Knorpelschaden im Knie
Ein umschriebener Knorpelschaden ist eine örtlich begrenzte Schädigung der Gelenkknorpelfläche im Kniegelenk, meist nach einer Verletzung oder bei Osteochondrosis dissecans, oft bei jüngeren und sportlich aktiven Menschen. Er ist damit klar vom flächigen Verschleiß einer Gonarthrose abzugrenzen. Je nach Größe und Lage des Defekts reicht die Behandlung von Belastungsanpassung und Physiotherapie bis zu knorpelaufbauenden Operationsverfahren. Wir erklären, wie ein Knorpelschaden entsteht, erkannt und behandelt wird.
Termin vereinbarenTypische Symptome
Typisch sind belastungsabhängige Schmerzen, die vor allem bei Drehbewegungen, längerem Gehen, Treppensteigen oder sportlicher Belastung auftreten und in Ruhe häufig nachlassen.

Viele Patienten berichten zusätzlich über eine gelegentliche Schwellung des Kniegelenks nach Belastung, ein Reibe- oder Knirschgefühl oder ein diffuses Unsicherheitsgefühl im Gelenk. Löst sich ein Knorpel- oder Knorpel-Knochen-Fragment ganz oder teilweise ab, kann ein freier Gelenkkörper entstehen, der das Knie plötzlich blockieren oder ein Einklemmgefühl verursachen kann. Manche kleineren Knorpeldefekte verlaufen zunächst auch beschwerdearm und werden erst bei einer Bildgebung aus anderem Anlass entdeckt.
Was steckt dahinter?
Aufbau und Funktion des Gelenkknorpels
Der Gelenkknorpel überzieht die Enden von Oberschenkelknochen, Schienbein und Kniescheibe mit einer glatten, druckelastischen Schicht, die ein nahezu reibungsfreies Gleiten der Gelenkflächen ermöglicht. Da Knorpelgewebe selbst kaum durchblutet ist, ist seine Fähigkeit zur Selbstheilung nach einer Schädigung begrenzt.
Ursachen
Ein akutes Trauma ist eine häufige Ursache, etwa ein direkter Sturz auf das gebeugte Knie oder ein Verdrehtrauma, nicht selten im Rahmen einer Kreuzbandverletzung, bei der die begleitende Krafteinwirkung auch den Gelenkknorpel schädigen kann. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen kann eine Osteochondrosis dissecans zugrunde liegen, bei der sich ein Knorpel-Knochen-Areal aufgrund einer gestörten Durchblutung ablöst. Auch eine chronische Fehl- oder Überbelastung, etwa durch wiederholte Stoßbelastung im Sport, kann zu einem umschriebenen Knorpelschaden führen. Eine begleitende Achsfehlstellung des Beins, ein O-Bein oder X-Bein, kann einzelne Gelenkabschnitte dauerhaft überlasten und die Entstehung oder das Fortschreiten eines Knorpelschadens begünstigen.
Klassifikation des Schweregrads
Zur Einordnung der Tiefe und des Ausmaßes eines Knorpeldefekts werden in der Orthopädie unter anderem die Outerbridge- oder die ICRS-Klassifikation verwendet. Sie unterscheiden vereinfacht zwischen einer oberflächlichen Aufrauung des Knorpels und einem tiefreichenden Defekt bis auf den darunterliegenden Knochen. Diese Einteilung hilft, die Ausgangslage einzuschätzen und die Behandlung darauf abzustimmen.

Das Wichtigste in Kürze
UntersuchungWie finden wir die Ursache?
Anamnese und körperliche Untersuchung
Am Anfang steht das Gespräch über den Beschwerdebeginn, ein mögliches Unfallereignis, die Belastungsabhängigkeit der Schmerzen sowie über Schwellungen oder Blockierungsgefühle. Bei der körperlichen Untersuchung werden Beweglichkeit, Druckschmerz, Erguss sowie die Stabilität von Kreuz- und Seitenbändern geprüft, da ein Knorpelschaden häufig mit einer Begleitverletzung einhergeht.
Bildgebung
Die MRT ist das zentrale Verfahren zur Beurteilung eines Knorpelschadens. Sie zeigt Größe, Tiefe und genaue Lokalisation des Defekts sowie mögliche Begleitveränderungen am darunterliegenden Knochen oder an Menisken und Bändern, Informationen, die für die Therapieplanung entscheidend sind. Ein Röntgenbild des Kniegelenks, im Stehen unter Belastung aufgenommen, dient ergänzend dem Ausschluss einer relevanten Achsfehlstellung oder einer bereits bestehenden Gonarthrose.
Ohne OperationKonservative Behandlung
Die meisten Beschwerden am Knie lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.
Klassische Schmerztherapie und Physiotherapie
Zur konservativen Therapie nutzen wir die orale Schmerzmedikation und Physiotherapie als Basis zur Verbesserung Ihrer Beschwerden.
Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie
Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung, unter therapeutischer Anleitung strukturiert aufgebaut.
Belastungsanpassung
Eine vorübergehende Reduktion stark stoß- und drehbelastender Aktivitäten kann das betroffene Gelenkareal entlasten und Beschwerden lindern.
Gewichtsmanagement
Eine Reduktion von Übergewicht kann die Belastung des betroffenen Gelenkabschnitts spürbar verringern.
Hyaluronsäure-Injektionen
Können ergänzend zur Beschwerdelinderung eingesetzt werden. Die Datenlage zur Wirksamkeit bei umschriebenen Knorpeldefekten ist uneinheitlich.
Mehr über die Hyaluronsäure-Therapie erfahren →Regenerative Therapie
Ergänzend zu konservativen und interventionellen Maßnahmen können regenerative Eigenblutverfahren eingesetzt werden. Bei MedArtes setzen wir bewusst auch auf innovative Verfahren der regenerativen Medizin, um Ihnen über etablierte Therapien hinaus zusätzliche, zukunftsorientierte Behandlungsoptionen anzubieten.
Wenn nötigOperative Behandlung
Operationsverfahren
Mikrofrakturierung / Knochenmarkstimulation
Bei kleineren Defekten werden über feine Bohrungen oder Perforationen im Defektgrund Knochenmarkzellen freigesetzt, aus denen sich ein Ersatzknorpelgewebe bildet. Arthroskopisch durchführbar, mit begrenzter Haltbarkeit des entstehenden Ersatzgewebes.
Knorpelzelltransplantation / Minced-Cartilage-Verfahren
Bei größeren Defekten kommen Verfahren zum Einsatz, die körpereigenes Knorpelgewebe oder gezüchtete Knorpelzellen in den Defekt einbringen, um einen belastungsfähigeren Gelenkknorpel wiederherzustellen.
Umstellungsosteotomie bei begleitender Achsfehlstellung
Besteht zusätzlich zum Knorpelschaden eine relevante Beinachsfehlstellung, kann eine Umstellungsosteotomie den betroffenen Gelenkabschnitt entlasten und so die Erfolgsaussichten einer Knorpeltherapie unterstützen.
Refixation bei Osteochondrosis dissecans
Ist ein Knorpel-Knochen-Fragment bei Osteochondrosis dissecans noch ausreichend vital, kann es in geeigneten Fällen wieder befestigt werden, statt es zu entfernen.
Ihre Spezialisten für das Knie
Dr. med. Sven Hartmann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
PD Dr. med. Dipl.-Ing. Florian Völlner
Prof. Dr. med. Dr. med. univ. Günther Maderbacher, MHBA
Prof. Dr. med. Franz Xaver Köck
Prof. Dr. med. habil. Jürgen Götz, MHBA
Häufig gestellte Fragen
Kann sich Gelenkknorpel von selbst wieder regenerieren?
Nur sehr begrenzt. Knorpelgewebe ist kaum durchblutet und heilt daher, anders als Knochen, nicht von selbst vollständig aus. Kleine Defekte können sich jedoch mit einem funktionell belastbaren Ersatzgewebe stabilisieren.
Führt jeder Knorpelschaden zwangsläufig zu einer Arthrose?
Nicht zwangsläufig, aber ein größerer oder unbehandelter Defekt erhöht das Risiko, dass sich mit der Zeit ein flächigerer Verschleiß im betroffenen Gelenkabschnitt entwickelt.
Darf ich mit einem Knorpelschaden im Knie noch Sport treiben?
In vielen Fällen ja, sofern die Belastung angepasst wird. Sportarten mit starker Stoß- oder Drehbelastung sollten individuell mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Wie unterscheidet sich ein Knorpelschaden von einem Meniskusriss?
Der Meniskus ist eine faserknorpelige Scheibe zwischen den Gelenkflächen, der Gelenkknorpel überzieht die Knochenenden selbst. Beide Strukturen können gemeinsam verletzt sein und ähnliche Beschwerden verursachen, weshalb eine MRT zur Unterscheidung sinnvoll ist.
Wie lange dauert die Heilung nach einer knorpelaufbauenden Operation?
Das neu gebildete Ersatzgewebe reift über mehrere Monate zunehmend belastungsfähig aus. Die Nachbehandlung mit stufenweiser Belastungssteigerung nimmt entsprechend Zeit in Anspruch. Details finden Sie auf den jeweiligen Verfahrensseiten.
Ist ein Knorpelschaden dasselbe wie eine Arthrose?
Nein. Ein Knorpelschaden ist ein örtlich begrenzter Defekt, eine Gonarthrose ein flächiger, in der Regel altersbedingter Verschleiß des gesamten Gelenkknorpels.