Hüftkopfanbohrung (Core Dekompression) mit Ilomedintherapie
Minimalinvasives Verfahren zur Drucksenkung im Hüftkopf bei früher Hüftkopfnekrose
Termin vereinbarenDas Verfahren auf einen Blick
Bei einer frühen Hüftkopfnekrose ist die Durchblutung eines Hüftkopfareals gestört, bevor die Gelenkfläche selbst bereits eingebrochen ist. Die Hüftkopfanbohrung (Core Dekompression) senkt den in diesem Stadium erhöhten Innendruck im Knochen und kann so die Durchblutung des betroffenen Bereichs fördern. Häufig wird der Eingriff durch eine intravenöse Ilomedin(Iloprost)-Infusionstherapie ergänzt, die zusätzlich die Mikrozirkulation verbessern soll. Ziel ist es, das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten oder zu verzögern und einen späteren Gelenkersatz möglichst zu vermeiden oder hinauszuzögern. Wie der Eingriff abläuft, was Sie danach erwartet und für wen dieses Verfahren infrage kommt, erklären wir auf dieser Seite.
Ziel
Senkung des erhöhten Innendrucks im Hüftkopf und Förderung der Durchblutung, um das Fortschreiten der Nekrose zu verzögern.
Narkose
In der Regel Spinal- oder Vollnarkose.
Bildsteuerung
Anlage des Bohrkanals unter Bildwandlerkontrolle (Röntgendurchleuchtung).
Ergänzende Therapie
Häufig kombiniert mit einer Ilomedin(Iloprost)-Infusionsserie über mehrere Tage.
Krankenhausaufenthalt
In der Regel etwa 5 Tage, so lange, wie auch die begleitende Ilomedin(Iloprost)-Infusionstherapie gegeben wird.
Belastung danach
Teilbelastung mit etwa 20 kg des betroffenen Beins an Gehstützen für rund 6 Wochen, danach schrittweiser Belastungsaufbau.
Nachsorge
Klinische Verlaufskontrollen; MRT-Verlaufskontrollen sind nicht standardmäßig vorgesehen, sondern werden bei Bedarf individuell festgelegt.
Geeignet für
Frühe Stadien der Hüftkopfnekrose, vor Einbruch der Gelenkfläche.
Nicht mehr ausreichend bei
Bereits eingetretenem Gelenkflächeneinbruch, dann steht der Gelenkersatz im Vordergrund.
Wie laufen Hüftkopfanbohrung und Ilomedintherapie ab?
Vorbereitung und Narkose
Sie werden in Rückenlage gelagert. Der Eingriff erfolgt in der Regel in Spinal- oder Vollnarkose. Vor der Anbohrung wird die genaue Lage und Ausdehnung des nekrotischen Areals anhand der vorliegenden MRT-Bildgebung geplant.
Anlage des Bohrkanals unter Bildwandlerkontrolle
Über einen kleinen Hautschnitt an der Außenseite des Oberschenkels wird unter kontinuierlicher Röntgendurchleuchtung ein dünner Bohrer bis in das betroffene Areal des Hüftkopfes vorgeschoben. Dort wird ein Bohrkanal angelegt, der den erhöhten Innendruck im Knochen entlastet und dem Gefäßeinwuchs einen Weg in das minderdurchblutete Areal bahnen soll.
Ergänzende Ilomedin(Iloprost)-Infusionstherapie
Häufig wird der Eingriff durch eine intravenöse Infusionstherapie mit Iloprost (Handelsname Ilomedin) ergänzt. Iloprost soll die Mikrozirkulation im betroffenen Gewebe verbessern und wird in der Regel als Serie mehrerer Infusionen über mehrere Tage verabreicht, häufig im Rahmen des stationären Aufenthalts.
Abschluss
Die kleine Zugangsstelle am Oberschenkel wird mit einer Naht oder einem Pflasterverband versorgt. Ein größerer operativer Zugang ist für die Anbohrung selbst nicht notwendig.
Wann ist eine Hüftkopfanbohrung sinnvoll?
Eine Hüftkopfanbohrung mit Ilomedintherapie kommt bei einer Hüftkopfnekrose infrage, solange die Gelenkfläche des Hüftkopfes noch nicht eingebrochen ist.
In diesem frühen Stadium ist der Hüftkopf zwar in seiner Durchblutung gestört, seine Form und Oberfläche sind aber noch intakt. Genau hier setzt das Verfahren an: Durch die Anbohrung soll der Innendruck im betroffenen Knochenareal gesenkt und die Revaskularisierung, also die Wiederherstellung der Durchblutung, unterstützt werden. Ob diese Behandlung für Sie infrage kommt, hängt vor allem vom Stadium der Nekrose in der Bildgebung ab, das anhand einer MRT-Untersuchung beurteilt wird.
Ist die Gelenkfläche des Hüftkopfes bereits eingebrochen, ist die alleinige Drucksenkung nicht mehr ausreichend, um das Gelenk zu erhalten. In diesem Fall rückt in der Regel der Gelenkersatz durch eine Hüfttotalendoprothese in den Vordergrund.
Was passiert unmittelbar nach dem Eingriff?
Da die Anbohrung selbst nur über einen kleinen Zugang erfolgt, sind die unmittelbaren Beschwerden meist deutlich geringer als nach einer offenen Gelenkoperation.
An der kleinen Zugangsstelle kann ein Wundschmerz auftreten, der mit Schmerzmitteln gut behandelbar ist. Während der Ilomedin-Infusionsserie können vorübergehende, aus der Wirkweise des Medikaments bekannte Begleiterscheinungen wie Kopfschmerzen, ein Wärme- oder Hautrötungsgefühl (Flush), Übelkeit oder ein vorübergehender Blutdruckabfall auftreten; das behandelnde Team überwacht Sie während der Infusionen entsprechend. Das operierte Bein wird zunächst entlastet oder nur teilbelastet, weshalb Sie in dieser Zeit an Gehstützen mobilisiert werden.
Wie geht es nach dem Eingriff weiter?
- Stationärer Aufenthalt (ca. 5 Tage)
Infusionsserie und erste Mobilisation
Der stationäre Aufenthalt dauert in der Regel etwa 5 Tage, so lange, wie auch die Ilomedin-Infusionsserie gegeben wird. Parallel erfolgt die erste Mobilisation an Gehstützen mit Teilbelastung des betroffenen Beins.
- Erste 6 Wochen
Teilbelastung mit rund 20 kg
Das betroffene Bein wird zu Hause weiterhin mit etwa 20 kg teilbelastet, um den Heilungsprozess im Bohrkanal nicht zu gefährden. Physiotherapie unterstützt Gangbild und Beweglichkeit.
- Nach 6 Wochen
Schrittweiser Belastungsaufbau
Nach der sechswöchigen Teilbelastungsphase wird die Belastung schrittweise gesteigert, abhängig vom individuellen Verlauf und den klinischen Kontrolluntersuchungen.
- Ergänzend möglich
Postinterventionelle Stoßwellentherapie
Im weiteren Verlauf kann ergänzend eine Stoßwellentherapie eingesetzt werden.
- Verlaufskontrollen
Klinische Kontrollen, MRT nur bei Bedarf
Die Nachsorge erfolgt anhand klinischer Verlaufskontrollen. Eine MRT-Verlaufskontrolle ist nicht standardmäßig vorgesehen, sondern wird individuell veranlasst, etwa bei anhaltenden oder erneut auftretenden Beschwerden.
- Langfristig
Weiterbeobachtung
Da eine Hüftkopfnekrose auch nach der Behandlung fortschreiten kann, sind langfristige klinische Verlaufskontrollen sinnvoll, um frühzeitig zu erkennen, falls doch ein weiteres Vorgehen notwendig wird.
Wann kann ich wieder …?
Vollbelastung
Nach rund 6 Wochen Teilbelastung mit etwa 20 kg wird die Belastung schrittweise gesteigert; der genaue Zeitpunkt der Vollbelastung richtet sich nach dem individuellen Heilungsverlauf.
Auto fahren
Erst wenn das Bein sicher genug belastet und eine Notbremsung zuverlässig möglich ist.
Büroarbeit
Sobald die Mobilisation an Gehstützen gut gelingt und keine wesentliche Belastung des Beins erforderlich ist.
Körperlich arbeiten
Abhängig vom Ausmaß der Steh-, Geh- und Hebebelastung sowie dem Heilungsverlauf.
Schwimmen
Gelenkschonende Bewegung im Wasser wird häufig frühzeitig gut vertragen, im Einzelfall abzustimmen.
Sport mit Stoßbelastung
Sportarten mit Sprüngen oder starker Stoßbelastung sollten erst nach ausdrücklicher ärztlicher Freigabe anhand des klinischen Verlaufs wieder aufgenommen werden.
Welches Ergebnis kann ich erwarten?
Heilt die Hüftkopfanbohrung die Hüftkopfnekrose? Nicht in jedem Fall. Ziel des Verfahrens ist es, das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten oder zu verzögern und dadurch einen Gelenkersatz möglichst zu vermeiden oder hinauszuzögern, eine Garantie dafür gibt es nicht.
Wie gut die Durchblutung des betroffenen Areals sich nach dem Eingriff erholt, ist individuell unterschiedlich und hängt unter anderem vom Stadium der Nekrose zum Zeitpunkt der Behandlung, der Größe des betroffenen Areals und der zugrunde liegenden Ursache ab. Bei manchen Patienten stabilisiert sich der Befund im weiteren klinischen Verlauf; bei anderen schreitet die Erkrankung trotz Behandlung fort, bis der Gelenkersatz notwendig wird. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, wir besprechen Ihre individuelle Prognose anhand Ihres Befunds mit Ihnen.
Schreitet die Erkrankung trotz Behandlung bis zum Einbruch der Gelenkfläche fort, ist die Hüftkopfanbohrung nicht mehr ausreichend. In diesem Fall besprechen wir mit Ihnen die Möglichkeiten einer Hüfttotalendoprothese.
Welche Risiken bestehen?
Allgemeine Risiken
Wie bei jedem operativen Eingriff bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion sowie Narkoserisiken. Da nur ein kleiner Zugang notwendig ist, sind diese Risiken insgesamt gering.
Spezifische Risiken der Anbohrung
Selten kann es im Bereich des Bohrkanals zu einer Schwächung des Knochens kommen, wodurch das Risiko einer Fraktur in diesem Bereich vorübergehend erhöht sein kann. Aus diesem Grund ist die zeitweise Entlastung beziehungsweise Teilbelastung nach dem Eingriff wichtig.
Nebenwirkungen der Ilomedin-Infusion
Iloprost kann während der Infusion vorübergehende Begleiterscheinungen wie Kopfschmerzen, Hautrötung (Flush), Übelkeit oder einen Blutdruckabfall verursachen. Diese Nebenwirkungen sind aus der Anwendung des Medikaments bekannt und klingen in der Regel nach Ende der Infusion wieder ab.
Langfristige Aspekte
Die Behandlung kann das Fortschreiten der Hüftkopfnekrose nicht in jedem Fall aufhalten. Bricht die Gelenkfläche im weiteren Verlauf dennoch ein, kann später eine Hüfttotalendoprothese notwendig werden.
Worauf sollten Sie nach dem Eingriff achten?
Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.
- Fieber
- Zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder Schwellung an der Zugangsstelle
- Plötzlich einschießender, starker Schmerz in der Hüfte oder im Oberschenkel, insbesondere nach einer Belastung entgegen der ärztlichen Empfehlung
- Schwellung, Schmerz oder Überwärmung der Wade (mögliches Zeichen einer Thrombose)
- Atemnot
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.
Hüftkopfanbohrung mit Ilomedintherapie bei MedArtes
Am Anfang steht bei uns immer eine genaue Diagnose. Anhand Ihrer Bildgebung, insbesondere der MRT, beurteilen wir das Stadium Ihrer Hüftkopfnekrose und besprechen gemeinsam mit Ihnen, ob eine Hüftkopfanbohrung mit ergänzender Ilomedintherapie in Ihrer individuellen Situation medizinisch sinnvoll ist. Sollte die Erkrankung im Verlauf dennoch fortschreiten, begleiten wir Sie auch bei den weiteren Behandlungsschritten bis hin zur Hüftendoprothetik, als Endoprothetik-Zentrum der Maximalversorgung (EPZmax, zertifiziert durch endoCert).
Ihre Spezialisten für die Hüfte
Dr. med. Sven Hartmann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
PD Dr. med. Dipl.-Ing. Florian Völlner
Prof. Dr. med. Dr. med. univ. Günther Maderbacher, MHBA
Prof. Dr. med. Franz Xaver Köck
Häufig gestellte Fragen zur Hüftkopfanbohrung
Heilt die Hüftkopfanbohrung meine Hüftkopfnekrose vollständig?
Nicht zwangsläufig. Ziel des Verfahrens ist es, das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten oder zu verzögern und einen Gelenkersatz möglichst zu vermeiden oder hinauszuzögern. Ob und wie gut sich die Durchblutung erholt, ist individuell unterschiedlich.
Wozu dient die Ilomedin-Infusion zusätzlich zur Anbohrung?
Iloprost (Ilomedin) soll die Mikrozirkulation im betroffenen Gewebe verbessern und wird ergänzend zur Anbohrung als Serie mehrerer Infusionen über mehrere Tage verabreicht.
Wie lange muss ich das Bein entlasten?
Üblich ist eine Teilbelastung mit etwa 20 kg an Gehstützen für rund 6 Wochen, anschließend wird die Belastung schrittweise gesteigert. Die genaue Dauer legt der behandelnde Arzt anhand des individuellen Heilungsverlaufs fest.
Wie oft sind MRT-Kontrollen notwendig?
MRT-Verlaufskontrollen sind nach der Hüftkopfanbohrung nicht standardmäßig vorgesehen. Die Nachsorge erfolgt in erster Linie anhand klinischer Kontrollen; eine MRT wird individuell veranlasst, etwa bei anhaltenden oder erneut auftretenden Beschwerden.
Was passiert, wenn die Behandlung nicht ausreicht?
Schreitet die Hüftkopfnekrose trotz Behandlung bis zum Einbruch der Gelenkfläche fort, ist die Hüftkopfanbohrung allein nicht mehr ausreichend. In diesem Fall besprechen wir mit Ihnen die Möglichkeiten einer Hüfttotalendoprothese.
Für wen ist dieses Verfahren nicht mehr geeignet?
Ist die Gelenkfläche des Hüftkopfes bereits eingebrochen, kann die alleinige Drucksenkung das Gelenk nicht mehr erhalten. In diesem Stadium steht in der Regel der Gelenkersatz im Vordergrund.
Ist der Eingriff schmerzhaft?
Der Eingriff selbst erfolgt in Spinal- oder Vollnarkose. Danach ist ein Wundschmerz an der kleinen Zugangsstelle normal, der gut mit Schmerzmitteln behandelt werden kann.
Kann die Behandlung wiederholt werden?
Ob eine erneute Behandlung sinnvoll ist, hängt vom individuellen Verlauf und Befund ab. Dies besprechen wir anhand Ihrer Kontrolluntersuchungen mit Ihnen.