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Krankheitsbild · Knie

Patellainstabilität (Patellaluxation)

Bei einer Patellainstabilität springt die Kniescheibe aus ihrer Gleitrinne am Oberschenkelknochen, einmalig nach einem Unfall oder Sportereignis, oder wiederkehrend bei einer anatomischen Veranlagung. Nach einer ersten Luxation ohne größere Begleitverletzung reicht häufig eine konsequente konservative Behandlung aus. Bei wiederholten Ausrenkungen kann eine gezielte operative Stabilisierung sinnvoll sein. Wir erklären, wie eine Patellaluxation entsteht, wie sie diagnostiziert wird und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

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Beschwerdebild & Hintergrund

Typische Symptome

Bei einer akuten Patellaluxation kommt es meist zu einem plötzlichen, starken Schmerz, oft begleitet vom Gefühl, dass die Kniescheibe "herausgesprungen" ist, sowie zu einer sichtbaren Fehlstellung des Knies.

Patellainstabilität (Patellaluxation) (Symbolbild)

Die Kniescheibe springt in den meisten Fällen zur Außenseite des Knies hin aus ihrer Gleitrinne. Häufig reponiert sie sich dabei bereits von selbst wieder, etwa beim Strecken des Beins, sodass bei ärztlicher Vorstellung oft "nur" ein deutlicher Erguss, eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung und ein Druckschmerz entlang der Innenseite der Kniescheibe auffallen.

Bei einer chronisch-rezidivierenden Instabilität stehen dagegen weniger der akute Unfallschmerz als vielmehr ein wiederkehrendes Instabilitätsgefühl im Vordergrund: Betroffene berichten, dass die Kniescheibe bei bestimmten Bewegungen, etwa beim Abbiegen, Treppabsteigen oder unvermittelten Richtungswechseln, "wegknickt" oder kurzzeitig aus der Führung gerät, teils ohne dass es zu einer vollständigen Ausrenkung kommt (subluxierende Episode).

Was steckt dahinter?

Erstluxation versus rezidivierende Instabilität

Man unterscheidet grundsätzlich zwei Situationen: Die erstmalige traumatische Patellaluxation tritt meist bei jüngeren, sportlich aktiven Menschen im Rahmen eines Sturzes oder einer plötzlichen Drehbewegung des Knies auf, häufig beim Sport. Davon abzugrenzen ist die chronisch-rezidivierende Instabilität, bei der die Kniescheibe wiederholt, teils bei vergleichsweise geringer Belastung, aus ihrer Führung gerät. Ihr liegt meist eine anatomische Veranlagung zugrunde, die die Führung der Kniescheibe von vornherein erschwert.

Das mediale patellofemorale Ligament (MPFL)

Das mediale patellofemorale Ligament verläuft von der Innenseite der Kniescheibe zum Oberschenkelknochen und ist der wichtigste Weichteilstabilisator gegen ein Herausspringen der Kniescheibe nach außen. Bei einer erstmaligen traumatischen Luxation reißt dieses Band in den meisten Fällen ganz oder teilweise, wodurch die Führung der Kniescheibe dauerhaft beeinträchtigt sein kann, wenn es nicht ausreichend verheilt.

Anatomische Risikofaktoren

Mehrere anlagebedingte Faktoren können eine Instabilität begünstigen und erklären, warum manche Patienten nach der Erstluxation wiederholt betroffen sind:

  • Trochleadysplasie: eine flach oder unregelmäßig angelegte Gleitrinne am Oberschenkelknochen, die der Kniescheibe weniger knöchernen Halt gibt.
  • Erhöhter TT-TG-Abstand: eine vergrößerte Distanz zwischen dem Ansatzpunkt der Kniescheibensehne (Tuberositas tibiae) und dem tiefsten Punkt der Gleitrinne (Trochlea-Grube), die den Zug der Kniescheibe nach außen verstärkt.
  • Patella alta: eine im Vergleich hoch stehende Kniescheibe, die erst spät im Bewegungsablauf sicher in die Gleitrinne eintritt.
  • Bandlaxität: eine allgemein erhöhte Bandbeweglichkeit, die die Führung der Kniescheibe zusätzlich lockert.
  • Achsfehlstellung des Beins: insbesondere ein X-Bein (Genu valgum) verändert die Zugrichtung der Kniescheibensehne ungünstig. Mehr dazu auf unserer Seite zu Achsfehlstellungen des Knies.
  • Muskuläres Ungleichgewicht: eine relative Schwäche des Vastus medialis obliquus (VMO) im Vergleich zu den seitlichen Anteilen des Quadrizeps kann die Führung der Kniescheibe zusätzlich beeinträchtigen.
Patellainstabilität (Patellaluxation) (Symbolbild)
Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

Was ist es?
Die Kniescheibe springt teilweise oder vollständig aus ihrer Gleitrinne am Oberschenkelknochen heraus, meist zur Außenseite hin.
Typische Beschwerden
Instabilitätsgefühl, ein "Wegknicken" der Kniescheibe, Schmerz und Erguss; bei akuter Luxation eine sichtbare Fehlstellung.
Diagnostik
Klinische Instabilitätstests, Röntgen und MRT zur Beurteilung von Bandapparat, Knorpel und knöcherner Anatomie.
Behandlung
Nach Erstluxation ohne relevante Begleitverletzung oft konservativ mit gezielter Physiotherapie ausreichend.
Operation notwendig?
Vor allem bei wiederholten Luxationen oder relevanten Begleitverletzungen wird eine MPFL-Plastik erwogen.
Prognose
Nach einer Erstluxation kommt es bei einem Teil der Patienten zu erneuten Luxationen, insbesondere bei anatomischer Veranlagung.
Untersuchung

Wie finden wir die Ursache?

Anamnese, körperliche Untersuchung und gezielte Bildgebung. Mehr erfahren

Anamnese und klinische Untersuchung

Wichtig ist zunächst die genaue Schilderung des Ereignisses: Handelte es sich um eine erstmalige Luxation nach einem Unfall, oder bestehen bereits wiederholte Episoden? Bei der körperlichen Untersuchung wird unter anderem der sogenannte Apprehension-Test durchgeführt: Beim vorsichtigen Verschieben der Kniescheibe nach außen zeigen Betroffene mit Instabilität häufig eine reflexhafte Anspannung oder Abwehrreaktion aus Angst vor einer erneuten Luxation.

Bildgebung

Ein Röntgenbild gibt erste Hinweise auf die knöcherne Anatomie und mögliche knöcherne Absprengungen nach einer akuten Luxation. Die MRT ist das zentrale bildgebende Verfahren: Sie zeigt den Zustand des MPFL und weiterer Weichteilstrukturen, beurteilt den Gelenkknorpel auf mögliche Begleitschäden und erlaubt die Vermessung von TT-TG-Abstand und Trochleaform, die für die weitere Therapieplanung wichtig sind.

Ohne Operation

Konservative Behandlung

Konservative, interventionelle und regenerative Verfahren im Überblick. Mehr erfahren

Die meisten Beschwerden am Knie lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.

Klassische Schmerztherapie und Physiotherapie

Zur konservativen Therapie nutzen wir die orale Schmerzmedikation und Physiotherapie als Basis zur Verbesserung Ihrer Beschwerden.

Sinnvolle Behandlungsoption

Medikamentöse Schmerztherapie

Kurzfristig eingesetzt, um akute Beschwerden zu lindern und Bewegung wieder zu ermöglichen.

Gut etablierte Therapie

Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie

Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung, unter therapeutischer Anleitung strukturiert aufgebaut.

Gut etablierte Therapie

Belastungssteuerung und Abschwellung

Nach der akuten Phase mit Erguss und Schmerz erfolgt ein schrittweiser Belastungsaufbau, begleitet von abschwellenden Maßnahmen und angepasster Bewegung.

Sinnvolle Behandlungsoption

Patella-Bandage oder Taping

Eine Kniescheibenbandage oder ein Taping kann ergänzend eingesetzt werden, um die Führung der Kniescheibe während der Heilungsphase zu unterstützen und das subjektive Sicherheitsgefühl zu verbessern.

Wenn nötig

Operative Behandlung

Operative Verfahren, falls konservative Maßnahmen nicht ausreichen. Mehr erfahren

Operationsverfahren

Gut etablierte Therapie

MPFL-Plastik

Rekonstruktion des medialen patellofemoralen Ligaments mit einer körpereigenen Sehne. Das zentrale Verfahren bei rezidivierender Patellainstabilität, um die Kniescheibe wieder zuverlässig in ihrer Führung zu halten.

Sinnvolle Behandlungsoption

Zusätzliche knöcherne Korrektur

Liegt der Instabilität eine relevante Achsfehlstellung oder ein deutlich erhöhter TT-TG-Abstand zugrunde, kann ergänzend zur MPFL-Plastik eine knöcherne Umstellung sinnvoll sein.

Warnzeichen

Wann rasch zum Arzt?

Bei diesen Anzeichen sollten Sie zeitnah einen Arzt aufsuchen

Eine akut ausgerenkte, nicht spontan zurückgesprungene Kniescheibe ist ein akuter Behandlungsanlass:

  • Sichtbar verrenkte oder deutlich verformte Kniescheibe, die sich nicht von selbst zurückstellt
  • Starke Schmerzen, die eine Belastung des Beins unmöglich machen
  • Ausgeprägter, rasch zunehmender Gelenkerguss nach einem Luxationsereignis
  • Gefühlsstörungen oder auffällige Durchblutung des Unterschenkels nach der Verletzung

Eine noch ausgerenkte Kniescheibe sollte zeitnah, im Zweifel in einer Notaufnahme, ärztlich reponiert und anschließend weiter abgeklärt werden.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen

Kann sich eine ausgerenkte Kniescheibe von selbst wieder einrenken?

Ja, das kommt häufig vor, etwa beim Strecken des Beins direkt nach dem Ereignis. Auch wenn sich die Kniescheibe von selbst zurückstellt, sollte das Knie zeitnah ärztlich untersucht werden, um Begleitverletzungen auszuschließen.

Muss nach jeder Patellaluxation operiert werden?

Nein. Nach einer erstmaligen Luxation ohne relevante Begleitverletzung ist eine konsequente konservative Behandlung häufig ausreichend. Eine Operation wird vor allem bei wiederholten Luxationen oder relevanten Begleitschäden erwogen.

Wie hoch ist das Risiko einer erneuten Luxation?

Das hängt stark von der individuellen Anatomie ab. Bei ausgeprägten Risikofaktoren wie Trochleadysplasie, erhöhtem TT-TG-Abstand oder Patella alta ist das Risiko für erneute Ereignisse deutlich höher als ohne solche Faktoren.

Darf ich nach einer Patellaluxation wieder Sport treiben?

Nach ausreichender Stabilisierung und muskulärem Aufbau ist eine Rückkehr zum Sport bei vielen Patienten möglich. Der Zeitpunkt und die Belastungssteigerung sollten individuell mit Physiotherapie und Arzt abgestimmt werden.

Ist eine Patellainstabilität dasselbe wie ein Kreuzbandriss?

Nein. Bei einer Patellainstabilität ist die Führung der Kniescheibe selbst betroffen, meist über eine Verletzung des medialen patellofemoralen Ligaments. Ein Kreuzbandriss betrifft dagegen die zentralen Stabilisatoren im Kniegelenk und verursacht ein anderes Instabilitätsmuster.

Welche Rolle spielt die Beinachse bei Patellainstabilität?

Eine X-Bein-Stellung kann die Zugrichtung der Kniescheibensehne ungünstig verändern und das Risiko für ein Herausspringen der Kniescheibe erhöhen. Bei relevanter Achsfehlstellung kann diese im Rahmen der operativen Therapie mitkorrigiert werden.

Kann eine unbehandelte Instabilität die Kniescheibe dauerhaft schädigen?

Wiederholte Luxationen können den Gelenkknorpel hinter der Kniescheibe belasten und das Risiko für eine spätere patellofemorale Arthrose erhöhen. Das ist ein wichtiges Argument, eine rezidivierende Instabilität gezielt abzuklären.