Individuelle Knieprothese Symbios ORIGIN
Patientenspezifisch nach CT-basierter 3D-Planung gefertigter Kniegelenkersatz
Wie bei der Standard-Totalendoprothese werden bei diesem Verfahren die verschlissenen Gelenkflächen von Ober- und Unterschenkel durch künstliche Oberflächen ersetzt. Der Unterschied liegt in der Herstellung des Implantats: Grundlage ist ein präoperatives CT, aus dem mittels 3D-Planung sowohl patientenspezifische Schnittinstrumente als auch die individuell geformte Prothesenkomponente selbst abgeleitet werden, beim Hersteller Symbios unter dem Produktnamen „ORIGIN". Ziel ist es, die individuelle Form und die Krümmungsradien Ihres Kniegelenks genauer nachzubilden, als dies mit einem Standardimplantat aus einer begrenzten Größenreihe möglich ist. Diese Seite erklärt Ihnen die vorgelagerte Planung, den Operationsablauf und was danach auf Sie zukommt. Die Erkrankung selbst, die Diagnostik und die konservativen Behandlungsmöglichkeiten sowie die Einordnung gegenüber Teilprothese, Standard-TEP und roboterassistierter Implantation finden Sie auf unserer Gonarthrose-Seite.
Termin vereinbarenDie Operation auf einen Blick
Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf kann abweichen.
Präoperative Planung
CT-Scan und 3D-Planung mehrere Wochen vor dem OP-Termin, in denen die individuelle Prothese sowie die patientenspezifischen Schnittinstrumente gefertigt werden.
Operationsdauer
Wie bei der Standard-TEP meist etwa 60–90 Minuten.
Narkose
Spinalanästhesie (häufig mit Sedierung) oder Vollnarkose, oft ergänzt durch eine periphere Nervenblockade zur Schmerztherapie.
Krankenhausaufenthalt
In der Regel etwa 5–8 Tage, wie bei der Standard-Knie-TEP.
Mobilisation
Nach unserem Fast-Track-Konzept meist noch am Operationstag oder am Folgetag mit Gehhilfen unter physiotherapeutischer Anleitung.
Belastung
Bei zementierter Verankerung meist Vollbelastung von Anfang an erlaubt; bei zementfreier Verankerung teils vorübergehend angepasste Belastung.
Gehstützen
Unterarmgehstützen meist für etwa 2–4 Wochen zur Sicherheit und Entlastung.
Rehabilitation
Eine Anschlussheilbehandlung (stationär oder ambulant) im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt wird in der Regel empfohlen, wie nach jeder Knie-TEP.
Arbeitsunfähigkeit
Je nach Tätigkeit ca. 6–8 Wochen (Büro) bis ca. 3–4 Monate (körperlich fordernde Arbeit).
Wie läuft die Operation ab?
Vorab: CT-basierte 3D-Planung
Anders als bei der Standard-Knie-TEP beginnt die Behandlung mit einer präoperativen Bildgebung speziell für die Implantatfertigung: Ihr Kniegelenk wird mittels Computertomografie (CT) erfasst. Aus diesen Daten erstellt der Hersteller Symbios ein digitales 3D-Modell Ihrer individuellen Kniegelenkanatomie. Gemeinsam mit Ihrem Operateur wird anhand dieser Planung die Form der Prothesenkomponente (ORIGIN) sowie patientenspezifischer Schnittinstrumente festgelegt, die anschließend eigens für Sie gefertigt werden. Dieser Planungs- und Fertigungsschritt nimmt in der Regel mehrere Wochen vor dem eigentlichen OP-Termin in Anspruch.
Vorbereitung und Narkose
Sie werden in Rückenlage gelagert. Der Eingriff erfolgt meist in Spinalanästhesie, häufig kombiniert mit einer leichten Sedierung, oder in Vollnarkose. Zur Schmerztherapie nach der Operation wird häufig zusätzlich eine periphere Nervenblockade des Beins gesetzt.
Zugang
Über einen Hautschnitt von etwa 12–18 Zentimetern an der Vorderseite des Knies wird das Gelenk eröffnet, wie bei der Standard-TEP.
Der eigentliche Eingriff
Der wesentliche Unterschied zur Standard-TEP liegt in diesem Schritt: Statt mit Standard-Schnittlehren, die auf eine Reihe vorgefertigter Implantatgrößen abgestimmt sind, arbeitet der Operateur mit den vorab für Sie gefertigten, patientenspezifischen Schnittinstrumenten. Diese sollen die Sägeschnitte am Oberschenkelknochen (Femur) und Schienbeinkopf (Tibia) möglichst exakt auf Ihre individuelle Anatomie und Beinachse abstimmen. Anschließend wird die eigens für Sie gefertigte, individuell geformte Prothesenkomponente eingesetzt, zementiert oder zementfrei, je nach Verfahren, ergänzt durch eine Kunststoff-Gleitfläche, die die Funktion des ursprünglichen Knorpels übernimmt. Bei Bedarf wird auch die Rückseite der Kniescheibe geglättet oder mit einer Kunststoffkomponente versehen.
Abschluss
Nach Kontrolle von Beweglichkeit, Bandspannung und korrektem Sitz der individuellen Komponenten wird die Wunde schichtweise verschlossen. Üblich sind ein steriler Verband sowie häufig ein Kompressionsverband zur Abschwellung.
Was passiert unmittelbar nach der Operation?
Der postoperative Ablauf unterscheidet sich grundsätzlich nicht von einer Standard-Knie-TEP und folgt ebenso unserem Fast-Track-Konzept, einem abgestimmten Zusammenspiel aus wirksamer Schmerztherapie, früher Mobilisation und strukturierter Reha-Planung, das einen zügigen Genesungsverlauf unterstützen soll.
Die erste Mobilisation erfolgt danach meist bereits am Operationstag oder am Folgetag, begleitet durch die Physiotherapie. Ein Wundschmerz ist normal und wird konsequent mit Schmerzmitteln sowie Kühlung behandelt. Je nach Verankerungsart darf das operierte Bein meist von Beginn an oder nach kurzer Anpassungszeit voll belastet werden; zur Sicherheit werden zunächst Unterarmgehstützen genutzt. Der stationäre Aufenthalt dauert üblicherweise etwa 5–8 Tage.
Zum Wundverschluss verwenden wir in der Regel Hautklammern, keine Fäden. Duschen ist meist möglich, sobald die Wunde trocken und reizlos ist. Eine Wundkontrolle mit Entfernung der Klammern erfolgt üblicherweise nach etwa 12–14 Tagen. Zur Vorbeugung einer Thrombose wird für mehrere Wochen eine medikamentöse Prophylaxe eingesetzt.
Wie geht es zu Hause weiter?
- Erste Tage
Mobilisation mit Gehhilfen
Gehen mit Unterarmgehstützen unter Anleitung der Physiotherapie, erste Bewegungsübungen zur Beweglichkeit des Kniegelenks, Kühlung und konsequente Schmerztherapie.
- Nach etwa 2 Wochen
Beginn der Anschlussheilbehandlung
Im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt folgt meist eine stationäre oder ambulante Reha zum intensiven Aufbau von Beweglichkeit, Kraft und Gangsicherheit.
- Nach 4–6 Wochen
Gehhilfen meist nicht mehr nötig
Viele Patienten können die Gehstützen in diesem Zeitraum ablegen. Die Beweglichkeit und Belastbarkeit im Alltag nehmen spürbar zu.
- Nach 6–12 Wochen
Rückkehr zu Alltag und Büroarbeit
Die meisten Alltagstätigkeiten und Bürotätigkeiten sind wieder möglich. Gelenkschonende Sportarten können schrittweise wieder aufgenommen werden.
- Langfristig
Endgültiges Ergebnis nach mehreren Monaten
Beweglichkeit und Belastbarkeit verbessern sich häufig noch über mehrere Monate. Ein Großteil des Endresultats ist meist nach etwa 3–6 Monaten, das endgültige Ergebnis oft erst nach etwa einem Jahr erreicht.
Wann kann ich wieder …?
Alle Angaben sind Orientierungswerte und hängen vom individuellen Heilungsverlauf ab.
Auto fahren
Sobald Kraft und Beweglichkeit für eine sichere Notbremsung ausreichen.
Büroarbeit
Mit der Möglichkeit, zwischendurch aufzustehen und das Bein hochzulegen.
Körperlich arbeiten
Abhängig vom Ausmaß der Steh-, Geh- und Hebebelastung im Beruf.
Fahrrad fahren
Nach ausreichendem Kraft- und Beweglichkeitsaufbau, zunächst auf ebener Strecke.
Schwimmen
Nach vollständiger Wundheilung, zunächst ohne Brustschwimmen-Beinschlag.
Golf
Nach ausreichendem muskulärem Aufbau und guter Beweglichkeit.
Welche Ergebnisse kann ich erwarten?
Der arthrosebedingte Schmerz bessert sich bei den meisten Patienten deutlich, oft bereits in den ersten Wochen nach der Operation, wie bei der Standard-TEP.
Die Beweglichkeit des Kniegelenks verbessert sich in der Regel spürbar, eine vollständige Beugung wie in einem gesunden Knie wird jedoch nicht immer erreicht. Die individuelle Passform soll dabei eine möglichst anatomiegerechte Nachbildung Ihres Kniegelenks ermöglichen.
Welche Risiken bestehen?
Allgemeine Operationsrisiken
Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion, Narkoserisiken sowie ein Thrombose- und Embolierisiko. Zur Vorbeugung wird routinemäßig eine medikamentöse Thromboseprophylaxe eingesetzt.
Spezifische Risiken dieser Operation
Die Risiken entsprechen im Wesentlichen denen einer Standard-Knie-TEP: Selten kann es zu einer Verletzung von Nerven oder Gefäßen in der Umgebung des Kniegelenks kommen, trotz Reha kann bei manchen Patienten eine gewisse Bewegungseinschränkung bestehen bleiben, und bei einem Sturz auf das operierte Bein kann es zu einer periprothetischen Fraktur kommen. Da die patientenspezifischen Instrumente und die Prothesenkomponente vorab anhand der CT-Planung gefertigt werden, ist eine kurzfristige intraoperative Anpassung an unvorhergesehene Befunde grundsätzlich eingeschränkter möglich als bei einem Standardimplantat mit breiter Größenauswahl.
Langfristige Risiken
Wie jedes künstliche Gelenk kann sich eine Knieprothese im Lauf der Jahre lockern oder die Kunststoff-Gleitfläche abnutzen; auch eine periprothetische Infektion ist in seltenen Fällen möglich und kann eine Wechseloperation erforderlich machen. Da es sich bei der Symbios-Individualprothese um ein im Vergleich zur Standard-TEP jüngeres, individualisiertes Verfahren handelt, liegen zu diesen langfristigen Aspekten bislang weniger umfangreiche vergleichende Daten vor als zur etablierten Standardprothese.
Worauf sollten Sie nach der Operation achten?
Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden
- Fieber
- Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
- Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
- Plötzliche Bewegungseinschränkung oder ein Instabilitätsgefühl im Kniegelenk
- Schwellung, Schmerz oder Überwärmung der Wade (mögliches Zeichen einer Thrombose)
- Atemnot
- Ein Sturz auf das operierte Bein
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.
Die Symbios-Individualprothese bei MedArtes
Ob eine individuell gefertigte Prothese für Sie infrage kommt oder ob eine Standard-Totalendoprothese, ggf. roboterassistiert implantiert, für Ihre Anatomie geeigneter ist, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, der klinischen Untersuchung und Ihrer Bildgebung. Wir besprechen offen mit Ihnen, welches Verfahren im Einzelfall die plausiblere Passform verspricht, und begleiten Sie durch Planung, Operation und Nachbehandlung.
Ihre Spezialisten für das Knie
Dr. med. Sven Hartmann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
PD Dr. med. Dipl.-Ing. Florian Völlner
Prof. Dr. med. Dr. med. univ. Günther Maderbacher, MHBA
Prof. Dr. med. Franz Xaver Köck
Prof. Dr. med. habil. Jürgen Götz, MHBA
Häufig gestellte Fragen zur Symbios-Individualprothese
Ist eine Individualprothese besser als eine Standardprothese?
Das lässt sich nicht pauschal so sagen. Für die Symbios-Individualprothese liegt bislang keine umfangreiche vergleichende Langzeitevidenz gegenüber der etablierten Standard-Totalendoprothese vor. Sie ist als sinnvolle, individualisierte Option in ausgewählten Fällen einzuordnen, nicht als generell nachgewiesen überlegen. Die Standard-TEP bleibt für die meisten Patienten das bewährte, breit evidenzbasierte Standardverfahren.
Für wen kommt eine Individualprothese infrage?
Vor allem für Patienten mit besonderen anatomischen Voraussetzungen, bei denen ein Standardimplantat aus einer begrenzten Größenreihe erfahrungsgemäß schlechter passt, etwa bei ungewöhnlichen Formverhältnissen des Kniegelenks oder ausgeprägten Achs- und Formabweichungen. Ob dies bei Ihnen der Fall ist, klären wir anhand Ihrer Bildgebung.
Wie lange dauert die Planung vorab?
Für CT, digitale 3D-Planung und die anschließende Fertigung der individuellen Prothesenkomponente sowie der Schnittinstrumente werden in der Regel mehrere Wochen vor dem OP-Termin benötigt. Der genaue Zeitrahmen wird individuell mit Ihnen abgestimmt.
Unterscheidet sich die Reha von einer Standard-Knie-TEP?
Nein, grundsätzlich nicht. Der postoperative Ablauf, der Krankenhausaufenthalt und die Reha-Timeline folgen demselben Schema wie bei der Standard-TEP. Der Unterschied liegt in der vorausgehenden Planung und der Passform des Implantats, nicht in der Nachbehandlung.
Was ist der Unterschied zur roboterassistierten TEP (VELYS)?
Bei der roboterassistierten Implantation wird ein Standardimplantat computergestützt möglichst präzise positioniert. Bei der Symbios-Individualprothese wird bereits das Implantat selbst patientenspezifisch gefertigt. Es handelt sich um unterschiedliche technische Ansätze zur Individualisierung der Knieendoprothetik, welcher für Sie geeignet ist, besprechen wir gemeinsam mit Ihnen.
Wie lange hält eine Individualprothese?
Zur Haltbarkeit individuell gefertigter Prothesen liegen im Vergleich zu Standardimplantaten bislang weniger umfangreiche Langzeitdaten vor. Wie bei jeder Knieprothese hängt die tatsächliche Haltbarkeit von individuellen Faktoren wie Aktivitätsniveau, Körpergewicht und Belastung ab und lässt sich nicht pauschal vorhersagen.
Kann ich mit einer Individualprothese wieder Sport treiben?
Gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Nordic Walking sind für die meisten Patienten nach der Reha wieder gut möglich, wie bei der Standard-TEP. Sportarten mit hoher Stoß- oder Drehbelastung sollten individuell mit dem Operateur abgestimmt werden.
Darf ich mit einer Individualprothese ins MRT?
Ja, moderne Knieprothesen sind grundsätzlich MRT-tauglich. Weisen Sie das durchführende Zentrum vorab auf Ihr Implantat hin, damit die Untersuchung entsprechend angepasst werden kann.
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