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Krankheitsbild · Hüfte

Hüftdysplasie

Bei einer Hüftdysplasie ist die Hüftpfanne zu flach oder zu steil angelegt, sodass sie den Hüftkopf nicht ausreichend überdacht. Die Last verteilt sich dadurch auf eine kleinere Fläche am Pfannenrand, was das Labrum und den Knorpel auf Dauer überlastet. Viele Betroffene bemerken über Jahre nichts und fallen erst im jungen Erwachsenenalter mit Leistenschmerzen auf. Unbehandelt zählt die Dysplasie zu den häufigsten Ursachen einer frühen Hüftarthrose. Wir erklären, wie eine Hüftdysplasie entsteht, wie sie festgestellt wird und welche Behandlungsmöglichkeiten, konservativ bis gelenkerhaltend operativ, zur Verfügung stehen.

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Beschwerdebild & Hintergrund

Typische Symptome

Im Vordergrund steht meist ein Leistenschmerz, der zunächst nur bei längerer Belastung auftritt, etwa nach längerem Gehen oder Stehen, beim Sport oder nach langem Sitzen mit stark gebeugter Hüfte. Viele Betroffene beschreiben ihn als tief sitzend und greifen zur Beschreibung mit Daumen und Zeigefinger seitlich um die Hüfte.

Hüftdysplasie (Symbolbild)

Häufig kommen ein Schnappen oder Einklemmen hinzu, das auf eine Mitbeteiligung des Labrums hindeuten kann. Manche Betroffene bemerken ein Unsicherheitsgefühl in der Hüfte oder eine rasche Ermüdung der seitlichen Hüftmuskulatur, weil diese die fehlende knöcherne Führung ausgleichen muss. Die Beweglichkeit ist bei reiner Dysplasie lange gut erhalten, anders als bei der fortgeschrittenen Arthrose.

Beschwerden beginnen typischerweise im jungen Erwachsenenalter, oft zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr, und entwickeln sich schleichend. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

Was ist es?
Eine angeborene oder im Wachstum entstandene Fehlanlage der Hüftpfanne, die den Hüftkopf nicht ausreichend überdacht und das Gelenk dadurch überlastet.
Typische Beschwerden
Belastungsabhängiger Leistenschmerz bei jungen Erwachsenen, teils Schnappen oder Einklemmen, Ermüdung der seitlichen Hüftmuskulatur, lange gute Beweglichkeit.
Diagnostik
Klinische Untersuchung und Beckenröntgen im Stehen mit Vermessung der Überdachung, ergänzend MRT zur Beurteilung von Labrum und Knorpel.
Behandlung
Zunächst konservativ mit gezieltem Muskelaufbau und Belastungssteuerung; bei anhaltenden Beschwerden und erhaltenem Knorpel kommt ein gelenkerhaltender Eingriff infrage.
Operative Option
Periazetabuläre Osteotomie nach Ganz, bei der die Pfanne umgestellt und die Überdachung des Hüftkopfs verbessert wird.
Warum früh abklären?
Eine unbehandelte Dysplasie zählt zu den häufigsten Ursachen einer frühen Hüftarthrose. Gelenkerhaltende Eingriffe sind nur bei noch gutem Knorpel sinnvoll.
Untersuchung

Wie finden wir die Ursache?

Anamnese, körperliche Untersuchung und gezielte Bildgebung. Mehr erfahren

Am Anfang steht das Gespräch: seit wann die Beschwerden bestehen, wobei sie auftreten und ob in der Familie Hüftprobleme bekannt sind. In der Untersuchung werden Gangbild, Beweglichkeit und die seitliche Hüftmuskulatur geprüft, dazu gezielte Tests, die einen Schmerz an der vorderen Pfannenkante auslösen können.

Entscheidend ist das Röntgenbild des Beckens im Stehen. Darauf lässt sich vermessen, wie weit die Pfanne den Hüftkopf überdacht und wie steil ihr Dach verläuft. Diese Werte entscheiden mit darüber, ob eine Dysplasie vorliegt und wie ausgeprägt sie ist.

Eine MRT wird ergänzt, wenn Labrum und Knorpel beurteilt werden sollen, etwa vor einer geplanten gelenkerhaltenden Operation. Denn ob ein solcher Eingriff sinnvoll ist, hängt wesentlich davon ab, wie gut der Knorpel noch erhalten ist.

Ohne Operation

Konservative Behandlung

Was sich ohne Eingriff erreichen lässt. Mehr erfahren

Die konservative Behandlung zielt darauf, die Hüfte muskulär zu stabilisieren und Belastungsspitzen zu vermeiden. Sie kann Beschwerden lindern und Zeit gewinnen, die knöcherne Fehlanlage selbst verändert sie nicht.

Konservative Verfahren

Physiotherapie und Trainingstherapie

Gezielter Aufbau der seitlichen und tiefen Hüftmuskulatur verbessert die Führung des Gelenks und kann Beschwerden spürbar lindern. Eine Fehlanlage der Pfanne lässt sich damit nicht verändern.

Belastungssteuerung

Sportarten mit wiederholten endgradigen Bewegungen oder hoher Stoßbelastung werden häufig angepasst, gelenkschonende Ausdauerformen bleiben möglich.

Schmerztherapie

Entzündungshemmende Medikamente können Beschwerdephasen überbrücken. Sie behandeln den Schmerz, nicht die Ursache.

Wenn nötig

Operative Behandlung

Gelenkerhaltende Verfahren, falls konservative Maßnahmen nicht ausreichen. Mehr erfahren

Operationsverfahren

Periazetabuläre Osteotomie (PAO) nach Ganz

Gelenkerhaltende Umstellung der Hüftgelenkspfanne bei symptomatischer Hüftdysplasie nach Reinhold Ganz.

Begleitende Behandlung des Labrums

Ist das Labrum mitgeschädigt, kann es im Rahmen des Eingriffs mitversorgt werden. Ob und wie, hängt vom Befund in der Bildgebung und während der Operation ab.

Bei fortgeschrittenem Verschleiß

Ist der Knorpel bereits weitgehend aufgebraucht, ist ein gelenkerhaltender Eingriff in der Regel nicht mehr sinnvoll. Dann steht der Gelenkersatz im Vordergrund.

Warnzeichen

Wann rasch zum Arzt?

Eine Hüftdysplasie entwickelt sich langsam

Die Beschwerden nehmen in aller Regel über Monate bis Jahre zu. In folgenden Situationen sollte die Hüfte dennoch zeitnah untersucht werden:

  • Plötzlich einsetzender, sehr starker Hüftschmerz, insbesondere mit Fieber oder Rötung, möglicher Hinweis auf eine Gelenkinfektion
  • Hüftschmerzen nach Sturz oder Unfall mit Unfähigkeit, das Bein zu belasten
  • Plötzliches Blockieren der Hüfte oder ein schmerzhaftes Einklemmen, das sich nicht löst
  • Rasch zunehmende Schmerzen ohne erkennbaren Auslöser

In diesen Fällen sollten Sie zeitnah ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, statt abzuwarten.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen

Ist eine Hüftdysplasie angeboren?

Die Fehlanlage der Pfanne entsteht in aller Regel vor der Geburt oder in den ersten Lebensmonaten. Viele Fälle werden heute im Säuglingsalter durch die Hüftsonografie erkannt und früh behandelt. Eine leichte Dysplasie kann aber unbemerkt bleiben und erst im jungen Erwachsenenalter Beschwerden machen.

Woran erkennt man sie?

Maßgeblich ist das Beckenröntgen im Stehen. Darauf wird vermessen, wie weit die Pfanne den Hüftkopf überdacht. Die klinische Untersuchung allein reicht nicht aus, weil die Beweglichkeit lange gut erhalten bleibt.

Muss eine Hüftdysplasie immer operiert werden?

Nein. Bei geringer Ausprägung und wenig Beschwerden reichen Muskelaufbau und Belastungssteuerung oft über Jahre aus. Ein Eingriff wird erwogen, wenn die Beschwerden bestehen bleiben und der Knorpel noch gut erhalten ist.

Warum wird eher früh operiert?

Gelenkerhaltende Eingriffe wirken, solange der Knorpel noch intakt ist. Ist der Verschleiß weit fortgeschritten, lässt sich das Gelenk durch eine Umstellung in der Regel nicht mehr retten.

Führt eine Dysplasie zwangsläufig zur Arthrose?

Nicht zwangsläufig, aber das Risiko ist deutlich erhöht. Die Dysplasie zählt zu den häufigsten Ursachen einer Hüftarthrose im jüngeren Lebensalter. Wie hoch das Risiko im Einzelfall ist, hängt vom Ausmaß der Fehlanlage ab.

Kann ich mit einer Dysplasie Sport treiben?

In der Regel ja. Häufig werden Sportarten mit wiederholten endgradigen Bewegungen oder hoher Stoßbelastung angepasst, während gelenkschonende Ausdauerformen und gezieltes Krafttraining ausdrücklich sinnvoll sind.

Betrifft die Dysplasie immer beide Hüften?

Nicht immer, aber häufig sind beide Seiten unterschiedlich stark betroffen. Deshalb wird im Röntgen stets das gesamte Becken beurteilt.