Zum Inhalt springen
Krankheitsbild · Knie

Pes-anserinus-Syndrom (Bursitis anserina)

Beim Pes-anserinus-Syndrom ist der gemeinsame Sehnenansatz von drei Oberschenkelmuskeln an der Innenseite des Schienbeinkopfes schmerzhaft gereizt, häufig zusammen mit dem dort liegenden Schleimbeutel (Bursa anserina). Typisch ist ein gut lokalisierbarer Druckschmerz an der Innenseite des Knies, einige Zentimeter unterhalb des Gelenkspalts, der sich beim Treppensteigen, beim Aufstehen aus dem Sitzen oder nachts in Seitenlage verstärken kann. Begünstigt wird die Reizung unter anderem durch Übergewicht, eine X-Bein-Fehlstellung oder repetitive Belastung beim Laufen. Das Pes-anserinus-Syndrom lässt sich in aller Regel gut konservativ behandeln, eine Operation ist praktisch nie erforderlich.

Termin vereinbaren
Beschwerdebild & Hintergrund

Typische Symptome

Typisch ist ein gut lokalisierbarer Druckschmerz an der Innenseite des Knies, etwa 5 bis 7 cm unterhalb des Gelenkspalts, an der Stelle, an der die drei Sehnen gemeinsam am Schienbein ansetzen.

Pes-anserinus-Syndrom (Bursitis anserina) (Symbolbild)

Die Beschwerden verstärken sich charakteristischerweise beim Treppensteigen (insbesondere beim Treppabgehen), beim Aufstehen aus dem Sitzen sowie bei längerem Gehen oder Laufen. Viele Patienten berichten zudem über nächtliche Beschwerden, wenn im Liegen auf der Seite die Innenseite des betroffenen oder des gegenüberliegenden Knies gegen das andere Bein drückt. Gelegentlich lässt sich eine leichte, umschriebene Schwellung über der druckschmerzhaften Stelle tasten. Ein Blockierungs- oder Einklemmgefühl des Kniegelenks, wie es bei einer Meniskusläsion vorkommen kann, ist für das Pes-anserinus-Syndrom untypisch.

Was steckt dahinter?

Anatomie: der „Gänsefuß" an der Innenseite des Knies

Als Pes anserinus (lateinisch für „Gänsefuß") wird der gemeinsame Sehnenansatz von drei Oberschenkelmuskeln an der Innenseite des proximalen Schienbeins bezeichnet: dem Musculus sartorius (Schneidermuskel), dem Musculus gracilis und dem Musculus semitendinosus, einem der ischiokruralen Muskeln (Kniebeuger) auf der Rückseite des Oberschenkels. Zwischen diesem Sehnenansatz und dem darunterliegenden Knochen beziehungsweise dem Innenband liegt ein kleiner Schleimbeutel, die Bursa anserina, der die Reibung zwischen den Sehnen und dem Knochen normalerweise reduziert.

Wie entsteht die Reizung?

Dem Pes-anserinus-Syndrom liegt meist eine chronische Überlastung durch wiederholte Reibung und Zugbelastung an diesem Sehnenansatz zugrunde, mit Reizung der Sehnenplatte und häufig begleitender Reizung der Bursa anserina (Bursitis anserina). Es handelt sich damit in der Regel nicht um eine akute Verletzung, sondern um einen schleichenden Überlastungsprozess.

Risikofaktoren

  • Übergewicht: erhöht die mechanische Belastung auf den Sehnenansatz bei alltäglichen Bewegungen.
  • X-Bein-Fehlstellung (Genu valgum): Bei einer Achsfehlstellung mit X-Bein stehen die medialen Kniebeuger unter erhöhter Zugspannung, was den Sehnenansatz zusätzlich belasten kann.
  • Laufsport und repetitive Belastung: Läufer und andere Sportler mit häufigen, gleichförmigen Beuge- und Streckbewegungen des Knies sind besonders betroffen.
  • Diabetes mellitus: gilt als begünstigender Faktor für Sehnen- und Schleimbeutelbeschwerden, auch am Pes anserinus.
  • Begleitende mediale Gonarthrose: Ein bestehender Verschleiß des innenseitigen Kniegelenks kann die Biomechanik verändern und ein Pes-anserinus-Syndrom sekundär begünstigen.
Pes-anserinus-Syndrom (Bursitis anserina) (Symbolbild)
Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

Was ist es?
Eine schmerzhafte Reizung von Sehnenansatz und Schleimbeutel (Bursa anserina) an der Innenseite des Schienbeinkopfes, unterhalb des Kniegelenkspalts.
Typische Beschwerden
Druckschmerz an der Innenseite des Knies, etwa 5–7 cm unterhalb des Gelenkspalts, verstärkt bei Treppensteigen, Aufstehen und nachts in Seitenlage.
Häufige Risikofaktoren
Übergewicht, X-Bein-Fehlstellung, repetitive Belastung bei Läufern und Sportlern sowie Diabetes mellitus.
Diagnostik
Vor allem klinisch anhand des punktuellen Druckschmerzes, ergänzt durch Ultraschall; MRT nur bei unklaren Fällen.
Behandlung
Ganz überwiegend konservativ: Belastungsanpassung, Dehnung und entzündungshemmende Maßnahmen, ergänzend ggf. eine Infiltration.
Operation notwendig?
So gut wie nie. Das Pes-anserinus-Syndrom lässt sich praktisch immer konservativ ausbehandeln.
Untersuchung

Wie finden wir die Ursache?

Anamnese, körperliche Untersuchung und gezielte Bildgebung. Mehr erfahren

Die Diagnose wird vor allem klinisch gestellt, der punktuelle Druckschmerz an der Innenseite des Schienbeinkopfes, unterhalb des Gelenkspalts, ist meist wegweisend.

Anamnese und klinische Untersuchung

Im Gespräch werden Lokalisation, zeitlicher Verlauf und belastungsabhängige Verstärkung der Beschwerden erfasst, ebenso mögliche Risikofaktoren wie Übergewicht, Lauftraining oder eine bekannte Achsfehlstellung. Bei der körperlichen Untersuchung wird die druckschmerzhafte Stelle unterhalb des medialen Gelenkspalts gezielt abgetastet und von einem Schmerz direkt am Gelenkspalt selbst abgegrenzt, um eine Meniskusläsion auszuschließen oder mitzuerfassen.

Ultraschall

Eine Ultraschalluntersuchung eignet sich gut, um die Diagnose zu bestätigen und eine Flüssigkeitsansammlung im Bereich der Bursa anserina (Bursitis) darzustellen. Sie liefert damit eine rasche, strahlungsfreie Zusatzinformation zur klinischen Untersuchung.

MRT nur bei unklaren Fällen

Eine MRT ist nicht routinemäßig erforderlich. Sie wird ergänzend eingesetzt, wenn die Beschwerden untypisch verlaufen, sich trotz konsequenter Therapie nicht bessern, oder wenn andere Ursachen wie eine Meniskusläsion, eine Innenbandverletzung oder eine beginnende Gonarthrose sicher ausgeschlossen oder mitbeurteilt werden sollen.

Ohne Operation

Konservative Behandlung

Konservative, interventionelle und regenerative Verfahren im Überblick. Mehr erfahren

Die meisten Beschwerden am Knie lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.

Klassische Schmerztherapie und Physiotherapie

Zur konservativen Therapie nutzen wir die orale Schmerzmedikation und Physiotherapie als Basis zur Verbesserung Ihrer Beschwerden.

Gut etablierte Therapie

Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie

Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung, unter therapeutischer Anleitung strukturiert aufgebaut.

Gut etablierte Therapie

Belastungsanpassung

Vorübergehende Reduzierung stark reibungs- und zugbelastender Aktivitäten wie häufigem Treppensteigen oder langen Läufen, mit schrittweisem Wiederaufbau nach Beschwerdebesserung.

Gut etablierte Therapie

Entzündungshemmende Maßnahmen

Kühlen der betroffenen Stelle sowie kurzfristig eingesetzte entzündungshemmende Schmerzmittel können akute Beschwerden lindern.

Sinnvolle Behandlungsoption

Gewichtsmanagement

Bei bestehendem Übergewicht kann eine Gewichtsreduktion die mechanische Belastung auf den Sehnenansatz dauerhaft senken.

Ergänzende Therapie

Lokale Infiltration

Bei hartnäckigen, konservativ nicht ausreichend gebesserten Beschwerden kann eine gezielte Infiltration im Bereich der Bursa anserina als ergänzende Option erwogen werden.

Mehr über die interventionelle Schmerztherapie erfahren →
Sinnvolle Behandlungsoption

Korrektur begünstigender Faktoren

Bei relevanter X-Bein-Fehlstellung oder begleitender medialer Gonarthrose kann die Mitbehandlung dieser Faktoren zur dauerhaften Beschwerdefreiheit beitragen.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen

Muss das Pes-anserinus-Syndrom operiert werden?

Nein. Das Pes-anserinus-Syndrom lässt sich praktisch immer konservativ behandeln. Eine Operation ist bei diesem Krankheitsbild als relevante Therapieoption nicht vorgesehen.

Woran erkenne ich den Unterschied zu einem Meniskusriss?

Beim Pes-anserinus-Syndrom liegt der Druckschmerz einige Zentimeter unterhalb des inneren Gelenkspalts, bei einer Meniskusläsion dagegen direkt am Gelenkspalt selbst. Ein Blockierungs- oder Einklemmgefühl spricht eher für einen Meniskusriss. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Seite zur Meniskusläsion.

Kann ich trotz Pes-anserinus-Syndrom weiter Sport treiben oder laufen?

Oft ja, allerdings meist mit vorübergehend reduziertem Umfang bei stark belastenden Aktivitäten wie langen Läufen oder häufigem Treppensteigen. Der genaue Umfang sollte individuell mit einer Physiotherapeutin oder einem Facharzt abgestimmt werden.

Welche Schlafposition ist bei Beschwerden günstig?

Viele Patienten empfinden ein Kissen zwischen den Knien in Seitenlage als angenehm, da es den direkten Druck auf die schmerzhafte Innenseite des Knies verringert.

Wie lange dauert es, bis die Beschwerden besser werden?

Bei konsequenter Belastungsanpassung und Dehnung bessern sich die Beschwerden bei den meisten Patienten innerhalb weniger Wochen. Bestehen begünstigende Faktoren wie Übergewicht oder eine X-Bein-Fehlstellung fort, kann die Heilung länger dauern.

Hilft eine Kortisonspritze beim Pes-anserinus-Syndrom?

Eine lokale Infiltration kann bei hartnäckigen, konservativ nicht ausreichend gebesserten Beschwerden als ergänzende Option erwogen werden. Sie ersetzt jedoch nicht die Belastungsanpassung und Dehnung als Basis der Behandlung.

Hängt das Pes-anserinus-Syndrom mit Übergewicht zusammen?

Übergewicht gilt als einer der begünstigenden Faktoren, da es die mechanische Belastung auf den Sehnenansatz erhöht. Eine Gewichtsreduktion kann daher Teil der Behandlung sein, ersetzt aber nicht die übrigen konservativen Maßnahmen.

Kann das Pes-anserinus-Syndrom gemeinsam mit einer Kniearthrose auftreten?

Ja. Ein Pes-anserinus-Syndrom kann sich zusätzlich zu einer bestehenden medialen Gonarthrose entwickeln, da eine veränderte Gelenkbiomechanik den Sehnenansatz zusätzlich belasten kann. Beide Beschwerdebilder werden dann gemeinsam berücksichtigt.