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Knie · Knorpeltherapie · Operation

Minced Cartilage am Knie

Einzeitige arthroskopische Knorpelzelltransplantation mit körpereigenem, zerkleinertem Knorpelgewebe

Beim Minced-Cartilage-Verfahren wird während einer einzigen Operation arthroskopisch gesundes, körpereigenes Knorpelgewebe aus einem gering belasteten Bereich des Kniegelenks entnommen, mechanisch in kleine Chips zerkleinert und zusammen mit körpereigenem thrombozytenreichem Plasma (PRP) in einen umschriebenen Knorpeldefekt eingebracht. Dort sollen die Chips als Matrix dienen, aus der sich neues, belastungsfähigeres Ersatzknorpelgewebe bildet. Anders als bei der klassischen, zweizeitigen Knorpelzelltransplantation entfällt die externe Zellzüchtung mit einer zweiten Operation, Entnahme und Einbringen erfolgen in einem Schritt. Die Erkrankung selbst sowie die konservativen Behandlungsmöglichkeiten bei einem Knorpelschaden finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

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Kurzüberblick

Die Operation auf einen Blick

Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf kann abweichen.

Operationsdauer

Orientierungswert: meist 45–90 Minuten, abhängig von Größe und Lage des Defekts.

Narkose

In der Regel Vollnarkose.

Zugang

Arthroskopisch über mehrere kleine Zugänge (Schlüssellochtechnik), ohne größeren Hautschnitt.

Krankenhausaufenthalt

Je nach Ausmaß des Eingriffs und individuellem Verlauf ambulant oder mit kurzem stationären Aufenthalt möglich.

Belastung / Gehstützen

Entlastungsphase mit Teilbelastung an Gehstützen von etwa 6 Wochen, um das neu eingebrachte Gewebe zu schützen.

Rehabilitation

Strukturierte Physiotherapie mit stufenweisem Belastungsaufbau nach der Entlastungsphase.

Sportfähigkeit

Volle sportliche Belastbarkeit meist erst nach etwa 6 Monaten.

Ausreifung des Gewebes

Die vollständige Ausreifung und der Umbau des neu gebildeten Knorpelgewebes können 12 Monate und länger dauern.

Der Eingriff

Wie läuft die Operation ab?

Vorbereitung und Narkose

Sie werden auf dem Rücken gelagert. Der Eingriff erfolgt in der Regel in Vollnarkose.

Zugang

Über zwei bis drei kleine Hautschnitte von wenigen Millimetern (arthroskopische Portale) werden eine Kamera und die notwendigen Instrumente in das Kniegelenk eingeführt. Ein größerer offener Zugang ist für dieses Verfahren nicht notwendig.

Der eigentliche Eingriff

Zunächst wird der Knorpeldefekt arthroskopisch dargestellt und vorbereitet: instabile Knorpelanteile werden entfernt und die Defektränder angefrischt. Anschließend wird aus einem gering belasteten Bereich des Kniegelenks ein kleines Stück gesunden, intakten Knorpelgewebes entnommen. Dieses Gewebe wird noch während derselben Operation mechanisch in kleine Chips zerkleinert, daher der Name „Minced Cartilage" (zerhackter Knorpel). Die Knorpelchips werden mit körpereigenem thrombozytenreichem Plasma (PRP) und gegebenenfalls Thrombin vermischt, die zuvor aus einer Blutprobe des Patienten gewonnen wurden. Diese Chip-PRP-Mischung wird dann arthroskopisch in den vorbereiteten Defekt eingebracht, wo sie als Matrix für die Neubildung von Ersatzknorpelgewebe dienen soll. Je nach Defektlage kann die Mischung zusätzlich mit einem Fibrinkleber oder einer Membran gesichert werden.

Abschluss

Nach Kontrolle der korrekten Lage der eingebrachten Knorpelchip-Mischung wird das Gelenk gespült und die kleinen Portale werden vernäht. Eine Wunddrainage ist in der Regel nicht notwendig; es wird ein steriler Verband angelegt.

Verfahrensvergleich

Minced Cartilage oder klassische Knorpelzelltransplantation?

Welches Verfahren eignet sich für welche Situation?

Der praktische Vorteil von Minced Cartilage liegt darin, dass nur ein einziger Eingriff nötig ist, die klassische Knorpelzelltransplantation erfordert dagegen eine Entnahme-Operation, eine mehrwöchige Wartezeit für die Zellzüchtung und anschließend eine zweite Operation. Minced Cartilage ist ein neueres, vielversprechendes Verfahren, dessen Langzeitergebnisse aber noch nicht abschließend durch Studien belegt sind. Die klassische, zweizeitige Transplantation gilt gerade bei größeren Defekten weiterhin als das besser abgesicherte Standardverfahren. Welches Verfahren für Sie infrage kommt, hängt von Defektgröße und -lage, Ihrem Alter und Aktivitätsniveau sowie dem Gesamtbefund ab und wird individuell ärztlich mit Ihnen besprochen.

Direkt danach

Was passiert unmittelbar nach der Operation?

In der Regel dürfen Sie noch am Operationstag oder am folgenden Tag mit Gehstützen und Teilbelastung erstmals aufstehen.

Schmerzen und ein Gelenkerguss sind in den ersten Tagen normal und werden medikamentös behandelt. Da das eingebrachte Knorpelgewebe zunächst geschützt werden muss, wird das operierte Bein an Gehstützen nur teilbelastet. Häufig wird bereits kurz nach der Operation mit vorsichtigen, passiven Bewegungsübungen begonnen, teils unterstützt durch eine motorisierte Bewegungsschiene –, um die Beweglichkeit zu erhalten, ohne das Transplantat zu belasten. Physiotherapie zum kontrollierten Bewegungsaufbau beginnt in den ersten Tagen nach der Operation.

Der Krankenhausaufenthalt richtet sich nach dem Ausmaß des Eingriffs und Ihrem individuellen Verlauf. Duschen ist meist nach wenigen Tagen möglich, sobald die kleinen Wunden trocken und reizlos sind. Eine Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung erfolgt üblicherweise nach etwa 10–14 Tagen.

Zeitlicher Verlauf

Wie geht es zu Hause weiter?

  • Erste Tage bis Wochen

    Konsequente Entlastung

    Das operierte Bein wird an Gehstützen teilbelastet, um das frisch eingebrachte Knorpelgewebe zu schützen. Vorsichtige Bewegungsübungen ohne Belastung sind meist von Beginn an erlaubt und werden physiotherapeutisch angeleitet.

  • Bis etwa 6 Wochen

    Entlastungsphase

    Die Teilbelastung wird über die gesamte Entlastungsphase von etwa 6 Wochen beibehalten. Dies ist einer der zentralen Bausteine der Nachbehandlung, da eine zu frühe Vollbelastung das Ergebnis der Knorpeltherapie gefährden kann.

  • Nach etwa 6 Wochen

    Stufenweiser Belastungsaufbau

    Nach Abschluss der Entlastungsphase wird die Belastung schrittweise gesteigert, begleitet durch Physiotherapie zum Aufbau von Beweglichkeit, Muskulatur und Koordination.

  • Nach etwa 3 Monaten

    Zunehmende Alltagsbelastbarkeit

    Alltägliche Aktivitäten sind für viele Patienten in diesem Zeitraum bei fortschreitendem Belastungsaufbau gut möglich; körperlich fordernde Belastungen bleiben zunächst eingeschränkt.

  • Nach etwa 6 Monaten

    Volle sportliche Belastbarkeit

    Bei entsprechendem Heilungsfortschritt ist meist erst zu diesem Zeitpunkt die volle sportliche Belastbarkeit erreicht.

  • Langfristig, 12 Monate und länger

    Vollständige Ausreifung des Gewebes

    Der Umbau und die vollständige Ausreifung des neu gebildeten Knorpelgewebes können 12 Monate und länger in Anspruch nehmen, auch wenn der Patient sich im Alltag bereits deutlich früher belastbar fühlt.

Alltag & Sport

Wann kann ich wieder …?

Alle Angaben sind Orientierungswerte und hängen vom individuellen Heilungsverlauf ab.

Auto fahren

ca. 6 Wochen

In der Regel erst nach Abschluss der Entlastungsphase, wenn Sie das Bein wieder sicher und schmerzfrei belasten können.

Büroarbeit

ca. 1–2 Wochen

Bei überwiegend sitzender Tätigkeit oft schon früh mit Gehstützen möglich.

Körperlich arbeiten

mehrere Monate

Erst nach abgeschlossener Entlastungsphase und ausreichendem Belastungsaufbau, individuell abhängig von der Tätigkeit.

Radfahren

ca. 6–8 Wochen

Zunächst ohne Widerstand, nach Freigabe durch den Belastungsaufbau.

Schwimmen

ca. 8–12 Wochen

Nach vollständiger Wundheilung, zunächst gelenkschonend ohne kraftvollen Beinschlag.

Joggen

ca. 6 Monate

Erst nach deutlich fortgeschrittener Knorpelausreifung und ärztlicher Freigabe, da Lauf- und Stoßbelastung das neue Gewebe stärker beansprucht.

Fitnessstudio

stufenweise ab ca. 8–12 Wochen

Zunächst gelenkschonendes Training, kniebelastende Übungen erst nach entsprechendem Aufbau.

Kontakt- und Ballsport

ca. 6 Monate

Sportarten mit Stoß-, Dreh- oder Verletzungsrisiko für das Knie frühestens nach ca. 6 Monaten und nur nach ärztlicher Freigabe.

Reisen

individuell

Kurze Reisen sind meist nach der akuten Heilungsphase möglich; besprechen Sie längere Reisen oder Flüge mit Ihrem Operateur.

Erwartungen

Welche Ergebnisse kann ich erwarten?

Die bislang verfügbaren, überwiegend kurz- bis mittelfristigen Studienergebnisse zeigen bei vielen Patienten eine Besserung von Schmerzen und Gelenkfunktion, eine sichere, langfristige Erfolgsgarantie kann daraus aber noch nicht abgeleitet werden.

Da belastbare Langzeitdaten und histologische Untersuchungen zur tatsächlichen Qualität des neu gebildeten Knorpelgewebes noch weitgehend fehlen, lässt sich derzeit nicht abschließend sagen, wie sich das Ergebnis über viele Jahre entwickelt. Eine Besserung von Belastungsschmerz und Gelenkfunktion ist bei den bisher berichteten Verläufen meist im Laufe der ersten Monate zu erwarten, während die vollständige Ausreifung des Gewebes deutlich länger dauert und sich Beschwerden entsprechend erst allmählich zurückbilden.

Das Ergebnis wird unter anderem von der Größe und Lage des Defekts, dem Alter, der Beinachse, begleitenden Gelenkschäden und der konsequenten Einhaltung der Entlastungs- und Aufbauphase beeinflusst. Wie bei jedem knorpelaufbauenden Verfahren ist eine vollständige Wiederherstellung des ursprünglichen Knorpels nicht garantiert.

Offen informiert

Welche Risiken bestehen?

Allgemeine Operationsrisiken

Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion, Narkoserisiken sowie ein Thromboserisiko.

Spezifische Risiken dieser Operation

Ein mögliches, aber nicht garantiertes Ergebnis ist eine unvollständige Knorpelregeneration oder ein Transplantatversagen, bei dem sich aus den eingebrachten Knorpelchips kein ausreichend belastbares Ersatzgewebe bildet. Da die Langzeitdaten zu diesem Verfahren noch begrenzt sind, lässt sich das Risiko hierfür derzeit nicht in verlässlichen Zahlen angeben. An der Entnahmestelle des gesunden Knorpelgewebes kann es vorübergehend zu Beschwerden kommen. Auch eine Gelenksteife durch die notwendige Entlastungsphase sowie ein anhaltender Gelenkerguss sind möglich.

Langfristige Risiken

Da belastbare Langzeitdaten zu diesem vergleichsweise neuen Verfahren noch fehlen, ist derzeit nicht abschließend bekannt, wie sich das neu gebildete Gewebe über viele Jahre verhält. Bei unzureichender Regeneration oder fortschreitendem Knorpelverschleiß kann eine erneute Behandlung, in manchen Fällen auch eine andere Operationsmethode, erforderlich werden.

Warnzeichen

Worauf sollten Sie nach der Operation achten?

Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden

  • Fieber
  • Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
  • Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
  • Deutlich zunehmender Gelenkerguss
  • Ausbleibende Besserung oder plötzliche Verschlechterung der Beweglichkeit
  • Schwellung, Schmerz oder Überwärmung der Wade (mögliches Zeichen einer Thrombose)

In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.

Bei MedArtes

Minced Cartilage bei MedArtes

Ob das Minced-Cartilage-Verfahren für Sie geeignet ist, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, der klinischen Untersuchung, der Bildgebung und, falls erforderlich, einer diagnostischen Arthroskopie. Wir besprechen mit Ihnen offen, wie die aktuelle Studienlage einzuordnen ist, ob Minced Cartilage oder die klassische, zweizeitige Knorpelzelltransplantation für Ihren Befund die geeignetere Option ist und was Sie konkret vor, während und nach der Operation erwartet.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zum Minced-Cartilage-Verfahren

Was unterscheidet Minced Cartilage von der klassischen Knorpelzelltransplantation (ACT/MACT)?

Bei Minced Cartilage entfällt die externe Zellzüchtung: Entnahme, Zerkleinerung und Einbringen des Knorpelgewebes erfolgen in einer einzigen Operation. Bei der klassischen ACT/MACT werden zunächst Knorpelzellen entnommen, über mehrere Wochen im Labor gezüchtet und dann in einer zweiten Operation implantiert.

Wie gut ist das Verfahren wissenschaftlich untersucht?

Es liegen bislang vor allem kurz- bis mittelfristige Studienergebnisse vor, unter anderem Zweijahresdaten, die überwiegend gute klinische Ergebnisse zeigen. Belastbare Langzeitdaten und histologische Untersuchungen zur tatsächlichen Qualität des neu gebildeten Knorpelgewebes fehlen aber noch weitgehend. Die klassische, zweizeitige Knorpelzelltransplantation ist deutlich länger und umfangreicher untersucht.

Wie lange muss ich Gehstützen benutzen?

In der Regel während der gesamten Entlastungsphase von etwa 6 Wochen, um das neu eingebrachte Gewebe zu schützen.

Wann darf ich das Knie wieder voll belasten?

Die Vollbelastung wird nach der etwa sechswöchigen Entlastungsphase schrittweise aufgebaut. Volle sportliche Belastbarkeit ist meist erst nach etwa 6 Monaten erreicht.

Für welche Defektgröße eignet sich Minced Cartilage?

Das Verfahren ist für umschriebene, meist mittelgroße bis größere Knorpel- bzw. Knorpel-Knochen-Defekte geeignet. Ob es im Einzelfall infrage kommt, hängt von Größe, Tiefe und Lage des Defekts ab und wird individuell beurteilt.

Kann es sein, dass die Operation nicht anschlägt?

Ja, eine unvollständige Knorpelregeneration oder ein Transplantatversagen sind mögliche, aber nicht garantierte Verläufe. Da Langzeitdaten noch begrenzt vorliegen, kann hierfür keine verlässliche Häufigkeit angegeben werden.

Brauche ich eine Reha-Maßnahme?

Eine strukturierte ambulante Physiotherapie mit stufenweisem Belastungsaufbau ist ein wichtiger Bestandteil der Nachbehandlung. Ob zusätzlich eine stationäre Rehabilitationsmaßnahme sinnvoll ist, besprechen wir individuell mit Ihnen.

Wie lange bin ich krankgeschrieben?

Das hängt stark von Ihrer beruflichen Tätigkeit ab: Bei überwiegend sitzender Tätigkeit sind oft schon nach ein bis zwei Wochen wieder Arbeitstage möglich, bei körperlich fordernder Arbeit kann es aufgrund der Entlastungsphase mehrere Monate dauern.

Kann ich nach Minced Cartilage wieder Sport treiben?

Gelenkschonende Sportarten sind meist nach einigen Wochen wieder möglich, Sportarten mit Stoß- oder Verletzungsrisiko für das Knie in der Regel frühestens nach etwa 6 Monaten und nur nach ärztlicher Freigabe.

Operation besprechen

Wenn Ihnen eine Minced Cartilage am Knie empfohlen wurde und Sie den Ablauf und Ihre individuelle Eignung besprechen möchten, vereinbaren Sie gerne einen Termin.