das langfristige Ergebnis hinsichtlich Schmerzlinderung und Beweglichkeit unterscheidet sich dabei nicht grundsätzlich von anderen etablierten Zugangswegen zur Hüftendoprothese.
Das Ergebnis wird unter anderem vom präoperativen Befund, dem Körpergewicht, Begleiterkrankungen und der konsequenten Mitarbeit in der Reha beeinflusst. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, die individuelle Prognose besprechen wir mit Ihnen anhand Ihres Befunds.
Welche Risiken bestehen?
Allgemeine Operationsrisiken
Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion, Narkoserisiken sowie ein Thrombose- und Embolierisiko. Zur Vorbeugung wird routinemäßig eine medikamentöse Thromboseprophylaxe eingesetzt.
Spezifische Risiken dieser Operation
Selten kann es zu einer Verletzung von Nerven oder Gefäßen in der Umgebung des Hüftgelenks kommen. Trotz des muskelschonenden Zugangs kann es, wie bei jeder Hüftendoprothese, im Einzelfall zu einer Luxation des künstlichen Gelenks kommen. Eine relevante Beinlängendifferenz ist bei sorgfältiger Planung selten, lässt sich aber nicht vollständig ausschließen. Bei einem Sturz auf das operierte Bein kann es zu einer periprothetischen Fraktur, also einem Knochenbruch im Bereich des Implantats, kommen.
Langfristige Risiken
Wie jedes künstliche Gelenk kann sich eine Hüftprothese im Lauf der Jahre lockern oder abnutzen. Auch Jahre nach der Operation kann es in seltenen Fällen zu einer periprothetischen Infektion kommen. In solchen Fällen kann eine Wechseloperation notwendig werden.
Worauf sollten Sie nach der Operation achten?
Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden
- Fieber
- Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
- Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
- Plötzliches Instabilitätsgefühl, ein "Herausspringen" des Gelenks oder eine sichtbare Fehlstellung des Beins
- Schwellung, Schmerz oder Überwärmung der Wade (mögliches Zeichen einer Thrombose)
- Atemnot
- Ein Sturz auf das operierte Bein
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.
Hüft-TEP über den MicroHip-Zugang bei MedArtes
Ob der MicroHip-Zugang für Sie geeignet ist, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, der klinischen Untersuchung und Ihrer Bildgebung. Als Endoprothetik-Zentrum der Maximalversorgung (EPZmax, zertifiziert durch endoCert) besprechen wir mit Ihnen gemeinsam, welcher Zugangsweg und welche Verankerungsart für Ihre individuelle Anatomie sinnvoll ist, und begleiten Sie durch Operation und Nachbehandlung.
Ihre Spezialisten für die Hüfte
Dr. med. Sven Hartmann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
PD Dr. med. Dipl.-Ing. Florian Völlner
Prof. Dr. med. Dr. med. univ. Günther Maderbacher, MHBA
Prof. Dr. med. Franz Xaver Köck
Häufig gestellte Fragen zur Hüft-TEP über den MicroHip-Zugang
Was unterscheidet den MicroHip-Zugang von einer "normalen" Hüftprothesen-OP?
Der Unterschied liegt im Zugangsweg zum Gelenk, nicht im Implantat selbst: Beim MicroHip-Zugang wird zwischen bestehenden Muskellogen präpariert, ohne Muskelansätze abzulösen, während andere Zugangswege ein vorübergehendes Ablösen bestimmter Muskeln oder Sehnen erfordern können.
Ist der MicroHip-Zugang für jeden Patienten geeignet?
Ob dieser Zugangsweg geeignet ist, hängt von der individuellen Hüftanatomie, dem Körpergewicht und eventuellen Voroperationen ab. Wir prüfen dies anhand Ihrer Bildgebung und besprechen die im Einzelfall sinnvolle Vorgehensweise mit Ihnen.
Wie stark sind die Schmerzen nach der Operation?
In den ersten Tagen ist ein Wundschmerz normal, der konsequent mit Schmerzmitteln und Kühlung behandelt wird. Er lässt mit fortschreitender Heilung deutlich nach.
Wie lange bin ich krankgeschrieben?
Das hängt stark von Ihrer beruflichen Tätigkeit ab: Bei überwiegend sitzender Tätigkeit sind oft nach sechs bis acht Wochen wieder Arbeitstage möglich, bei körperlich fordernder Arbeit kann es bis zu etwa drei Monate dauern.
Ist das Luxationsrisiko beim MicroHip-Zugang wirklich geringer?
Da die hinteren, stabilisierenden Strukturen der Hüfte bei diesem Zugang erhalten bleiben, wird ihm tendenziell ein geringeres Luxationsrisiko zugeschrieben als manchen anderen Zugangswegen. Ein Restrisiko besteht bei jeder Hüftendoprothese, unabhängig vom gewählten Zugang.
Kann ich mit einer Hüftprothese wieder Sport treiben?
Gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Nordic Walking sind für die meisten Patienten nach der Reha wieder gut möglich. Sportarten mit hoher Stoß- oder Drehbelastung sollten individuell mit dem Operateur abgestimmt werden.
Wie lange hält eine Hüftprothese?
Moderne Prothesen sind in der Regel auf eine langjährige Nutzung ausgelegt. Die tatsächliche Haltbarkeit hängt von individuellen Faktoren wie Aktivitätsniveau, Körpergewicht und Belastung ab und lässt sich nicht pauschal vorhersagen.
Darf ich mit einer Hüftprothese ins MRT?
Ja, moderne Hüftprothesen sind grundsätzlich MRT-tauglich. Weisen Sie das durchführende Zentrum vorab auf Ihr Implantat hin, damit die Untersuchung entsprechend angepasst werden kann.
Operation besprechen
Wenn Ihnen eine Hüft-TEP minimalinvasiv über den MicroHip-Zugang empfohlen wurde und Sie den Ablauf und Ihre individuelle Eignung besprechen möchten, vereinbaren Sie gerne einen Termin.