Haglund-Deformität
Bei der Haglund-Deformität handelt es sich um einen knöchernen, oft anlagebedingt vergrößerten Vorsprung am hinteren oberen Rand des Fersenbeins. Diese Prominenz kann den davorliegenden Schleimbeutel und den Ansatz der Achillessehne reizen, besonders durch drückendes, steifes Schuhwerk. Die Beschwerden lassen sich häufig durch eine Anpassung des Schuhwerks und weitere konservative Maßnahmen lindern; erst bei anhaltenden Beschwerden trotz ausgeschöpfter konservativer Therapie kommt eine Operation infrage. Wir erklären, woran Sie eine Haglund-Deformität erkennen, wie sie mit der Achillessehne zusammenhängt und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
Termin vereinbarenTypische Symptome
Im Vordergrund steht eine druckschmerzhafte, häufig gut sichtbare knöcherne Prominenz am hinteren oberen Rand der Ferse, die vor allem durch geschlossenes oder steifes Schuhwerk verstärkt wird.

Über der Prominenz kann sich die Haut verdicken, röten oder eine Druckstelle bzw. Hornhautschwiele bilden, besonders bei Schuhen mit fester Fersenkappe wie manchen Pumps, Wander- oder Sportschuhen. Häufig entzündet sich zusätzlich der zwischen Knochen und Sehne liegende Schleimbeutel (retrocalcaneale Bursitis), was zu einer sicht- und tastbaren Schwellung beidseits der Achillessehne kurz oberhalb des Fersenbeins führen kann.
Da die knöcherne Prominenz unmittelbar vor dem Ansatz der Achillessehne liegt, reizt sie häufig auch die Sehne selbst. Die Haglund-Deformität tritt deshalb oft gemeinsam mit einer Achillessehnen-Tendinopathie auf, insbesondere in deren insertionaler Form am Sehnenansatz. Viele Betroffene berichten dann zusätzlich über einen Anlaufschmerz sowie Beschwerden bei sportlicher Belastung.
Was steckt dahinter?
Ein anlagebedingter knöcherner Vorsprung
Als Haglund-Deformität wird eine oft anlagebedingt vergrößerte, nach hinten-oben gerichtete knöcherne Prominenz am Fersenbein (Kalkaneus) bezeichnet, meist bedingt durch die individuelle Form und Neigung des Knochens. Dieser Vorsprung liegt unmittelbar vor dem Ansatz der Achillessehne, mit einem dazwischenliegenden Schleimbeutel (Bursa retrocalcanea) als natürlichem Gleitpolster. Reibt oder drückt Schuhwerk gegen diesen Bereich, können sich sowohl der Schleimbeutel als auch der Sehnenansatz entzünden bzw. reizen.
Ursachen und Risikofaktoren
Eine Haglund-Deformität entsteht meist durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren:
- Eine anlagebedingte, teils familiär gehäufte Form des Fersenbeins mit ausgeprägter posterosuperiorer Kontur
- Ein Hohlfuß oder eine Rückfußfehlstellung, die den Vorsprung stärker hervortreten lassen kann
- Eine verkürzte oder straffe Achillessehne bzw. Wadenmuskulatur
- Häufiges Tragen von Schuhen mit fester, unnachgiebiger Fersenkappe, etwa bestimmte Sport-, Wander- oder Businessschuhe
Die knöcherne Formvariante selbst ist nicht gefährlich, Beschwerden entstehen erst durch die mechanische Reizung von Schleimbeutel und Sehnenansatz.

Das Wichtigste in Kürze
UntersuchungWie finden wir die Ursache?
Klinische Untersuchung
Die knöcherne Prominenz lässt sich meist bereits durch Anschauen und Abtasten der Ferse gut erfassen. Geprüft werden zusätzlich die Druckempfindlichkeit über dem Vorsprung, eine mögliche Schwellung des Schleimbeutels beidseits der Achillessehne, der Zustand des Sehnenansatzes sowie die Beweglichkeit im oberen Sprunggelenk und die Spannung der Wadenmuskulatur.
Röntgen im seitlichen Strahlengang
Ein seitliches Röntgenbild des Fußes im Stehen ist die Grundlage der weiteren Beurteilung. Anhand bestimmter Winkelmessungen am Fersenbein, etwa dem sogenannten Fowler-Philip-Winkel, lässt sich das Ausmaß der posterosuperioren Prominenz einordnen und von einer normal geformten Ferse abgrenzen.
Weitere Diagnostik
Bei Verdacht auf eine begleitende Schleimbeutelentzündung oder eine relevante Schädigung des Achillessehnenansatzes kann ergänzend eine Ultraschalluntersuchung oder eine Magnetresonanztomographie sinnvoll sein, insbesondere zur Planung einer möglichen Operation.
Ohne OperationKonservative Behandlung
Die meisten Beschwerden an Fuß und Sprunggelenk lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.
Klassische Schmerztherapie und Physiotherapie
Zur konservativen Therapie nutzen wir die orale Schmerzmedikation und Physiotherapie als Basis zur Verbesserung Ihrer Beschwerden.
Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie
Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung, unter therapeutischer Anleitung strukturiert aufgebaut.
Weiches, offenes Schuhwerk
Schuhe ohne feste Fersenkappe oder mit weicher, niedriger Ferse reduzieren den direkten Druck auf die Prominenz und gelten als zentraler Baustein der symptomatischen Behandlung.
Fersenpolster und Absatzerhöhung
Ein Fersenpolster im Schuh entlastet die Druckstelle, eine leichte Absatzerhöhung verändert zusätzlich den Winkel zwischen Ferse und Schuhrand und kann die Reibung an der Prominenz verringern.
Dehnübungen der Wadenmuskulatur
Ein dosiertes Dehnprogramm für Wadenmuskulatur und Achillessehne kann die Spannung am Sehnenansatz reduzieren. Bei akuter Reizung des Ansatzes sollte die Dehnung vorsichtig erfolgen, da eine übermäßige Dehnung in maximaler Fußhebung die Beschwerden verstärken kann.
Physikalische Medizin
Zur optimalen Regeneration nutzen wir gezielt die Stoßwellentherapie und High-Power-Lasertherapie: Die Stoßwelle regt die Durchblutung an, bricht Verkalkungen auf und aktiviert die Zellheilung, während der Laser auf Zellebene die Regeneration unterstützt.
Stoßwellentherapie
Fokussierte und radiale Stoßwelle, ergänzend bei myofaszialen Schmerzanteilen der Rückenmuskulatur einsetzbar.
Mehr über die Stoßwellentherapie erfahren →Ergänzende TherapieHighpower-Lasertherapie (HILT)
Kann begleitend bei muskulären Verspannungen eingesetzt werden, als Ergänzung im Gesamtkonzept, nicht als alleiniger Therapiebaustein.
Mehr über die Highpower-Lasertherapie erfahren →Wenn nötigOperative Behandlung
Operationsverfahren
Abtragung der knöchernen Prominenz mit Versorgung der Achillessehnen-Insertion
Der störende knöcherne Vorsprung am Fersenbein wird operativ entfernt, um Schleimbeutel und Sehnenansatz dauerhaft von der mechanischen Reizung zu befreien. Da die Prominenz häufig gemeinsam mit einer insertionalen Achillessehnen-Tendinopathie auftritt, wird in derselben Operation meist auch der Sehnenansatz saniert, in ausgewählten Fällen mit einer Refixierung der Sehne am Fersenbein.
Wann rasch zum Arzt?
Eine Haglund-Deformität selbst ist kein Notfall
Die knöcherne Formvariante besteht meist schon seit Jahren und erfordert keine sofortige Behandlung. In folgenden Situationen sollten Sie den Fuß dennoch zeitnah ärztlich untersuchen lassen:
- Deutliche Rötung, Überwärmung, Schwellung oder Fieber im Bereich der Ferse, mögliche Zeichen einer akuten Entzündung oder Infektion des Schleimbeutels
- Offene Hautstellen oder Wunden über der Prominenz, insbesondere bei Diabetes oder Durchblutungsstörungen der Beine
- Ein plötzlicher, stechender Schmerz mit Kraftverlust beim Abrollen oder Zehenstand, möglicher Hinweis auf einen Achillessehnenriss bei vorbestehender Sehnenreizung
Bei Diabetes oder einer bekannten Durchblutungsstörung sollten Beschwerden am Fuß generell zeitnah und nicht erst bei starken Symptomen abgeklärt werden, da Wunden hier schlechter heilen.
Ihre Spezialisten für Fuß & Sprunggelenk
Häufig gestellte Fragen
Muss eine Haglund-Deformität immer operiert werden?
Nein. Häufig lassen sich die Beschwerden durch eine Anpassung des Schuhwerks, Fersenpolster und weitere konservative Maßnahmen ausreichend lindern. Eine Operation kommt erst infrage, wenn die Beschwerden trotz konsequent ausgeschöpfter konservativer Therapie bestehen bleiben.
Was ist der Unterschied zwischen einer Haglund-Deformität und einem Fersensporn?
Beide sind knöcherne Veränderungen am Fersenbein, liegen aber an unterschiedlichen Stellen: Die Haglund-Deformität betrifft den hinteren oberen Rand des Fersenbeins nahe der Achillessehne, während sich ein Fersensporn an der Fußsohle im Bereich des Plantarfaszienansatzes befindet. Beschwerdebild und Behandlung unterscheiden sich entsprechend.
Welches Schuhwerk sollte ich bei einer Haglund-Deformität vermeiden?
Schuhe mit fester, unnachgiebiger Fersenkappe wie bestimmte Pumps, Wander- oder Sportschuhe verstärken den Druck auf die Prominenz häufig deutlich. Günstiger sind offene Schuhe oder solche mit weicher, niedriger Ferse.
Hilft eine Absatzerhöhung wirklich?
Eine leichte Absatzerhöhung verändert den Winkel zwischen Ferse und Schuhrand und kann dadurch die Reibung an der Prominenz reduzieren. Die knöcherne Formvariante selbst wird dadurch nicht verkleinert, die Beschwerden können sich jedoch spürbar bessern.
Wie hängt die Haglund-Deformität mit der Achillessehne zusammen?
Die knöcherne Prominenz liegt unmittelbar vor dem Ansatz der Achillessehne und kann diesen mechanisch reizen. Beide Krankheitsbilder treten deshalb häufig gemeinsam auf und werden bei anhaltenden Beschwerden meist auch gemeinsam behandelt.
Kann sich die knöcherne Prominenz ohne Operation zurückbilden?
Nein, die knöcherne Formvariante selbst bildet sich durch Schuhwechsel, Polster oder Übungen nicht zurück. Diese Maßnahmen lindern jedoch die Beschwerden und können ein Fortschreiten der Reizung von Schleimbeutel und Sehne verhindern.
Wie lange dauert die Erholung nach einer Operation?
Das hängt davon ab, ob zusätzlich zur knöchernen Abtragung auch der Achillessehnenansatz saniert oder refixiert wurde. In diesem Fall dauert die Nachbehandlung meist mehrere Wochen bis wenige Monate, da die Sehne mehr Zeit zum Heilen benötigt als der Knochen.
Ist eine Haglund-Deformität gefährlich?
Nein, die knöcherne Formvariante selbst ist nicht gefährlich. Zeitnah abgeklärt werden sollten jedoch Anzeichen einer akuten Infektion, offene Hautstellen über der Prominenz oder ein plötzlicher, stechender Schmerz als möglicher Hinweis auf einen Achillessehnenriss.