Schulterendoprothese
Künstlicher Ersatz des verschlissenen Schultergelenks bei fortgeschrittener Omarthrose
Bei der Schulterendoprothese wird das durch Omarthrose verschlissene Glenohumeralgelenk, das eigentliche Kugelgelenk zwischen Oberarmkopf und Schulterpfanne, durch ein künstliches Gelenk ersetzt. Je nach Zustand Ihrer Rotatorenmanschette kommt eine anatomische oder eine inverse Prothese zum Einsatz. Diese Seite erklärt Ihnen, wie der Eingriff abläuft und was in den Wochen und Monaten danach auf Sie zukommt. Die Erkrankung selbst, die Diagnostik und die konservativen Behandlungsmöglichkeiten finden Sie auf unserer Omarthrose-Seite.
Termin vereinbarenDie Operation auf einen Blick
Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf hängt vom gewählten Prothesentyp und Ihrer Ausgangssituation ab.
Operationsdauer
Meist etwa 1,5, 2,5 Stunden, abhängig vom Prothesentyp und der individuellen Anatomie.
Narkose
In der Regel Allgemeinnarkose, häufig ergänzt durch eine regionale Nervenblockade des Arms zur Schmerzkontrolle.
Krankenhausaufenthalt
Üblicherweise mehrere Tage stationär, abhängig vom Heilungsverlauf.
Mobilisation
Erste schonende Bewegungsübungen meist ab dem ersten oder zweiten Tag, oft unterstützt durch eine Bewegungsschiene.
Armschlinge
In der Regel für einige Wochen, die genaue Dauer richtet sich nach Prothesentyp und Weichteilsituation.
Rehabilitation
Strukturierte Physiotherapie, häufig ergänzt durch eine Anschlussheilbehandlung.
Arbeitsunfähigkeit
Je nach Tätigkeit mehrere Wochen bis wenige Monate, bei körperlich fordernder Arbeit entsprechend länger.
Autofahren
Meist erst wieder möglich, wenn Beweglichkeit und Kraft für eine sichere Fahrzeugkontrolle ausreichen, individuell unterschiedlich.
Volle Belastbarkeit
Schrittweiser Aufbau über mehrere Monate, das endgültige Ergebnis stellt sich meist nach 6–12 Monaten ein.
Wann wird diese Operation durchgeführt?
Eine Schulterendoprothese kommt infrage, wenn bei fortgeschrittener Omarthrose trotz ausgeschöpfter konservativer und interventioneller Therapie weiterhin erhebliche Schmerzen, insbesondere Ruhe- und Nachtschmerzen, oder eine deutliche Bewegungseinschränkung im Alltag bestehen bleiben. Auch bei bestimmten komplexen Brüchen des Oberarmkopfes oder in ausgewählten Revisionssituationen kann eine Endoprothese sinnvoll sein.
Details zur Erkrankung, zur Diagnostik und zu den vorausgehenden konservativen Maßnahmen finden Sie auf unserer Omarthrose-Seite. Die Entscheidung für eine Operation und für das geeignete Prothesenmodell treffen wir stets gemeinsam mit Ihnen anhand Ihres Röntgen- und MRT-Befunds.
Wie läuft die Operation ab?
Vorbereitung und Narkose
Die Operation erfolgt in der Regel in Allgemeinnarkose, häufig ergänzt durch eine regionale Nervenblockade des Arms (Plexusblockade), die auch in den ersten Stunden nach der Operation für eine gute Schmerzkontrolle sorgt. Sie werden meist in einer leicht aufgerichteten, halbsitzenden Lagerung positioniert, die einen guten Zugang zum Schultergelenk ermöglicht.
Zugang
Über einen Hautschnitt an der Vorderseite der Schulter wird das Gelenk zwischen Muskeln und Sehnen hindurch dargestellt, ohne dabei relevante Muskulatur zu durchtrennen. Die genaue Zugangsplanung richtet sich nach dem gewählten Prothesentyp und Ihrer individuellen Anatomie.
Der eigentliche Eingriff
Der verschlissene Oberarmkopf wird entfernt und durch eine passgenaue Prothesenkomponente ersetzt; je nach Befund wird zusätzlich die Schulterpfanne mit einer Implantatkomponente versorgt. Ob dabei Kugel und Pfanne in ihrer natürlichen Anordnung (anatomische Prothese) oder vertauscht angeordnet werden (inverse Prothese), hängt vom Zustand Ihrer Rotatorenmanschette und Ihrem individuellen Befund ab, die Unterschiede erklären wir im nächsten Abschnitt. Die Implantatgröße wird anhand Ihrer individuellen Anatomie ausgewählt und intraoperativ auf Beweglichkeit und Stabilität geprüft.
Abschluss
Nach Prüfung der Beweglichkeit und Stabilität des Kunstgelenks wird die Wunde schichtweise verschlossen und ein Verband angelegt. Der Arm wird anschließend in einer Armschlinge oder einem Abduktionskissen ruhiggestellt.
Anatomische oder inverse Schulterendoprothese, wo liegt der Unterschied?
Welches Prothesenmodell für Sie geeignet ist, hängt vor allem vom Zustand Ihrer Rotatorenmanschette und Ihrem individuellen Befund ab.
| Merkmal | Anatomische Schulterprothese | Inverse Schulterprothese |
|---|---|---|
| Funktionsprinzip | Ersetzt Oberarmkopf und/oder Schulterpfanne in der natürlichen Anordnung, Kugel am Oberarm, Pfanne am Schulterblatt. | Kehrt das Prinzip um, die Kugel wird am Schulterblatt, die Pfanne am Oberarmknochen befestigt. |
| Voraussetzung | Eine intakte oder gut rekonstruierbare Rotatorenmanschette, da diese Sehnen das Gelenk führen und den Oberarmkopf zentrieren. | Funktioniert auch bei geschädigter oder nicht rekonstruierbarer Rotatorenmanschette, benötigt aber einen funktionsfähigen Deltamuskel. |
| Geeignet bei | Fortgeschrittener Omarthrose mit erhaltener Rotatorenmanschettenfunktion. | Omarthrose mit zusätzlich geschädigter oder nicht rekonstruierbarer Rotatorenmanschette (Defektarthropathie) sowie bestimmten komplexen Frakturen des Oberarmkopfes. |
| Mögliche Vorteile | Bildet die natürliche Biomechanik der Schulter nach und ermöglicht bei ausreichender Sehnenfunktion ein gutes Bewegungsausmaß. | Nutzt die Kraft des Deltamuskels stärker zur Armhebung und kann so auch bei geschädigter Rotatorenmanschette eine gute Funktion ermöglichen. |
| Grenzen / Besonderheiten | Ohne funktionsfähige Rotatorenmanschette ist die Führung und Kraftübertragung des Gelenks eingeschränkt. | Veränderte Gelenkmechanik; in Einzelfällen kann es zu einem knöchernen Anschlagen der Prothese am Schulterblatt kommen (sogenanntes Notching). |
Beide Prothesentypen sind etablierte Verfahren der Schulterendoprothetik. Welches Modell für Sie geeignet ist, legen wir anhand Ihres Röntgen- und MRT-Befunds sowie der klinischen Prüfung Ihrer Rotatorenmanschettenfunktion gemeinsam mit Ihnen fest.
Was passiert unmittelbar nach der Operation?
In den ersten Tagen steht die Schmerzkontrolle und die schonende Mobilisation des Arms im Vordergrund.
Der Wundschmerz wird durch Schmerzmittel und die zu Beginn wirkende Nervenblockade gut kontrolliert. Der Arm bleibt zunächst in der Armschlinge oder im Abduktionskissen ruhiggestellt, während bereits erste vorsichtige, meist passive oder durch eine Bewegungsschiene unterstützte Bewegungsübungen begonnen werden. Der stationäre Aufenthalt umfasst in der Regel mehrere Tage, in denen Physiotherapeuten die Beweglichkeit schrittweise anleiten und Sie im Umgang mit Alltagstätigkeiten unter Schonung des operierten Arms anleiten.
Eine Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung erfolgt üblicherweise nach etwa 12–14 Tagen. Röntgenkontrollen begleiten den weiteren Heilungsverlauf.
Wie geht es zu Hause weiter?
- Erste Tage bis 2 Wochen
Schonung, Schmerzkontrolle und passive Bewegungsübungen
Der Arm wird überwiegend in der Schlinge getragen. Passive oder durch eine Bewegungsschiene unterstützte Bewegungsübungen erhalten die Beweglichkeit, ohne die heilenden Weichteile zu belasten.
- Nach etwa 2–6 Wochen
Zunehmend assistierte, teils aktive Bewegung
Nach Wundkontrolle wird die Physiotherapie intensiviert. Bei der inversen Prothese ist eine aktive Beübung meist bereits früher möglich, da die Funktion weniger von der Rotatorenmanschette abhängt. Bei der anatomischen Prothese wird aktives Üben in der Regel erst begonnen, wenn die umgebenden Sehnen ausreichend verheilt sind.
- Nach etwa 6–12 Wochen
Gezielter Kraftaufbau
Die Physiotherapie wird um gezieltes Krafttraining der schulterumgebenden Muskulatur erweitert. Alltagsbewegungen mit dem operierten Arm werden zunehmend selbstverständlicher.
- Nach 3–6 Monaten
Weiterer Kraft- und Funktionsaufbau
Beweglichkeit und Kraft verbessern sich in dieser Phase häufig weiter. Die meisten Alltagstätigkeiten sind wieder gut möglich.
- Langfristig
Endgültiges Ergebnis nach etwa 6–12 Monaten
Bis sich die volle erreichbare Beweglichkeit und Kraft einstellen, können mehrere Monate vergehen. Der Verlauf wird regelmäßig in der Nachsorge überprüft.
Wann kann ich wieder …?
Alle Angaben sind Orientierungswerte und hängen vom gewählten Prothesentyp und individuellen Heilungsverlauf ab.
Auto fahren
Erst wenn Beweglichkeit, Kraft und Schmerzfreiheit eine sichere Fahrzeugkontrolle erlauben.
Büroarbeit
Mit Möglichkeit, den Arm zwischendurch zu entlasten.
Körperlich fordernde Arbeit
Insbesondere bei Tätigkeiten mit Heben oder Überkopfarbeit deutlich länger als bei sitzender Tätigkeit.
Leichte Haushaltstätigkeiten
Schrittweise Steigerung, zunächst ohne schweres Heben oder Tragen.
Überkopfarbeiten
Erst nach ausreichendem Kraftaufbau und in Abstimmung mit der Physiotherapie.
Schwimmen
Nach vollständiger Wundheilung und ausreichender Beweglichkeit, zunächst ohne Kraulzug.
Radfahren
Zunächst auf ebenem Untergrund und mit angepasster Sitzposition.
Golf / Tennis
Nach ausreichendem Kraft- und Beweglichkeitsaufbau, individuell mit Ihrem Arzt abzustimmen.
Reisen / Fliegen
Mit Möglichkeit zur Schonung des Arms; längere Reisen besser erst nach der ersten Nachuntersuchung planen.
Welche Ergebnisse kann ich erwarten?
Bei passender Indikation und Prothesenwahl berichten die meisten Patienten von einer deutlichen Schmerzlinderung und einer spürbar verbesserten Funktion der Schulter.
Der Umfang der wiedergewonnenen Beweglichkeit hängt unter anderem vom Prothesentyp, dem präoperativen Zustand der Rotatorenmanschette und der schulterumgebenden Muskulatur sowie der konsequenten Nachbehandlung ab. Eine inverse Prothese erreicht bei guter Deltamuskelfunktion oft eine zuverlässige Armhebung, während das Rotationsausmaß gegenüber einer anatomischen Prothese eingeschränkter sein kann. Eine völlig normale, uneingeschränkte Schulterfunktion wie vor der Erkrankung wird nicht in jedem Fall erreicht.
Wie bei jedem künstlichen Gelenk besteht eine begrenzte Standzeit der Prothese, die von Belastung, Aktivitätsniveau und individuellen Faktoren abhängt. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, die individuelle Prognose besprechen wir mit Ihnen anhand Ihres Befunds.
Welche Risiken bestehen?
Allgemeine Operationsrisiken
Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion, Thrombose und Narkoserisiken. Auch eine Verletzung umliegender Nerven oder Gefäße ist grundsätzlich, wenn auch selten, möglich.
Spezifische Risiken dieser Operation
Eine Lockerung der Prothesenkomponenten im Knochen kann im Verlauf auftreten und macht unter Umständen eine Wechseloperation notwendig. Eine Infektion des Implantats ist selten, aber ernst zu nehmen und kann eine erneute Operation erfordern. Eine Luxation, also ein Ausrenken des Kunstgelenks, ist möglich, das Risiko ist je nach Prothesentyp und insbesondere in der frühen Heilungsphase unterschiedlich ausgeprägt. Bei der inversen Prothese kann es zudem in Einzelfällen zu einem knöchernen Anschlagen der Prothese am Schulterblatt kommen (Notching).
Langfristige Risiken
Wie jedes künstliche Gelenk hat auch die Schulterendoprothese eine begrenzte Standzeit. Mit zunehmender Nutzungsdauer und Belastung kann eine spätere Wechseloperation notwendig werden. Wie lange eine Prothese im Einzelfall hält, lässt sich seriös nicht pauschal vorhersagen.
Worauf sollten Sie nach der Operation achten?
Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden
- Fieber
- Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
- Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
- Plötzliche, sichtbare Fehlstellung der Schulter oder ein Gefühl des „Herausspringens" des Gelenks (mögliche Luxation)
- Neu auftretende Taubheit, Kribbeln oder Kraftverlust im Arm oder in der Hand
- Schwellung, Schmerz oder Überwärmung der Wade (mögliches Zeichen einer Thrombose)
- Atemnot
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.
Häufig gestellte Fragen zur Schulterendoprothese
Was ist der Unterschied zwischen anatomischer und inverser Schulterendoprothese?
Die anatomische Prothese bildet den natürlichen Gelenkaufbau nach und setzt eine intakte oder rekonstruierbare Rotatorenmanschette voraus. Die inverse Prothese kehrt das Kugel-Pfannen-Prinzip um und nutzt die Kraft des Deltamuskels stärker, sie kommt vor allem bei geschädigter oder nicht rekonstruierbarer Rotatorenmanschette zum Einsatz.
Wie wird entschieden, welche Prothese für mich geeignet ist?
Ausschlaggebend ist vor allem der Zustand Ihrer Rotatorenmanschette, den wir anhand von Röntgen, MRT und der klinischen Untersuchung beurteilen. Auch Knochenqualität, Aktivitätsniveau und individuelle Ziele fließen in die Entscheidung ein.
Wie lange muss ich die Armschlinge tragen?
In der Regel für einige Wochen. Die genaue Dauer hängt vom Prothesentyp und der Weichteilsituation ab und wird individuell festgelegt.
Wie lange dauert der Krankenhausaufenthalt?
Üblicherweise mehrere Tage, damit die Schmerztherapie eingestellt und die ersten Schritte der Mobilisation unter fachlicher Anleitung begonnen werden können.
Ist eine Luxation nach der Operation häufig?
Eine Luxation ist eine mögliche, aber nicht die häufigste Komplikation. Das Risiko ist je nach Prothesentyp und vor allem in der frühen Heilungsphase unterschiedlich ausgeprägt. Ein konsequentes Einhalten der anfänglichen Bewegungs- und Belastungsvorgaben senkt das Risiko.
Wie lange hält eine Schulterendoprothese?
Die Standzeit hängt von individuellen Faktoren wie Belastung, Aktivitätsniveau und Knochenqualität ab. Eine pauschale Zeitangabe ist seriös nicht möglich, Ihr behandelnder Arzt kann diese Frage anhand Ihrer individuellen Situation einordnen.
Kann ich nach der Operation wieder Sport treiben?
Viele Alltags- und leichtere Sportaktivitäten sind nach ausreichendem Kraft- und Beweglichkeitsaufbau wieder möglich. Welche Belastung im Einzelfall sinnvoll ist, richtet sich nach dem Prothesentyp und Ihrem individuellen Heilungsverlauf.
Ist nach der Operation eine Anschlussheilbehandlung notwendig?
Häufig wird eine Anschlussheilbehandlung empfohlen, um die Physiotherapie strukturiert fortzuführen. Ob dies in Ihrem Fall sinnvoll ist, besprechen wir individuell mit Ihnen.
Schulterendoprothese bei MedArtes
Am Anfang steht bei uns immer eine genaue Diagnose. Auf dieser Grundlage besprechen wir gemeinsam mit Ihnen, welche Behandlung in Ihrer individuellen Situation medizinisch sinnvoll ist.
Ob eine Schulterendoprothese für Sie infrage kommt und welches Prothesenmodell geeignet ist, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, der klinischen Untersuchung sowie Ihres Röntgen- und MRT-Befunds. Wir begleiten Sie von der Indikationsstellung über die Operation bis zur strukturierten Nachbehandlung.
Unser Spezialist für die Schulter
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