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Krankheitsbild · Fuß & Sprunggelenk

Achillessehnen-Tendinopathie

Bei einer Achillessehnen-Tendinopathie liegt eine überlastungsbedingte, degenerativ-reaktive Veränderung der Achillessehne vor, keine klassische Entzündung im engeren Sinn. Typisch sind Schmerzen und Steifigkeit im Sehnenverlauf oder am Fersenbeinansatz, die sich zu Beginn einer Belastung besonders bemerkbar machen. Die weit überwiegende Mehrheit der Fälle lässt sich konservativ behandeln, wobei ein gezieltes exzentrisches Krafttraining im Zentrum der Therapie steht. Wir erklären, wie die Erkrankung entsteht, wie sie sich von einem Achillessehnenriss unterscheidet und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

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Beschwerdebild & Hintergrund

Typische Symptome

Charakteristisch ist ein Schmerz im Verlauf oder am Ansatz der Achillessehne, der zu Beginn einer Belastung, etwa beim Loslaufen nach längerem Sitzen oder morgens nach dem Aufstehen, meist am deutlichsten ist und sich mit fortgesetzter Bewegung häufig kurzzeitig bessert (Anlaufschmerz).

Achillessehnen-Tendinopathie (Symbolbild)

Bei der häufigeren Mittelportion-Tendinopathie treten die Beschwerden typischerweise 2 bis 6 Zentimeter oberhalb des Fersenbeinansatzes auf, oft begleitet von einer tastbaren, spindelförmigen Verdickung der Sehne. Bei der insertionalen Tendinopathie liegt der Schmerzpunkt dagegen direkt am Übergang der Sehne zum Fersenbein und wird häufig durch den Druck des Schuhrands zusätzlich verstärkt.

Mit zunehmender Belastung oder nach sportlicher Aktivität nehmen die Beschwerden bei vielen Betroffenen zu, während sie in Ruhephasen nachlassen. Im weiteren Verlauf können die Schmerzen auch während und nach jeder Belastung bestehen bleiben und den Alltag zunehmend einschränken.

Was steckt dahinter?

Überlastung statt reiner Entzündung

Die Achillessehne verbindet die Wadenmuskulatur mit dem Fersenbein und überträgt beim Gehen, Laufen und Springen erhebliche Kräfte. Bei wiederholter Überlastung, die die Regenerationsfähigkeit des Sehnengewebes übersteigt, entstehen degenerativ-reaktive Veränderungen der Sehnenstruktur, kleine Faserschäden, eine veränderte Kollagenstruktur sowie zum Teil eine Einsprossung kleiner Blutgefäße und Nervenfasern (Neovaskularisation). Der früher gebräuchliche Begriff „Achillessehnenentzündung" ist daher nur bedingt zutreffend, da eine klassische Entzündung meist nur in frühen Phasen eine Rolle spielt.

Zwei Formen mit unterschiedlicher Lokalisation

Man unterscheidet zwei Hauptformen, die sich in Lage, Entstehung und Behandlung leicht unterscheiden:

  • Mittelportion-Tendinopathie: Betrifft den Sehnenabschnitt etwa 2 bis 6 Zentimeter oberhalb des Fersenbeinansatzes, eine Zone mit vergleichsweise geringerer Durchblutung. Sie ist die häufigere Form und tritt gehäuft bei Läufern und anderen Ausdauersportlern auf.
  • Insertionale Tendinopathie: Betrifft den unmittelbaren Ansatz der Sehne am Fersenbein und ist häufig mit einer Haglund-Deformität vergesellschaftet, einem knöchernen Vorsprung am oberen Fersenbeinrand, der die Sehne beim Tragen von Schuhen zusätzlich reizen kann.

Zu den Risikofaktoren zählen eine plötzliche Steigerung von Trainingsumfang oder -intensität, ungeeignetes oder abgenutztes Schuhwerk, Fußfehlstellungen, ein höheres Lebensalter, Übergewicht sowie bestimmte Stoffwechselerkrankungen. Auch bestimmte Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone werden mit einem erhöhten Risiko für Sehnenprobleme in Verbindung gebracht.

Achillessehnen-Tendinopathie (Symbolbild)
Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

Was ist es?
Eine überlastungsbedingte, degenerativ-reaktive Veränderung der Achillessehne, entweder im mittleren Sehnenabschnitt oder direkt am Ansatz zum Fersenbein.
Typische Beschwerden
Anlauf- und Belastungsschmerz im Sehnenverlauf oder an der Ferse, morgendliche Steifigkeit und häufig eine tastbare Verdickung der Sehne.
Diagnostik
Klinische Untersuchung mit Tastbefund und Thompson-Test zum Ausschluss eines Sehnenrisses, ergänzt durch eine Ultraschalluntersuchung.
Behandlung
Im Zentrum steht ein gezieltes exzentrisches Krafttraining, ergänzend können Physiotherapie, Schuhanpassung, Stoßwelle, HILT oder PRP sinnvoll sein.
Operation notwendig?
Nur bei chronisch therapieresistenten Verläufen nach umfassend ausgeschöpfter konservativer Therapie über mehrere Monate.
Prognose
Bei konsequentem Belastungstraining bessern sich die Beschwerden bei den meisten Patienten deutlich, auch wenn der Verlauf mehrere Monate dauern kann.
Untersuchung

Wie finden wir die Ursache?

Anamnese, körperliche Untersuchung und gezielte Bildgebung. Mehr erfahren

Anamnese und klinische Untersuchung

Wichtige Hinweise liefern bereits die Schilderung des Beschwerdeverlaufs, sportliche Aktivität, kürzliche Trainingsänderungen und die genaue Lokalisation des Schmerzes. Bei der körperlichen Untersuchung wird die Sehne auf Verdickungen, Druckschmerz und die genaue Schmerzlokalisation abgetastet. Der Thompson-Test, ein Zusammendrücken der Wadenmuskulatur, das normalerweise zu einer Bewegung des Fußes führt, dient dem Ausschluss einer vollständigen Sehnenruptur.

Ultraschall als Basisdiagnostik

Die Ultraschalluntersuchung ist meist das erste bildgebende Verfahren der Wahl. Sie zeigt Sehnenverdickungen, strukturelle Veränderungen und Einsprossungen kleiner Gefäße zuverlässig und ist zudem rasch verfügbar.

MRT bei unklaren oder komplexen Befunden

Eine Magnetresonanztomographie kommt bei unklarem klinischem Befund, ausbleibendem Ansprechen auf die konservative Behandlung oder zur Planung einer möglichen Operation zum Einsatz. Sie stellt das Ausmaß der Sehnenschädigung sowie mögliche Begleitveränderungen wie eine Haglund-Deformität oder eine Schleimbeutelreizung am Fersenbein besonders genau dar.

Ohne Operation

Konservative Behandlung

Konservative, interventionelle und regenerative Verfahren im Überblick. Mehr erfahren

Die meisten Beschwerden an Fuß und Sprunggelenk lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.

Klassische Schmerztherapie und Physiotherapie

Zur konservativen Therapie nutzen wir die orale Schmerzmedikation und Physiotherapie als Basis zur Verbesserung Ihrer Beschwerden.

Gut etablierte Therapie

Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie

Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung, unter therapeutischer Anleitung strukturiert aufgebaut.

Gut etablierte Therapie

Exzentrisches Krafttraining

Ein strukturiertes Trainingsprogramm mit exzentrischen Übungen der Wadenmuskulatur (etwa nach dem Alfredson-Protokoll) gilt als gut etablierte Erstlinientherapie der Mittelportion-Tendinopathie. Bei der insertionalen Form wird das Übungsprogramm meist angepasst, um eine übermäßige Dehnung des Sehnenansatzes in maximaler Fußhebung zu vermeiden.

Sinnvolle Behandlungsoption

Schuhanpassung und Fersenkeil

Ein Fersenkeil oder erhöhtes Absatzpolster kann den Zug auf die Achillessehne reduzieren und insbesondere bei insertionaler Tendinopathie den Druck am Sehnenansatz lindern. Gut gedämpftes, passendes Schuhwerk unterstützt die übrige Behandlung.

Innovative Behandlungsstrategie

Kortison-Infiltration

Eine Kortison-Injektion direkt in oder um die Achillessehne wird zurückhaltend beurteilt, da sie das Sehnengewebe schwächen und das Risiko einer späteren Ruptur erhöhen kann. Sie kommt daher, wenn überhaupt, nur in ausgewählten Einzelfällen infrage.

Mehr über die interventionelle Schmerztherapie erfahren →

Regenerative Therapie

Ergänzend zu konservativen und interventionellen Maßnahmen können regenerative Eigenblutverfahren eingesetzt werden. Bei MedArtes setzen wir bewusst auch auf innovative Verfahren der regenerativen Medizin, um Ihnen über etablierte Therapien hinaus zusätzliche, zukunftsorientierte Behandlungsoptionen anzubieten.

Wenn nötig

Operative Behandlung

Operative Verfahren, falls konservative Maßnahmen nicht ausreichen. Mehr erfahren

Operationsverfahren

Débridement bei Mittelportion-Tendinopathie

Bei einer chronisch therapieresistenten Mittelportion-Tendinopathie kann in Einzelfällen ein operatives Débridement erwogen werden, bei dem degenerativ verändertes Sehnengewebe entfernt wird. Da dieser Eingriff deutlich seltener notwendig ist als bei der insertionalen Form, wird das konkrete Vorgehen bei entsprechender Indikation individuell mit Ihnen besprochen.

Operation bei insertionaler Tendinopathie (ggf. mit Haglund-Deformität)

Bei einer chronisch therapieresistenten insertionalen Tendinopathie, häufig in Kombination mit einer Haglund-Deformität, wird der degenerativ veränderte Sehnenansatz saniert und gegebenenfalls der störende knöcherne Fersenbeinvorsprung abgetragen. Je nach Ausmaß der Sehnenschädigung kann eine Refixierung der Sehne am Fersenbein erforderlich sein.

Warnzeichen

Wann rasch zum Arzt?

Ein plötzlicher, stechender Schmerz kann auf einen Sehnenriss hindeuten

Eine Achillessehnen-Tendinopathie selbst entwickelt sich meist schleichend über Wochen bis Monate und erfordert keine sofortige Behandlung. Ganz anders stellt sich ein akutes Ereignis dar, das zeitnah ärztlich abgeklärt werden sollte:

  • Ein plötzlicher, stechender Schmerz an der Ferse oder Wade, oft begleitet von einem hör- oder spürbaren Knall, typisch für eine akute Achillessehnenruptur
  • Ein Gefühl, als hätte jemand von hinten gegen die Wade oder Ferse getreten, häufig während sportlicher Belastung
  • Deutliche Kraftlosigkeit beim Zehenstand oder Abrollen, verbunden mit einer tastbaren Delle im Sehnenverlauf
  • Zunehmende Rötung, Überwärmung, Schwellung oder Fieber im Bereich der Sehne oder Ferse, mögliche Zeichen einer Entzündung

Bei Verdacht auf einen Achillessehnenriss sollten Sie sich zeitnah untersuchen lassen, da eine rasche Diagnosestellung die weitere Behandlungsplanung erleichtert.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen

Muss eine Achillessehnen-Tendinopathie operiert werden?

Nein, in den allermeisten Fällen nicht. Eine Operation kommt erst infrage, wenn die Beschwerden trotz konsequent durchgeführter konservativer Therapie über mehrere Monate bestehen bleiben.

Was ist der Unterschied zwischen einer Tendinopathie und einem Achillessehnenriss?

Bei der Tendinopathie handelt es sich um eine schleichend entstehende, überlastungsbedingte Veränderung der Sehne, die belastbar bleibt. Ein Achillessehnenriss ist dagegen ein akutes Ereignis mit einem kompletten Strukturverlust der Sehne, meist verbunden mit plötzlichem, stechendem Schmerz.

Wie lange dauert es, bis exzentrisches Training wirkt?

Eine spürbare Besserung stellt sich häufig nach mehreren Wochen ein, eine deutliche Beschwerdebesserung ist meist erst nach zwei bis drei Monaten regelmäßigen Trainings zu erwarten. Vollständige Beschwerdefreiheit kann länger dauern.

Darf ich trotz Achillessehnenbeschwerden weiter laufen oder Sport treiben?

Vollständige Schonung ist meist nicht notwendig. Sinnvoller ist eine angepasste, dosierte Belastung, bei der Aktivitäten reduziert statt komplett vermieden werden. Welches Belastungsniveau im Einzelfall geeignet ist, sollte individuell abgestimmt werden.

Hilft Dehnen der Achillessehne?

Dehnübungen können bei der Mittelportion-Tendinopathie ergänzend sinnvoll sein. Bei der insertionalen Form sollte die Dehnung vorsichtig dosiert werden, da eine maximale Fußhebung den Sehnenansatz zusätzlich reizen kann.

Was hat die Haglund-Deformität mit der Tendinopathie zu tun?

Die Haglund-Deformität ist ein knöcherner Vorsprung am oberen Fersenbeinrand, der die Achillessehne beim Tragen von Schuhen zusätzlich reizen kann und häufig gemeinsam mit einer insertionalen Tendinopathie auftritt.

Sind Kortisonspritzen bei Achillessehnenbeschwerden sinnvoll?

Kortison-Injektionen direkt in oder um die Sehne werden zurückhaltend beurteilt, da sie das Sehnengewebe schwächen und das Risiko eines späteren Sehnenrisses erhöhen können. Sie kommen daher nur in ausgewählten Einzelfällen infrage.

Kann eine Achillessehnen-Tendinopathie von selbst heilen?

Leichte Reizungen können sich mit einer angepassten Belastung mitunter bessern. Bei anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden ist jedoch meist ein gezieltes Behandlungsprogramm notwendig, da sich die zugrunde liegenden strukturellen Veränderungen ohne Therapie oft nicht von selbst zurückbilden.