Patellofemorales Schmerzsyndrom
Beim patellofemoralen Schmerzsyndrom bestehen diffuse Schmerzen im vorderen Kniebereich rund um die Kniescheibe, meist ohne dass die Bildgebung eine wesentliche Ursache zeigt. Typisch ist eine Zunahme der Beschwerden beim Treppensteigen, bei Kniebeugen oder nach längerem Sitzen mit gebeugtem Knie. In den allermeisten Fällen lässt sich das patellofemorale Schmerzsyndrom gut konservativ behandeln. Wir erklären, wie es entsteht, wie die Diagnose gestellt wird und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
Termin vereinbarenTypische Symptome
Typisch ist ein diffuser, oft schwer punktgenau zu lokalisierender Schmerz im vorderen Kniebereich rund um oder hinter der Kniescheibe, der sich bei bestimmten Belastungen verstärkt.

Die Beschwerden nehmen charakteristischerweise beim Treppensteigen, vor allem beim Hinuntergehen, sowie bei Kniebeugen, Hocken und beim Bergabgehen zu, da hierbei der Anpressdruck zwischen Kniescheibe und Oberschenkelknochen besonders hoch ist. Manche Patienten berichten zusätzlich über ein Reiben oder Knirschen (Krepitation) hinter der Kniescheibe, das jedoch nicht auf einen strukturellen Schaden hindeuten muss.
Das „Kinogängerzeichen" (movie sign)
Ein häufig beschriebenes Merkmal ist das sogenannte Kinogängerzeichen: Nach längerem Sitzen mit gebeugtem Knie, etwa im Kino, im Auto oder am Schreibtisch, nehmen Steifheit und Schmerz zu und lassen erst nach den ersten Schritten wieder nach. Die Beschwerden treten häufig beidseitig oder wechselseitig auf und betreffen überdurchschnittlich oft jüngere, körperlich aktive Menschen.
Was steckt dahinter?
Die Ursache ist meist multifaktoriell, selten lässt sich ein einzelner Auslöser benennen. Häufig wirken mehrere begünstigende Faktoren gemeinsam auf die Führung und Druckverteilung der Kniescheibe in ihrer Gleitrinne.
Muskuläres Ungleichgewicht
Eine relative Schwäche oder verzögerte Aktivierung des Musculus quadriceps, insbesondere des Vastus medialis obliquus (VMO), im Vergleich zum Vastus lateralis kann die Führung der Kniescheibe beeinträchtigen. Auch eine unzureichende Kraft der Hüftabduktoren und -außenrotatoren beeinflusst die Beinachse während der Bewegung und damit den Druck im patellofemoralen Gelenk.
Achsfehlstellungen und Fußstatik
Eine X-Bein-Stellung, eine vermehrte Innenrotation des Oberschenkels oder ein ausgeprägter Knick-Senkfuß können die Zugrichtung der Kniescheibe ungünstig verändern und die Beschwerden begünstigen. Bei relevanter Beinachsenabweichung finden Sie weiterführende Informationen auf unserer Seite zu Achsfehlstellungen des Knies.
Überlastung
Eine plötzliche Steigerung von Lauf- oder Sprungbelastung, etwa bei einer raschen Trainingsintensivierung, begünstigt das patellofemorale Schmerzsyndrom ebenfalls, im Volksmund häufig als „Läuferknie" bezeichnet.
Abgrenzung zu strukturellen Ursachen
Nur selten liegt dem vorderen Knieschmerz tatsächlich ein struktureller Knorpelschaden zugrunde (siehe Abgrenzung zur patellofemoralen Arthrose oben). Auch eine echte Instabilität der Kniescheibe mit wiederholtem Herausspringen kann ähnliche Beschwerden verursachen, ist jedoch eine eigenständige Diagnose, mehr dazu finden Sie auf unserer Seite zur Patellainstabilität.

Das Wichtigste in Kürze
UntersuchungWie finden wir die Ursache?
Die Diagnose wird überwiegend klinisch gestellt, eine Bildgebung ist meist nicht erforderlich.
Klinische Untersuchung
Im Mittelpunkt steht die körperliche Untersuchung: Wir beurteilen die Führung der Kniescheibe (Tracking) während Beugung und Streckung, prüfen Kraft und Verkürzung der relevanten Muskelgruppen, insbesondere des Quadrizeps, der ischiokruralen Muskulatur und der Hüftmuskulatur, und beurteilen die Beinachse sowie die Fußstatik im Stehen und beim Gehen. Ergänzend werden gezielte Provokationstests eingesetzt, etwa ein leichter Druck auf die Kniescheibe während der Bewegung.
Bildgebung
Röntgen oder MRT sind bei einem klassischen Beschwerdebild in der Regel nicht notwendig. Sie kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn andere Ursachen ausgeschlossen werden sollen, etwa ein Knorpelschaden, ein Plica-Syndrom, ein freier Gelenkkörper oder eine Patellainstabilität, insbesondere bei atypischem Verlauf oder ausbleibender Besserung trotz konsequenter konservativer Therapie.
Ohne OperationKonservative Behandlung
Die meisten Beschwerden am Knie lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.
Klassische Schmerztherapie und Physiotherapie
Zur konservativen Therapie nutzen wir die orale Schmerzmedikation und Physiotherapie als Basis zur Verbesserung Ihrer Beschwerden.
Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie
Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung, unter therapeutischer Anleitung strukturiert aufgebaut.
Gezieltes Quadrizeps- und Hüftmuskeltraining
Kräftigung insbesondere des Vastus medialis obliquus sowie der Hüftabduktoren und -außenrotatoren, um die Führung der Kniescheibe zu verbessern.
Taping und Bandagen
Patella-Taping oder eine Kniebandage können ergänzend eingesetzt werden, um die Wahrnehmung der Kniescheibenführung zu verbessern und Beschwerden vorübergehend zu lindern.
Schuhversorgung und Einlagen
Bei relevanter Fußfehlstellung, etwa einem ausgeprägten Knick-Senkfuß, können angepasste Einlagen die Beinachse und die Kniescheibenführung günstig beeinflussen.
Wenn nötigOperative Behandlung
Operationsverfahren
Ursache
Funktionell: muskuläres Ungleichgewicht, Achsfehlstellung, Fußstatik, Überlastung
Typisches Alter
Meist jüngere, körperlich aktive Patienten
Bildgebung
Meist unauffällig oder ohne relevanten strukturellen Befund
Therapieschwerpunkt
Gezieltes Muskeltraining und Physiotherapie
Ihre Spezialisten für das Knie
Dr. med. Sven Hartmann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
PD Dr. med. Dipl.-Ing. Florian Völlner
Prof. Dr. med. Dr. med. univ. Günther Maderbacher, MHBA
Prof. Dr. med. Franz Xaver Köck
Prof. Dr. med. habil. Jürgen Götz, MHBA
Häufig gestellte Fragen
Muss ein patellofemorales Schmerzsyndrom operiert werden?
Nein. In der ganz überwiegenden Zahl der Fälle lässt sich das patellofemorale Schmerzsyndrom gut konservativ mit gezieltem Training und Physiotherapie behandeln. Eine Operation kommt nur in Ausnahmefällen infrage, wenn tatsächlich eine strukturelle Ursache wie eine Patellainstabilität nachgewiesen wird.
Was bedeutet das „Kinogängerzeichen"?
Damit ist die Zunahme von Schmerz oder Steifheit nach längerem Sitzen mit gebeugtem Knie gemeint, etwa im Kino, im Auto oder am Schreibtisch. Die Beschwerden bessern sich meist nach den ersten Schritten und gelten als typisches, wenn auch nicht beweisendes Merkmal des patellofemoralen Schmerzsyndroms.
Darf ich trotz patellofemoralem Schmerzsyndrom weiter laufen oder Sport treiben?
In vielen Fällen ja, allerdings meist mit vorübergehend angepasstem Umfang und angepasster Intensität. Sportarten mit hoher patellofemoraler Belastung, etwa Sprünge oder tiefe Kniebeugen, sollten während der Akutphase reduziert und schrittweise wieder gesteigert werden, idealerweise begleitet von gezieltem Muskeltraining.
Wie lange dauert es, bis die Beschwerden besser werden?
Das ist individuell unterschiedlich. Da sich die muskulären Anpassungen durch Training über mehrere Wochen bis Monate aufbauen, ist meist Geduld gefragt. Kontinuität beim Training ist wichtiger als Tempo.
Was unterscheidet das patellofemorale Schmerzsyndrom vom Patellaspitzensyndrom?
Das Patellaspitzensyndrom betrifft gezielt die Sehne unterhalb der Kniescheibenspitze und ist meist punktgenau dort schmerzhaft, während das patellofemorale Schmerzsyndrom einen diffuseren Schmerz rund um oder hinter der Kniescheibe verursacht. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Seite zum Patellaspitzensyndrom.
Helfen Einlagen bei jedem Patienten?
Nein. Einlagen sind nur dann sinnvoll, wenn tatsächlich eine relevante Fußfehlstellung vorliegt, die die Beinachse und die Kniescheibenführung beeinflusst. Ohne eine solche Fehlstellung ist ihr Nutzen begrenzt.
Kann das patellofemorale Schmerzsyndrom von selbst wieder verschwinden?
Bei manchen Patienten bessern sich die Beschwerden auch ohne gezielte Behandlung, insbesondere wenn belastende Aktivitäten vorübergehend reduziert werden. Ein strukturiertes Training beschleunigt die Besserung jedoch meist deutlich und senkt das Risiko eines erneuten Auftretens.
Warum reicht bei mir keine Bildgebung zur Diagnose?
Weil das patellofemorale Schmerzsyndrom eine funktionelle Störung ist, die in Röntgen oder MRT meist keinen auffälligen Befund zeigt. Die Diagnose stützt sich daher vor allem auf die klinische Untersuchung. Bildgebung wird gezielt eingesetzt, wenn andere Ursachen ausgeschlossen werden sollen.