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Krankheitsbild · Knie

Gonarthrose

Die Gonarthrose ist der Verschleiß des Kniegelenkknorpels und eine der häufigsten Ursachen für Knieschmerzen im höheren Lebensalter. In frühen und mittleren Stadien lässt sie sich meist konservativ behandeln. Bei fortgeschrittenem Verschleiß und ausgeschöpfter konservativer Therapie kann ein Kniegelenkersatz sinnvoll sein, vom Teilgelenkersatz bis zur individuell gefertigten Prothese. Wir erklären, woran Sie eine Gonarthrose erkennen und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

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Beschwerdebild & Hintergrund

Typische Symptome

Typisch für die Gonarthrose ist zu Beginn der sogenannte Anlaufschmerz: Das Knie schmerzt beim Aufstehen oder nach längerem Sitzen und wird nach einigen Schritten besser.

Gonarthrose (Symbolbild)

Mit fortschreitendem Verschleiß nimmt der Belastungsschmerz zu, etwa beim Treppensteigen, längeren Gehstrecken oder Aufstehen aus der Hocke. Viele Patienten bemerken zudem ein Reiben oder Knirschen im Gelenk (Krepitation), gelegentliche Schwellungen nach stärkerer Belastung sowie eine zunehmende Einschränkung der Beweglichkeit, insbesondere beim vollständigen Beugen oder Strecken. In fortgeschrittenen Stadien können die Beschwerden auch in Ruhe oder nachts auftreten.

Häufig geht eine Gonarthrose mit einer Achsfehlstellung einher: Bei einem einseitig betonten Verschleiß der Innenseite des Kniegelenks entsteht häufig ein O-Bein, bei einseitigem Verschleiß der Außenseite eher ein X-Bein.

Schmerzen im vorderen Kniebereich, insbesondere beim Treppabgehen oder längerem Sitzen, können auch auf eine patellofemorale Arthrose hinweisen, einen Verschleiß speziell zwischen Kniescheibe und Oberschenkel, der von der klassischen Gonarthrose des Haupt­gelenks abzugrenzen ist.

Was steckt dahinter?

Aufbau des Kniegelenks

Das Kniegelenk besteht im Wesentlichen aus drei Gelenkabschnitten: dem inneren (medialen) und äußeren (lateralen) Kompartiment zwischen Ober- und Unterschenkel sowie dem Gelenk zwischen Kniescheibe und Oberschenkel. Eine Knorpelschicht überzieht die Gelenkflächen und ermöglicht ein reibungsarmes Gleiten; die Menisken wirken als zusätzliche Stoßdämpfer.

Wie entsteht der Knorpelverschleiß?

Bei der Gonarthrose nutzt sich diese Knorpelschicht ab, wodurch die Gelenkflächen zunehmend direkten Kontakt bekommen. Man unterscheidet die primäre (idiopathische) Gonarthrose, die vor allem altersbedingt entsteht, von der sekundären Gonarthrose, die auf eine erkennbare Ursache zurückgeht, etwa eine Achsfehlstellung, einen früheren Meniskus- oder Bandschaden, einen umschriebenen Knorpelschaden, eine Verletzung oder eine entzündlich-rheumatische Erkrankung.

Risikofaktoren

  • Fortschreitendes Alter und natürlicher Gelenkverschleiß
  • Übergewicht, das die Gelenkbelastung deutlich erhöht
  • Achsfehlstellungen wie O-Bein oder X-Bein
  • Frühere Verletzungen, etwa eine Meniskusläsion oder eine Kreuzbandruptur
  • Genetische Veranlagung
  • Wiederkehrende starke berufliche oder sportliche Belastung des Kniegelenks
Gonarthrose (Symbolbild)
Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

Was ist es?
Ein fortschreitender Verschleiß des Gelenkknorpels im Kniegelenk, der zu Schmerzen und Bewegungseinschränkung führen kann.
Typische Beschwerden
Anlaufschmerz, Belastungsschmerz, gelegentliche Schwellungen sowie mit der Zeit eine zunehmende Bewegungseinschränkung.
Diagnostik
Klinische Untersuchung und ein Röntgenbild des Kniegelenks im Stehen als Basis; ergänzend bei Bedarf eine MRT.
Behandlung
Zunächst konservativ: Gewichtsreduktion, Physiotherapie, gezieltes Training, medikamentöse und ggf. interventionelle Therapie.
Operation notwendig?
Bei fortgeschrittenem Verschleiß und ausgeschöpfter konservativer Therapie kann ein Teil- oder Vollgelenkersatz sinnvoll sein.
Prognose
Konservativ oft gute Beschwerdelinderung möglich; nach einem Kniegelenkersatz berichten die meisten Patienten von deutlich weniger Schmerzen.
Untersuchung

Wie finden wir die Ursache?

Anamnese, körperliche Untersuchung und gezielte Bildgebung. Mehr erfahren

Klinische Untersuchung

Untersucht werden unter anderem die Beweglichkeit des Kniegelenks, ein möglicher Gelenkerguss, die Stabilität der Bänder, die Beinachse sowie Druckschmerzpunkte am Gelenkspalt. Auch der Gang und die Belastung des Knies im Stehen geben wichtige Hinweise.

Röntgen im Stehen

Ein Röntgenbild des Kniegelenks unter Belastung im Stehen ist die Grundlage der Diagnostik. Es zeigt die Verschmälerung des Gelenkspalts als Zeichen des Knorpelverlusts sowie knöcherne Begleitveränderungen. Bei geplanter Operation kann zusätzlich eine Ganzbeinstandaufnahme sinnvoll sein, um die Beinachse exakt zu vermessen.

Weitere Diagnostik

Eine MRT kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn zusätzlich Meniskus-, Band- oder Weichteilschäden abgeklärt werden sollen oder der klinische Befund unklar bleibt. Bei Verdacht auf eine entzündliche Ursache können ergänzend Laboruntersuchungen sinnvoll sein.

Ohne Operation

Konservative Behandlung

Konservative, interventionelle und regenerative Verfahren im Überblick. Mehr erfahren

Die meisten Beschwerden am Knie lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.

Klassische Schmerztherapie und Physiotherapie

Zur konservativen Therapie nutzen wir die orale Schmerzmedikation und Physiotherapie als Basis zur Verbesserung Ihrer Beschwerden.

Sinnvolle Behandlungsoption

Medikamentöse Schmerztherapie

Kurzfristig eingesetzt, um akute Beschwerden zu lindern und Bewegung wieder zu ermöglichen.

Gut etablierte Therapie

Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie

Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung, unter therapeutischer Anleitung strukturiert aufgebaut.

Ergänzende Therapie

Kinesiotaping

Kann begleitend zur Bewegungsunterstützung und als muskuläre Entlastung eingesetzt werden.

Gut etablierte Therapie

Gewichtsreduktion

Eine Reduktion des Körpergewichts senkt die Belastung des Kniegelenks nachweislich und gehört zu den wirksamsten Maßnahmen bei bestehendem Übergewicht.

Sinnvolle Behandlungsoption

Einlagen und Orthesen

Bei leichter Achsabweichung können Einlagen entlastend wirken; achsentlastende Orthesen können bei einseitig betontem Verschleiß eines Kompartiments erwogen werden.

Sinnvolle Behandlungsoption

Hyaluronsäureinfiltration

Wird gelenkintern appliziert und kann bei manchen Patienten die Beschwerden für einen begrenzten Zeitraum lindern. Die Wirkung fällt individuell unterschiedlich aus.

Mehr über die Hyaluronsäure-Therapie erfahren →
Sinnvolle Behandlungsoption

Kortisoninfiltration bei aktivierter Arthrose

Kann bei akuter Reizung mit Erguss kurzfristig entzündungshemmend wirken und die akute Phase überbrücken helfen.

Mehr über die interventionelle Schmerztherapie erfahren →

Regenerative Therapie

Ergänzend zu konservativen und interventionellen Maßnahmen können regenerative Eigenblutverfahren eingesetzt werden. Bei MedArtes setzen wir bewusst auch auf innovative Verfahren der regenerativen Medizin, um Ihnen über etablierte Therapien hinaus zusätzliche, zukunftsorientierte Behandlungsoptionen anzubieten.

Warnzeichen

Wann rasch zum Arzt?

Eine Gonarthrose selbst ist kein Notfall

Der Verschleiß entwickelt sich in der Regel über Jahre. In folgenden Situationen sollte das Knie dennoch zeitnah ärztlich untersucht werden:

  • Deutliche Rötung, Überwärmung, starke Schwellung oder Fieber am Knie, mögliche Zeichen einer akuten Gelenkentzündung oder Infektion
  • Plötzlich einschießende starke Schmerzen, ein Blockierungsgefühl oder eine akute Instabilität, etwa nach einer Verdrehung oder einem Sturz
  • Neu aufgetretene, ausgeprägte Schwellung mit Erguss nach einer Verletzung
  • Zeichen einer Infektion nach einer vorangegangenen Knieoperation oder Gelenkinjektion

Bei Diabetes oder einer bekannten Durchblutungsstörung sollten Beschwerden am Knie generell zeitnah abgeklärt werden, da Infektionen hier schwerer zu erkennen und zu behandeln sind.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen

Muss eine Gonarthrose immer operiert werden?

Nein. In frühen und mittleren Stadien lässt sich der Verlauf häufig über Jahre konservativ begleiten. Eine Operation kommt vor allem dann infrage, wenn trotz ausgeschöpfter konservativer Therapie relevante Beschwerden bestehen bleiben.

Was ist der Unterschied zwischen Teilprothese und Vollprothese?

Bei der Teilprothese wird nur das tatsächlich verschlissene Gelenkkompartiment ersetzt, bei intakten übrigen Gelenkanteilen und Bändern. Die Vollprothese ersetzt die gesamte Gelenkoberfläche und kommt bei fortgeschrittenem Verschleiß mehrerer Kompartimente zum Einsatz.

Was bringt eine roboterassistierte Operation?

Sie unterstützt die individuelle Planung und Ausführung der Knochenschnitte mit dem Ziel einer besonders präzisen Ausrichtung der Prothese. Ob sich dies langfristig auch in besseren klinischen Ergebnissen niederschlägt, ist Gegenstand laufender wissenschaftlicher Untersuchungen.

Für wen eignet sich eine individuell gefertigte Prothese wie von Symbios?

Individuell gefertigte Prothesen können bei besonderen anatomischen Voraussetzungen eine Alternative zu Standardimplantaten sein. Ob dieses Vorgehen für Sie infrage kommt, wird anhand Ihrer Bildgebung im persönlichen Gespräch geprüft.

Wie lange hält eine Knieprothese?

Moderne Prothesen sind in der Regel auf eine langjährige Nutzung ausgelegt. Die tatsächliche Haltbarkeit hängt von individuellen Faktoren wie Aktivitätsniveau, Körpergewicht und Belastung ab und lässt sich nicht pauschal vorhersagen.

Wann darf ich nach der Operation wieder Sport treiben?

Das ist individuell verschieden und richtet sich nach dem Heilungsverlauf sowie der Sportart. Gelenkschonende Sportarten sind häufig früher wieder möglich als Sportarten mit hoher Stoß- oder Drehbelastung. Die genaue Freigabe erfolgt durch den behandelnden Arzt.

Hilft Hyaluronsäure bei Gonarthrose?

Bei manchen Patienten kann eine Hyaluronsäureinfiltration die Beschwerden für einen begrenzten Zeitraum lindern. Die Wirkung ist individuell unterschiedlich und nicht bei jedem Patienten gleich ausgeprägt.

Kann ich mit Gonarthrose noch Sport treiben?

Gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Nordic Walking werden häufig gut vertragen und können die Beweglichkeit sogar unterstützen. Sportarten mit hoher Stoßbelastung oder abrupten Richtungswechseln sollten individuell abgestimmt werden.