Umstellungsosteotomie am Knie
Gelenkerhaltende Korrektur der Beinachse bei O-Bein oder X-Bein
Bei der Umstellungsosteotomie wird der Knochen nahe dem Kniegelenk gezielt durchtrennt und die Beinachse in einer korrigierten Stellung neu fixiert. Ziel ist es, das überlastete Gelenkkompartiment zu entlasten und die Belastung auf den weniger geschädigten Gelenkanteil zu verlagern, meist als hohe tibiale Osteotomie (HTO) am Schienbeinkopf bei O-Bein, seltener als körperferne Oberschenkelosteotomie (DFO) bei X-Bein. Als gelenkerhaltendes Verfahren kann sie bei geeigneter Indikation Schmerzen lindern und einen Gelenkersatz hinauszögern. Diese Seite erklärt Ihnen, wie der Eingriff konkret abläuft und was in den Wochen danach auf Sie zukommt. Die zugrunde liegende Achsfehlstellung, der begleitende Gelenkverschleiß bzw. Knorpelschaden sowie die konservativen Behandlungsmöglichkeiten finden Sie auf unseren Erkrankungsseiten.
Termin vereinbarenDie Operation auf einen Blick
Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf kann abweichen.
Operationsdauer
Meist etwa 60–120 Minuten, abhängig vom gewählten Verfahren und Ausmaß der Korrektur.
Narkose
Meist Vollnarkose oder Spinal-/Periduralanästhesie.
Krankenhausaufenthalt
Meist 3–5 Übernachtungen.
Mobilisation
In der Regel am ersten oder zweiten Tag nach der Operation mit Gehstützen.
Belastung
Zunächst Teilbelastung an Gehstützen, bis der Knochen ausreichend verheilt ist.
Gehstützen
Über mehrere Wochen, mit schrittweisem Belastungsaufbau nach Röntgenkontrolle.
Rehabilitation
Physiotherapie mit Bewegungs- und Muskelaufbau, begleitet von regelmäßigen Röntgenkontrollen der Knochenheilung.
Arbeitsunfähigkeit
Je nach Tätigkeit mehrere Wochen (Büro) bis deutlich länger (körperlich fordernde Arbeit), individuell abhängig vom Heilungsverlauf.
Metallentfernung
Die Platte kann nach abgeschlossener Knochenheilung bei Bedarf in einem kleineren zweiten Eingriff entfernt werden.
Wie läuft die Operation ab?
Vorbereitung und Narkose
Sie werden auf dem Rücken gelagert. Der Eingriff erfolgt meist in Vollnarkose oder in Spinal-/Periduralanästhesie, oft in Kombination mit einer zusätzlichen Betäubung der Beinnerven zur Schmerzlinderung nach der Operation.
Zugang
Über einen wenige Zentimeter langen Hautschnitt am Schienbeinkopf innenseitig (bei der hohen tibialen Osteotomie) bzw. am körperfernen Oberschenkelknochen (bei der distalen femoralen Osteotomie) wird der Knochen freigelegt.
Der eigentliche Eingriff
Der Knochen wird an geplanter Stelle gezielt durchtrennt (Osteotomie), ohne ihn vollständig zu teilen. Über den entstandenen Spalt wird die Beinachse behutsam in die zuvor berechnete Korrekturposition aufgespreizt oder zusammengeführt und unter Röntgenkontrolle überprüft. Anschließend wird die neue Achsstellung mit einer Platte und Schrauben fest fixiert. Der entstehende Knochenspalt wird häufig mit körpereigenem Knochenmaterial oder einem künstlichen Knochenersatzmaterial aufgefüllt, um die knöcherne Heilung zu unterstützen.
Abschluss
Nach Kontrolle der korrekten Achsstellung und Implantatlage unter Röntgen wird die Wunde schichtweise verschlossen. Eine Wunddrainage wird teils für kurze Zeit eingelegt. Zum Abschluss wird ein Verband angelegt, teils zusätzlich eine Bewegungsschiene oder Orthese zur Führung des Beins in der frühen Heilungsphase.
Was passiert unmittelbar nach der Operation?
In der Regel dürfen Sie am ersten oder zweiten Tag nach der Operation mit Gehstützen und unter Teilbelastung erstmals aufstehen.
Schmerzen sind in den ersten Tagen normal und werden konsequent medikamentös behandelt. Da der Knochen erst wieder knöchern verheilen muss, wird das operierte Bein zunächst nur teilbelastet, wie viel Gewicht Sie auftreten dürfen, legt Ihr Operateur individuell fest. Physiotherapie zur Anleitung des Gehens an Stützen und zur vorsichtigen Bewegungsübung beginnt meist bereits während des stationären Aufenthalts. Regelmäßige Röntgenkontrollen begleiten die Nachbehandlung, um den Fortschritt der Knochenheilung zu beurteilen.
Eine Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung erfolgt üblicherweise nach etwa 12–14 Tagen. Duschen ist meist möglich, sobald die Wunde trocken und reizlos verheilt ist.
Wie geht es zu Hause weiter?
- Erste Wochen
Teilbelastung an Gehstützen
Das operierte Bein wird konsequent teilbelastet, um dem Knochen die ungestörte Heilung im Korrekturspalt zu ermöglichen. Physiotherapie unterstützt Beweglichkeit und Gangbild.
- Nach 6–8 Wochen
Zunehmende Vollbelastung
Zeigt die Röntgenkontrolle eine ausreichende knöcherne Durchbauung, wird die Belastung schrittweise gesteigert, bis das Bein wieder voll belastet werden kann.
- Nach etwa 3 Monaten
Die meisten Alltagsaktivitäten wieder möglich
Bei guter Heilung sind Alltagstätigkeiten und leichtere Belastungen für die meisten Patienten wieder gut möglich.
- Nach 4–6 Monaten
Rückkehr zu sportlicher Belastung
Sportliche Aktivitäten mit höherer Belastung sind je nach individuellem Heilungsverlauf und nach ärztlicher Freigabe meist erst in diesem Zeitraum wieder möglich.
Wann kann ich wieder …?
Alle Angaben sind Orientierungswerte und hängen vom individuellen Heilungsverlauf ab.
Auto fahren
Sobald das Bein ausreichend belastbar ist und Sie sicher bremsen können.
Büroarbeit
Mit Gehstützen und der Möglichkeit, das Bein zwischendurch hochzulagern.
Körperlich arbeiten
Abhängig von der beruflichen Belastung für das Knie und dem Fortschritt der Knochenheilung, individuell abzustimmen.
Radfahren
Zunächst auf ebener Strecke, nach ausreichender knöcherner Konsolidierung.
Schwimmen
Nach vollständiger Wundheilung und ausreichender Belastbarkeit.
Joggen / Kontaktsport
Erst nach abgeschlossener knöcherner Heilung, ausreichendem Muskelaufbau und ärztlicher Freigabe.
Welche Ergebnisse kann ich erwarten?
Bei guter Indikation kann die Umstellungsosteotomie den belastungsabhängigen Schmerz im überlasteten Gelenkkompartiment bei vielen Patienten deutlich lindern.
Wichtig für realistische Erwartungen: Die Operation kehrt einen bereits bestehenden Knorpelschaden nicht um. Sie verlagert die Belastung gezielt vom überlasteten auf den weniger geschädigten Gelenkanteil und kann dadurch den weiteren Knorpelverschleiß in diesem Bereich verlangsamen. Ziel ist es, die Beschwerden zu lindern und die Notwendigkeit eines Gelenkersatzes für einige Jahre hinauszuzögern oder im günstigen Fall zu vermeiden, eine Garantie dafür gibt es nicht, und bei fortschreitendem Verschleiß kann später dennoch ein Gelenkersatz notwendig werden.
Das Ergebnis wird unter anderem vom Ausmaß des bereits bestehenden Knorpelschadens, der Präzision der erreichten Achskorrektur, dem Körpergewicht und der konsequenten Einhaltung der Teilbelastung in der Heilungsphase beeinflusst. Die individuelle Prognose besprechen wir mit Ihnen anhand Ihres Befunds.
Welche Risiken bestehen?
Allgemeine Operationsrisiken
Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion, Narkoserisiken sowie ein Thromboserisiko.
Spezifische Risiken dieser Operation
Da der Knochen zunächst knöchern durchbauen muss, kann es zu einer verzögerten Knochenheilung oder in seltenen Fällen zu einer ausbleibenden Heilung (Pseudarthrose) kommen, was gegebenenfalls eine Nachbehandlung oder Nachoperation erforderlich macht. Die geplante Achskorrektur kann in Einzelfällen leicht über- oder unterkorrigiert ausfallen. Selten kommt es zu einer Lockerung des Osteosynthesematerials. Da Platte und Schrauben knochennah unter der Haut liegen, können sie störend spürbar sein, sodass nach abgeschlossener Knochenheilung eine Metallentfernung als zweiter, in der Regel kleinerer Eingriff sinnvoll sein kann.
Langfristige Risiken
Der bestehende Knorpelschaden im entlasteten Gelenkkompartiment kann trotz erfolgreicher Achskorrektur im Verlauf der Jahre fortschreiten, sodass ein Gelenkersatz zu einem späteren Zeitpunkt dennoch erforderlich werden kann.
Worauf sollten Sie nach der Operation achten?
Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden
- Fieber
- Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
- Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
- Plötzlich stärker werdende Schmerzen oder ein instabiles Gefühl im operierten Bein (mögliches Zeichen einer Materiallockerung)
- Neu auftretende Taubheit, Kribbeln oder Bewegungseinschränkung im Fuß
- Schwellung, Schmerz oder Überwärmung der Wade (mögliches Zeichen einer Thrombose)
- Atemnot oder Brustschmerz
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.
Umstellungsosteotomie bei MedArtes
Ob eine Umstellungsosteotomie für Sie das geeignete Verfahren ist, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, der klinischen Untersuchung, einer Ganzbeinstandaufnahme und der Beurteilung des Knorpelzustands in beiden Gelenkkompartimenten. Wir besprechen mit Ihnen gemeinsam, ob eine gelenkerhaltende Achskorrektur oder ein anderes Verfahren für Sie geeigneter ist und was Sie konkret vor, während und nach der Operation erwartet.
Ihre Spezialisten für das Knie
Dr. med. Sven Hartmann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
PD Dr. med. Dipl.-Ing. Florian Völlner
Prof. Dr. med. Dr. med. univ. Günther Maderbacher, MHBA
Prof. Dr. med. Franz Xaver Köck
Prof. Dr. med. habil. Jürgen Götz, MHBA
Häufig gestellte Fragen zur Umstellungsosteotomie
Was ist der Unterschied zwischen HTO und DFO?
Die HTO (hohe tibiale Osteotomie) korrigiert am Schienbeinkopf und kommt bei O-Bein zum Einsatz, die DFO (distale femorale Osteotomie) korrigiert am körperfernen Oberschenkelknochen und kommt bei X-Bein zum Einsatz. Welches Verfahren infrage kommt, ergibt sich aus der Richtung Ihrer Achsfehlstellung.
Ist die Umstellungsosteotomie eine Alternative zum Gelenkersatz?
Sie ist ein gelenkerhaltendes Verfahren für eine andere Patientengruppe: geeignet vor allem für jüngere, aktive Patienten mit einseitigem Knorpelschaden und einer Achsfehlstellung, für die ein Gelenkersatz noch nicht die passende Lösung ist. Bei fortgeschrittenem, das ganze Gelenk betreffendem Verschleiß ist meist der Gelenkersatz das geeignetere Verfahren.
Heilt der Knorpelschaden durch die Operation wieder?
Nein. Die Umstellungsosteotomie verlagert die Belastung vom geschädigten auf den weniger geschädigten Gelenkanteil, sie stellt den Knorpel selbst nicht wieder her.
Wie lange muss ich Gehstützen benutzen?
Meist mehrere Wochen unter Teilbelastung, bis Röntgenkontrollen eine ausreichende Knochenheilung zeigen. Die genaue Dauer legt Ihr Operateur individuell fest.
Muss die Platte später wieder entfernt werden?
Nicht zwingend. Stört das Material nach abgeschlossener Knochenheilung, kann es in einem kleineren zweiten Eingriff entfernt werden. Ob dies sinnvoll ist, besprechen wir individuell mit Ihnen.
Wie groß ist die Narbe?
Der Hautschnitt ist meist wenige Zentimeter lang und verheilt in der Regel zu einer unauffälligen Narbe.
Wie lange bin ich krankgeschrieben?
Das hängt stark von Ihrer beruflichen Tätigkeit ab und vom Fortschritt der Knochenheilung: Bei überwiegend sitzender Tätigkeit ist eine Rückkehr oft nach einigen Wochen möglich, bei körperlich fordernder Arbeit kann es deutlich länger dauern.
Kann ich nach einer Umstellungsosteotomie wieder Sport treiben?
Ja, bei den meisten Patienten sind sportliche Aktivitäten nach abgeschlossener Knochenheilung und ärztlicher Freigabe wieder möglich, meist nach etwa 4–6 Monaten. Sportarten mit hoher Stoßbelastung sollten individuell mit Ihrem Operateur besprochen werden.
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