Achillessehnenrekonstruktion & -naht
Operative Wiederherstellung der durchgängigen Sehnenkontinuität nach einer Achillessehnenruptur
Ziel der Operation ist es, die gerissene Achillessehne wieder durchgängig herzustellen: Bei einer frischen Ruptur geschieht dies meist durch eine direkte Naht der Sehnenenden, bei einer veralteten Ruptur oder einem größeren Sehnenspalt kann eine Rekonstruktion mit zusätzlicher Sehnenverstärkung oder einem Sehnentransfer notwendig sein. Diese Seite erklärt Ihnen, wie der Eingriff konkret abläuft und was in den Wochen danach auf Sie zukommt. Die Erkrankung selbst, die Diagnostik und die Frage, wann eine konservative Behandlung gleichwertig sinnvoll ist, finden Sie auf unserer Seite zur Achillessehnenruptur.
Termin vereinbarenDie Operation auf einen Blick
Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf kann abweichen.
Operationsdauer
Bei einer Naht meist etwa 30–60 Minuten, bei einer Rekonstruktion mit Sehnenverstärkung oder -transfer entsprechend länger.
Narkose
Häufig eine Regionalanästhesie (z. B. Rückenmarksnahe- oder Nervenblockade des Beins), alternativ eine Vollnarkose.
Krankenhausaufenthalt
Je nach Befund und Verfahren ambulant oder kurzstationär mit ein bis zwei Übernachtungen möglich.
Mobilisation
In der Regel noch am Operationstag im Spezialschuh oder in der Orthese mit anfänglicher Fersenerhöhung.
Belastung
Zunächst angepasste Teilbelastung im Spezialschuh, danach schrittweise Steigerung nach festem Nachbehandlungsschema.
Spezialschuh/Orthese
In der Regel für etwa 6–8 Wochen, mit stufenweiser Reduktion der Fersenerhöhung nach vorgegebenem Plan.
Rehabilitation
Begleitende ambulante Physiotherapie ab einem individuell festgelegten Zeitpunkt fester Bestandteil der Nachbehandlung.
Arbeitsunfähigkeit
Je nach Tätigkeit ca. 2–4 Wochen (überwiegend sitzend) bis ca. 8–12 Wochen (stehende/gehende Tätigkeit).
Autofahren
Häufig nicht vor etwa 8–10 Wochen, abhängig vom operierten Bein und dem individuellen Heilungsverlauf.
Wie läuft die Operation ab?
Vorbereitung und Narkose
Sie werden meist in Bauchlage gelagert, sodass der Operateur guten Zugang zur Rückseite des Unterschenkels hat. Der Eingriff erfolgt häufig in Regionalanästhesie, etwa als rückenmarksnahe Betäubung oder als periphere Nervenblockade des Beins, teils mit leichter Sedierung; alternativ ist eine Vollnarkose möglich. Je nach Befund und individueller Situation erfolgt die Operation ambulant oder im Rahmen eines kurzstationären Aufenthalts.
Zugang
Bei der offenen Technik erfolgt ein Hautschnitt von einigen Zentimetern über der gerissenen Stelle oberhalb des Fersenbeins. Bei der perkutanen beziehungsweise minimalinvasiven Nahttechnik wird die Sehne stattdessen über mehrere kleine Stichinzisionen adressiert, durch die spezielle Nahtinstrumente eingeführt werden.
Der eigentliche Eingriff
Bei einer frischen Ruptur werden die beiden Sehnenenden freigelegt beziehungsweise über die kleinen Zugänge gefasst und mit kräftigem, resorbierbarem oder nicht resorbierbarem Nahtmaterial direkt wieder aneinandergenäht, sodass die Sehnenkontinuität unmittelbar wiederhergestellt wird. Bei einer veralteten Ruptur oder einem größeren Sehnenspalt reicht eine einfache Naht oft nicht aus, da sich die Sehnenenden bereits zurückgezogen haben oder das Gewebe dazwischen vernarbt ist. In diesen Fällen wird die Sehne rekonstruiert: Der entstandene Defekt wird mit körpereigenem Sehnenmaterial überbrückt, etwa durch einen Sehnentransfer der langen Großzehenbeugesehne oder durch umgeschlagene Anteile der körpereigenen Wadenmuskelsehnenplatte, sodass die Kraftübertragung wiederhergestellt wird.
Abschluss
Nach Prüfung der Nahtstabilität und der Spannung der Sehne wird die Wunde schichtweise verschlossen. Anschließend wird der Fuß in einer Orthese oder einem Spezialschuh mit anfänglicher Fersenerhöhung positioniert, die die genähte oder rekonstruierte Sehne in einer entlastenden, leicht spitzfußartigen Stellung führt.
Gibt es unterschiedliche Verfahrensvarianten?
Offene Naht
Direkte Naht der Sehnenenden über einen klassischen Hautschnitt. Bewährtes Verfahren mit guter Übersicht, insbesondere wenn zusätzliche Maßnahmen wie eine Verstärkung erforderlich sind, bei dieser Technik ist das Wundinfektionsrisiko etwas höher als bei der minimalinvasiven Nahttechnik.
Perkutane/minimalinvasive Nahttechnik
Naht der Sehnenenden über mehrere kleine Stichinzisionen mit speziellen Nahtinstrumenten, ohne großen Hautschnitt. Bei geeigneter Indikation mit einem geringeren Wundinfektionsrisiko verbunden als die offene Technik.
Rekonstruktion mit körpereigenem Sehnenmaterial
Bei veralteten Rupturen oder einem großen, nicht spannungsfrei überbrückbaren Sehnenspalt wird der Defekt mit körpereigenem Sehnengewebe verstärkt oder durch einen Sehnentransfer überbrückt, um die Kraftübertragung wiederherzustellen.
Welches Verfahren, oder welche Kombination, für Sie geeignet ist, legen wir anhand des Zeitpunkts und der Lage der Ruptur, der Größe des Sehnenspalts in der Bildgebung und Ihres Aktivitätsniveaus gemeinsam mit Ihnen fest.
Was passiert unmittelbar nach der Operation?
Bereits am Operationstag dürfen Sie in der Regel mit dem Spezialschuh oder der Orthese aufstehen und erste, angepasst belastete Schritte gehen.
Ein Wundschmerz ist normal und lässt sich meist gut mit Schmerzmitteln kontrollieren; konsequentes Hochlagern und Kühlen des Beins in den ersten Tagen hilft, die Schwellung gering zu halten. Der Fuß wird zunächst in der Orthese mit deutlicher Fersenerhöhung geführt, sodass die genähte oder rekonstruierte Sehne entlastet heilen kann. Je nach Befund und Verfahren erfolgt der Aufenthalt ambulant oder mit ein bis zwei Übernachtungen.
Physiotherapie wird meist erst nach einer initialen Ruhephase begonnen und dann schrittweise gesteigert. Eine Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung erfolgt üblicherweise nach etwa zwei Wochen. Die weitere Reduktion der Fersenerhöhung und Steigerung der Belastung richten sich nach dem individuell festgelegten Nachbehandlungsschema.
Wie geht es zu Hause weiter?
- Erste Tage
Hochlagern, Kühlen, Orthese mit voller Fersenerhöhung
Das Bein sollte möglichst oft hochgelagert und gekühlt werden, um die Schwellung zu begrenzen. Kurze, angepasst belastete Gehstrecken in der Orthese sind erwünscht, längeres Stehen sollte zunächst vermieden werden.
- Nach etwa 2 Wochen
Wundkontrolle und Beginn der Physiotherapie
Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung. Begleitende Physiotherapie unterstützt ab jetzt schrittweise den Aufbau von Beweglichkeit und Kraft, während die Orthese weiterhin getragen wird.
- Nach 3–6 Wochen
Schrittweise Reduktion der Fersenerhöhung
Nach festem Schema wird die Fersenerhöhung in der Orthese in mehreren Stufen reduziert und die Belastung entsprechend gesteigert, bis der Fuß annähernd in neutraler Stellung geführt wird.
- Nach 6–8 Wochen
Wechsel zu normalem Schuhwerk
Nach abgeschlossener Reduktion der Fersenerhöhung und guter Belastbarkeit kann meist auf normales, gut sitzendes Schuhwerk umgestiegen werden. Die Physiotherapie wird intensiviert.
- Langfristig
Aufbau von Kraft und Belastbarkeit über mehrere Monate
Kraft, Ausdauer und Koordination der Wadenmuskulatur werden über mehrere Monate weiter aufgebaut. Die volle Belastbarkeit einschließlich sportartspezifischen Trainings ist meist erst nach etwa 6–12 Monaten erreicht.
Wann kann ich wieder …?
Alle Angaben sind Orientierungswerte und hängen vom individuellen Heilungsverlauf ab.
Auto fahren
Abhängig davon, welches Bein operiert wurde und wie weit die Belastungssteigerung fortgeschritten ist.
Büroarbeit
Mit der Möglichkeit, das Bein regelmäßig hochzulegen und die Orthese zu tragen.
Stehende/gehende Tätigkeit
Abhängig vom Ausmaß der Steh- und Gehbelastung im Beruf sowie dem Fortschritt der Belastungssteigerung.
Normale Schuhe tragen
Nach abgeschlossener Reduktion der Fersenerhöhung und ausreichender Belastbarkeit.
Fahrrad fahren
Zunächst kurze Strecken auf ebenem Untergrund und mit geringem Kraftaufwand.
Schwimmen
Nach vollständiger Wundheilung und ärztlicher Freigabe, zunächst ohne kräftige Abstoßbewegungen.
Joggen
Nach ausreichendem Kraft- und Belastungsaufbau der Wadenmuskulatur und der Sehne.
Ballsportarten
Abrupte Richtungswechsel und Sprints belasten die Sehne stark und sollten erst nach vollständiger Rehabilitation und ärztlicher Freigabe wieder aufgenommen werden.
Wandern / längere Spaziergänge
Gehstrecke und Tempo werden entsprechend dem Heilungsverlauf schrittweise gesteigert.
Reisen
Mit Möglichkeit zur Hochlagerung; bei längeren Reisen zunächst besser ab etwa 8 Wochen.
Welche Ergebnisse kann ich erwarten?
Bei den meisten Patienten wird die Kraftübertragung über die Achillessehne durch die Operation wiederhergestellt, sodass Zehenstand und Abrollen des Fußes nach abgeschlossener Nachbehandlung wieder gut möglich sind.
Aktuelle Übersichtsarbeiten zeigen, dass die operative Versorgung tendenziell mit einem etwas geringeren Rerupturrisiko einhergeht als die konservative Behandlung, bei gleichzeitig etwas höherem Risiko operationsspezifischer Komplikationen wie Wundheilungsstörungen oder Nervenreizungen. Bei vergleichbarem, konsequent eingehaltenem Nachbehandlungsschema unterscheiden sich die funktionellen Endergebnisse zwischen konservativer und operativer Behandlung häufig nur wenig.
Eine gewisse Restschwäche der Wadenmuskulatur, ein leicht verändertes Sehnenbild oder eine geringfügig reduzierte Beweglichkeit im Sprunggelenk können auch nach guter Heilung zurückbleiben. Das Ergebnis wird unter anderem vom Zeitpunkt der Operation, dem Ausmaß der Ruptur, dem gewählten Verfahren und der konsequenten Nachbehandlung beeinflusst. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, die individuelle Prognose besprechen wir mit Ihnen anhand Ihres Befunds.
Welche Risiken bestehen?
Allgemeine Operationsrisiken
Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion und Narkoserisiken. Das Thromboserisiko ist am Bein grundsätzlich zu beachten und kann je nach individuellem Risikoprofil eine vorübergehende medikamentöse Prophylaxe erforderlich machen.
Spezifische Risiken dieser Operation
Das Risiko einer Wundinfektion ist bei der offenen Nahttechnik etwas höher als bei der perkutanen beziehungsweise minimalinvasiven Technik, da hier ein größerer Hautschnitt und mehr Weichteilablösung notwendig sind. In der Nähe des Operationsgebiets verläuft der Nervus suralis, ein Hautnerv, dessen Reizung zu vorübergehendem, in seltenen Fällen auch anhaltendem Taubheitsgefühl oder Kribbeln am äußeren Fußrand führen kann. Trotz operativer Versorgung kann es zu einer erneuten Ruptur (Re-Ruptur) kommen, insbesondere bei zu früher oder zu starker Belastung. Im Bereich der Naht können sich zudem Verklebungen zwischen Sehne und umgebendem Gewebe bilden, die zu einer gewissen Bewegungseinschränkung im Sprunggelenk führen können.
Langfristige Risiken
Eine dauerhafte Kraftminderung der Wadenmuskulatur oder ein leicht verändertes Sehnenbild sind auch nach guter Heilung möglich. Bei ausgedehnten Rekonstruktionen mit Sehnentransfer kann zudem eine gewisse Funktionseinschränkung an der Entnahmestelle des transferierten Sehnenanteils zurückbleiben.
Worauf sollten Sie nach der Operation achten?
Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden
- Fieber
- Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
- Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
- Plötzlicher, erneuter peitschenschlagartiger Schmerz mit Funktionsverlust (Hinweis auf eine mögliche Re-Ruptur)
- Neu auftretende oder zunehmende Taubheit oder Kribbeln am äußeren Fußrand
- Schwellung, Schmerz oder Überwärmung der Wade (mögliches Zeichen einer Thrombose)
- Atemnot
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.
Achillessehnenrekonstruktion und -naht bei MedArtes
Ob eine Operation für Sie infrage kommt und welches Verfahren geeignet ist, klären wir anhand des Zeitpunkts und Ausmaßes Ihrer Ruptur sowie der Bildgebung. Ob im individuellen Fall konservativ oder operativ behandelt werden sollte, besprechen wir ausführlich mit Ihnen, Details zur Abwägung finden Sie auf unserer Seite zur Achillessehnenruptur. Als Fußzentrum Ostbayern der Deutschen Assoziation für Fuß und Sprunggelenk e.V. (D.A.F.) begleiten wir Sie durch Operation und das strukturierte, frühfunktionelle Nachbehandlungsschema.
Ihre Spezialisten für Fuß & Sprunggelenk
Häufig gestellte Fragen zur Achillessehnenrekonstruktion und -naht
Wie groß ist die Narbe nach der Operation?
Bei der offenen Technik entsteht ein Hautschnitt von einigen Zentimetern über der Ruptur, bei der perkutanen Nahttechnik bleiben lediglich mehrere kleine Stichnarben zurück. Mit der Zeit verblassen die Narben meist deutlich.
Muss ich nach der Operation eine Orthese tragen und wie lange?
Ja, in der Regel wird eine Orthese mit anfänglicher Fersenerhöhung für etwa 6–8 Wochen getragen. Die Fersenerhöhung wird nach festem Schema schrittweise reduziert, während die Belastung entsprechend gesteigert wird.
Ist die perkutane Nahttechnik genauso sicher wie die offene Naht?
Bei geeigneter Indikation ist die perkutane beziehungsweise minimalinvasive Nahttechnik eine etablierte Alternative mit einem geringeren Wundinfektionsrisiko als die offene Technik. Welches Verfahren im Einzelfall geeignet ist, hängt vom Befund ab und wird individuell besprochen.
Wie stark sind die Schmerzen nach der Operation?
Der Wundschmerz ist in den ersten Tagen normal und lässt sich in der Regel gut mit Schmerzmitteln sowie Hochlagern und Kühlen kontrollieren.
Wie lange bin ich krankgeschrieben?
Das hängt stark von Ihrer beruflichen Tätigkeit ab: Bei überwiegend sitzender Tätigkeit sind oft schon nach zwei bis vier Wochen wieder Arbeitstage möglich, bei stehender oder gehender Tätigkeit kann es acht bis zwölf Wochen dauern.
Kann die Achillessehne nach der Operation erneut reißen?
Ein Rerupturrisiko besteht auch nach einer Operation, insbesondere bei zu früher oder zu starker Belastung. Eine strukturierte, konsequent eingehaltene Nachbehandlung senkt dieses Risiko deutlich.
Was passiert bei einer veralteten Ruptur, die erst spät erkannt wurde?
Bei einer veralteten Ruptur haben sich die Sehnenenden meist bereits zurückgezogen, sodass eine einfache Naht oft nicht mehr ausreicht. In diesen Fällen wird die Sehne durch körpereigenes Sehnenmaterial verstärkt oder mit einem Sehnentransfer rekonstruiert.
Bleibt das Sprunggelenk nach der Operation beweglich?
Bei den meisten Patienten bleibt die Beweglichkeit des Sprunggelenks nach abgeschlossener Nachbehandlung weitgehend erhalten. Vereinzelt können Verklebungen im Bereich der Naht zu einer gewissen Bewegungseinschränkung führen, der mit gezielter Physiotherapie entgegengewirkt wird.
Operation besprechen
Wenn Ihnen eine Achillessehnenrekonstruktion & -naht empfohlen wurde und Sie den Ablauf und Ihre individuelle Eignung besprechen möchten, vereinbaren Sie gerne einen Termin.