Wechseloperation der Hüfte (Revisionsendoprothetik)
Austausch einer bereits vorhandenen Hüftprothese bei Lockerung oder Verschleiß
Eine Wechseloperation der Hüfte wird notwendig, wenn eine bereits eingesetzte Hüftprothese sich gelockert hat oder verschlissen ist. Sie ist in der Regel anspruchsvoller als die erste Implantation, da häufig bereits Knochensubstanz verloren gegangen ist und teilweise spezielle Revisionsimplantate oder ein Knochenaufbau notwendig sind. Diese Seite behandelt den aseptischen Wechsel, also den Prothesenwechsel ohne zugrunde liegende Infektion. Liegt eine Protheseninfektion vor, finden Sie die dafür spezifischen Informationen auf unserer Seite zum septischen Hüft-TEP-Wechsel. Wir erklären, wie eine solche Operation abläuft, was Sie danach erwartet und worauf es bei der Nachbehandlung ankommt.
Termin vereinbarenDie Operation auf einen Blick
Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf kann abweichen.
Operationsdauer
Deutlich variabler als bei der Erstimplantation, abhängig davon, ob nur eine Komponente oder die gesamte Prothese gewechselt wird.
Narkose
Spinalanästhesie (häufig mit Sedierung) oder Vollnarkose.
Vorbereitung
Ausführliche Bildgebung, bei Infektionsverdacht ergänzend Labordiagnostik und Gelenkpunktion.
Krankenhausaufenthalt
In der Regel länger als bei der Erstimplantation, das genaue Ausmaß richtet sich nach dem Umfang der Revision.
Mobilisation
Individuell unterschiedlich, meist innerhalb der ersten Tage unter physiotherapeutischer Anleitung.
Belastung
Der Belastungsaufbau erfolgt nach Rücksprache mit dem Operateur und richtet sich nach der intraoperativ erreichten Stabilität.
Gehstützen
Meist über einen längeren Zeitraum als bei einer Erstimplantation notwendig.
Rehabilitation
Eine Anschlussheilbehandlung (stationär oder ambulant) wird in der Regel empfohlen.
Arbeitsunfähigkeit
Individuell sehr unterschiedlich, häufig länger als nach einer Erstimplantation.
Wie läuft die Operation ab?
Präoperative Planung
Vor einer Wechseloperation steht eine ausführliche Planung anhand von Röntgenbildern, gegebenenfalls ergänzt durch CT und weitere Bildgebung, um Implantatlage, Knochenqualität und -verlust einzuschätzen. Bei Verdacht auf eine Infektion erfolgen zusätzlich Labordiagnostik (u. a. Entzündungswerte) und häufig eine Gelenkpunktion, um mögliche Erreger zu identifizieren.
Vorbereitung und Narkose
Der Eingriff erfolgt meist in Spinalanästhesie, häufig kombiniert mit einer leichten Sedierung, oder in Vollnarkose.
Entfernung der alten Komponenten
Die gelockerten oder verschlissenen Implantatkomponenten werden schonend aus dem Knochen entfernt.
Vorbereitung des Knochenlagers
Je nach Ausmaß des Knochenverlusts wird das verbleibende Knochenlager aufbereitet. Bei größeren Defekten kann ein Knochenaufbau, etwa mit Knochenersatzmaterial oder speziellen Aufbaukomponenten, notwendig werden.
Einbringen der neuen Implantate
Abhängig vom Ausmaß des Knochenverlusts kommen Standardimplantate, spezielle Revisionsimplantate mit längerer Verankerungsstrecke oder individuell angepasste Komponenten zum Einsatz. Abschließend wird die Stabilität und Beweglichkeit des Gelenks überprüft, bevor die Wunde schichtweise verschlossen wird.
Aseptischer oder septischer Wechsel?
Aseptischer Wechsel (Inhalt dieser Seite)
Liegt keine Infektion vor, etwa bei aseptischer Lockerung, Materialverschleiß oder periprothetischer Fraktur –, erfolgt der Wechsel in aller Regel einzeitig: Entfernung der alten Prothese und Einbringen der neuen Implantate in einer einzigen Operation.
Septischer (infektbedingter) Wechsel
Liegt eine periprothetische Infektion vor, ist meist ein zweizeitiges Vorgehen mit Entfernung des Implantats, antibiotikahaltigem Platzhalter (Spacer) und gezielter Antibiotikatherapie vor der Reimplantation notwendig.
Zementierte vs. zementfreie Revisionsverankerung
Je nach Knochenqualität und Defektsituation kann eine zementierte oder eine zementfreie Verankerung der neuen Implantate sinnvoll sein.
Standardrevisionsimplantat vs. individuelle Anfertigung
Bei ausgeprägtem Knochenverlust kann anstelle eines Standardrevisionsimplantats eine anhand Ihrer Bildgebung individuell angefertigte Komponente notwendig sein.
Welches Vorgehen für Sie geeignet ist, hängt von der Ursache der Prothesenproblematik und dem Ausmaß des Knochenverlusts ab. Wir besprechen die im Einzelfall sinnvolle Strategie ausführlich mit Ihnen.
Was passiert unmittelbar nach der Operation?
Der weitere Verlauf ist nach einer Wechseloperation individuell sehr unterschiedlich und hängt stark vom Ausmaß des Eingriffs ab.
Ein Wundschmerz ist normal und wird konsequent mit Schmerzmitteln sowie Kühlung behandelt. Wie stark und wie früh das operierte Bein belastet werden darf, legt der Operateur anhand der intraoperativ erreichten Stabilität und der Beschaffenheit des Knochenlagers fest, teilweise ist zunächst eine Teilbelastung an Gehstützen erforderlich. Physiotherapie beginnt in der Regel bereits im Krankenhaus.
Der stationäre Aufenthalt fällt bei einer Wechseloperation häufig länger aus als bei der Erstimplantation. Zur Vorbeugung einer Thrombose wird für mehrere Wochen eine medikamentöse Prophylaxe eingesetzt.
Wie geht es zu Hause weiter?
- Erste Tage
Mobilisation nach Freigabe des Operateurs
Belastung und Bewegungsumfang richten sich nach dem intraoperativen Befund; die Physiotherapie leitet die Mobilisation entsprechend an.
- Direkt im Anschluss
Anschlussheilbehandlung (AHB)
Die Anschlussheilbehandlung unterstützt den individuellen Belastungsaufbau sowie den Aufbau von Kraft und Gangsicherheit.
- Weitere Wochen
Schrittweiser Belastungsaufbau
Der weitere Belastungsaufbau erfolgt in enger Abstimmung mit dem Operateur und wird durch Röntgenkontrollen begleitet.
- Langfristig
Individueller Endverlauf
Wie schnell und wie vollständig sich Beweglichkeit und Belastbarkeit erholen, ist nach einer Wechseloperation deutlich variabler als nach einer Erstimplantation.
Wann kann ich wieder …?
Alle Angaben sind Orientierungswerte und hängen vom individuellen Heilungsverlauf ab.
Auto fahren
Erst nach Freigabe durch den Operateur, abhängig vom Belastungsaufbau.
Büroarbeit
Abhängig vom Ausmaß der Revision und der individuellen Heilung.
Körperlich arbeiten
Wird anhand der erreichten Stabilität und Belastbarkeit gemeinsam besprochen.
Fahrrad fahren
Zunächst auf ebener Strecke, nach ausreichendem Kraftaufbau.
Schwimmen
Zeitpunkt richtet sich nach dem individuellen Heilungsverlauf.
Wandern / Spazieren
Distanz und Tempo werden schrittweise gemeinsam mit der Physiotherapie gesteigert.
Reisen
Bei längeren Reisen zusätzlich das erhöhte Thromboserisiko berücksichtigen.
Sport allgemein
Eine pauschale Zeitangabe ist nach einer Wechseloperation nicht sinnvoll möglich.
Welche Ergebnisse kann ich erwarten?
Auch nach einer Wechseloperation bessert sich bei den meisten Patienten die Beschwerdesymptomatik der zuvor problematischen Prothese deutlich.
Das Ergebnis ist nach einer Wechseloperation individuell noch variabler als nach einer Erstimplantation, da es stark von der Ursache der Revision und dem Ausmaß des Knochenverlusts abhängt. Bei umfangreichen Revisionen mit größerem Knochenverlust kann die volle Belastbarkeit außerdem länger auf sich warten lassen als bei einer Erstimplantation.
Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, die individuelle Prognose besprechen wir ausführlich anhand Ihres Befunds und der intraoperativen Situation mit Ihnen.
Welche Risiken bestehen?
Allgemeine Operationsrisiken
Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion, Narkoserisiken sowie ein Thrombose- und Embolierisiko. Zur Vorbeugung wird routinemäßig eine medikamentöse Thromboseprophylaxe eingesetzt.
Spezifische Risiken dieser Operation
Eine Wechseloperation ist aufgrund des häufig bereits vorgeschädigten Knochens und Gewebes anspruchsvoller und insgesamt risikoreicher als die Erstimplantation. Es besteht ein erhöhtes Risiko für eine Verletzung von Nerven oder Gefäßen, eine erneute Lockerung, eine Luxation des künstlichen Gelenks sowie, insbesondere bei größerem Knochenverlust, eine periprothetische Fraktur.
Langfristige Risiken
Auch ein Revisionsimplantat kann sich im Lauf der Zeit lockern oder abnutzen, sodass in seltenen Fällen ein erneuter Wechsel notwendig werden kann. Regelmäßige Nachkontrollen helfen, solche Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
Worauf sollten Sie nach der Operation achten?
Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden
- Fieber oder erneut auftretende Entzündungszeichen
- Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
- Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
- Plötzliches Instabilitätsgefühl, ein "Herausspringen" des Gelenks oder eine sichtbare Fehlstellung des Beins
- Schwellung, Schmerz oder Überwärmung der Wade (mögliches Zeichen einer Thrombose)
- Atemnot
- Ein Sturz auf das operierte Bein
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.
Wechseloperation der Hüfte bei MedArtes
Ob und welche Art von Wechseloperation für Sie infrage kommt, klären wir anhand Ihrer Beschwerden und der Bildgebung. Als Endoprothetik-Zentrum der Maximalversorgung (EPZmax, zertifiziert durch endoCert) verfügen wir über die für die anspruchsvolle Revisionsendoprothetik notwendige Erfahrung und Ausstattung und begleiten Sie durch die gesamte präoperative Planung, die Operation und die Nachbehandlung.
Ihre Spezialisten für die Hüfte
Dr. med. Sven Hartmann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
PD Dr. med. Dipl.-Ing. Florian Völlner
Prof. Dr. med. Dr. med. univ. Günther Maderbacher, MHBA
Prof. Dr. med. Franz Xaver Köck
Häufig gestellte Fragen zur Wechseloperation der Hüfte
Woran erkenne ich, dass meine Hüftprothese sich gelockert haben könnte?
Typisch können zunehmende Schmerzen bei Belastung, ein Instabilitätsgefühl oder eine spürbare Funktionseinschränkung sein. Solche Beschwerden sollten fachärztlich mit Röntgenbild und klinischer Untersuchung abgeklärt werden.
Ist eine Wechseloperation riskanter als die erste Hüft-OP?
Ja, aufgrund des häufig bereits vorgeschädigten Knochens und Gewebes ist eine Wechseloperation im Allgemeinen anspruchsvoller und mit einem höheren Risiko verbunden als die Erstimplantation.
Was ist der Unterschied zum septischen (infektbedingten) Wechsel?
Diese Seite behandelt den aseptischen Wechsel, also den Prothesenwechsel ohne zugrunde liegende Infektion. Liegt eine Protheseninfektion vor, gilt ein anderes, meist zweizeitiges Vorgehen, mehr dazu auf unserer Seite zum septischen Hüft-TEP-Wechsel.
Wie lange dauert die Genesung nach einer Wechseloperation?
Das lässt sich pauschal nicht sagen, da es stark vom Ausmaß der Revision und einem eventuellen Knochenaufbau abhängt. Der Heilungsverlauf wird individuell mit Ihnen besprochen.
Wie lange hält ein Revisionsimplantat?
Die Haltbarkeit hängt von individuellen Faktoren wie Knochenqualität, Aktivitätsniveau und Körpergewicht ab und lässt sich nicht pauschal vorhersagen. Regelmäßige Nachkontrollen sind wichtig, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
Kann nach einer Wechseloperation ein weiterer Wechsel nötig werden?
Das ist im Einzelfall nicht auszuschließen, insbesondere bei ausgeprägtem Knochenverlust oder erneuter Lockerung. Regelmäßige Nachsorgetermine dienen dazu, solche Entwicklungen frühzeitig zu erkennen.
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