MPFL-Plastik
Rekonstruktion des medialen patellofemoralen Ligaments zur Stabilisierung der Kniescheibe
Die MPFL-Plastik ersetzt das mediale patellofemorale Ligament (MPFL), das wichtigste Weichteilband, das die Kniescheibe auf der Innenseite in ihrer Gleitrinne führt und ein Herausspringen nach außen verhindert. Nach einer Patellaluxation ist dieses Band meist gerissen oder ausgeleiert und kann seine Führungsfunktion nicht mehr zuverlässig übernehmen. Bei der MPFL-Plastik wird eine körpereigene Sehne an anatomisch korrekter Stelle zwischen Kniescheibe und Oberschenkelknochen eingesetzt, um erneute Luxationen zu verhindern. Diese Seite erklärt Ihnen, wie der Eingriff konkret abläuft und was in den Wochen danach auf Sie zukommt. Die Erkrankung selbst, die Ursachen und die konservativen Behandlungsmöglichkeiten finden Sie auf unserer Seite zur Patellainstabilität.
Termin vereinbarenDie Operation auf einen Blick
Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf kann abweichen.
Operationsdauer
Meist 60–90 Minuten, bei Kombinationseingriffen mit knöcherner Korrektur entsprechend länger.
Narkose
Meist Vollnarkose oder Spinalanästhesie.
Krankenhausaufenthalt
Meist 1–3 Übernachtungen.
Mobilisation
In der Regel noch am selben oder am folgenden Tag mit Gehstützen.
Belastung
Initial häufig Teilbelastung an Gehstützen, schrittweiser Aufbau nach Vorgabe des Operateurs.
Orthese / Schiene
Häufig eine Bewegungsschiene oder Orthese mit zunächst limitiertem Bewegungsausmaß zum Schutz der Rekonstruktion.
Rehabilitation
Physiotherapie ist zentraler Bestandteil der Nachbehandlung, insbesondere Quadrizepsaufbau und Beweglichkeit.
Arbeitsunfähigkeit
Je nach Tätigkeit ca. 2–4 Wochen (Büro) bis mehrere Wochen länger bei körperlich fordernder Arbeit.
Sport
Rückkehr zu Pivot- und Kontaktsportarten meist erst nach 6–9 Monaten, individuell unterschiedlich.
Wie läuft die Operation ab?
Vorbereitung und Narkose
Sie werden auf dem Rücken gelagert. Der Eingriff erfolgt meist in Vollnarkose oder in Spinalanästhesie.
Zugang
Zunächst wird über einen kleinen Zugang an der Innenseite des Oberschenkels die körpereigene Sehne entnommen, aus der die neue Führungsstruktur geformt wird, meist ein Anteil der Gracilis- oder Semitendinosussehne, zweier Sehnen der Innenseite des Oberschenkels, deren Entnahme die Kniefunktion nicht relevant beeinträchtigt. Der eigentliche Ersatz erfolgt anschließend arthroskopisch-assistiert oder über einen weiteren kleinen Zugang am Knie.
Der eigentliche Eingriff
Die entnommene Sehne wird an den anatomisch korrekten Ansatzpunkten an der Innenseite der Kniescheibe und am Oberschenkelknochen befestigt, sodass sie die Zugrichtung und Funktion des ursprünglichen MPFL nachbildet. Zur Fixierung kommen je nach Situation Fadenanker oder kleine Knochentunnel zum Einsatz. Über eine Bewegungsprüfung während der Operation wird kontrolliert, dass die Kniescheibe über den gesamten Bewegungsumfang zentriert in ihrer Gleitrinne läuft und die neue Sehne weder zu locker noch zu stramm eingestellt ist. Liegt zusätzlich eine relevante Achsfehlstellung oder ein deutlich erhöhter TT-TG-Abstand vor, kann eine knöcherne Korrektur notwendig sein, etwa ein Versatz der Tuberositas tibiae oder eine Umstellungsosteotomie. Diese kann im selben Eingriff oder, je nach Befund und OP-Planung, in einem gesonderten Eingriff erfolgen. Mehr dazu auf unseren Seiten zur Umstellungsosteotomie am Knie und zu Achsfehlstellungen des Knies.
Abschluss
Nach Kontrolle der korrekten Sehnenführung und -spannung wird die Wunde schichtweise verschlossen. Eine Wunddrainage ist meist nicht notwendig. Häufig wird das Knie unmittelbar postoperativ in einer Bewegungsschiene oder Orthese ruhiggestellt, um die frisch fixierte Sehne zu schützen.
MPFL-Plastik allein oder in Kombination?
Alleinige MPFL-Plastik
Reicht bei den meisten Patienten aus, wenn keine oder nur eine geringe knöcherne Fehlstellung vorliegt und die Instabilität überwiegend auf der Insuffizienz des Weichteilbandes beruht.
MPFL-Plastik mit knöcherner Korrektur
Bei relevanter Achsfehlstellung des Beins oder deutlich erhöhtem TT-TG-Abstand kann zusätzlich ein Versatz der Tuberositas tibiae oder eine Umstellungsosteotomie erforderlich sein, um die Zugrichtung der Kniescheibensehne dauerhaft zu normalisieren und das Rezidivrisiko weiter zu senken. Mehr zur Umstellungsosteotomie →
Was passiert unmittelbar nach der Operation?
In der Regel dürfen Sie noch am Operationstag oder am folgenden Tag mit Gehstützen erstmals aufstehen.
Schmerzen im Bereich des Kniegelenks und an der Sehnenentnahmestelle am Oberschenkel sind in den ersten Tagen normal und werden mit Schmerzmitteln gut kontrolliert. Häufig wird eine Bewegungsschiene oder Orthese mit zunächst limitiertem Bewegungsausmaß verordnet, um die frisch fixierte Sehne vor zu früher Belastung zu schützen. Das Bein darf initial meist nur teilbelastet werden, der genaue Belastungsaufbau wird individuell von Ihrem Operateur festgelegt. Physiotherapie beginnt in der Regel bereits während des stationären Aufenthalts, zunächst mit vorsichtiger Mobilisation und Abschwellungsmaßnahmen.
Eine Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung erfolgt üblicherweise nach etwa 10–14 Tagen.
Wie geht es zu Hause weiter?
- Erste Wochen
Schonung mit Orthese und Teilbelastung
Die Orthese begrenzt das Bewegungsausmaß, um die Rekonstruktion vor zu starker Belastung zu schützen. Das Bein wird meist nur teilbelastet an Gehstützen entlastet.
- Nach 4–6 Wochen
Zunehmende Beweglichkeit und Belastung
Die Bewegungsschiene wird schrittweise weiter freigegeben, die Vollbelastung wird meist in diesem Zeitraum erreicht. Physiotherapie konzentriert sich zunehmend auf den Aufbau der Oberschenkelmuskulatur, insbesondere des Quadrizeps.
- Nach etwa 3 Monaten
Alltagsaktivitäten weitgehend frei
Die meisten Alltagsaktivitäten sind zu diesem Zeitpunkt wieder möglich. Muskelaufbau, Koordination und Propriozeption stehen weiter im Fokus der Physiotherapie.
- Nach 6–9 Monaten
Rückkehr zu Pivot- und Kontaktsportarten
Sportarten mit abrupten Dreh- und Stoppbewegungen oder Körperkontakt sind meist erst nach diesem Zeitraum wieder möglich, abhängig vom muskulären Wiederaufbau, der Stabilität des Knies und der individuellen ärztlichen Freigabe.
Wann kann ich wieder …?
Alle Angaben sind Orientierungswerte und hängen vom individuellen Heilungsverlauf ab.
Auto fahren
Sobald ausreichend Kraft und Beweglichkeit für eine sichere Bremsreaktion vorhanden sind.
Büroarbeit
Mit der Möglichkeit, das Bein zwischendurch hochzulagern und zu entlasten.
Körperlich arbeiten
Abhängig vom Ausmaß der Knie- und Beinbelastung im Beruf sowie vom Fortschritt des Belastungsaufbaus.
Radfahren
Zunächst auf ebenem Untergrund, sobald die Beweglichkeit ausreicht.
Schwimmen
Nach vollständiger Wundheilung, zunächst ohne kräftigen Beinschlag.
Joggen
Nach ausreichendem Muskelaufbau und individueller Freigabe, zunächst geradlinig ohne Richtungswechsel.
Pivot-/Kontaktsport
Sportarten mit abrupten Drehbewegungen oder Körperkontakt (z. B. Fußball, Handball, Skifahren) erst nach diesem Zeitraum und nach ärztlicher Freigabe.
Welche Ergebnisse kann ich erwarten?
Bei den meisten Patienten reduziert die MPFL-Plastik das Risiko erneuter Patellaluxationen deutlich.
Das Gefühl von Sicherheit und Stabilität im Kniegelenk bessert sich bei vielen Patienten bereits im Lauf der Reha spürbar, insbesondere sobald der Quadrizeps wieder ausreichend Kraft entwickelt hat. Ein vollständiges Vertrauen in schnelle Dreh- und Sprungbewegungen kehrt in der Regel erst nach mehreren Monaten konsequenten Trainings zurück, da nicht nur die Sehne einheilen, sondern auch die umgebende Muskulatur und Koordination wieder aufgebaut werden müssen.
In Einzelfällen kann trotz erfolgreicher Operation ein gewisses Restinstabilitätsgefühl oder gelegentliches Unwohlsein bei sehr abrupten Drehbewegungen bestehen bleiben. Das Ergebnis wird zudem von Faktoren wie den zugrunde liegenden anatomischen Risikofaktoren, einer eventuell notwendigen knöchernen Korrektur, dem konsequenten Muskelaufbau in der Reha und der individuellen Sportbelastung beeinflusst. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, die individuelle Prognose besprechen wir mit Ihnen anhand Ihres Befunds.
Welche Risiken bestehen?
Allgemeine Operationsrisiken
Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion, Narkoserisiken sowie ein Thromboserisiko.
Spezifische Risiken dieser Operation
Trotz korrekt durchgeführter Rekonstruktion kann es in seltenen Fällen erneut zu einer Instabilität oder Luxation der Kniescheibe kommen, insbesondere wenn zusätzliche unbehandelte anatomische Risikofaktoren bestehen. Wird die neue Sehne zu stramm eingestellt, kann dies zu einer Bewegungseinschränkung des Kniegelenks führen. An der Entnahmestelle der Sehne am Oberschenkel können vorübergehende Schmerzen oder ein Taubheitsgefühl auftreten. Auch eine Reizung im Bereich der Fixierungspunkte an Kniescheibe oder Oberschenkelknochen ist möglich.
Langfristige Risiken
Bei begleitenden, nicht vollständig korrigierten anatomischen Risikofaktoren kann das Risiko für eine erneute Luxation langfristig erhöht bleiben. Dies wird bei der Operationsplanung berücksichtigt und gegebenenfalls mit einer zusätzlichen knöchernen Korrektur adressiert.
Worauf sollten Sie nach der Operation achten?
Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden
- Fieber
- Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
- Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
- Erneutes Wegknicken oder Instabilitätsgefühl der Kniescheibe
- Deutlich zunehmende Bewegungseinschränkung des Knies
- Schwellung, Schmerz oder Überwärmung der Wade (mögliches Zeichen einer Thrombose)
- Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Kraftverlust im Bein
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.
MPFL-Plastik bei MedArtes
Ob eine alleinige MPFL-Plastik ausreicht oder eine begleitende knöcherne Korrektur sinnvoll ist, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, der klinischen Untersuchung und Ihrer Bildgebung, insbesondere der Beurteilung von Trochlea, TT-TG-Abstand und Beinachse. Wir besprechen mit Ihnen gemeinsam die für Sie geeignete Operationsplanung und was Sie konkret vor, während und nach dem Eingriff erwartet.
Ihre Spezialisten für das Knie
Dr. med. Sven Hartmann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
PD Dr. med. Dipl.-Ing. Florian Völlner
Prof. Dr. med. Dr. med. univ. Günther Maderbacher, MHBA
Prof. Dr. med. Franz Xaver Köck
Prof. Dr. med. habil. Jürgen Götz, MHBA
Häufig gestellte Fragen zur MPFL-Plastik
Was bedeutet MPFL-Plastik?
MPFL steht für „mediales patellofemorales Ligament", das wichtigste Weichteilband, das die Kniescheibe auf der Innenseite in ihrer Gleitrinne führt. Bei der MPFL-Plastik wird dieses Band operativ durch eine körpereigene Sehne ersetzt.
Welche Sehne wird für den Ersatz verwendet?
Meist ein Anteil der Gracilis- oder Semitendinosussehne, zweier Sehnen an der Innenseite des Oberschenkels. Ihre Entnahme beeinträchtigt die Kniefunktion in aller Regel nicht relevant.
Muss ich mit einer zusätzlichen knöchernen Operation rechnen?
Nur wenn eine relevante Achsfehlstellung oder ein deutlich erhöhter TT-TG-Abstand vorliegt. Ob dies bei Ihnen der Fall ist, wird im Rahmen der Diagnostik geklärt und mit Ihnen besprochen.
Wie lange muss ich die Orthese tragen?
Die genaue Dauer und das freigegebene Bewegungsausmaß legt Ihr Operateur individuell fest, meist über mehrere Wochen mit schrittweise zunehmender Beweglichkeit.
Wie groß ist die Narbe?
Es entstehen mehrere kleine Narben: an der Sehnenentnahmestelle am Oberschenkel sowie am Kniegelenk selbst. Sie sind in der Regel unauffällig.
Brauche ich eine Reha?
Physiotherapie ist ein zentraler Bestandteil der Nachbehandlung. Ob eine stationäre Anschlussheilbehandlung oder eine ambulante Reha sinnvoller ist, besprechen wir individuell mit Ihnen.
Kann ich nach der MPFL-Plastik wieder Sport treiben?
Ja, bei den meisten Patienten ist eine Rückkehr zum Sport möglich. Sportarten mit abrupten Dreh- und Stoppbewegungen oder Körperkontakt sollten Sie jedoch erst nach ausreichendem muskulärem Aufbau und ärztlicher Freigabe wieder aufnehmen, meist nach 6–9 Monaten.
Wie lange bin ich krankgeschrieben?
Das hängt stark von Ihrer beruflichen Tätigkeit ab: Bei überwiegend sitzender Tätigkeit sind oft schon nach wenigen Wochen wieder Arbeitstage möglich, bei körperlich fordernder Arbeit kann es deutlich länger dauern.
Kann die Kniescheibe trotz MPFL-Plastik erneut luxieren?
Das Risiko wird durch die Operation deutlich reduziert, eine hundertprozentige Sicherheit gibt es jedoch nicht. Bestehen zusätzliche, nicht behandelte anatomische Risikofaktoren, kann das Restrisiko höher bleiben.
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