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Krankheitsbild · Hüfte

Adduktorentendinopathie

Bei einer Adduktorentendinopathie ist die Sehne der Adduktorenmuskulatur an ihrem Ansatz am Schambein überlastungsbedingt gereizt. Betroffen sind vor allem Sportler mit häufigen Sprints, Schüssen oder abrupten Richtungswechseln, etwa im Fußball, weshalb man auch von "Leistenschmerz der Sportler" spricht. Typisch sind Schmerzen in der Leiste bei Adduktion des Beins, die sich in den allermeisten Fällen mit gezieltem Krafttraining konservativ gut behandeln lassen.

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Beschwerdebild & Hintergrund

Typische Symptome

Im Vordergrund steht ein Schmerz in der Leiste beziehungsweise am inneren Oberschenkelansatz, der sich bei Belastung der Adduktorenmuskulatur deutlich verstärkt.

Adduktorentendinopathie (Symbolbild)

Typischerweise treten die Schmerzen bei Bewegungen auf, die die Adduktoren stark beanspruchen: Sprints, abrupte Richtungswechsel, Schüsse beim Fußball oder das Zusammenführen der Beine gegen Widerstand. Häufig besteht zusätzlich ein Druckschmerz direkt am Sehnenansatz am Schambein. Manche Betroffene berichten über eine Morgensteifigkeit oder ein Anlaufschmerz-Phänomen nach Belastungspausen.

Leistenschmerzen können jedoch auch andere Ursachen haben, insbesondere ein femoroacetabuläres Impingement, eine Labrumläsion des Hüftgelenks oder, seltener, eine Leistenhernie oder Symphysenreizung. Eine sorgfältige klinische Abklärung ist deshalb wichtig, um die Beschwerden korrekt einzuordnen.

Was steckt dahinter?

Anatomie der Adduktorenmuskulatur

Die Adduktorenmuskeln, allen voran der Musculus adductor longus, entspringen am Schambein und ziehen zum Oberschenkelknochen. Sie führen das Bein zur Körpermitte und stabilisieren gleichzeitig das Becken bei Lauf- und Sprintbewegungen.

Wie entsteht die Sehnenreizung?

Wiederholte, kräftige Zugbelastungen am knöchernen Sehnenansatz, etwa durch Sprints, Schüsse oder abrupte Richtungswechsel, können zu kleinen Überlastungsreaktionen im Sehnengewebe führen. Es handelt sich dabei überwiegend um eine degenerativ-reaktive Veränderung des Sehnengewebes und nicht um eine klassische Entzündung.

Risikofaktoren

  • Sportarten mit hoher Adduktorenbelastung, insbesondere Fußball, Eishockey und Handball
  • Muskuläres Ungleichgewicht zwischen Adduktoren, Abduktoren und Rumpfmuskulatur
  • Plötzliche Steigerung von Trainingsumfang oder -intensität sowie unzureichendes Aufwärmen
  • Vorbestehende Hüftgelenkspathologien wie ein femoroacetabuläres Impingement können eine kompensatorische Überlastung der Adduktoren begünstigen
Adduktorentendinopathie (Symbolbild)
Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

Was ist es?
Eine überlastungsbedingte Reizung der Adduktorensehne am Schambein-Ansatz, häufig bei Sportlern mit intensiver Bein- und Leistenbelastung.
Typische Beschwerden
Leistenschmerz, der sich bei Adduktion gegen Widerstand, Sprints oder Schüssen verstärkt, sowie Druckschmerz am Sehnenansatz.
Ursachen
Wiederholte, hohe Zugbelastung der Adduktoren, häufig durch Sportarten wie Fußball, Eishockey oder Handball, begünstigt durch muskuläres Ungleichgewicht.
Diagnostik
Klinische Untersuchung mit Provokationstests, ergänzt durch Ultraschall und bei Bedarf MRT zur Abgrenzung anderer Leistenschmerzursachen.
Behandlung
Im Vordergrund steht gezieltes, strukturiertes Krafttraining der Adduktoren; eine Operation ist nur in seltenen, hartnäckigen Fällen notwendig.
Prognose
Bei konsequentem, trainingsbasiertem Vorgehen in aller Regel gut, wenngleich die Heilungsdauer individuell unterschiedlich sein kann.
Untersuchung

Wie finden wir die Ursache?

Anamnese, körperliche Untersuchung und gezielte Bildgebung. Mehr erfahren

Die klinische Untersuchung steht im Mittelpunkt: Typisch ist ein Schmerz bei Adduktion des Beins gegen Widerstand sowie ein deutlicher Druckschmerz am Sehnenansatz am Schambein. Ergänzende Provokationstests helfen, die Beschwerden dem Adduktorenansatz zuzuordnen.

Der Ultraschall kann strukturelle Veränderungen der Sehne darstellen und wird häufig ergänzend eingesetzt. Bei unklarem Befund oder anhaltenden Beschwerden ist eine MRT sinnvoll, um andere Ursachen von Leistenschmerzen sicher abzugrenzen, insbesondere ein femoroacetabuläres Impingement oder eine Labrumläsion der Hüfte.

Ohne Operation

Konservative Behandlung

Konservative, interventionelle und regenerative Verfahren im Überblick. Mehr erfahren

Die meisten Beschwerden an der Hüfte lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.

Klassische Schmerztherapie und Physiotherapie

Zur konservativen Therapie nutzen wir die orale Schmerzmedikation und Physiotherapie als Basis zur Verbesserung Ihrer Beschwerden.

Gut etablierte Therapie

Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie

Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung, unter therapeutischer Anleitung strukturiert aufgebaut.

Gut etablierte Therapie

Gezieltes exzentrisches und isometrisches Krafttraining

Ein strukturiertes Kraftprogramm der Adduktoren, das die Sehne schrittweise wieder belastbar macht, gilt als gut etabliertes Grundprinzip der Behandlung.

Regenerative Therapie

Ergänzend zu konservativen und interventionellen Maßnahmen können regenerative Eigenblutverfahren eingesetzt werden. Bei MedArtes setzen wir bewusst auch auf innovative Verfahren der regenerativen Medizin, um Ihnen über etablierte Therapien hinaus zusätzliche, zukunftsorientierte Behandlungsoptionen anzubieten.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen

Muss ich bei Adduktorenschmerzen sofort mit dem Sport pausieren?

Nicht zwingend vollständig. Eine relative Schonung besonders belastender Bewegungen zu Beginn ist sinnvoll, ein frühzeitiger, kontrollierter Belastungsaufbau wird jedoch in der Regel besser vertragen als eine lange, vollständige Sportpause.

Was hilft am besten gegen eine Adduktorentendinopathie?

Ein gezieltes, strukturiertes Krafttraining der Adduktoren gilt als das am besten etablierte Behandlungsprinzip und bildet die Grundlage jeder Therapie.

Wie lange dauert die Heilung?

Das ist individuell unterschiedlich und hängt unter anderem von der Beschwerdedauer und dem sportlichen Belastungsniveau ab. Häufig sind mehrere Wochen bis wenige Monate konsequenten Trainings nötig.

Ist eine Operation notwendig?

Nur in seltenen, chronisch therapieresistenten Fällen. Die weit überwiegende Mehrheit der Betroffenen wird erfolgreich konservativ behandelt.

Kann Leistenschmerz auch andere Ursachen haben?

Ja. Leistenschmerz kann auch durch ein femoroacetabuläres Impingement, eine Labrumläsion der Hüfte oder seltener durch eine Leistenhernie oder Symphysenreizung verursacht werden. Eine sorgfältige Untersuchung hilft, die richtige Ursache zu finden.

Helfen Spritzen wie PRP wirklich?

Die PRP-Infiltration gilt als innovative Therapieoption, die die körpereigene Regeneration der Sehne gezielt unterstützen kann, und wird bei therapieresistenten Verläufen zunehmend als sinnvolle Ergänzung zum Krafttraining eingesetzt. Die wissenschaftliche Datenlage für diese Indikation wächst, weshalb sie derzeit als ergänzende und nicht als alleinige Standardtherapie eingeordnet wird.

Wie kann ich einer erneuten Adduktorentendinopathie vorbeugen?

Ein regelmäßiges, sportartspezifisches Kraft- und Stabilisationstraining der Adduktoren und der umgebenden Muskulatur sowie eine angemessene Trainingssteuerung ohne abrupte Belastungssprünge können das Rückfallrisiko senken.