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Krankheitsbild · Knie

Osteochondrosis dissecans des Knies

Bei der Osteochondrosis dissecans (OD) kommt es zu einer umschriebenen Durchblutungsstörung eines kleinen Knochenareals direkt unter dem Gelenkknorpel, meist am inneren Anteil der Oberschenkelrolle. Betroffen sind vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Solange der Knorpel intakt und das Fragment fest verankert ist, kann die Erkrankung häufig konservativ behandelt werden, bei drohender oder erfolgter Ablösung des Fragments ist eine Operation sinnvoll. Wir erklären, wie Osteochondrosis dissecans entsteht und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

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Beschwerdebild & Hintergrund

Typische Symptome

Osteochondrosis dissecans verursacht meist einen uncharakteristischen, belastungsabhängigen Knieschmerz, häufig zunächst nach Sport oder längerer Belastung, der in Ruhe wieder nachlässt.

Osteochondrosis dissecans des Knies (Symbolbild)

Solange der Knorpel über dem betroffenen Knochenareal intakt ist und das Fragment fest im Knochenbett verankert bleibt (stabile Läsion), sind die Beschwerden oft diskret und schwer einem bestimmten Krankheitsbild zuzuordnen. Viele Patienten berichten lediglich über ein diffuses Belastungsgefühl im Kniegelenk.

Löst sich das Fragment beginnend oder vollständig aus seinem Knochenbett (instabile Läsion), können zusätzlich ein Blockierungsgefühl beim Beugen oder Strecken, ein wiederkehrender Gelenkerguss (Schwellung) sowie ein Reibe- oder Krepitationsgefühl im Kniegelenk auftreten. Ein plötzlich einschießender, stechender Schmerz mit Bewegungssperre kann auf ein sich frei im Gelenk bewegendes Fragment hindeuten.

Was steckt dahinter?

Wie entsteht Osteochondrosis dissecans?

Der Osteochondrosis dissecans liegt eine umschriebene, aseptische (nicht durch Bakterien verursachte) Durchblutungsstörung eines kleinen Knochenareals direkt unter der Knorpelschicht des Gelenks zugrunde. Durch die lokale Minderdurchblutung wird der betroffene Knochenbereich zunächst geschwächt, im weiteren Verlauf kann er absterben. Der darüberliegende Knorpel verliert dadurch seinen stabilen Untergrund. Am häufigsten ist der innere (mediale) Anteil der Oberschenkelrolle (Femurkondylus) betroffen.

Juvenile und adulte Form

Bei der juvenilen Osteochondrosis dissecans sind die Wachstumsfugen des Oberschenkelknochens noch offen. Diese Form tritt bei Kindern und Jugendlichen auf und hat aufgrund des noch vorhandenen Wachstums- und Heilungspotenzials eine vergleichsweise gute Chance auf eine spontane Ausheilung. Bei der adulten Osteochondrosis dissecans sind die Wachstumsfugen bereits geschlossen; sie betrifft junge Erwachsene und heilt aus eigener Kraft seltener vollständig aus, sodass hier häufiger eine operative Behandlung erwogen wird.

Vom stabilen zum instabilen Befund

Osteochondrosis dissecans verläuft in Stadien. Bei einer stabilen Läsion ist der Gelenkknorpel über dem betroffenen Areal noch intakt, und das darunterliegende Knochenfragment sitzt fest in seinem Bett. Im weiteren Verlauf kann sich zunächst ein feiner Riss (Fissur) im Knorpel bilden, bevor sich das Knochen-Knorpel-Fragment zunehmend löst (instabile Läsion). Löst sich das Fragment vollständig, entsteht ein freier Gelenkkörper, der sich im Kniegelenk bewegen und Blockierungen verursachen kann. An der Stelle, an der das Fragment fehlt, entsteht ein Knochen-Knorpel-Defekt, aus dem sich langfristig ein sekundärer Knorpelschaden entwickeln kann.

Freier Gelenkkörper

Löst sich das Knochen-Knorpel-Fragment vollständig aus seinem Bett, kann es sich frei im Kniegelenk bewegen und wiederkehrende Blockierungen verursachen.

Sekundärer Knorpelschaden

Der Knochen-Knorpel-Defekt an der ursprünglichen Herdstelle sowie ein umherwandernder freier Gelenkkörper können zu einem fortschreitenden Knorpelschaden im Kniegelenk führen.

Osteochondrosis dissecans des Knies (Symbolbild)
Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

Was ist es?
Eine umschriebene Durchblutungsstörung von Knochen und Knorpel im Kniegelenk, meist am inneren Oberschenkelrollenanteil, mit dem Risiko, dass sich ein Knochen-Knorpel-Fragment ablöst.
Wer ist betroffen?
Überwiegend Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, häufig sportlich aktiv.
Typische Beschwerden
Uncharakteristischer, belastungsabhängiger Knieschmerz, bei instabilen Läsionen zusätzlich Blockierungsgefühl und Erguss.
Diagnostik
Röntgen mit Tunnelaufnahme zur Erstdiagnose, MRT als Standardverfahren zur Beurteilung von Stabilität und Fragmentgröße.
Behandlung
Bei stabilen Läsionen mit offenen Wachstumsfugen meist konservative Entlastung über mehrere Monate, bei instabilen Läsionen oder Erwachsenen in der Regel operativ.
Operation notwendig?
Vor allem bei instabilen Läsionen, bei Erwachsenen oder wenn eine konservative Therapie nicht ausreichend anspricht.
Untersuchung

Wie finden wir die Ursache?

Anamnese, körperliche Untersuchung und gezielte Bildgebung. Mehr erfahren

Anamnese und körperliche Untersuchung

Erhoben werden Dauer und Charakter der Beschwerden, ihr Zusammenhang mit sportlicher Belastung sowie mögliche Blockierungs- oder Ergussepisoden. Bei der klinischen Untersuchung wird das Kniegelenk auf Erguss, Bewegungseinschränkung und einen umschriebenen Druckschmerz über dem betroffenen Areal geprüft.

Röntgen zur Erstdiagnose

Ein Röntgenbild des Kniegelenks, ergänzt um eine spezielle Tunnelaufnahme (Aufnahme des Kniegelenks in Beugung), dient der Erstdiagnose und zeigt den Herd meist am medialen Femurkondylus, der auf konventionellen Röntgenbildern sonst leicht übersehen werden kann.

MRT als Standard zur Beurteilung von Stabilität und Fragmentgröße

Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist das Standardverfahren zur genaueren Beurteilung der Osteochondrosis dissecans. Sie zeigt die Größe und Lage des betroffenen Areals, den Zustand des darüberliegenden Knorpels sowie Anzeichen einer beginnenden oder bestehenden Instabilität des Fragments, etwa einen Flüssigkeitssaum zwischen Fragment und Knochenbett. Die MRT-Befunde bilden die wesentliche Entscheidungsgrundlage dafür, ob eine konservative oder eine operative Behandlung sinnvoll ist.

Ohne Operation

Konservative Behandlung

Konservative, interventionelle und regenerative Verfahren im Überblick. Mehr erfahren

Die meisten Beschwerden am Knie lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.

Wenn nötig

Operative Behandlung

Operative Verfahren, falls konservative Maßnahmen nicht ausreichen. Mehr erfahren

Operationsverfahren

Retrograde/antegrade Anbohrung

Feine Bohrkanäle durch den subchondralen Knochen stimulieren die lokale Durchblutung und regen die Heilung an. Geeignet bei noch stabilem Fragment mit intaktem Knorpel, das konservativ nicht ausreichend ausheilt. Der Gelenkknorpel bleibt dabei erhalten.

Refixation des Fragments

Ein bereits abgelöstes, aber noch vitales Knochen-Knorpel-Fragment wird zurück in sein Bett gesetzt und fixiert. Ziel ist der Erhalt des körpereigenen Knorpels; der Erfolg hängt von der Vitalität des Fragments ab.

Knorpel-Knochen-Transplantation / Minced Cartilage

Ist das Fragment nicht mehr erhaltungsfähig und liegt ein größerer Defekt vor, wird das betroffene Areal mit körpereigenem Knorpel-Knochen-Gewebe oder zerkleinertem Knorpelmaterial aufgefüllt.

Warnzeichen

Wann rasch zum Arzt?

Diese Beschwerden sprechen für eine instabile Läsion

Osteochondrosis dissecans ist in der Regel kein akuter Notfall, sollte aber zeitnah fachärztlich abgeklärt werden, wenn eines der folgenden Anzeichen auftritt:

  • Plötzliches Blockierungs- oder Einklemmungsgefühl im Kniegelenk
  • Wiederkehrender oder neu aufgetretener Gelenkerguss (Schwellung)
  • Anhaltender belastungsabhängiger Knieschmerz über mehrere Wochen ohne erkennbare andere Ursache

Diese Beschwerden können auf eine instabile Läsion mit drohender oder bereits erfolgter Ablösung des Knochen-Knorpel-Fragments hindeuten und sollten zeitnah mittels MRT abgeklärt werden.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen

Ist Osteochondrosis dissecans dasselbe wie Kniearthrose?

Nein. Osteochondrosis dissecans ist eine umschriebene Durchblutungsstörung von Knochen und Knorpel, meist bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Unbehandelt oder bei entstandenem sekundärem Knorpelschaden kann sie jedoch langfristig zu vorzeitigem Gelenkverschleiß beitragen.

Muss Osteochondrosis dissecans immer operiert werden?

Nein. Stabile Läsionen mit intaktem Knorpel, insbesondere bei noch offenen Wachstumsfugen, werden zunächst über mehrere Monate konservativ mit Entlastung behandelt. Eine Operation wird vor allem bei instabilen Läsionen, bei Erwachsenen oder bei ausbleibender Besserung erwogen.

Wie lange dauert die konservative Behandlung?

Die Entlastungsphase erstreckt sich in der Regel über mehrere Monate mit engmaschigen klinischen und bildgebenden Kontrollen. Die genaue Dauer richtet sich nach dem individuellen Heilungsverlauf.

Darf ich mit Osteochondrosis dissecans Sport treiben?

Während der konservativen Behandlung sollten stoß- und drehbelastende Sportarten zunächst pausiert oder deutlich reduziert werden. Welche Belastung im Einzelfall vertretbar ist, sollte fachärztlich abgestimmt werden.

Woran erkenne ich, ob mein Knie "blockiert"?

Ein Blockierungsgefühl äußert sich meist als plötzliches Hängenbleiben beim Strecken oder Beugen des Knies, oft verbunden mit einem stechenden Schmerz. Es kann auf ein sich lösendes oder bereits frei im Gelenk bewegendes Fragment hindeuten und sollte zeitnah abgeklärt werden.

Kann Osteochondrosis dissecans von selbst wieder verschwinden?

Bei stabilen Läsionen mit noch offenen Wachstumsfugen ist eine folgenlose Ausheilung unter konsequenter Entlastung möglich. Bei Erwachsenen oder bereits instabilen Läsionen ist eine spontane, vollständige Ausheilung seltener.

Was passiert, wenn das Fragment nicht behandelt wird?

Ein unbehandelt instabiles oder abgelöstes Fragment kann sich als freier Gelenkkörper im Kniegelenk bewegen, wiederkehrende Blockierungen verursachen und einen zunehmenden Knorpelschaden nach sich ziehen.

Wie lange dauert die Genesung nach einer Operation?

Die Nachbehandlung richtet sich nach dem gewählten Verfahren und reicht von einer mehrwöchigen Teilbelastung bei einer Anbohrung oder Refixation bis zu einer längeren, gestuften Rehabilitation bei einer Knorpel-Knochen-Transplantation. Details finden Sie auf den jeweiligen Verfahrensseiten.