Hüftkopfnekrose
Bei einer Hüftkopfnekrose ist die Durchblutung eines Teils des Hüftkopfes gestört, wodurch Knochengewebe abstirbt. Unbehandelt kann die betroffene Region im Verlauf einbrechen und die Gelenkfläche dauerhaft schädigen. Typisch ist ein allmählich zunehmender, seltener plötzlich auftretender Leistenschmerz. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto mehr gelenkerhaltende Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung, wir erklären, worauf es bei Diagnose und Therapie ankommt.
Termin vereinbarenTypische Symptome
Das häufigste Symptom ist ein Leistenschmerz, der bei den meisten Betroffenen allmählich zunimmt.

Der Schmerz wird meist in der Leiste wahrgenommen, kann aber auch in das Gesäß oder den Oberschenkel ausstrahlen. Zu Beginn tritt er häufig nur bei Belastung auf, etwa beim Gehen, Treppensteigen oder Sport, und lässt in Ruhe nach. Im weiteren Verlauf berichten viele Patienten auch über Beschwerden in Ruhe oder nachts. Seltener treten die Schmerzen relativ plötzlich auf, etwa wenn es im Bereich der geschädigten Knochenregion bereits zu einem kleinen Einbruch der Gelenkfläche gekommen ist. Eine zunehmende Bewegungseinschränkung des Hüftgelenks, insbesondere bei Innendrehung, kann im fortgeschrittenen Verlauf hinzukommen.
Was steckt dahinter?
Aufbau und Durchblutung des Hüftkopfes
Der Hüftkopf wird über wenige, teils empfindliche Blutgefäße versorgt, die überwiegend am Schenkelhals verlaufen. Wird diese Durchblutung in einem umschriebenen Bereich unterbrochen oder deutlich vermindert, erhält das dortige Knochengewebe nicht mehr genug Sauerstoff und Nährstoffe und stirbt ab, man spricht von einer Osteonekrose oder Hüftkopfnekrose.
Wie entwickelt sich die Erkrankung?
Zunächst bleibt die äußere Form des Hüftkopfes meist erhalten, da der Knochen darunter zunächst noch eine gewisse Stabilität bietet. Im weiteren Verlauf kann der geschädigte Bereich jedoch seine Tragfähigkeit verlieren, sodass die darüberliegende Gelenkfläche einbricht. In der Folge verändert sich die Form des Hüftkopfes, der Gelenkknorpel wird zusätzlich belastet, und es kann sich eine sekundäre Hüftarthrose entwickeln.
Ursachen und Risikofaktoren
- Idiopathisch, bei einem Teil der Betroffenen lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen
- Länger dauernde oder hochdosierte Kortisontherapie, zum Beispiel im Rahmen anderer Grunderkrankungen
- Erhöhter Alkoholkonsum
- Unfallbedingte Schäden, etwa eine Schenkelhalsfraktur oder eine Hüftluxation, bei der die versorgenden Gefäße geschädigt werden
- Gerinnungsstörungen und bestimmte Grunderkrankungen, die die Durchblutung beeinträchtigen können

Das Wichtigste in Kürze
UntersuchungWie finden wir die Ursache?
Am Anfang steht die klinische Untersuchung mit Prüfung von Beweglichkeit, Belastungsschmerz und Gangbild sowie ein ausführliches Gespräch zu Beschwerdeverlauf und möglichen Risikofaktoren. Ein Röntgenbild des Beckens gehört zur Basisdiagnostik, kann in frühen Stadien jedoch noch unauffällig sein, da sich Veränderungen am Knochen dort oft erst zeigen, wenn die Erkrankung bereits fortgeschritten ist. Die MRT ist die empfindlichste Methode zur Erkennung einer Hüftkopfnekrose und kann die charakteristischen Veränderungen bereits in einem frühen Stadium sichtbar machen, in dem die Gelenkfläche noch intakt ist.
Ist die Diagnose gesichert, wird die Erkrankung anhand von Größe und Lage des betroffenen Areals sowie dem Zustand der Gelenkfläche in Stadien eingeteilt, unter anderem nach der international gebräuchlichen ARCO-Klassifikation. Diese Einteilung hilft bei der Einschätzung, welche Behandlungsoptionen im Einzelfall infrage kommen.
Ohne OperationKonservative Behandlung
Die meisten Beschwerden an der Hüfte lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.
Klassische Schmerztherapie und Physiotherapie
Zur konservativen Therapie nutzen wir die orale Schmerzmedikation und Physiotherapie als Basis zur Verbesserung Ihrer Beschwerden.
Medikamentöse Schmerztherapie
Kurzfristig eingesetzt, um akute Beschwerden zu lindern und Bewegung wieder zu ermöglichen.
Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie
Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung, unter therapeutischer Anleitung strukturiert aufgebaut.
Entlastung in frühen Stadien
Eine vorübergehende Entlastung an Gehstützen kann in sehr frühen Stadien erwogen werden, um den geschädigten Knochenbereich mechanisch zu schonen, während die weitere Entwicklung engmaschig kontrolliert wird.
Engmaschige Verlaufskontrolle
Regelmäßige klinische und bildgebende Kontrollen helfen, ein Fortschreiten der Erkrankung oder einen beginnenden Gelenkflächeneinbruch frühzeitig zu erkennen und die Behandlung rechtzeitig anzupassen.
Physikalische Medizin
Zur optimalen Regeneration nutzen wir gezielt die Stoßwellentherapie und High-Power-Lasertherapie: Die Stoßwelle regt die Durchblutung an, bricht Verkalkungen auf und aktiviert die Zellheilung, während der Laser auf Zellebene die Regeneration unterstützt.
Wann rasch zum Arzt?
Je früher erkannt, desto mehr gelenkerhaltende Optionen
Solange die Gelenkfläche des Hüftkopfes noch nicht eingebrochen ist, lässt sich eine Hüftkopfnekrose häufig mit gelenkerhaltenden Verfahren behandeln. Ist die Gelenkfläche einmal geschädigt, kommt meist nur noch der Gelenkersatz infrage. Das Zeitfenster für einen Gelenkerhalt ist deshalb begrenzt.
- Anhaltender oder wiederkehrender Leistenschmerz ohne erkennbare andere Ursache sollte fachärztlich abgeklärt werden
- Bekannte Risikofaktoren wie eine länger dauernde Kortisontherapie, ein erhöhter Alkoholkonsum oder ein vorangegangenes Hüfttrauma erhöhen die Wahrscheinlichkeit und sollten bei entsprechenden Beschwerden erwähnt werden
- Da ein normales Röntgenbild eine frühe Hüftkopfnekrose nicht ausschließt, ist bei begründetem Verdacht in der Regel eine MRT sinnvoll
Ihre Spezialisten für die Hüfte
Dr. med. Sven Hartmann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
PD Dr. med. Dipl.-Ing. Florian Völlner
Prof. Dr. med. Dr. med. univ. Günther Maderbacher, MHBA
Prof. Dr. med. Franz Xaver Köck
Häufig gestellte Fragen
Ist eine Hüftkopfnekrose dasselbe wie eine Hüftarthrose?
Nein. Bei der Hüftkopfnekrose stirbt zunächst umschriebenes Knochengewebe durch eine Durchblutungsstörung ab. Erst wenn dadurch die Gelenkfläche geschädigt wird, kann sich im weiteren Verlauf eine sekundäre Hüftarthrose entwickeln.
Kann eine Hüftkopfnekrose von selbst ausheilen?
In sehr frühen, kleinflächigen Stadien ist ein Stillstand oder eine gewisse Erholung des betroffenen Areals möglich, insbesondere wenn Risikofaktoren konsequent reduziert werden. Verlässlich vorhersagen lässt sich dies jedoch nicht, weshalb eine engmaschige ärztliche Kontrolle wichtig ist.
Muss ich bei einer Hüftkopfnekrose immer operiert werden?
Nicht zwingend. In frühen Stadien kann zunächst eine engmaschige Kontrolle mit Entlastung ausreichend sein. Eine Operation wird vor allem dann erwogen, wenn die Beschwerden zunehmen oder ein Fortschreiten der Nekrose erkennbar ist.
Warum wird eine Kortisontherapie mit einer Hüftkopfnekrose in Verbindung gebracht?
Eine länger dauernde oder hochdosierte Kortisontherapie gilt als einer der bekannten Risikofaktoren, vermutlich unter anderem über Auswirkungen auf die Durchblutung und den Knochenstoffwechsel. Der genaue Mechanismus ist nicht in jedem Fall abschließend geklärt.
Ist eine Hüftkopfnekrose immer auf Alkohol zurückzuführen?
Nein. Erhöhter Alkoholkonsum ist einer von mehreren möglichen Risikofaktoren. Bei einem Teil der Patienten lässt sich trotz sorgfältiger Abklärung keine eindeutige Ursache feststellen.
Wie sicher erkennt eine MRT eine Hüftkopfnekrose?
Die MRT gilt als die empfindlichste bildgebende Methode für die Hüftkopfnekrose und kann die charakteristischen Veränderungen häufig schon nachweisen, wenn ein Röntgenbild noch unauffällig ist. Die endgültige Einordnung erfolgt immer im Zusammenhang mit der klinischen Untersuchung.
Ist eine Hüftkopfanbohrung eine dauerhafte Lösung?
Die Hüftkopfanbohrung kann in geeigneten frühen Stadien das Fortschreiten verzögern oder aufhalten und das körpereigene Gelenk erhalten. Ob dies gelingt, hängt stark von Größe, Lage und Stadium der Nekrose ab; bei fortschreitender Schädigung kann später dennoch eine Hüftendoprothese notwendig werden.